Elisabeth und Friedrich Nietzsche. Ihr frühes Bündnis gegen die Zumutungen des Daseins schien unkündbar zu sein. Sie gab sich keine Mühe, einen Mann zu finden. Er gab sich keine Mühe, eine Frau zu finden. Bis doch eine zwischen sie trat, Elisabeth ihren Bruder verstieß und Friedrich Nietzsche die eigene Schwester zu seiner Fernsten erklärte. Zur Strafe heiratet sie: einen Antisemiten.
"Du entkommst mir nicht!", weiß Elisabeth, nachdem ihr Bruder in Turin verhaltensauffällig wird: Er hatte ein geprügeltes Droschkenpferd umarmt. Aber sein Ruhm wächst. Friedrich Nietzsche gilt noch immer als der beliebteste, meistgelesene und meistzitierte Philosoph weltweit. Dass erhalten ist, was er schrieb, ist nicht zuletzt Elisabeths Verdienst.
Drei Mal wird sie für den Nobelpreis vorgeschlagen, gar zur "ersten Frau Europas" erklärt. Friedrich Nietzsche hat seiner kleinen Schwester vieles zugetraut, aber auf den Gedanken, dass sie einmal seine Wirkungsgeschichte mitbestimmen würde, wäre er nie gekommen. In aller Beiläufigkeit widerlegt sie sein Frauenbild.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2017
Rezensentin Juliane Vogel hat Kerstin Deckers Biografie über Elisabeth Förster-Nietzsche mit Gewinn gelesen. Witzig findet sie die spielerische Weise, mit der die Autorin die Besitzansprüche und Expansionsbestrebungen der Nietzsche-Schwester beschreibt, auch wenn sie sich fragt, ob Biografien über Frauen eigentlich stets den Weg der Hineinversetzung gehen müssen. Reizvoll wieder scheint ihr die Balance aus genauem Quellenstudium und Spekulation, die Decker hält. Lehrreich findet sie, dass Decker Förster-Nietzsche nicht als Parteigängerin der Rechten zeichnet, sondern als Strategin mit eigenen Zielen, ohne dass die Autorin eine Rehabilitierung im Sinn hätte. Die negative Überzeichnung vermag Decker dennoch zu korrigieren und die Nachlassfälscherin in ein weniger grelles Licht zu setzen, erklärt Vogel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.03.2017
Jonathan Horstmann hält Kerstin Deckers biografische Erzählung über Elisabeth Förster-Nietzsche für imstande, die der Schwester Friedrich Nietzsches angelasteten Gerüchte und Verfehlungen zu korrigieren. Elegant, unvoreingenommen und akribisch, so Horstmann, wertet die Autorin Briefe und Handschriften aus, stellt dar, wie die Schwester den Missbrauch von Nietzsches Schriften voraussagte und folgt Elisabeths lange und tiege Faszination für Nietzsches Werk. Auch die Ursachen für die enge Beziehung zwischen Schwester und Bruder kann die Autorin dem Rezensenten erhellen.
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