Werner Plumpe

Das kalte Herz

Kapitalismus: die Geschichte einer andauernden Revolution
Cover: Das kalte Herz
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783871347542
Gebunden, 800 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Macht der Kapitalismus wenige reich und viele arm - oder immer mehr immer weniger arm? Nicht erst seit der Finanzkrise ist es wieder üblich geworden, den Kapitalismus für fast alle Übel der Welt verantwortlich zu machen. Dem setzt der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe die Geschichte des Kapitalismus entgegen, die zeigt, wie viele Probleme die kapitalistische Marktwirtschaft gelöst hat - und nur diese. Denn "der" Kapitalismus ist kein System, sondern eine Art der Wirtschaft, bei der der Konsum im Mittelpunkt steht - und zwar der Konsum gerade der wenig vermögenden Menschen, die jahrhundertelang ihrem Schicksal überlassen waren. Nur so ist die ökonomisch erfolgreiche Massenproduktion möglich. Das hat früh Kritik auf sich gezogen, aber Plumpe zeigt, wie die kapitalistische Art des Wirtschaftens darauf reagiert hat, sich immer wieder wandelt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2019

Von der Schuld am "Massenelend" bis zu der am "Massenkonsum" sei dem Kapitalismus schon alles zugeschrieben worden, kaum je komme allerdings das tatsächlich jeweils existierende System des Wirtschaftens in den Blick: Dies ist nach Rezensent Edwin Hurter der Ausgangspunkt des Autors. Dabei ist ein gut lesbares, aber auch anspruchsvolles Buch herausgekommen, findet er. Es geht hier um ein ausführliches Auseinandernehmen der üblichen, oft widersprüchlichen Vorwürfe gegen und um die Herausarbeitung der höchst verschiedenartigen Varianten von Kapitalismus. Fazit der Genauigkeit sei, dass die enorme Anpassungsfähigkeit des kapitalistischen Systems in den Blick kommen kann. So lobt der beeindruckte Rezensent auch die notwendige Anstrengung der Lektüre, denn nur durch genaue Analyse werde man schließlich zur rechten Medizin geführt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2019

Rezensent Dirk Baecker lässt keinen Zweifel daran, dass Werner Plumpes Geschichte des Kapitalismus ein großes Werk ist, Ergebnis jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit der Wirtschaftsgeschichte, den klassischen Theorien und aktueller Literatur. Für Plumpe, erfahren wir von Baecker, verdankt der Kapitalismus seinen "Take-off" weder dem höfischen Luxuskonsum noch der protestantischen Arbeitsethik, sondern der Roggenkultur, die freie Grundherrschaft, gesteigerte Produktivkraft und wachsende Bevölkerungen verband. In den Worten des Ökonomen: "Angebotselastische Arbeit, Technikeinsatz und marktabhängiger Konsum." Aufschlussreich findet der Rezensent auch Plumpes Überlegungen zu Skalenökonomie, staatlicher Regulierung, Werteverschiebung und Duldungsbereitschaft. Nur mit zwei Punkten ist Baecker nicht einverstanden: Plumpe sehe keine individuellen Akteure, sondern nur Gelegenheiten, die von diesen genutzt, aber nicht geschaffen werden. Und er kann überhaupt nicht finden, dass der Kapitalismus ein kaltes Herz hat. Höchstens gegenüber denen, die auf dem Markt erfolglos bleiben. Denn auch wenn er soziale Ungleichheit zur Voraussetzung habe, sei sein Herz doch in Bezug auf Bevölkerungswachstum und Armutsbekämpfung warm. Schließlich sehe Plumpe selbst mit Blick auf die Massenproduktion im Kapitalismus "eine Ökonomie der armen Leute und für arme Leute".

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.02.2019

Marc Reichwein erfährt bei Werner Plumpe, wie gut unser Kapitalismus ist, dass er die Armut besiegt und evolutionär reinzieht, revolutionär ist - doch halt, welcher Kapitalismus? Wie der Autor zugleich die Existenz des einen Kapitalismus in Abrede stellt und also die übliche Systemkritik gleich mit, findet Reichwein famos. Als Naturgewalt kommt der Kapitalismus also daher, stellt Reichwein fest und bedauert, wie wenig naturgewaltig Plumpe das zu fassen weiß. Statt anschaulich und konkret zu erzählen, erklärt und referiert er bloß. Für den Rezensenten umso bedauerlicher, da er lange kein klügeres, kompetenteres Buch über den Kapitalismus gelesen hat.

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