Maurice Blanchot

Der Allerhöchste

Roman
Cover: Der Allerhöchste
Matthes und Seitz, Berlin 2011
ISBN 9783882216271
Gebunden, 408 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger. Mit einem Essay von Maurice Blanchot. Mit der ersten deutschen Übersetzung kann ein großer, ein erstaunlicher, ein monströser Text der literarischen Moderne entdeckt werden, in dem das verschlungene Verhältnis von Krankheit und Gesundheit, Ausgrenzung und Wahnsinn beinahe empathisch vermessen wird. Henri Sorge, gerade erst von einer Krankheit genesen, kehrt in seine Wohnung in einem Mietshaus zurück, das in eine Art Spital umgewandelt worden ist. Wahnvorstellungen bemächtigen sich seiner, die Beziehung zu seinen Mitmenschen wechselt zwischen Abscheu und Hörigkeit, Abhängigkeit und Abstoßung, Größenwahn und Minderwertigkeitsgefühlen. Unentwegt stellt sich Sorge Fragen über die eigene Existenz, gibt seiner Bewunderung der Welt und des sie regierenden Gesetzes Ausdruck. Ständig widerspricht er sich dabei selbst oder negiert das Gesagte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.01.2012

Das Nachwort der kompetenten Übersetzerin möchte Sibylle Cramer nicht missen. Mit dessen Hilfe gelingt ihr die Erhellung der von Maurice Blanchots auf gut existentialistische Weise erzählten Philosophie. Wenn Blanchots Erzähler versucht, mit Heidegger und Beckett das eigene Dasein entlang verschiedener Lebensstationen zu sichern, der eigenen Schizophrenie und einem Familienkonflikt mit orestischen Qualitäten zu entkommen, ist das aber auch dringend nötig. Die Verhältnisse, die erzählten und die erzählerischen, warnt uns Cramer, bleiben instabil. Human und tiefsinnig nennt sie das bereits 1948 im Original erschienene Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2011

Ein richtige Leserim im Falschen möchte Katharina Teutsch sein, muss sie sein, um Maurice Blanchots letzten Roman mit seiner erkentnistheoretischen Wühligkeit überhaupt lesen zu können. Dass der "Philosphenschriftsteller" Blanchot mit der Figur des kleinen Angestellten in existentieller Not in einer Traditionslinie mit Camus, Perec und Houellebecq steht, hilft Teutsch nämlich auch nicht weiter. Eher schon vermag eine spekulative Lektürehaltung Teutsch weiterzuhelfen und die Ahnung, dass dieser Text nicht das Finden der Wahrheit propagiert, sondern die Suche nach ihr. Für Teutsch ist das Buch darum alles andere als eine Erzählung, es ist "reinste Philosophie", Sprach- und Metaphysikkritik, den Figuren in den Mund gelegt, und zum Glück, wie Teutsch zu finden scheint, mit einem brauchbaren Nachwort versehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2011

Die Ähnlichkeiten zu Sartre, Camus und natürlich Kafka entgehen Thomas Laux nicht. Dennoch kann er in Maurice Blanchots düsterem Panorama aus dem Alltag eines in Diensten eines totalitären Regimes stehenden Büroangestellten das intensive und verstörende Unikat erkennen. Die eiskalte, düstere Atmosphäre lässt ihn frösteln und führt ihm die Menschenverachtung des Systems vor Augen. Doch auch als Fallstudie zur Pathologie eines Bürohengstes taugt ihm das Buch vorzüglich.
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