Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.02.2017 - Design

Das politische Statement ist in die Mode zurückgekehrt, stellt Katharina Pfannkuch vom Zeit Magazin nach dem Besuch der New York Fashion Week fest: "Der mexikanisch-amerikanische Designer Raul Solis von LRS druckte 'No Ban, No Wall' auf Unterhosen. Das Label Public School zitierte die roten Baseballcaps der Trump-Anhänger, nur prangte auf den Kappen der Aufdruck 'Make America New York'. Jeremy Scott machte seine Models zu wandelnden Telefonbüchern - auf den T-Shirts seiner Kollektion standen die Namen und Nummern von US-Senatoren. Eine modische Multiplikation des Aufrufs von Filmemacher Michael Moore, der forderte, dass jeder US-Bürger nun täglich seinen Repräsentanten im Senat über seinen Trump-Unmut informieren sollte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.01.2017 - Design

Der Deutschlandfunk bringt ein großes Feature von Manuel Gogos über den Modedesigner Kostas Murkudis, dessen Arbeiten ihren Weg schon seit längerem auch ins Museum gefunden haben und dort das Bündnis mit anderen Künsten suchen. Dazu passend hier eine Zusammenarbeit mit Carsten Nicolai, besser bekannt als Alva Noto:


Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.01.2017 - Design

In Berlin ist die Fashion Week zu Ende gegangen. Für schnelle ästhetische Eindrücke ist #berlinfashionweek auf Instagram zu empfehlen, wo es tausende Bilder gibt. Aber auch an journalistischer Aufarbeitung mangelt es nicht. Der Aufstieg des Rechtspopulismus hat die Designer kaltgelassen, ist etwa Mareike Nieberding vom ZeitMagazin aufgefallen: "im Gegenteil: Sie kleideten ihre Modelle seriöser und gleichzeitig farbenfroher und selbstironischer als je zuvor. Rechtspopulismus? Wird von überdimensionierten Mänteln wegumarmt und kalte Seelen von wadenlangen Wollkleidern gewärmt. ... Die Botschaft? In diesen turbulenten Zeiten muss die Mode ein Grund zur Freude bleiben und Halt bieten. Sie soll Selbstbewusstsein signalisieren, aber nicht rechthaberisch wirken. Das Medium dieser Message? Die Farbe Pink."

Von vornherein allein den ästhetischen Genüssen hingegeben haben sich die Korrespondenten von FAZ.net. Aufgefallen ist ihnen besonders der Designer Vladimir Karaleev, der "seiner Zeit voraus" sei und es verstehe, "grauen Rippstrick mit Spannung aufzuladen, sogar mit attitude... Karaleev hat für Dekonstruktion eben ein besonderes Händchen. Bei einer Jacke ist oben einfach mal unten - und der Kragen hängt als dekorativer Volant auf der Hüfte. Seine Linienführung wird durch die verschiedenen Materialien nur besser: Seide zu Nylon-Stepp, Seide zu festem Filz."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.01.2017 - Design

Es gibt kaum etwas deprimierenderes als alte Menschen mit diesen fürchterlichen Gehhilfen zu sehen, die heute angeboten werden. Praktisch gesehen ein Segen, aber ästhetisch eine Zumutung. Wie wärs statt dessen mit diesem fantastischen Roller von PriestmanGoode, den das Londoner Designbüro für die Ausstellung New Old im Londoner Design Museum entworfen hat? Alice Morby stellt ihn in Dezeen vor: Er hat drei Räder, das Trittbrett ist hochklappbar. "A basket at the front operates as a shopping trolly, while an optional seat and electric power mode takes strain off users when they are less able to walk. The scooter could even register regular routes, as well as recognising and learning where there are unsteady sections of pavement. The studio also envisages it having a 'take me home' function for users with mild forms of dementia."
Stichwörter: Rouen, Basken

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.01.2017 - Design

Auf Dezeen stellt Emma Tucker das niederländische Modelabel ByBorre vor. Zusammen mit dem Dominikanernorden haben sie aus ultramodernen Stoffen eine Unisex-Variante der Mönchsrobe geschaffen: "When designing the collection, ByBorre researched the history of the order, which was established over 800 years ago. They discovered that, while traditionally Dominicans would only wear a habit, these days followers wear it on top of everyday clothes. 'When the Dominicans walked the streets, they wanted to be normal not drawing attention to themselves,' said ByBorre founder and creative director Borre Akkersdijk, who has also designed an all-in-one suit that cleans pollution from the air. 'Ironically, this is how they get noticed nowadays. We wanted to go back to the essence of the piece of clothing: showing that you are one with the people around you.'" ByBorre will die Schnitte als Open source online stellen, aber noch ist auf ihrer Website von dem Projekt nichts davon zu sehen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.01.2017 - Design


Trinkservice No.248. von Adolf Loos für die Firma Lobmeyr entworfen


In der Ausstellung "Das Glas der Architekten" im Wiener MAK erfährt Almuth Spiegler, was den Avantgardisten und Ornament-Verächter Adolf Loos an der Glaskunst so faszinierte, die heute so tantig und unmodern wirkt. Und sie lernt, dass "schlichte zylindrische Gläser mit geraden Wänden" zum Schwierigsten überhaupt in der Glasbläserei gehören: "Nur wer das Glas zu Ende neigt, wird belohnt: Der Boden ist nicht klar wie der Rest, sondern mit zart mattem Brillantschliff gekachelt, nach der Idee des sogenannten Napoleon-Glases in der Schatzkammer des KHM von 1829. Denn das Ornament, das es in aller Perfektion schon gebe, solle man kopieren. Nur ja nicht variieren, so Loos. Genau das taten seine ästhetischen Feinde der Wiener Werkstätten rund um Josef Hoffmann allerdings mit Leidenschaft. So viel zum Kampf der Geschmacksgiganten, der bis heute nicht eindeutig entschieden ist.

Die Moderne ist auf dem Rückzug, dafür strebt jetzt auch Birkenstock mit Wohlfühlbetten in den Möbelmarkt, stellt Gerhard Matzig von der SZ beim Besuch der Möbelmesse in Köln fest. Er vermutet dahinter einen Trend: "Das dezent esoterische Wohnen dient als Schutzmechanismus gegen fast jede Unbill. So belegen die immer etwas gerontologisch aussehenden Anti-Stress-Möbel ganze Hallen der Messe. ... Manche Sofas und Betten haben auch Baldachine - um sich dahinter vor der Welt zu verstecken. Das Cocooning-Mobiliar wird also immer auffälliger. Nicht unbedingt auch immer raffinierter." (Foto: Das Bett Canberra der Firma Birkenstock)

Anlässlich der Ausstellung "Les Suisses de Paris" im Museum für Gestaltung in Zürich schreibt Katrin Schregenberger in der NZZ über den Schweizer Grafiker Jean Widmer.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2017 - Design


Design Museum Dharavi, Mumbai 2016

Schwer beeindruckt vom Können lokaler Handwerker und Künstler in Dharavi, einem der ärmsten Stadtteile Mumbais, haben die niederländische Kunsthistorikerin Amanda Pinatih und der spanische Künstler Jorge Mañes Rubio ein Designmuseum aufgebaut. Eigentlich eine wunderbare Idee, aber es zeigt auch den Spagat, den Künstler heute zwischen Identitätsgeklingel und einer Öffnung zum globalen Markt hinlegen müssen: "Design Museum Dharavi springs from practices that saw the involvement of the local community, and it represents a precise, unique identity which belongs to that place alone", erklärten die beiden im Interview mit Domus. Aber natürlich verändert ihr Museum diese "einzigartige Identität", wie die beiden zugeben: "A few weeks ago we received a photo of one of the potters whom we worked with for the first exhibition. Mitul has launched the production of a new series of saucepans, uniting more traditional pieces with the collection that he created for DMD. During this collaboration we pushed the artisans to take great steps forward: the concept of new products made with traditional techniques, new ways of creating objects and shapes that were impossible for existing products. This experimentation is a novelty for local manufacturers who don't normally have the time or resources to do it."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.01.2017 - Design

In der FAZ porträtiert Alfons Kaiser die Modemacherin Maria Giovanna Paone, die als Tochter des Kiton-Gründers Ciro Paone Maßschneiderei jetzt auch für Frauen anbietetl - in einer Zeit, da immer weniger Anzüge getragen werden: "Noch heute wird in Arzano bei Neapel jeder einzelne Anzug von Hand genäht, ungefüttert, wie man es im Süden Italiens und inzwischen in der ganzen Welt liebt, und natürlich teuer, von 5000 Euro an aufwärts."

Felicitas Wilke stellt in der SZ die Firma Guðrun & Guðrun vor, die sehr erfolgreich Wollpullover von den Faröer Inseln verkauft. Und diese Fotostrecke auf ZeitOnline zeigt Dandys, die auf keinen Fall Hipster-Opas genannt werden dürfen.
Stichwörter: Färöer Inseln, Neapel, Hipster

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.01.2017 - Design

Gerhard Matzig würdigt in der SZ das Iphone als Stilikone: "Die Form triumphiert letztlich über die Funktion."  (mehr bei 9Punkt) Wolfgang Ullrich rühmt in der Zeit die Wagenfeld-Lampe: "Sie soll mehr bieten als perfektionierten Funktionalismus." Ein neuer Trakt im Design Museum in Kopenhagen widmet sich dem Stuhl, berichtet Thomas Steinfeld in der SZ.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.01.2017 - Design

Bernd Graff schreibt in der SZ über den Siegeszug der Infografik in den Medien. Dass diese überhand nehmen liegt seiner Ansicht auch an der neuartigen Informatiosflut, seit sich die Datenströme mit der Digitalisierung explosionsartig vervielfacht haben. " Es besteht also heute mehr denn je der Bedarf an einem Wiedergewinn von Übersichtlichkeit. ... [Infografiken] vermitteln ein Verständnis von Welt. Die oft schockierenden Bilder der Kriegsfotografie mögen die unmittelbare Wirklichkeit belegen. Doch gegen die Deutungshoheit der Infografik bleiben sie schlichte Dokumente."

Auffällig häufig standen Carlo Mollinos Möbel am Ende des vergangenen Jahres auf den Spitzenpositionen der Auktionen im Designmarkt, ist Alexander Hosch von der SZ aufgefallen. Was ist das Besondere an diesen Möbelstücken des 1973 verstorbenen Designers? "Mollino war, trotz der technischen Ästhetik, emotional auf die Vergangenheit bezogen. Seine Tischkonstruktionen lassen oft eher an den Jugendstil denken als an die Nachkriegsjahre. ... Mollino oszillierte als Architekt, Designer, Autorennfahrer, Flieger und Fotograf erfolgreich zwischen Art Déco und Futurismus. Hinzu kam eine Neigung für Surrealistisches: Manche der hölzernen Möbelkonstruktionen aus Ahorn und Eiche erscheinen wie Bildausschnitte von Salvador Dali. Als Person wirkte Mollino aufreizend viril, seine Möbel dagegen sind grazil und grotesk."