Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

3667 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 367

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.09.2025 - Kunst

Carl Cheng: Nature Never Loses in Bonnefanten 2025. Foto: Saverio Sammartino

Katharina J. Cichosch ist in der taz ziemlich begeistert vom Werk des amerikanischen Künstlers und Erfinders Carl Cheng, das derzeit im Bonnefanten-Museum in Maastricht ausgestellt ist. Der 1942 geborene Cheng war ein früher Environmental Artist, der stets das Prozesshafte der Natur betonte. In Maastricht sind unter anderem einige faszinierende Fotocollagen zu sehen. "Vollends zusammen kommt sein Werk in den fantastischen elektronischen Skulpturen und Nature Machines, eigenartigen Apparaten, Schaukästen, Aquarien, Dioramen, in denen Natur- und Kunstvorstellung auf Chengs ausgeprägtes Interesse als Archäologe einer Gegenwart treffen. Ein Fräsen, Rattern und Surren im White Cube. Etliches funktioniert bis heute, kann über ein Fußpedal bedient werden oder arbeitet scheinbar autonom vor sich hin. In großen, elektrisch betriebenen Tanks lagern bemalte Steine, die auf unbestimmte Zeit dem Zahn der Zeit ausgesetzt werden. In anderen finden sich Klimawarnsysteme, Wettersimulationen, utopische und dystopische Erzählungen."

Weitere Artikel: Es geht also doch! Bayern restituiert Raubkunst, die in der Nazizeit jüdischen Besitzern entwendet wurde, vorerst betrifft das, nach langen Querelen (siehe unter anderem hier), immerhin vier Werke, wie unter anderem die taz meldet. Birgit Rieger unterhält sich im Tagesspiegel mit dem burmesischen Künstler Htein Lin unter anderem über die Zeit, die er in seiner Heimat im Gefängnis verbrachte. Nicola Kuhn resümiert ebenfalls im Tagesspiegel eine Umfrage unter deutschen Galeristen - das Ergebnis: Licht und Schatten. Siehe dazu auch monopol. Fürs selbe Medium unternimmt Silke Hohmann einen Rundgang durch Frankfurter Galerien. Und ebenfalls auf monopol interviewt Anne Simone Kiesiel die Hamburger Galeristin Lucia Kaufmann. Florian Illies gratuliert in der Zeit dem Maler und Illustrator Hans Ticha zum 85. Adrian Lobe verteidigt in der NZZ KI-Kunst, in der er die "Street-Art von heute" sieht. In der FAZ plädiert Stefan Trinks dafür, dass der Teppich von Bayeux in England verbleibt.

Besprochen werden die Ausstellung "Teamwork in Antwerpen - Pieter Bruegel, Hendrick van Balen und die anderen" in der Galerie Alte Meister, Dresden (FAZ), die Lotte-Laserstein-Ausstellung in der Berlinischen Galerie (BlZ) und die Schau "Sleeping Resistance" in der Berliner Alten Feuerwache (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.09.2025 - Kunst

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Die frühen Arbeiten Stephen Shores, die nun als Buch erscheinen, gehören zu seinen "ungehemmtesten und gewagtesten Bildern", verrät Charlotte Jansen im Guardian. Es sind Porträts und Schnappschnüsse von den New Yorker Straßen, die der spätere Starfotograf als Teenager schoss: "Schwarz-weiße Straßenaufnahmen eleganter, unbeeindruckter älterer Damen. Oldtimer im Schatten der hohen New Yorker Mietshäuser. Straßenprediger. Gangster, die zu sehr mit ihrem Posieren beschäftigt sind, um die Kamera zu bemerken." Diese Bilder sind "voll von solchen alltäglichen New Yorker Momenten, die in Magie verwandelt wurden (...) Es fällt auf, wie wenig Interesse Shore an Menschen seines Alters zu haben scheint. Die meisten seiner Motive sind über 40 Jahre alt. Er weist darauf hin, dass ihre Generation die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg durchlebt hat - viele von ihnen waren Veteranen, die versuchten, in das normale Leben in der Stadt zurückzukehren. Die Bilder vermitteln Ehrfurcht und Respekt vor ihrer Autorität."

Weiteres: Erstmals seit dem Jahr 1070 ist der "Teppich von Bayeux", der die Schlacht von Hastings zeigt, wieder in England zu sehen, berichtet Alexander Menden in der SZ, und zwar im British Museum. Besprochen wird die Ausstellung "Edvard Munch. Angst" in den Kunstsammlungen Chemnitz (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.09.2025 - Kunst

Der Sainsbury-Flügel der National Gallery in London konnte nach zwei Jahren Renovierung und Umbau durch die Architektin Annabelle Selldorf "triumphal" wiedereröffnet werden, freut sich Gina Thomas in der FAZ: "In den Seitenräumen hängen die für private Auftraggeber bestimmten Werke, darunter in einem der venezianischen Malerei gewidmeten Saal Albrecht Dürers kleine Tafel mit dem heiligen Hieronymus. Beispielhaft für die vielen aufschlussreichen Querverbindungen des neuen Arrangements veranschaulicht diese Nebeneinanderstellung den Einfluss Bellinis auf den Nürnberger Maler, wie denn überhaupt die Wechselwirkung zwischen nordalpiner und italienischer Malerei eindrucksvoll dargeboten wird. Zu den größten Höhepunkten gehört im Hauptgebäude der prachtvolle Raum, der Tizians Gemälden gewidmet ist. Durch die Tür fällt in einer suggestiven Sichtachse der Blick auf Bronzinos Allegorie mit Venus und Amor, die erst mehrere Säle weiter im Parcours folgt."

Leiko Ikemura: Reclining Face Orange. Copyright: Leiko Ikemura und Miettinen Collection.


Der finnische Unternehmer Timo Miettinen zeigt seine Kunstsammlung normalerweise in Charlottenburg, jetzt hat er sie nach Düsseldorf ausgeliehen, weiß Alexandra Wach für Monopol: "Where are we now" wird in der Sammlung Philara gezeigt. Für Wach entspannt sich ein anregender "divergenter Parcours": "In einem Kabinett, das sich dem Thema Krieg und Protest widmet, sorgt ein androgyner Clown neben einem Polizeipferd auf einem Foto der Finnin Nora Geagea für Verwirrung, während einige Schritte weiter ein ganzer Saal dem spanischen Künstler Secundino Hernández gewidmet ist. Seine Serie 'Lupis Ipsum' besticht durch gestische Malerei, die auf El Grecos 'Apostel' zu antworten scheint. Miettinens Kunstgeschmack ist nicht auf einen bestimmten Stil festgelegt, er reicht vom gruselig in der Dunkelheit schwebenden Kopf von Filip Henin über Lichtkunst von Tracey Emin und expliziten Illustrationen von Tom of Finland."

Weiteres: Die hohen Besucherzahlen im Amsterdamer Van Gogh-Museum haben ihren Preis, vermeldet die FAZ: Rund 100 Millionen Euro müssten in den nächsten Jahren für Sanierungsmaßnahmen berappt werden, um den Museumsbetrieb aufrechterhalten zu können. Die niederländische Regierung habe diesbezüglich zugenähte Taschen. Ingo Arend reist für die taz nach Cluj-Napoca, um sich die rumänische Kulturszene und insbesondere das Muzeul Farmaciei näher anzusehen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.08.2025 - Kunst

Ute Eskildsen / Timm Rautert: Leipzig, Grünewaldstraße

Was für ein Glücksfall, dass der Fotograf Timm Rautert beim Katalogisieren seines Frühwerks die mehr als fünfzig Jahre alten und nie veröffentlichten Fotos entdeckt hat, die er gemeinsam mit seiner Frau Ute Eskildsen eine Woche lang in Leipzig im Jahr 1972 gemacht hat, freut sich Nils Kahlefendt auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ. Die Aufnahmen werden nun im Leipziger Grassi-Museum ausgestellt und zeitgleich als Fotobuch veröffentlicht, aber Kahlefendt besucht Rautert lieber in dessen Atelier, um direkt in diese "analoge Zeitkapsel" zu blicken: "Die Abzüge, die Rautert auf dem Tisch seines Essener Ateliers ausbreitet, sind atemraubend: auffällig das Nebeneinander von Ostmoderne und bröckelnden Gründerzeitstraßenzügen, die melancholisch grundierte Stille eigentlich belebter Orte: Der Bahnhof, heute ein Konsumtempel mit Gleisanschluss, von dessen Türen Obdachlose mit Bach-Beschallung vertrieben werden, wirkt wie in einer Nachkriegsszenerie eingefroren."

Weitere Artikel: In der SZ macht sich Peter Burghardt Gedanken, welche Kunstwerke Trump wohl aus den Smithsonian Museen entfernen lassen könnte. Was wird nun aus Jadegar Asisis 360-Grad-Pergamon-Panorama, wenn die weiblichen Gewandstatuen und der Telephosfries wieder in den Pergamonsaal ziehen, fragt sich Birgit Rieger im Tagesspiegel. Von einem irren Fall berichtet Tobias Timm auf Zeit Online: Journalisten der niederländischen Zeitung AD haben auf einer Internetseite eines Immobilienmaklers in Argentinien auf einem Foto, das auf der offiziellen deutschen Datenbank für NS-Raubkunst, lostart.de, gelistete Porträt der Contessa Colleoni des spätbarocken Meisters Giuseppe Vittore Ghislandi entdeckt: Die Spur führt zu Friedrich Kadgien, der für Hermann Göring den Verkauf jüdischen Vermögens mitorganisierte.

Besprochen wird die Ausstellung "Christine Schlegel: Blickbegabt" in der Dresdener Galerie Mutare (Tagesspiegel) und das Fotofestival "Kommunikation und Haltung", das an unterschiedlichen Orten wie dem Haus des Papiers, am Holzmarkt, im Schwulen Museum und in der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg stattfindet (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.08.2025 - Kunst

Edward Burra: "Red Peppers". Dundee Art Gallery 1934 - 1935. © Estate of Edward Burra.

Der britische Maler Edward Burra war ein ziemlicher Kauz, der oft einfach verschwand, ohne sich zu verabschieden, weiß Michael Glover bei Hyperallergic: Den "Schock der Fremdheit" wollte er in Paris, Spanien, USA und Mexiko erleben. Seine surrealistisch-satirischen Bilder, aktuell in der Tate Britain zu sehen, spiegeln seine Wildheit und die Wildheit der 1920er wider, so Glover: "Burras Gemälde entfernen sich, genau wie er selbst, mit hoher Geschwindigkeit von Konventionen und Anstand. Die meisten sind voller Figuren - man kann fast den süßen Schweiß riechen. Man spürt fast die berauschende Aufregung all dieser Drehungen und Wendungen, dieser verrückten Ausweichmanöver, des Drängens und Ziehens. Die Gliedmaßen der Figuren neigen oft dazu, sich pneumatisch zu biegen, als wären sie nichts als aufblasbare Figuren. Die Finger werden gestreckt und gummiert. Die Gesichtszüge werden zu unmenschlichen, maskenhaften Formen gepresst. Ihre Gesichter sind so stark geschminkt, dass es schwer zu sagen ist, wo die Fantasie all dieser Posen und Gesten beginnt und wo sie endet."

Mathilde Tijen Hansen, Sonnenallee, 2024 © Mathilde Tijen Hansen

So unaufgeregt und "dezent" wie auf den Bildern der Fotografin Mathilde Tijen Hansen, die in der Ausstellung "Gute Aussichten. Junge Deutsche Fotografie" in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt werden, hat Laura Ewert (Monopol) die Sonnenallee in Berlin-Neukölln selten erlebt. Zu sehen sind "die offenen Wunden an den Fassaden. Findlinge an Straßenkreuzungen, Baustellen. Eine Moschee. Die verbogenen Fahrradständer. Mädchen mit Hund. Junge Frau mit Tattoos und Männerarm über der Schulter. (…) Ebenso dezent steckt in diesen Bildern all die politische Aufladung der Straße. Der oft kritisierte Ausbau der gerade eröffneten Stadtautobahn, die Debatten im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt, Gewalt, eine Vereinnahmung der neuen Rechten, der Kampf um öffentlichen Raum und Wohnungen, Verdrängung. Alle drängenden Probleme dieser Zeit sind auf und mit dieser Straße verhandelbar."

Weitere Artikel: Im Tagesspiegel überlegt Jana Gäng, wie und ob der für die Sanierung des Pergamonmuseums errichtete Interimsbau gegenüber dem Bode-Museum genutzt werden kann.

Besprochen werden die Ausstellung "Else Lasker-Schüler: Künstlerin, Dichterin, Weltenbauerin" im Günter-Grass-Haus in Lübeck (taz) und die Ausstellung "Trevor Yeung. Underwater Haze" in der Kestner Gesellschaft Hannover (Monopol).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.08.2025 - Kunst

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Scherben (@scherben.scherben)

Hier kickt die Kunst so, dass es "Zeit und Raum zerlegt", staunt Jonathan Guggenberger, der für die taz die Ausstellung "Vulture" im Berliner Projektraum Scherben besucht hat. Zu sehen sind Fotografien von Sigmar Polke, Collagen von Mickael Marman und Skulpturen von Dylan Spasky, die laut Guggenberger in "ihrer materiellen Rohheit" zugleich "abstoßend und anziehend" erscheinen: "Für Dylan Spaskys Schwamm-Skulpturen trifft dieses Bild besonders zu. Das lebensgroße Bambi-Reh, was mal Dekor war, jetzt aber ohne Plastikhülle fast nackt und ausgeliefert wirkt, genauso der gehäutete Teddybär oder die Delphin-bedruckte Trinkflasche am Boden, die das immer gleiche Wasser aus dem Becken um sie herum erst aufsaugt und dann wieder ausspuckt - eine grausame Endlosschleife. Alles Spielerische an diesen Objekten ist pervertiert. Sie haschen in ihrer schrillen Trash-Ästhetik zwar weiter nach unserer Aufmerksamkeit - lassen uns geiern -, aber nur bis die Falle zuschnappt, unsere Aufmerksamkeit in der Obszönität ihres Anblicks erstarrt oder sich in sinnlosen Kreislaufbewegungen totläuft. Und ist das nicht unsere Gegenwart?"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.08.2025 - Kunst

Sine Hansen, Schreitende Zange, 1975, Ausstellungsansicht, Kunstverein Braunschweig, 2025, Courtesy Estate Sine Hansen und EXILE, Kunstverein Braunschweig, Foto: Frank Sperling

Unbedingt wiederzuentdecken gilt es die große deutsche Pop-Art-Künstlerin Sine Hansen,  ermuntert Bettina Maria Brosowsky in der taz. Eine Möglichkeit dazu bietet nun eine Ausstellung im Kunstverein Braunschweig. Motivisch dreht sich bei Hansen viel um "Zangen, Scheren oder Kranhaken": "Hansens Zangen mutieren zu beseelten Wesen: Als 'Liegende', als 'Schreitende Zange', als 'Papageienzange' oder 'Generalzange' entwickeln sie ab den 1970er-Jahren eine belebte, fast erotische Aura. Sie füllen den ganzen Bildraum, die Spitzen dieser Kneifinstrumente werden extrem dramatisiert, erscheinen wie rasiermesserscharfe Klingen. Bedrohlich wirkend einerseits, fixieren sie andererseits feinfühlig und zart-mehrfarbig bunte Kugeln. Diese Konstellationen als Seelenbilder einer (bedrängten) Künstlerin zu deuten, ist wohl nicht ganz abwegig."

Sarah Khan besucht für monopol im Berliner Haus am Waldsee eine Ausstellung, die der Videokünstlerin Nina Könnemann gewidmet ist. Ziemlich begeistert ist Khan insbesondere von Arbeiten Könnemanns, die ungewöhnliche audiovisuelle Zugriffe auf mediale Großereignisse ausprobieren. Zum Beispiel, wenn eine Übertragung der Preisverleihung der Filmfestspiele in Cannes mit Bildern der Warteschlange bei der Kreuzberger Fast-Food-Institution Mustafas Gemüsekebab und aufgeregter Fußballfans konfrontiert wird. "Alle drei Situationen, allerdings an den Randzonen der Hotspots aufgenommen, passierten am selben Tag, trafen sich live im Bild, das dann live collagiert und bearbeitet wurde. Während sich die Preisverleihung in Cannes in die Länge zieht und das Publikum gleichzeitig angespannt wie gelangweilt scheint, laufen Fußballfans torkelnd auf die Kamera in Berlin zu, ziehen Fratzen, lachen debil. Die Filmemacherinnen kommunizieren ihre jeweilige Standort-Lage: '23 people waiting in line from the trash can on. The lady in the pink floral trousers. There is not much happening here. Newcomers.'"

Außerdem: Der Bildteppich von Bayeux wird womöglich bald zumindest vorläufig von Frankreich an Großbritannien zurückgegeben, berichtet Dirk Schümer in der Welt. Magnus Klaue rezensiert ebendort ein dem Künstler Jürgen Ploog gewidmetes Buch. Sabine B. Vogel stellt in der NZZ das malerische Werk Arnold Schönbergs vor.

Besprochen werden eine Schau Toyin Ojih Odutolas im Berliner Hamburger Bahnhof (taz) und die von Studenten der Kunsthochschule Mainz bespielte Ausstellung "All diese Dinge. Überall. Die ganze Zeit" in der Kunsthalle Mainz (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.08.2025 - Kunst

Beeindruckt ist Brita Sachs in der FAZ von der Ausstellung "we, the people: 30 Years of Democracy in South Africa", in der Norval-Foundation in Kapstadt. Hier stellen KünstlerInnnen die Frage, wie es seit dem Ende der Rassentrennung eigentlich in ihrem Land weiter ging. Ein ums andere Mal wird hier deutlich: Die Rede von der "Regenbogennation" ist ein Mythos: "Von Heimatlosigkeit im eigenen Land handelt Steven Cohens Video 'Chandelier', in welchem er 2001 mit bizarrem Make-up, auf gewaltigen Plateausohlen, am Leib kaum mehr als einen Kronleuchter als Röckchen durch ein im Abbruch befindliches Slum wandelte. Die Bewohner, schwarze Elendsgestalten, reagieren misstrauisch, manche feindselig auf den weißen Fremdkörper, der sich als schwuler, jüdischer Südafrikaner auf allerdings exzentrische Weise mit ihrer Situation am Rand der Gesellschaft identifiziert. 'To protest' begleitet die Frustration insbesondere der jungen Generation, der sogenannten 'free born', die sich vom ANC um soziale und ökonomische Chancengleichheit betrogen fühlten."

Ferial Nadja Karrasch stellt bei Monopol derweil die südafrikanische Künstlerin Helena Uambembe vor. In ihren Installationen widmet sie sich wenig thematisierten Seiten der südafrikanischen Geschichte, wie dem "32. Bataillon", das vor allem im Bürgerkrieg in Angola aktiv war. Hier kämpften aus Angola geflüchtete Männer zum Teil gegen ihre eigenen Landsleute - angesiedelt wurden die Soldaten in der Stadt Pomfret, in der die Künsterlin geboren wurde - kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs. Diese Geschichte verarbeitet sie in ihrem Werk "Blooming in Statis", das 2023 in einer Ausstellung im Museum für Moderne Kunst Frankfurt zu sehen war: "Ein verfallenes Haus, umgeben von Maschendrahtzaun, verblichene Familienbilder an einer Wand, darunter ein Schriftzug: 'Pomfret is home ♡'. Ein gelbes Schild grüßt die Besucherinnen und Besucher: 'Pomfret bids you Welcome'. Doch der Ort ist verlassen, hier scheint kein Leben mehr zu sein - bis auf die kleinen gelben Blumen, die überall wachsen. In der Unwirtlichkeit des dargestellten Ortes wirken sie wie eine trotzig-schöne Behauptung, dass diese Ruine einmal ein Zuhause war."

In der FAZ erinnert Rainer Stamm an mutige Museumshausmeister, die Kunst-Werke vor der Zerstörung durch das NS-Regime bewahrten: "So rettete der Hausmeister der Hamburger Kunsthalle, Wilhelm Werner, sieben Gemälde der von ihm verehrten Malerin Anita Rée, indem er sie zwischen der ersten Beschlagnahme im Juli und der zweiten am 21. August zu sich nach Hause nahm. 1945 stellte er sie zurück ins Depot. Erst die Witwe lüftete nach dem Tod des 1975 Verstorbenen das Geheimnis, wie die Werke der als 'Halbjüdin' gebrandmarkten Künstlerin in der Sammlung des Museums hatten überdauern können."

Besprochen werden: Die Hito-Steyerl-Ausstellung "Der Menschheit ist die Kugel bei einem Ohr hinein und beim anderen herausgeflogen" im MAK - Museum für angewandte Kunst Wien (taz), die Ausstellung "Vom Himmel gefallen" in der Overbeck-Gesellschaft und St. Petri zu Lübeck (taz), die Ausstellung "Das heilende Museum" im Bode-Museum Berlin (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.08.2025 - Kunst

Niemand kennt das Clyfford Still Museum in Denver, alle sollten das ändern, befindet Dietmar Dath in der FAZ. Er schaut sich das Abstrakt-Expressionistische der Gemälde des Namensgebers an, für das "die Worte, die sich dafür finden, nie reichen, weil es viele andere für das gäbe, was sich da zeigt. Etwa so: ein Hochformat, in dem links unten Gelbliches sitzt. Das Gelbliche stützt einen schwarzen Riss im mehr oder weniger holzartigen Kontinent daneben, der nach oben hin eine Nichtschrift wird und wachsen mag in sein Ende, das zwei weiße Ränder schmücken, ebenfalls gerissen. Eine rote Insel liegt hier an, wieder mit Landrand und Randland, schräg gegenüber einer mehligen Blitzausdehnung, in der ein bienengelbes Flimmerskotom wohnt. Und so weiter oder ganz anders. Das geschah 1946 und wird 'PH-1103' genannt." Gerade ist im Museum die Schau "Held Impermanence" zu sehen, kuratiert von Katherine Simóne Reynolds.

Trumps Zensur-Feldzug (unsere Resümees) gegen Museen wie das Smithsonian kulminiert nun in einer Liste von Kunstwerken, die sein Regime "nicht länger (…) dulden" will, schreibt Frauke Steffens ebenfalls in der FAZ: "Viele der 26 auf der Liste des Weißen Hauses genannten Kunstwerke und Ausstellungen waren zuvor in einem Artikel des konservativen Magazins 'The Federalist' erwähnt worden, den die Mitteilung aus dem Weißen Haus auch verlinkt. Sie enthält keine Handlungsanweisung. Beobachter gehen aber davon aus, dass die Liste als erste Handreichung für die Überprüfung der Museen im Kampf gegen unliebsame Kunst und Geschichtsschreibung zu verstehen ist."

Weiteres: Stefan Trinks erinnert an der FAZ an Tove Jansson, die die Mumins geschaffen hat und deren künstlerische Karriere dahinter oft in Vergessenheit gerät.

Besprochen wird: Die Ausstellung "Irma Stern. Eine Künstlerin der Moderne zwischen Berlin und Kapstadt" im Berliner Brücke-Museum (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.08.2025 - Kunst

Camille Corot. Marino:  © Privatsammlung, Foto: Alexander Paul Englert.

Schon fünfzig Jahre, bevor die Impressionisten dafür berühmt wurden, begeisterten sich Maler für das "Flüchtige" der Landschaften, lernt Judith von Sternburg im Deutschen Romantikmuseum in Frankfurt, das in der Schau "Freiräume" 110 Arbeiten von 70 Künstlern zeigt - "Postkartenansichten" gibt es hier nicht, versichert die Kritikerin: "Louis Gurlitt positioniert sich über einem Fjord, aber nicht, um dessen imposante Gesamtheit zu erfassen, sondern um ein Holzhaus zu skizzieren, einen spröden Ort, an dem offenbar Holz verarbeitet wird. Nicht zuletzt das Schnappschusshafte des Ausschnitts nimmt so viel Impressionismus vorweg, dass man noch einmal auf die Jahreszahl schauen wird. 1835. Im selben Jahr steht Adolf Henning an der Villa d'Este in Tivoli, aber von der Villa ist nichts zu sehen, die berühmte Zypressenallee ist nur mehr ein Zitat an den Rändern. Der Blick geht ins weite Land, unidyllische Häuschen, ein Abendhimmel zum Greifen." 

In Serbien gerät zunehmend auch die freie Kunstszene ins Visier der Regierung, berichtet Philine Bickhardt in der taz. Kürzlich wurde das berüchtigte Studentische Kulturzentrum (SKC), in den siebziger Jahren eine "Keimzelle der Avantgardekunst", wo spätere Ikonen wie Neša Paripović und Marina Abramović auftraten, von der Polizei geräumt, weil die Studenten es besetzt hatten. Auch die heutige Kunstszene hat eine politische Vision, so Bickhardt, so protestierten die Künstlerinnen Ana Stojković und Ivanja Todorović im Frühjahr gegen Gentrifizierung und Klassismus: "'Monetarijum' beschäftige sich nämlich auch mit 'Privatisierungsprozessen' und einem Klassismus in der Kunstszene. Kurioserweise forderten Stojković und Todorović diejenigen auf, die an der Ausstellung teilnehmen wollten, nicht nur (...) einen Gegenstand mitzubringen, sondern auch 'Eintritt' zu zahlen, also eine Gebühr zur Teilnahme. Kunst im heutigen Kapitalismus sollte als ein Produkt, als zu bezahlender Konsum entlarvt werden, denn Kunst anzuschauen und sie zu schaffen, muss man sich erst einmal finanziell leisten können - das SKC hatte vor seiner Besetzung auch sehr hohe Eintrittspreise verlangt."

Weitere Artikel: Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ widmet sich Thomas Combrinck dem Phänomen der Napoleon-Karikatur. Ebendort fragt Raquel Erdtmann, warum der DDR-Künstler Werner Tübke heute als "Staatskünstler" wahrgenommen wird.