Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.08.2023 - Kunst

Kohei Nawa, PixCell-Reedbuck (Aurora), 2020. Courtesy the artist and Scai the Bathhouse / Tokyo Gendai art fair


In der NZZ unterhält sich Philipp Meier auf der Kunstmesse in Tokio mit dem japanischen Künstler Kohei Nawa über die Lehren des Shintoismus und die neuen Götter der Postmoderne, KI und Big Data: "Wir glauben uns heute von Göttern befreit zu haben, aber wir folgen diesen neuen Autoritäten oft blind wie die Menschen im Mittelalter ihren Königen...Die japanischen Inseln sind das Zuhause von rund acht Millionen Göttern. Alles kann ein Gott sein: Wasser, Steine, ein Berg, ein Baum. Daher kann sich niemand eine klare Vorstellung von einem Gott machen. Aus diesem Grund ist das Innere eines Shinto-Schreins leer. Das passt zu unserer diversen Zeit. Wir können uns Religionen und Überzeugungen aussuchen und unter ganz verschiedenen Ideen und Vorstellungen auswählen. Da können überall Götter sein. Das ist die große Herausforderung unserer Zeit."

Besprochen werden die Ausstellungen "Lee Miller. Fotografin zwischen Krieg und Glamour" im Bucerius Kunstforum in Hamburg (taz), "Judit Reigl. Kraftfelder." in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (FR) und "Himmlischer Barock - Jürgen Ovens" im Schleswiger Dom (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.08.2023 - Kunst

Exhibition view of "Everybody Talks About the Weather", Fondazione Prada, Venice, Ph. Marco Cappelletti

So hat FAS-Kritikerin Karen Krüger Monets berühmtes Werk "Impressionen, Sonnenaufgang" noch nie gesehen. Die Ausstellung "Everybody Talks About the Weather" in der Fondazione Prada in Venedig zeigt quer durch die Kunstgeschichte, wie Künstler das Wetter malten. Das hat allerdings einen sehr aktuellen Hintergrund, so die Kritikerin. So erscheint beispielsweise das berühmte dunstig-blaue Morgenlicht im Monet-Gemälde hier gar nicht mehr so idyllisch: Die angebrachten Info-Tafeln interpretieren den Dunst als erste Anzeichen von industrieller Verschmutzung und Beginn des Klimawandels. Auch mit zeitgenössischen Werken soll mehr Aufmerksamkeit für das Thema geschaffen werden: "Von unschuldiger Schönheit scheint...der Wandteppich "Kinked Rain/ Gold" (2022) von Pae White zu sein, der aus Wolken Regen in Form goldener Fäden niedergehen lässt. Er ist ein wiederkehrendes Elementen in Whites Arbeiten, genauso wie Rauch. Als Kalifornierin kennt sie die Zerstörungskraft von Hitzewellen und Feuer - und die lebensrettende Bedeutung von Wolkenbrüchen, die, das ist in diesen Tagen oft zu hören, mit zunehmender Erwärmung an Intensität gewinnen werden. Ein Wolke am Himmel kann einfach nur das Objekt einer ästhetischen Betrachtung sein, an dem man sich erfreut - oder eben als ein Hinweis auf die menschengemachte Klimakatastrophe gelesen werden."

Weitere Artikel: Dakar ist das neue "Mekka für Street-Art und Graffiti", entdeckt Jonathan Fischer für die SZ. Neben ihrem künstlerischen Wert, haben die Werke auch eine wichtige soziale und politische Funktion, so Fischer. Zu ihrem dreihundertjährigen Jubiläum hat die Ernst von Siemens Kunststiftung der Schatzkammer des Grünen Gewölbes in Dresden ein prächtiges Präsent überreicht, weiß Stefan Trinks in der FAZ: "ein Prunkschach aus Elfenbein, Ebenholz, Schildpatt und Silber aus der Zeit des Museumsgründers, August des Starken".

Besprochen wird die Ausstellung "Künstler, Kollegen, Sammler - Carl Blechen und die Fricks" im Schloss Branitz (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.08.2023 - Kunst

Antoine Pesne, Prinz Friedrich Ludwig oder Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen im Gartenwagen mit Friedrich Ludwig (?) © SPSG / Jörg P. Anders

"Der Exotismus ist tief verankert im ästhetischen Programm der repräsentativen Räume", hält tazlerin Katrin Bettina Müller nach ihrem Besuch der Ausstellung "Schlösser. Preußen. Kolonial" im Schloss Charlottenburg fest und ist froh, dass der ägyptische Historiker Hatem Hageb das "schwere Unrecht" hinter den prächtigen Objekten und die "unhinterfragbare Hierarchie zwischen den weißen und den schwarzen Menschen" aufdeckt: "Man merkt seinen Texten den großen Druck an, Aufklärungsarbeit zu leisten, über die Zahlen der versklavten und verschleppten Menschen zu informieren. Was eben in den klassischen kunsthistorischen Interpretationen lange kaum mitgedacht wurde, steht nun im Vordergrund. Das ist auf jeden Fall interessant."

Weiteres: Ingeborg Ruthe betrachtet für die Berliner Zeitung David Hockneys Porträt des Popstars Harry Styles im Biene-Maja-Strickjäckchen und mit Perlenkette. Nina Nevermann stellt in der taz das geplante neue Museum für digitale Kunst in Hamburg vor. Hannes Hintermeier gratuliert in der FAZ dem Münchner Kunstverein zum zweihundertsten Geburtstag. Besprochen wird die Gruppenausstellung "Das große Fressen", die sich auf verschiedene öffentliche Gebäude in Bregenz verteilt (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.08.2023 - Kunst

Konrad Klapheck, She-Dragon, 1964. Bild: WikiArt.org


Der deutsche Pop-Art-Pionier Konrad Klapheck ist gestorben. In der FAZ erinnert Rose-Maria Gropp an einen Künstler, der die Unsterblichkeit der Maschinen suchte und statt desse ihre Vergänglichkeit fand: "Seine - erste - gemalte Schreibmaschine von 1955, mit einem schon verdächtig straff eingespannten, weißen Blatt Papier, hieß noch schlicht 'Schreibmaschine'; da träumte Andy Warhol in New York noch von seinem frühen 'Type writer'. Die Schreibmaschine, unter anderen Geräten, wird in Klaphecks Werk diverse Metamorphosen durchmachen, unter sehr verschiedenen Namen, das zudem. Ein senkrecht gestelltes Bügeleisen heißt 1964 'Der Hausdrachen' ... Die delikate Sinnsuche in seinen Bildern gibt Klapheck sein Alleinstellungsmerkmal. Er ist der Maschinist einer scheinbar unschuldigen Dingwelt, die in ihren Formen so vertraut wie in ihrer Zurichtung unheimlich wirkt." So empfand das wohl immer auch taz-Kritikerin Katrin Bettina Müller: "Die Dingwelt, die er seit den sechziger Jahren oft monumental ins Bild setzte, mochte zwar dem banalen Alltag entstammen, auffallend oft auch den Arbeitsplätzen der Frauen, als Hausfrau oder Sekretärin. Aber in ihr hallte die militärische Aufrüstung und Ordnungswut des zurückliegenden Nationalsozialismus ebenso nach, wie sie den Wirtschaftswunderzeiten, der Aufrüstung der Haushalte mit Elektrogeräten einen Echoraum baute. Etwas vom Geist der Militarisierung schien sich da eingenistet zu haben, wo genäht und getippt wurde, und das hatte oft auch etwas Unheimliches."

Weiteres: In der FAZ gratuliert Stefan Trinks der südafrikanischen Künstlerin Marlene Dumas zum Siebzigsten. Besprochen werden eine Überblicksschau des Fotografen Arno Fischer im Berliner Haus am Kleistpark (taz), Zeichnungen von Kathrina Karrenberg im Lichtenberger Ausstellungsraum After the Butcher (taz) und die Ausstellung "Gezwitscher. Kunst aus der Vogelperspektive" in der Kunsthalle Wilhelmshaven (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.08.2023 - Kunst

Kulturpfarrer Thomas Zeitler spricht im Interview mit Andreas Thamm in der taz über die Ausstellung "Jesus liebt" mit Bildern von Rosa von Praunheim in der Kirche St. Egidien in Nürnberg, die nach Protesten wieder geschlossen wurde.

Besprochen werden die Ausstellung "Monet im vollen Licht" im Grimaldi Forum Monaco (FAZ), die Ausstellung "Renegades. San Francisco: Queer Life in the 1990s" mit Fotografien von Chloe Sherman im F hoch 3 - Freiraum für Fotografie in Berlin (tsp), eine Ausstellung mit Werken von Anna Jermolaewa im Kunsthaus Bregenz (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.08.2023 - Kunst

Vija Celmins (*1938)
Untitled (Ocean), 2014. Foto: Courtesy of Jack Shear Collection, New York. © Vija Celmins.

Monopol-Kritikerin Alicja Schindler staunt in der Ausstellung "Vija Celmins.Gerhard Richter: Double Vision" in der Hamburger Kunsthalle über die vielen Gemeinsamkeiten zwischen dem Werk Gerhard Richters und dem der Malerin Vija Celmins. Seit den 1960er-Jahren malten beide, ohne voneinander zu wissen, "Bilder mit enormen formalen und inhaltlichen Ähnlichkeiten". In etwa zeitgleich wendeten sich beide Künstler dem Meer als Bildmotiv zu, so die Kritikerin. Und hier werden dann doch wieder die Unterschiede sichtbar: Während Richters großformatige Bilder den Blick gen Himmel schweifen und den Betrachter zurücktreten lassen, so Schindler, locken Celmins Bilder ihn ganz nah ans Wasser: "An Celmins' Meeresbildern beeindruckt, wie sie auf kleiner Fläche die Weite und Tiefe des Wassers bannt. Dabei wirken die Strukturen der Wellen nicht lichtdurchlässig und reflektierend, sondern weisen eine eigene Festigkeit und Materialität von neben- und übereinanderliegenden Formen und Schichten auf. In einem Gespräch mit dem Kritiker Robert Storr erklärte Celmins, dass das Meer für sie kein Motiv des Erhabenen sei, sie nicht über seine Symbolik nachdenke oder mit ihm etwas Philosophisches ausdrücken wolle. Es ginge ihr stattdessen um die Materialität, um das Machen und um die Präsenz der Oberfläche. Und das sieht, ja spürt man."

Besprochen werden die Ausstellung "Elementare Gefäße. Eine andere Erzählung der Moderne" im Mies van der Rohe Haus in Berlin (taz) und die Ausstellung "Spanische Dialoge" im Berliner Bode Museum (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.07.2023 - Kunst

Besprochen werden die Ausstellung "Das, was nicht geerbt werden kann / Aquilo que não se herda" mit Werken von Daniel Lie und Juliana dos Santos im Kunstverein Braunschweig (taz) und die Ausstellung "Die Augen der Roxana Halls" im Haus Mitte Kunst (tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.07.2023 - Kunst

Oskar Kokoschka, Auguste Forel, 1910


Das Guggenheim Bilbao erschlägt oft die Werke, die dort ausgestellt werden. Nicht so bei Oskar Kokoschka, stellt ein entzückter Michael Glover in Hyperallergic fest, der kann Frank Gehry jederzeit die Stirn bieten: "Die beste Art und Weise, die Ausstellung zu beginnen, ist, intensiv auf ein Gemälde zu starren, das einem beim Betreten der ersten Galerie an einer Wand gegenübersteht. Dieses Porträt des Schweizer Psychiaters Auguste Forel (1910) hat eine wilde Intensität, eine seltsame Nervosität in seiner Machart, ein Versuch, nicht so sehr auf seinen Gegenstand zu sehen als in ihn hinein und fast durch ihn hindurch. Neben den Pinselstrichen hat Kokoschka geschrubbt und gerieben und mit den Fingern gekratzt, um die Qualität des Gesichts dieses alten Mannes herauszuheben. Das Ergebnis sieht erschreckend verschwommen aus, als würde der Dargestellte aus einem Nebel seiner selbst auftauchen. Die Hände haben die übertriebene Knochenhaftigkeit eines El Greco. Die Augenbrauen sind straff, hoch und gespannt gewölbt, der Blick neugierig und wachsam. Es scheint, als sei der Mann gleichzeitig still und in Bewegung. ... Dieses Bild fängt das Beste von Kokoschka bis zum i-Tüpfelchen ein."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2023 - Kunst

Bardame in New York, 1950. Foto: Eve Arnold Estate


Wen die Fotografin Eve Arnold nicht alles vor der Kamera hatte: Marilyn Monroe und Neonazis auf einer Malcolm X-Demo, Queen Elizabeth und eine erschöpfte Bardame in New York. Guardian-Kritikerin Claire Armitstead ist in der Arnold-Ausstellung in Newlands House im englischen Petworth, West Sussex vor allem fasziniert von Arnolds frühen New-York-Fotos: "Von Anfang an ahnte sie, dass schwarze Macht und Stil die angesagtesten Spiele in der Stadt waren, und Anfang der 1960er Jahre war sie fasziniert von Afrofrisuren und Malcolm X. Zwei zutiefst beunruhigende Bilder zeigen weiße Faschisten, die sich 1962 bei einer Kundgebung von Malcolm X in Chicago unter die Menge mischten, als er für die schwarzen Muslime missionierte. Auf einem der Bilder sitzen drei Männer nebeneinander, wobei die obere Hälfte ihrer Gesichter außerhalb des Bildausschnitts liegt, so dass die Farbe und die Haltung ihrer Hände zum Thema des Bildes werden. Eine Hand ist weiß, lässig unter einer Hakenkreuz-Armbinde drapiert. In der Mitte ist ein Paar schwarzer Hände ehrfürchtig umklammert. Am anderen Ende tippen schwarze Finger mit goldenen Ringen in etwas, das aussieht wie ein Popcornbecher, der zum Geldsammeln umfunktioniert wurde. Es ist eine unheimliche Erinnerung an eine Allianz zwischen schwarzen Separatisten, die für die Ausreise aus den USA plädierten, und weißen Rassisten, die sie loswerden wollten."

Allan McColum und Matt Mullican: Your Fate Table. Bild: Galerie Thomas Schulte.


Die 28. "Rohkunstbau"-Ausstellung, diesmal auf Schloss Altdöbern, liest Ingeborg Ruthe (Berliner Zeitung) als Friedensappell, wie auch schon der Titel der Sammlung mit Werken von 14 Künstlern aus zwölf Ländern ihr verrät: "'Endlich Frieden', ist das Thema der Ausstellung, die, wie einst schon Goya, 'Desastres de la Guerra' direkt anspricht. Und bohrend fragt: Auf welcher Seite stehen wir - die Betrachter? Wie ist der Zustand der Welt noch zu reparieren? Schaffen wir eine neue Kultur der Sorge, die der Herrschaft und der Gewalt abschwört. Können wir uns aus dem Egoismus und dem Konkurrenzdenken lösen? Die Sehnsucht nach dem Paradies hat in den letzten Jahrhunderten nirgends zum Einlenken geführt. Die Kunst sucht nach Antworten."

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Fragment. Ukraine" (Tsp), die von der G.Art Gallery und dem Freiluft Kunst Klub Berlin im Hotel Berlin organisiert wird, und die Isa-Genzken-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.07.2023 - Kunst

Eva & Franco Mattes, BEFNOED, 2013-ongoing, Ausstellungsansicht Frankfurter Kunstverein 2023, Photo: Melania Dalle Grave, DSL Studio, ©Frankfurter Kunstverein, Courtesy: the artists & Apalazzo Gallery


Ziemlich anstrengen musste sich taz-Kritikerin Katharina J. Cichosch in "Fake Views", einer Ausstellung der Netzkunstpioniere Eva & Franco Mattes im Frankfurter Kunstverein: Die Anordnung der Videoarbeiten gibt den Blick darauf oft nur frei, wenn man sehr nah herangeht: "Wirkliches Anschauen ist in diesem Setting anstrengend, denn Sehen erfordert ja Abstand, entspannt konsumieren ist unmöglich", warnt sie. Aber der Besuch lohnt sich vielleicht doch: "Das Duo gilt als Pionier der Netzkunst, die auf die Medien- und Videokünste, vielleicht einen guten Teil der Kunst überhaupt nach 1990, rückwirkte. 1976 in Italien geboren, arbeiten beide seit Jahrzehnten an und mit dem Medium, das unseren Alltag prägt, sowie dessen Implikationen: Fragen zu Urheberschaft, Informationsfreiheit, Inszenierung geraten en passant in die Waagschale. Mal machten Eva & Franco Mattes drei Jahre lang den gesamten Inhalt ihres PCs online verfügbar, mal fakten sie Webseiten von Unternehmen und Vatikan oder erfanden einen Biennale-Künstler, der inszenierte und dann vermeintlich doch echte Bilder von Kriegsopfern zeigte."

Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Trailblazer, Rule Breaker" mit Werken der Renaissancekünstlerin Lavinia Fontana in der National Gallery of Ireland (FAZ).