Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

980 Presseschau-Absätze - Seite 43 von 98

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.09.2020 - Design

Muster des Kaiserlichen Palastes. Holzschnitt von Utagawa Kunisada, 1847-1852. Bild: V&A Museum

Die große Schau "Kimono: Kyoto to Catwalk" im V&A Museum in London hat zwar im Detail ihre Schwächen, schreibt Susannah Clapp im Guardian, aber davon abgesehen: Was für eine "Offenbarung. In jedem einzelnen Detail findet sich Ruhm, in den Stoffen, ob nun bestickt oder schabloniert, kühn oder delikat bemustert, zugleich sumptuös und simpel, stumm und strahlend. Sie zeigt lebendig, wie ein Kleidungsstück die Geschichte eines Landes fassen kann. Anhand dessen, wie indischer Chintz und französischer Brokat auftaucht, lassen sich die Konjunkturen des japanischen Handels mit der Außenwelt nachvollziehen. Die Strenge der Luxusgesetze lässt sich anhand der kleinen Gesten beobachten, mit denen sie missachtet wurden: Rote Farbe, für die äußere Schicht eines Kimonos verboten, wurde dafür häufig in Futter und Unterwäsche verwendet. Ein Holzschnitt zeigt eine Frau, die mit einem Gefährten flirtet, indem sie ihren Saum etwas hebt, um ihm dem Hauch einer Ahnung von Scharlachrot darunter zu gewähren."

Außerdem: In der taz gratuliert Marielle Kreienborg der Modeikone Iris Apfel zum 99. Geburtstag. Außerdem bespricht Marina Razumovskaya in der taz den von von Dmitri Dergatchev und Wladimir Velminski herausgegebenen Band "Mode & Revolution".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2020 - Design

In der FAZ kratzt sich Thomas Herrig am Kopf darüber, dass Versace für die musikalische Untermalung eines Werbespots zu Vivaldi und damit schon zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit zu klassischer Musik gegriffen hat: "Soll die Musik der Marke jene Hochwertigkeit und Eleganz bringen, die man dieser Welt gemeinhin zuschreibt? In jedem Fall setzt das italienische Modeunternehmen überraschende neue Impulse bei der digitalen Zielgruppe. Immerhin stehen gerade die Luxusmarken bei den Jüngeren hoch im Kurs und definieren, was angesagt ist. Neben Vivaldi sind noch genügend 'große Klassiker' vorhanden. Vielleicht 'Also sprach Zarathustra' für Gucci? 'Eine kleine Nachtmusik' für Prada? Und Ralph Lauren versucht es mal mit dem 'Walkürenritt'?"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2020 - Design

"Die Socke ist das Sorgenkind der Mode", seufzt Paul Jandl in der NZZ, denn wer mit Socken hantiert, steht eigentlich immer schon einem halben Fuß im Aus dessen, was gerade noch zulässig ist: "Brave Bürger in ihren Brave-Bürger-Anzügen sagen plötzlich: Aber meine Socken, hey!, wenn sie zwischen grauer Hose und Komfortschuh buntfarbig Zweifelhaftes tragen. Socken! Mit keinem anderen Kleidungsstück kann man so schnell in No-go-Bereiche tappen, vor denen uns die Anziehgouvernanten und Karrierecoaches warnen. Zu Anzügen immer Strümpfe, niemals Socken. Zu Sandalen weder Socken noch Strümpfe. Beim Geschlechtsakt auch keine Socken. Wann denn überhaupt?"
Stichwörter: Socken, Hose

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2020 - Design

Zweihundert Jahre Plakatkunst bestaunt Katharina Rudolph in der FAZ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, das ihr in einer großen Ausstellung nicht nur Plakate von Deutschland, Frankreich über Polen, Spanien und Russland bis nach Japan und Myanmar zeigt, sondern auch einige Überraschungen bietet: "Zum Beispiel, dass der öffentliche Aushang in Deutschland bis zur Revolution 1848 nur der Obrigkeit gestattet war, weshalb man sich in Sachen Reklame auf anderen Wegen zu helfen wusste. Frühe Theaterwerbung wurde in allseits bekannten privaten Hausfluren plaziert und die für 'Martins Bier' ganz einfach auf der Speisetafel eines Berliner Restaurants."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.08.2020 - Design

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Das Museum of Ice Cream in New York "ist ein Hit", versichert Sarah Pines in der NZZ, leicht verwirrt von der quietschbunten Fröhlichkeit, die sie dort überfällt. Ein Ort, "in dem Menschen mit Eiswaffelhut in Badewannen mit künstlichem Sorbet baden und sich mit French Vanilla und Coconut-Swirl anreden? Der Ort ist innen und außen rosa. Die Gänge sind rosa, Decken und Böden sind rosa. Und in allen nur möglichen Schattierungen von Rosa gekleidete junge Menschen mit himbeerfarbenem Käppchen und frohen Gesichtern heissen die Besucher willkommen. ... Das Museum ist ein Hybrid aus Erlebnisort, Hashtag und Freizeitpark. Jeder Raum hat ein Motto, das irgendwie lose mit Eis verknüpft ist: pinkfarbenes Trampolin, mit Streuseln ausgelegte kleine Zelle, Tisch mit glitzrigen Porzellankuchen - 'O mein Gott, sind die echt?'. Im ersten Raum tanzt eine dünne Frau mit Eiswaffelhut und singt mit wackeliger Kabarettstimme 'Dreams of Ice-cre-ee-am'."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2020 - Design

Kansai Yamamoto ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Bekannt wurde der japanische Modedesigner vor allem mit seinen extravaganten Entwürfen für David Bowie. "Sie sind die Textil-Ikonen des Glam-Rock schlechthin, jener Ära, in der die Geschlechtergrenzen mit viel Make-up, Pailletten und Flitter überdeckt wurden und deren Held ein selbsterklärter Außerirdischer war", schreibt Jürg Zbinden in der NZZ. Und Thomas Hahn ergänzt in der SZ: "Bei Yamamoto war Mode ein Ausdruck von Leidenschaft und bejahendem Lebensgefühl, ein Bekenntnis zum Chaos der Farben und zum Nebeneinander von Tradition und Moderne."

Das ginge so heute wohl nicht mehr durch:

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.07.2020 - Design

"Der Mensch verlernt, was man Material-Intelligenz nennen könnte", tadelt Eduard Kaeser in der NZZ und meint damit "eine vitale Direktheit zum Stoff, Kenntnis und Gespür für das Woraus der Dinge." Selbst "Leute, die professionell mit Materie betraut und vertraut sind, sind zu Spezialisten geworden. Sie haben vielleicht ein vertieftes, aber dadurch verengtes Wissen." Digitaler Weltanschauung liegt eine Verkümmerung der Perspektiven zugrunde, meint er: "Ein Stuhl ist nicht eine Sammlung von Informationen. Er lässt sich nicht googeln. Ein Stuhl ist ein Stuhl ist ein Stuhl. Eine umwerfende Trivialität, von akuter Brisanz. ... Die ganze gepimpte Armatur an Apps und Gadgets erweist sich im Grunde als technisch erweiterte Beschränktheit. Nichts wird verstanden, was nicht zuerst in den Sinnen war."

Die Herausforderungen für den Alttextilmarkt hat Heike Holdinghausen für die taz recherchiert: Dort wird die Lage zusehends desolater, weil immer mehr Billigkleidung produziert und verkauft wird. "Von sinnvoll geschlossenen Kreisläufen sei kaum ein Sektor so weit entfernt wie der Textilsektor. 'Wenn die Hersteller die Kleidung so produzieren, dass sie nur sechs bis sieben Maschinenwäschen halten', sagt Müller von Fairwertung, 'dann können sie die auch nicht mehr ordentlich Second Hand gebrauchen.' Nicht mal mehr zu Putzlumpen können viele alte Klamotten verarbeitet werden - ihr Kunststoffanteil ist zu hoch."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.07.2020 - Design

Selbst die Haute Couture zeigt ihre Schauen jetzt digital, berichtet Marion Löhndorf in der NZZ, und damit auch einem Massenpublikum zugänglich. Einige werden dabei ausgesprochen kreativ: "Azzarro Couture präsentierte ein Musikvideo der belgischen Musikerin Sylvie Kreusch, die schon mit den Modefirmen Prada und Ann Demeulemeester in ähnlichen Projekten zusammengearbeitet hatte. Andere Couturiers gehen auf die Pandemie ein, wie Rahul Mishra und Yuima Nakazato: Der Inder unterlegte seinen Clip mit einem eigenen auf Covid-19 bezogenen Kommentar und präsentierte einige Modelle mit Atemschutz. Der Japaner Yuima Nakazato suchte im Lockdown das Gespräch mit seinen Kunden und hatte eine großartige Idee dazu. Er bat 25 von ihnen, ihm ein weißes Hemd zu schicken und ihm die dazu gehörige Geschichte zu erzählen: Er retournierte die Stücke danach vollkommen verändert, inspiriert von den Geschichten und Wünschen seiner Kunden."

Hier Matteo Garrones Film zur Dior-Kollektion:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.07.2020 - Design

In Paris zeigen die Modedesigner gerade ihre Frühlingskollektionen für die Herren 2021, zumeist online. Navaz Batliwalla haben besonders die Kollektionen für Berloti und Loewe gefallen, erzählt sie in ihrem Blog Disneyrollergirl. Für Berloti ließ sich Designer Kris van Assche von den Arbeiten des Keramikers Brian Rochefort, seinem Umgang mit Farben und Texturen inspirieren. Die Prints, die Assche in diesem Video zeigt, in dem er sich auch mit Rochefort über die Zusammenarbeit unterhält, sind wirklich fantastisch!



Gut gefallen hat Batliwalla auch Jonathan Andersons Show für Loewe: "Andersons Herrenkollektion ist wunderschön ohne den 'Lärm' des Showbusiness. Sie zeigt Ankläge an Korbflechterei, Shibori-Techniken und Wandteppiche, die in architektonische Formen übersetzt wurden, die auf Schaufensterpuppen in einer ruhigen Studioumgebung ausgestellt wurden. Das funktioniert gut, aber noch besser, wenn man die dazugehörige Erklärung hat. Die Trenchcoats und Shibori-Stücke sind meine Favoriten, zusammen mit den Taschen. Ich dachte zuerst, dies sei die Vorkollektion der Frauen, was zeigt, dass geschlechtsspezifische Kleidung irgendwie sinnlos ist." Hier das Video zu Loewe, in dem Anderson auch seine Ideen erklärt:



Wenn wir schon mal über Architektur in der Mode reden, sei auch noch auf die Kollektion von Dolce und Gabbana hingewiesen, die sich von Gio Pontis Parco dei Principi Hotel in Sorrento inspirieren ließen. "Oft waren die Verbindungen einfach kosmetischer Natur", meint in der Vogue Luke Leitch: "die schönen blauen Kachelmuster im Hotel waren hübsche Ergänzungen für einen Seidensarongs, einen gerippten 'Neoprenanzug' (der mit einem urkomischen kleinen Surfbrett gemodelt wurde), für Bademäntel, Hosen und Hemden. Komplexer war die Reproduktion in voll proportionierten Strickpullovern oder anders gewaschenen Patchwork-Teilen auf Jeans. Pontis Hotel war kein Neubau, sondern um ein bereits bestehendes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert herum gebaut worden, das sich ebenfalls in den mediterranen Kontext einfügen sollte, daher die blauen Fliesen. Heute haben Dolce & Gabbana etwas Neues aus der bereits bestehenden Architektur der Schneiderei gemacht, indem sie breite Hosen mit gefältelter Rückseite als Grundlage für schlanke Jacken vorschlugen, deren Abnäher mit Stecknadeln markiert waren."

Hier die ganze Kollektion. Und hier das Video:



Außerdem: In der Jungle World stellt Tal Leder das israelische Modelabel Palta vor, das inklusive Mode entwirft.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.07.2020 - Design

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Das Frankfurter MAK zeigt Kleider und Entwürfe der japanischen Designerin Rei Kawakubo, die "ihre Modephilosophie zunächst in Opposition zur konservativen japanischen Mode" schuf, erklärt Michael Suckow im Freitag: "Die Kritik war anfangs schockiert, schimpfte 'Quasimodo-Style' und 'Hiroshima-Chic' und goutierte erst mit der Zeit, dann aber vollkommen, den Einbruch von (ästhetischer) Armut, von No-Future-Angst und gerade die Ignoranz gegenüber westlichen Konventionen von Schönheit in der Welt der Haute Couture." Der Grund für die Aufregung: Kawakubo verstieß aufs Heftigste "gegen die konventionellen Proportionen der weiblichen Körperkontur".

Von einer Kuriosität wie aus einem Roman von Thomas Pynchon berichtet Jens Wiesner in Monopol: Jahrzehntelang hat die DDR Orientteppiche aus dem VEB Halbmond exportiert - und zwar in die Länder des Orients. Richtig gut ging etwa der Teppich "Täbris Super", der "Exportschlager unter den DDR-Orientteppichen", der dann im arabischen Teil Jerusalems an Touristen aus aller Herren Länder vertickt wurde: "'Diese Touristen kaufen gern eine Täbris-Brücke, nehmen sie mit nach Hause und berichten ihren Angehörigen, dass diese Brücke eben aus dem heiligen Jerusalem stammt', so Dietzel. Dass die verhältnismäßig günstige Brücke überhaupt nicht im Orient produziert wurde, nehmen viele in Kauf - oder sie haben das Etikett mit dem Halbmond und dem Vermerk 'Täbris Super' schlicht übersehen."