In der Ausstellung "Brigitte Meier-Denninghoff. Skulpturen und Zeichnungen 1946-1970" in der Berlinischen GalerieentdecktTagesspiegel-Kritikerin Elke Buchholz die Bildhauerin als eigenständige Künstlerin, der nicht nur als Teil des Künstlerduos Matschinsky-Denninghoff mit ihrem Ehemann Aufmerksamkeit gebührt: "Das Hochgebirge hatte es ihr angetan, das sie als begeisterte Bergsteigerin von München aus entdeckte. Landschaftsartige Plastiken aus Holz verwandeln die himmelstrebenden Berggipfel in abstrakte Formen, auch der Wald wird im Reliefbild reine Struktur. So bleibt es bei Meier-Denninghoff immer: Ihre gegenstandslose Formenwelt speist sich aus dem Erlebten, oft Organischen. Dadurch bleiben sie zugänglich und anschlussfähig für die Assoziationen der Betrachtenden."
Mark Leckey, Shades of Destructors, 2005, Video, 18'30″. Courtesy of the artist, Gladstone Gallery, Brussels/New York and Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York. "Halluziniere ich, oder hat mir der Smiley-Sticker auf dem Subway-Plan gerade wirklich zugezwinkert?" fragt sich FAS-Kritiker Jonathan Guggenberger bei der Mark Leckey - Retrospektive in der Julia Stoschek Foundation in Berlin. Der britische Künstler, der in jungen Jahren leidenschaftlicher Raver war, spielt in seinen Arbeiten ein "präzises Verunsicherungsspiel mit Wahrnehmungszuständen", so Guggenberger: "Zum Beispiel GreenScreenRefrigeratorAction von 2015, einem sprechenden Kühlschrank, der monolithisch vor einem Green-Screen thront und über sein Dasein sinniert. Überhaupt denken die magisch belebten Dinge in dieser Ausstellung oft und laut über sich selbst nach. Geht man weiter ins Kellergeschoss, findet man in einem stockdunklen Lagerraum, zwischen Transportkisten sitzend, eine überlebensgroße Skulptur in Denkerpose, das Abbild des Künstlers, übersät mit offenen Wunden, wie ein Leprakranker oder ein Fixer."
Weiteres: In der FAZ erklärt Patrick Bahners Details zum von Mondrian-Erben angestrengten Verfahren gegen die Stadt Krefeld (unser Resümee). Im Tagesspiegel erzählt Michaela Nolte von ihrem Besuch der Messe Positions Berlin Art Fair, die im Flughafen Tempelhof stattfindet. Besprochen werden die Ausstellung "Von Renoir bis Warhol" im Osthaus Museum in Hagen (FAZ), die Ausstellung "Daniel Josefsohn. Unseen" in der Galerie Krone in Berlin (FAS), die Ausstellung "Pixelprojekt Ruhrgebiet. Neuaufnahmen 2024/2025" im Wissenschaftspark Gelsenkirchen (taz) und die Ausstellung "Issy Wood: Magic Bullet" im Schinkel Pavillon in Berlin (tsp).
Ernst Ludwig Kirchner: "Alpsonntag. Szene am Brunnen". 1923-24. Copyright: Kunstmuseum Bern Im Jahr 1933 widmete die Kunsthalle Bern Ernst Ludwig Kirchner seine erste große Retrospektive - und Kirchner überließ nichts dem Zufall: Die 240 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen wählte er selbst aus - die Kritiken schrieb er unter Pseudonym, erinnert Philipp Meier in der NZZ. Das Kunstmuseum Bern hat die Ausstellung nun unter dem Titel "Kirchner x Kirchner" rekonstruiert und Meier kann nur staunen: "Die von Kirchner selber gut dokumentierte Schau ist ein Lehrgang für jeden angehenden Kurator. Sie zeigt, wie man Bilder hängt, kombiniert, auch farblich aufeinander abstimmt, Bildachsen schafft, damit Kunst und Architektur zum Erfahrungsraum verschmelzen und zum großen Seherlebnis werden. 'Eine Ausstellung fertig und formal richtig hängen ist ja dasselbe als wie ein Bild gestalten', schrieb Kirchner damals an Max Huggler. Er verstand seine Ausstellung nicht bloß als Leistungsschau, sondern auch als kompositorischen Akt, wenn nicht gar als eigentliches Gesamtkunstwerk."
Weitere Artikel: In der SZ ruft Christine Knödler der Kinderbuch-Illustratorin Jutta Bauer nach, die im Alter von 70 Jahren gestorben ist, in der FAZ schreibt Andreas Platthaus. An die Stärke und Resilienz iranischer Frauen wird Ferial Nadja Karrasch (Monopol) erinnert, wenn im Rahmen der Berlin Art Week im Haus der Visionäre die von der Galeristin Anahita Sadighi kuratierte Ausstellung "Soft Power" zu sehen ist. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Feuer und Flamme dem Patriarchat. Petra Galls Fotos der FrauenLesben-Szene" im Schwulen Museum (taz).
Ugo Rondinone: humanskytwo, 2022. Copyright: Ugo Rondinone Courtesy of Galerie Eva Presenhuber Zürich/Wien Selten hat Jens Fischer (taz) so fasziniert in den bewölkten Himmel geschaut wie in der Ausstellung "Dem Himmel so nah - Wolken in der Kunst" in der Kunsthalle Emden, die sich den Interpretationen des bewölkten Himmels in der bildenden Kunst seit dem 19. Jahrhundert widmet: "Für anregende Irritation sorgt Nasan Tur. Er zeigt reizvolle Wolkengebilde, die allerdings stark gerastert sind, da es sich um vergrößerte Ausschnitte von Zeitungsbildern handelt, die in Gänze vor allem Kriegsszenen zeigen. Tur stellt aber nur den himmlischen oberen Teil der Fotos aus. Dazu notiert er, über welcher Gewaltszenerie die mit Asche, Rauch und Staub beladenen Wolken schweben, lenkt so den Blick von der Schönheit da oben auf die ursächlichen Bestialitäten darunter. Ähnlich arbeitet Almut Linde. Ihr fotografischer Blick gen Himmel zeigt ein malerisches Kondensstreifengeflecht - mit dem Wissen, dass es sich um abhebende Treibhausgas-Emittenten am letzten Tag der Weltklimakonferenz 2019 in Madrid handelt, ist die Wahrnehmung sofort eine inhaltliche."
Die Zeit erscheint heute mit einer Beilage zum Kulturherbst. Tobias Timm besucht den Maler Hans Ticha, dem die Kunsthalle Rostock eine große Retrospektive widmet und der als "wichtigster noch lebender Künstler der DDR-Kunstgeschichte" gilt, so Timm. Im Osten, aber auch im Westen wurde Ticha vor allem für Buch-Illustrationen berühmt, erst nach dem Fall der Mauer wurde bekannt, dass Ticha seit den 1960er Jahren auch ein großes malerisches Oeuvre geschaffen hatte: "Gemälde, die in mindestens so knalligen Farben wie seine Haustür leuchten, vom Stil her mal an die runden Formen von Fernand Léger erinnern, mal an die Bilder von Oskar Schlemmer und dann wieder an den russischen Konstruktivismus der 1920er-Jahre. Manche behaupten, Hans Ticha sei der größte deutsche Vertreter der Pop-Art. Er selbst kann mit der Zuschreibung nicht viel anfangen. Seinen Stil hat er selbst einmal Agitpop genannt. Hochgradig verdichtet und zu ironischen Typen stilisiert, tauchen auf seinen Gemälden all die Mitklatscher und Hochrufer auf, das Jubelpersonal der SED-Parteidiktatur."
Außerdem in der Zeit-Beilage: Peter Kümmel empfiehlt die Ausstellung "Mika Rottenberg. Queer Ecology" im Lehmbruck-Museum in Duisburg. Und Jens Balzer staunt, dass sich mit den Ausstellungen "Geister. Dem Übernatürlichen auf der Spur" im Kunstmuseum Basel, "Verborgene Moderne: Faszination des Okkulten um 1900" im Wiener Leopold Museum und "Geister" in der Kunsthalle Osnabrück gleich drei Ausstellungen dem Übersinnlichen widmen.
Weitere Artikel: Für den Tagesspiegel porträtiert Birgit Rieger das Berliner Künstlerduo Bianca Kennedy + Swan Collective, das während der Berlin Art Week in der Ausstellung "The Red Queen Effect" in der Schering Stiftung die Auswirkungen von KI auf Pflanzen, Tiere und Menschen untersucht. Anna Meinecke wandert für die taz durch die Wilhelm Hallen in Reinickendorf, wo Galerien, Sammlungen und Künstler beim Festival "Hallen 06" ihre Kunst präsentieren.
Exhibition view "Asta Gröting. A Wolf, Primates and a Breathing Curve", Photo: Städel Museum - Norbert Miguletz Eine Ausstellung, die einer Bildhauerin gewidmet ist - und ausschließlich Videoarbeiten zeigt? Nur auf den ersten Blick ist das ein sonderbares Konzept, lernt FAZler Stefan Trinks im Frankfurter Städel. Dort stellt Asta Gröting aus, eine Künstlerin, die sich darauf versteht, das skulpturale Potenzial von Bewegtbildern zu aktivieren. Zum Beispiel die Arbeit "Cherry Blossom - Dawn and Dusk": "Die sich im Wind bewegenden und sanft zu Boden fallenden Kirschblüten wie auch flirrende Insekten sind mit einer Spezialkamera gefilmt, die gerade einmal ein Bild pro Sekunde statt der üblichen 24 festhält. Der impressionistisch flüchtige Moment des Sonnenaufgangs im Morgengrauen, bei dem beim ersten Blick auf dem Fenster noch bläuliche Reste der Nacht zu erhaschen sind und sich beim zweiten bereits die Helle des anbrechenden Tags breitmacht, ist etwas, das in klassischer Bildhauerei nicht zu fixieren ist, eine Bildhauerin wie Gröting dennoch fasziniert."
Die Tate Modern in London widmet der indigenen australischen Künstlerin Emily Kame Kngwarreye (um 1910-1996) eine Einzelausstellung (siehe auch hier). Höchste Zeit, findet Barbara Barkhausen in der NZZ, denn diese Kunst boomt schon seit geraumer Zeit. Kngwarreye selbst, deren großflächige Acrylgemälde Natursymbolik in komplexe Farbschichtungen übersetzen, hat ihr Hauptwerk erst mit über 70 geschaffen. "Ihr später Einstieg in die Kunst ist kein Einzelfall. 'Viele Künstlerinnen und Künstler sind erst im späteren Leben zur Malerei gekommen, weil sie zuvor andere Aufgaben hatten - insbesondere Arbeit', erklärt Kuratorin Cara Pinchbeck. Kngwarreye selbst war über Jahrzehnte 'stockwoman' auf einer Rinderfarm, bevor sie in Workshops erstmals Zugang zur Malerei erhielt."
Weitere Artikel: Die Londoner National Gallery kommt in den Genuss eines 375 Millionen Pfund schweren Geldsegens, weiß Gina Thomas in der FAZ - die Gelder stammen von privaten Spendern. Birgit Rieger besucht für den Tagesspiegel das Künstlerduo kennedy+swan und unterhält sich mit den beiden unter anderem über KI und Gesundheitsdiagnostik. Darius Kühner staunt auf monopol über die Karlsruher Schlosslichtspiele - "Kunst mit Public-Viewing-Atmosphäre". Katharina Rustler blickt im Standard auf die diesjährige Ausgabe der Wiener Kunstmesse Parallel Vienna.
Besprochen werden in einer Doppelrezension Janice Mascarenhas' Schau "Ancestral Frequencies: Shrines of Resistance" in der Galerie Küsse Berlin und Okka-Esther Hungerbühlers Ausstellung "Creature" im Berliner Haverkamp Leistenschneider (taz), "Günter Fruhtrunk. Zentrale Bilder 1952-1983" in der neueröffneten Galerie Walter Storms (Tagesspiegel), "Wohnkomplex. Kunst und Leben im Plattenbau" im Kunsthaus Minsk, Potsdam (Tagesspiegel) und "Mark Leckey: Enter Thru Medieval Wounds" in der Julia Stoschek Foundation in Berlin (monopol).
Leiko Ikemura, "Das Meer in den Bergen", Ausstellungsansicht. Foto: Bündner Kunstmuseum Chur. Als geradezu existenzielle Erfahrung beschreibt Roman Bucheli in der NZZ den Besuch einer Werkschau der japanisch-schweizerischen Künstlerin Leiko Ikemura im Bündner Kunstmuseum in Chur: "Die Besucher treten zunächst in einen Skulpturengarten. Auf Kiesinseln aus grünem Granit hat Ikemura bronzene Fabelwesen versammelt. Teils liegen sie einzeln auf den Inseln, teils stehen sie in Gruppen wie ins Gespräch vertieft beieinander. Mitunter findet sich in den akkurat geformten Kiesbetten auch bloß ein Felsbrocken, als sei ein Meteorit zur Erde gestürzt. Zwischen den Inseln bewegt man sich wie in einem Archipel, halb geht man noch, halb meint man, im Raum zu schwimmen oder zu schweben." Mit "riesigen, raumhohen Videoprojektionen ihrer Gemälde schafft die Künstlerin zudem überwältigende Raumerlebnisse. Die gegenläufig ineinanderfließenden Bilder entfalten eine enorme Sogwirkung: Man taucht förmlich in die abstrakten Farbkompositionen ein und wird damit Teil des Kunstwerks."
Besprochen wird die Ausstellung "Ein Wolf, Primaten und eine Atemkurve" mit Videoarbeiten von Asta Grötings im Städel Museum Frankfurt (FR) und die Ausstellung "Strange! Surrealismen 1950-1990 aus den Sammlungen der Nationalgalerie" in der Sammlung Scharf-Gerstenberg in Berlin (FAZ).
Andreas Kilb macht sich in der FAZ Gedanken darüber, was Ikonoklasmus und Künstliche Intelligenz miteinander zu tun haben. Für die gleiche Zeitung besucht Georg Imdahl die Künstlerin Dana Schutz in ihrem New Yorker Atelier. Der Fotograf Andreas Gursky erhält den Staatspreis 2025 des Landes Nordrhein-Westfalen, meldet ebenfalls die FAZ. Besprochen wird die Ausstellung "Ich, das Tier. Vom bösen Wolf bis Donald Duck - Tiere im Comic" in der Grimmwelt in Kassel (FAZ).
Hilka Dirks hat für die taz die Kunstmesse Art-O-Rama in Marseille besucht und ist hin und weg von dem entspannten Vibe der Stadt, der auch die Messe präge: "Verkaufen steht eh nicht im Vordergrund, die Messe richte sich viel mehr an Kuratoren und Mitarbeiter großer Kunstinstitutionen, die ihren Sommer am Meer verbringen und dann zum Ende der Sommerpause hier nach neuen Entdeckungen suchten, berichtet Peter Bancze von Longtermhandstand aus Budapest. Sein Ausstellungsstand sei dementsprechend konzeptionell, er zeige zeitgenössische Antworten auf Marcel Duchamp." Wie widersprüchlich das ist, fällt der gut gelaunten Dirks, deren Artikel vom Messenorganisator Fraeme gesponsort wurde, nicht auf. Im Tagesspiegelschreibt Clara Zimmermann.
Weiteres: In der Welt gratuliert der Kunsthistoriker Raimund Stecker, seinem Lehrer, dem 1988 verstorbenen Kunsthistoriker Max Imdahl, zum Hundertsten. Besprochen wird noch Berlinde de Bruyckeres Ausstellung "Lift not the Painted Veil", in der sie Gemeinsamkeiten zwischen sich und Barlach entdeckt, im Hamburger Ernst-Barlach-Haus (taz).
Weitere Artikel: Dass die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen endlich die Restitutionen angehen (unsere Resümees), begrüßt Nicola Kuhn im Tagesspiegel, aber dass sie wegen des Gemäldes "Junges Mädchen mit Strohhut" von Friedrich von Amerling vor das künftig zuständige Schiedsgericht ziehen wollen, ärgert sie dann doch. Hans-Joachim Müller trifft sich für die Welt mit dem Maler Robert Motherwell. Das dem jüdischen Kunsthändler Jacques Goudstikker geraubte Porträt der Contessa Colleoni von Giuseppe Vittore Ghislandi, das zufällig auf einem Foto von einer Verkaufsanzeige eines Hauses in der argentinischen Küstenstadt Mar del Plata entdeckt wurde (unser Resümee), wurde von den argentinischen Behörden sichergestellt, meldet ZeitOnline mit dpa.
Besprochen wird die große Diego Giacometti-Ausstellung im Bündner Kunstmuseum in Chur, die dem FAZ-Kritiker Stefan Trinks zeigt, dass Alberto Giacomettis Bruder als "Bildhauer und Künstler eigenen Rechts" verstanden werden muss (mehr hier).
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