Deutschrap hat sich zu Tode gesiegt, ist Jens Ulrich Eckhard im Welt-Kommentar überzeugt. Zwar dominiert das Genre Listen wie etwa die meistgestreamten Acts in Deutschland. "Doch akustisch betrachtet handelt es sich bei den Chartstürmern um einen weitestgehend gleich klingenden Mischmasch aus Trap-Beats, Autotune-Hooks und dahingenuschelten Texten. Deutschrap ist zur generischen Leierkastenmusik der Gen Z verkommen. Vom Kreativitätsschub, der das Genre in den gut zehn Jahren von etwa 2005 bis 2015 durchfuhr, keine Spur mehr. ... Dagegen wirkt die Szene heute wie ein stickiger Klassenraum, in dem ein paar Kids apathisch auf ihren Geräten herumwischen."
Außerdem: Die Agenturen melden dass PerryBamonte, der Gitarrist und Keyboarder von TheCure, gestorben ist. Der Tages-Anzeigerverkündet die besten Popsongs des Jahres.
Konstantin Nowotny schreibt in der tazzum Tod von ChrisRea (weitere Nachrufe bereits hier). In der FAZ gratuliert Stephan Mösch dem Pianisten HelmutDeutsch zum 80. Geburtstag. Besprochen werden eine Ausstellung über die multimediale Berliner Punkband DieTödlicheDorisin der Weserburg in Bremen (taz) und ein Buch mit den Erinnerungen von Schostakowitschsdritter EhefrauIrina (FAZ).
Mit "Driving Home for Christmas" landete er alljährlich kurz vor Weihnachten in den Sendeplätzen der Radios und in den Charts, nun ist ChrisRea wenige Tage vor Heiligabend einem Krebsleiden erlegen. Er hatte "eine Stimme zum Bärenvertreiben im Wald", schreibt Jakob Biazza in der SZ und führt durch entscheidende Etappen in der nicht immer geradlinigen Karriere des Musikers. Erst nach einigen Mainstream-Hits in den Achtzigern und nach einer ersten Krankheit konnte dieser sich endlich seiner eigentlichen Leidenschaft - der Filmmusik - widmen. Später, nach erneuter Krankheit, wandte er sich endgültig dem Blues zu: "Es war nun ein erneut spätes, enormes Glück, dass Rea sich hier nicht sträubte. Dass er seinen so mondsüchtig strahlenden Gitarrenton fortan dem Pop entzog und seinen großen Hits ... ein paar knochentrockene, im allerbesten Sinne humorlose Blues-Rock-Herrlichkeiten beisteuerte." Auch Ueli Bernays würdigt in der NZZ den späten Chris Rea und dessen aufwändiges, mehrere Alben umfassendes Projekt "Blue Guitars": "Während achtzehn Monaten habe er täglich zwölf Stunden daran gearbeitet und jede Sekunde genossen, erklärte er später. In den 137Songs ... zeichnete er die Geschichte des Blues nach, angefangen bei den Wurzeln in Westafrika."
Eine Playlist mit dem kompletten "Blue Guitars"-Zyklus gibt es auf Youtube:
Auf Zeit Online fokussiert Jens Balzer eher auf Reas erste Karriere: "Oft hatte man das Gefühl, dass er eigentlich nur für sich selbst singt, sodass seine Musik noch in den dramatischsten Momenten authentisch und nahbar wirkte", seine "Stimme war schon immer von der Aura einer gewissen Grundmüdigkeit umflort, sie war 'road-weary', wie man im Englischen sagt, welt- und reisemüde. Umso schöner erschien es, wenn die Musik drumherum strahlte. Und wie sie strahlte: durch die zart gefingerten Blues-Licks, die er nach eigenen Angaben als Autodidakt auf der Gitarre bei dem Delta-Blues-Musiker Charley Patton abgeschaut hatte; ebenso wie durch den markanten Einsatz des Bottleneck, also dieser kleinen Metallröhre, mit der man über die Saiten gleitet und die Töne zum Schweben und Sehnen bringt und auch manchmal zum Wengeln und Quengeln." So etwa in "Josephine":
Außerdem: In der FAZ gratuliert Max Nyffeler dem Komponisten GeorgesAperghis zum 80. Geburtstag. Besprochen werden DanielAverys neues Album "Tremor" (taz) und PhilippThers Buch "Der Klang der Monarchie. Eine musikalische Geschichte des Habsburgerreiches" (SZ).
Julian Weber berichtet in der taz vom Besuch einer Delegation deutscher Popmusiker bei Kulturstaatsminister WolframWeimer, von dem sie fordern, dass er sich für eine bessere Vergütung für Künstler beim Streaming einsetzt. Christian Schachinger hört sich für den Standard durch die aktuelle österreichische Produktion an Weihnachtsliedern. Besprochen wird eine remasterte Luxus-Neuausgabe des 1975 erstveröffentlichten Genesis-Albums "The Lamb Lies Down on Broadway" (NZZ).
Die Schauspielerin, Regisseurin, Produzentin und AutorinSaralisa Volm blickt in der SZ ziemlich begeistert aufs Phänomen des sogenannten "Fotzenrap", das 2008 mit Lady Bitch Ray erstmals an Fahrt aufnahm und zuletzt durch Rapperinnen wie Ikkimel wieder populär wurde. Sehr selbstbewusst bezeichnen sich die Rapperinnen selbst als nach dem derben Wort für das weibliche Geschlechtsorgan und markieren die harte Frau, die Männer reihenweise vernascht und dann zum Putzdienst verdonnert. Aber war das Wort nicht mal eine schwere, sexistische Beleidigung? "Keine der Rapperinnen, die es nutzen, tut es nur zum Spaß. Siewissen, wassiesagen, und allein das gibt uns ein Gefühl für die Ironie, die in ihren Texten liegt. Ihre Wortwahl ist nicht nur Provokation um der Provokation willen. Sie kritisieren und sie spielen mit internalisierterMisogynie - und sind doch nicht ganz frei davon. Hip-HopbleibtKlassenkampf und Einsatz für Teilhabe, durch Musik und durch Provokation."
Weiteres: Die WamS liefert ein Transkript des Podcastgesprächs, das Mathias Döpfner mit NileRodgers von Chic geführt hat. Besprochen werden ein Bach-Abend der BerlinerPhilharmoniker unter RaphaëlPichon (FAZ), ein neues Solo-Album des Geigers GiorgosPanagiotidis (FR) und ein von FranzWelser-Möst dirigiertes Konzert der WienerPhilharmoniker (Standard).
Der SWR prüft aktuell, ob sich die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) zwecks Einsparung zu einem Kammerorchester verkleinern lässt - und stößt damit erwartungsgemäß auf Widerstand. Hartmut Welscher spricht für VAN mit Ilka Emmert, Michael Gärtner und Susanne Ye aus dem Orchesterverstand. Begründet werde die aktuelle Prüfung "neben medienpolitischem Druck und Geldmangel" damit, "dass sowohl im SWR als auch in der ganzen ARD ein erstklassiges Kammerorchester im Portfolio fehle. ... Wir können das nicht nachvollziehen, denn der regionale Bedarf hat bei Orchestern natürlich Priorität vor dem der gesamten ARD, und diesen Bedarf gibt es in unserem Sendegebiet nicht." Außerdem "gibt es seit 25 Jahren das BR Kammerorchester, das aus Mitgliedern des BR Symphonieorchesters besteht. ... Da wir in der Region für sinfonisches Repertoire bekannt und beliebt sind, und es auch bereits ein renommiertes Kammerorchester, das Kammerorchester der Großregion, gibt, dürfte es künstlerisch schwierig werden, unseren jetzigen hohen Stellenwert beizubehalten. Einige Veranstalter haben uns schon zu verstehen gegeben, dass sie für uns als Kammerorchester keinen Platz mehr in ihren Veranstaltungsreihen sehen."
Benjamin Moldenhauer freut sich in der taz, dass Tapete Records mit einer Zusammenstellung das Werk der Hamburger Band Huah! wieder zugänglich macht. Diese gab es um 1990 herum, mit dabei waren später in der Indie-Szene namhafte Leute wie KnarfRellöm und Bernadette La Hengst. Zu hören gibt es "Zitatpop, aber nicht, um das eigene Wissen herauszustellen", sondern "um Vielheiten und einen eigenen Bandkosmos zu fabrizieren, in dem man es aushalten und den man auf der Flucht aus der Provinz nach Hamburg mitnehmen konnte." Eine Frühform der Hamburger Schule also? Nicht ganz, denn hier "finden das Politische und die schönsten Popgefühle noch einmal anders zusammen". Diese Lyrics haben "Leichtigkeit und strahlenden Witz. Die musikalische Entsprechung ist ein Punkverständnis, das Rockistisches und laute Gitarren freundlich beiseite schiebt und stattdessen Bubblegumsound und Zitate von potenziell überallher umschließt." Wir hören rein:
Weitere Artikel: Eine Delegation deutscher Musiker bestehend aus Peter Maffay, Balbina, Herbert Grönemeyer und Christopher Annen hat hinter verschlossener Tür mit WolframWeimer diskutiert, ob und wie sich bessere Tantiemenzahlungen für Musiker aus dem Streaming durch politische Interventionen erzwingen lassen können, berichtet Tobias Timm auf ZeitOnline. Für VAN streift Eleonore Büning in der wiedereröffneten Beethovenhalle in Bonn "selig durchs Erinnerungslabyrinth meiner musikalischen Jugend". Joseph Kreider schildert in einem VAN-Essay, wie die Musik von Bach, Beethoven und Wagner ihm dabei halfen, seine Alkoholsucht trocken zu legen: "Während ich mich auf einen weiteren Tag des Widerstands gegen Rückfall und Selbstzerstörung vorbereitete, fühlte ich mich von ihrer Energie fast körperlich gestützt." In der SZ gruselt sich Philipp Bovermann vor der patriotischen Wende des Rappers Kollegah (mehr dazu bereits hier). Und 90s-Revival, CD-Comeback, KI-Schwemme auf den Streamingdiensten und Pop als Trost vor durchlässig werdenden Brandmauern: Das taz-Team resümiert das Musikjahr 2025.
Erinnert sich noch jemand an den Rapper FelixBlume, der als Kollegah vor ein paar Jahren durch antisemitischenSchrott aus der unteren Schublade aufgefallen war? Der legt nun unter seinem bürgerlichen Namen ein Comeback hin, mit dem Lied "Deutschland" und fischt darin mit larmoyant-verheultemPatriotismus am rechten Rand. Das freut vor allem die AfD und einschlägige rechtspopulistische Netz-Schleudern, schreibt Jens Balzer auf Zeit Online. Bemerkenswert, "dass Blumes Verwendung antisemitischer Tropen für diese Begeisterung keinen Hinderungsgrund bietet". Das zeigt, "dass der in rechten Kreisen zuletzt gern gepflegte Philosemitismus - sei es aus Zustimmung für die Regierung von Benjamin Netanjahu, sei es, weil man damit Stimmung gegen die pauschal zu Antisemiten erklärten Muslime im Lande machen kann - eben lediglich eine Maskerade ist".
Natürlich fehlt in Blumes Track auch das "Denk ich an Deutschland"-Heine-Zitat nicht. "Dass Heine als Jude im Deutschen Bund große Nachteile erfuhr und das Gedicht, in dem er vor allem von seiner Mutter erzählte, im Pariser Exil verfasste, wird ignoriert", schreibt Johann Voigt in der taz. "Kollegah macht - genauso wie die AfD und die Neue Rechte - passend, was für ihre Argumentation passend gemacht werden muss. Was bleibt, ist ein Stück schlecht produzierte Musik mit Haus-Maus-Reimen. Der purePopulismus."
Weitere Artikel: "Erleichterung, Zuversicht, Freude" war beim Eröffnungskonzert in der nach vielen Jahren und (natürlich) mit viel Verspätung wiedereröffneten Bonner Beethovenhalle zu hören, schreibt Hubertus Spiegel in der FAZ. Auf Backstage Classicalresümiert Guido Krawinkel den Abend. Im Dlf Kulturführt Anja Reinhardt "hinter die Kulissen" der Beethovenhalle.
Besprochen werden neue Bücher zur Geschichte des deutschen Popjournalismus (taz), MavisStaples' Album "Sad And Beautiful World" (FR), ein Liederabend mit Franz-JosefSelig im Frankfurter Opernhaus (FR) und ein Konzert von Nazareth in Frankfurt (FR).
Max Dax unterhält sich in der Welt mit dem Pianisten VíkingurÓlafsson über dessen neues Album "Opus 109". Er fokussiert damit auf Beethovens neue Schaffensphase nach einer künstlerischen Pause in den Jahren 1815 bis 1820. Dieses "Spätwerk ist unglaublich menschlich. Er lädt uns in 'Opus 109' ein, in seinen privatesten Raum einzutreten. In diesem Sinne ist er ein Pionier der Romantik und vielleicht der erste romantische Komponist der Geschichte. Aber das kosmische Element ist ebenfalls präsent. Denn genau in dem Moment, in dem man glaubt, in seinem Innersten zu sein, hat man zugleich das Gefühl, dass er das Universum widerspiegelt. Vor allem in seinen späten Kompositionen stellt er grundlegende Fragen: Was ist eine Komposition? Was ist ein Thema und was sind Variationen? In diesen letzten Werken transzendiert er sich selbst durch die menschliche Erfahrung. Da erreicht er das Kosmische durch barocke Erfindungen." Wir hören rein:
XavierNaidoo ist zurück und gab in Köln ausverkaufte Comeback-Konzerte, eine Tour durch große Hallen ist angekündigt. War was gewesen? Mit immer abstruseren Verschwörungsfantasien, offenantisemitischenTiraden, Sympathien fürs Reichsbürgermilieu und zusehends wirren Auftritten in der Öffentlichkeit hatte er sich schon vor Corona ins Aus manövriert. Ein halbgares Entschuldigungsvideo sollte 2022 das alles ungeschehen machen, aktuell laufen noch zwei Verfahren gegen ihn. Wirklich "angemessen entschuldigt hat sich Xavier Naidoo nie", kommentiert Sebastian Leber im Tagesspiegel. "Dass einem nun Menschen, die finanziell von Naidoos Comeback profitieren, das Gegenteil weismachen wollen, ist ökonomisch nachvollziehbar, aber trotzdem hochgradig unappetitlich." Naidoo aus nostalgischen Gründen weiterhin zu hören, findet Leber höchst verzeihlich. Aber eben nicht, auf seine Konzerte zu gehen: "Damit normalisiert man ihn und seine Entgleisungen." Michael Pilz rollt in der Welt nochmal Naidoos Abgleiten in den Irrsinn auf.
Außerdem: Peter Blaha hat in der FAZ zwar Verständnis dafür, dass das hochgradig verschuldete Wien bei seinen zahlreichen Maßnahmen, den Schuldenberg nicht noch weiter anwachsen zu lassen, auch bei der Kultur den Rotstift ansetzen muss, aber dass es im Zuge neben namhaften Theaterbühnen auch ausgerechnet das "weltweit im Fernsehen übertragene Sommernachtskonzert" der WienerPhilharmoniker treffen soll, ärgert ihn dann doch. Arne Löffel spricht in der FR mit DJHell über dessen neues Album "Neoclash". Nadine Lange (Tsp) und Jakob Biazza (SZ) schreiben Nachrufe auf den früheren Deichkind-Musiker MaltePittner.
Besprochen werden KerstyundSandraGrethers Buch "Rebel Queens - Frauen in der Rockmusik" (FR) und ein Schubert-Abend mit der KammerphilharmonieBremen unter PaavoJärvi in Wien (Standard).
Cover-Artwork des aktuellen Rosalía-Albums "Lux" In der Popkultur erfreut sich der Nonnen-Look zuletzt auffälliger Konjunktur, bemerkt Ivana Sokola auf ZeitOnline. Kronzeuginnen sind für sie Rosalía und Lily Allen. Insbesondere erstere zeigte sich vor wenigen Jahren noch sehr lasziv. Hinter diesem "Imagewechsel mag die Sehnsucht nach neuer Tiefe stecken - aber auch die Suche nach einem grundlegend anderen Leben: Nach der freien, aggressiven, aber auch erschöpfenden Sexyness bieten Nonnen einen erfüllenden und unabhängigen Lifestyle. Als weltliche Frau ist der kaum zu erreichen. Als Nonne lebt man bildschirmfrei, minimalistisch, hat eine Macherinnen-Routine mit frühem Aufstehen und ohne Zeit für Prokrastination - vor allem aber: ohneMänner. Die Voguefragte vor Kurzem: 'Ist es heutzutage peinlich, einen Boyfriend zu haben?' Und die Kunst sucht parallel dazu nach Transzendenz, Schwesternschaft und Zurückgezogenheit. ...Eine Gemeinschaft unter Gleichen, männerfrei und schwesterlich."
Besprochen werden ein Konzert der LambriniGirls (FR), ein Konzert von TillLindemann in Zürich (NZZ) sowie Rebecca Treschers und Andreas FeithsAlbum "Changing Perspectives" ("Trescher liebt Wärme in den Klangfarben und geduldige Entfaltung komplexer melodischer Prozesse", schreibt Hans-Jürgen Linke in der FR).
Ohne jahrelange Verspätung geht es in Deutschland nicht mehr: Die BonnerBeethovenhalle ist fertig saniert - sechs Jahre nach dem anvisierten Termin, Planungen gehen aufs Jahr 2007 zurück. Das Ergebnis immerhin kann sich sehen lassen, findet Alexander Menden (SZ). Die Halle "sieht weitgehend so aus, wie sie 1959 bei der Ersteröffnung gewirkt haben muss. Siegfried Wolskes Erstlingswerk hat ein offenesGepräge, der Grundgedanke war die Bescheidenheit und demokratische Gesinnung der noch jungen Bonner Republik. ... Der Konzertsaal selbst wirkt" nun "geradezu surrealmakellos. Das Mahagoni-Parkett ist durch geräucherte Eiche ersetzt." Auch an der zuletzt recht trockenen Akustik wurde gefeilt: Die "Rückwand ist von einem doppelten Kupfergewebe bedeckt, durch die der Klang gleichsam hindurchdiffundieren kann. Die lattenrostartigen Wandpaneele links und rechts des Podiums, die immer ein wenig an ein öffentlich-rechtliches Tonstudio erinnerten, wurden mit Gips unterfüttert. Das alles (plus neuer Nachhallanlage) ist auf größere bauakustische Homogenität und ein breiteresklangdynamisches Spektrum angelegt."
Christian Schachinger schwärmt im Standard von der Kunst SofiaIsellas. Die junge Musikerin hat schon im Vorprogramm von Taylor Swift gespielt, macht aber völlig andere Musik - und statt auf verklausulierte Botschaften setzt sie auf Konfrontation: Von Patriarchat und schlechtem Sex hat die Musikerin den Hals jedenfalls gestrichen voll. "Aus den dunklen Kellerecken des britischen Postpunk der späten 1980er-Jahre poltert eine Drum Machine. Zu einem knurrenden Bass gesellt sich gegen Ende ein Sirenenchor mit in die Ohren schneidenden Violin-Glissandi und einer verhallten, mit Phasereffekt versehenen Gruftierock-Gedächtnisgitarre. Sofia Isella spielt alles selbst ein. ... Darüber raunt Sofia Isella ganz knapp am Ohr im Stil von Billie Eilish. Allerdings werden deren vor zwei, drei Jahren populäre und das Gemüt der Hörerinnen und Hörer beruhigende "sensorische Meridian-Resonanzgeräusche" wie Schlucken, Räuspern und Zähneknirschen weggelassen. Dafür setzt es radikale Texte. ... Die ewige Sexualisierung junger weiblicher Körper, das männliche Starren. Sofia Isella legt in 'Above the Neck' Machtstrukturen offen."
Außerdem: Gregor Kessler resümiert in der taz die Veranstaltung "Alles bleibt gut" zu 45 Jahren Punk in Hamburg. Axel Brüggemann meldet auf BackstageClassical, dass der Kritiker ErnstStrobl gestorben ist.
Besprochen werden die ersten zwei Folgen der auf Disney+ gezeigten Dokuserie "End of an Era" über TaylorSwifts Welttournee (Standard), Konzerte aus der musica-viva-Reihe (FAZ), ein Konzert des HR-Sinfonieorchesters mit Kompositionen von JohnAdams und BélaBartók (FR), ein Konzert der HR-Bigband (FR), ein Frankfurter Weihnachtsoratorium mit den AugsburgerDomsingknaben (FR) und die von StephanBenson eingelesene Hörbuch-Ausgabe von OzzyOsbournes Autobiografie (FAZ).
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
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