Ueli Bernays erinnert in der NZZ an Prince, der vor zehn Jahren gestorben ist. Besprochen werden ein Konzert von IgorLevit in Frankfurt (FR), ein von ChristianThielemann dirigiertes Konzert der StaatskapelleBerlin in Wien (Standard) und das neue Album von Apparat (FR).
Deutschrap ist im Wandel und legt seine rüdeHetero-Maskulinität zusehends ab, beobachtet Theresa Hannig in der FAZ: Immer mehr schwuleRapper und Rapperinnen erobern selbstbewusst die Bühne und die Charts. Und "wer Gefühle zeigt, ist nicht mehr schwach: Das verstehen auch immer mehr heterosexuelle männliche Rapper. Selbst muskulöse Jungs wie Disarstar (kahl rasiert und tätowiert) versuchen das homophobe und hypermaskuline Image des klassischen Straßenraps zu dekonstruieren. ... Unterdessen verbreiten sanfte Jungs wie LGoony Melancholie und Verletzlichkeit." Doch "womöglich ist es sogar ein Trend, sich als besonders sensibel und verständnisvoll zu präsentieren, um Frauen zu gefallen. Der 'PerformativeMale' hat also den Deutschrap erobert, was auch Apsilon weiß: 'Bucht mal eure Indie-Rapper, [...] die auf Feministen machen für ein bisschen Pussy.'"
Weiteres: "Es gibt überhaupt keine Musik mehr in Afghanistan", sagt die aus ihrer Heimat geflohene Musikerin ElenaYaqubee im taz-Gespräch: "Wenn wir nicht aufpassen, geht so viel kulturelles Wissen verloren. Musik zu machen, ist für mich eine Form des Widerstands." Die auch feuilletonistisch messbaren Wallungen um JustinBiebers minimalistischen (manche meinen: die Arbeit verweigernden) Auftritt beim Coachella Festival entlockentazler Detlef Diederichsen nicht viel mehr als ein müdes Lächeln, viel wichtiger findet er es, mal darauf zu schauen, "dass das Coachella-Festival von der Anschutz Entertainment Group des rechts-religiösenMAGA-UnterstützersPhilipAnschutz veranstaltet wird". Jochen Overbeck porträtiert in der Welt den Rapper Marteria. Der Musiker MaximilianPongratz schreibt in der SZ einen Liebesbrief an das Akkordeon.
Besprochen werden ein Messiaen-Konzert des Tonhalle-Orchesters unter Kent Nagano (NZZ), ein Konzert des HR-Sinfonieorchesters mit armenischer Musik (FR) und FrankSchäfers Buch über Motörhead (FAZ).
tazler Johann Voigt taucht tief ein in "No Country for Old Grim", das neue Soloalbum des Rappers Grim104, der darauf schwer mit seiner Lage hadert. Dieser analysiere darauf "die eigene Verstrickung ins Chaos. Also: beobachten, sich selbst befragen, Schlüsse ziehen." Es "ist die Selbstverortung eines 37-jährigen Rappers, der begriffen hat, dass er für immer Nische bleiben wird. Wenig Kohle, dafür künstlerische Freiheit". Denn: Das Majorlabel Four Music/Sony wollte das Album nicht haben, weil es "zu 'Culture'" sei. "Das bedeutet, nicht anschlussfähig zu sein um jeden Preis, aber dadurch auch uninteressant für die Algorithmen von Streamingdiensten. Grims Erlebnishorizont ist kleinteilig. Es geht um das Leben in Berlin-Gesundbrunnen und Wedding", aber auch "um die Ambivalenz zwischen der Sozialisation im norddeutschen Dorf und der Hinwendung zur Metropole. ... Außerdem bedeutet "Culture" ein Potpourri subkultureller Codes. Heißt, dass zappelnde Breakbeats hier genauso eine Rolle spielen wie klirrend-kühle Wave-Sounds und Sample-Beats."
Weiteres: Stephanie Grimm berichtet in der taz von der TallinnMusicWeek. In den USA hat ein Gericht festgestellt, dass die fusionierten Ticketservices LiveNation und Ticketmaster ein illegalesMonopol errichtet haben, berichtet Niels Bossert in der NZZ. Die Agenturen melden, dass der Pianist OlegMaisenberg im Alter von 80 Jahren gestorben ist.
Besprochen werden PaulSimons Konzert in Berlin (FR), ein Konzert der Geigerin MariaDueñas und des Pianisten AlexanderMalofeev in Wien (Standard), ein Auftritt des Berliner Rap-Dups 6euroneunzig in Frankfurt (FR), Lisa Wulffs Album "Hand aufs Herz" (FR) sowie WalterGröbchens und ThomasMießgangs Buch "Die guten Kräfte" über die Geschichte des Austro-Pop (Presse).
Und eine Sensation: Die Meister des elektronischen Flou und der akustischen Craquelets Boards of Canada geben ihr erstes Lebenszeichen nach 13 Jahren!
Bestellen Sie bei eichendorff21!UdoLindenberg wird bald 80 und sein größter Fan sowie bester Freund ist bekanntlich der SchriftstellerBenjamin von Stuckrad-Barre, der dem Musiker nun mit "Udo Fröhliche" (besprochen im Standard) eine Hommage in Buchform gewidmet hat. Im Zeit-Gespräch mit Peter Kümmel gibt Stuckrad-Barre Einblicke in die Lebenswelt Lindenbergs. Wenn man ihn besucht, "dann ist man auf Udos Planeten, auf dem alles anders ist, mit eigener Sprache, eigener Währung und eigener Zeitzone". Mit Vorliebe fährt er nachts mit dem Porsche durch die Stadt, "nie schnell, sondern spektakulärlangsam. Mitunter bleibt er einfach stehen, wenn das Gespräch das gerade erfordert. ... Diese soziale Skulptur eines von Udo zum Erliegen gebrachten Kreisverkehrs, die begeistert mich natürlich. Die durch Hupen, Geschrei und Vogel- oder Mittelfingerzeigen formulierte Fassungslosigkeit dieser Typen, warum fährt da einer im schnellsten Auto nur Schritttempo? Und Udo kriegt all das kaum mit, lacht und winkt freundlich."
Weiteres: In der FRplaudert Steffen Rüth mit NinaHagen, die nach 17 Jahren ein neues Album veröffentlicht hat. Joachim Hentschel porträtiert in der SZJoeJackson, der ebenfalls ein neues Album veröffentlicht hat. In der FAZ gratuliert Jan Brachmann dem Komponisten PēterisVasks zum 80. Geburtstag. Gunda Bartels schreibt im Tagesspiegel einen Nachruf auf den Klassikveranstalter WitikoAdler.
Kommt der Running-Gag der deutschen Urheber-Streitigkeiten um den Gebrauch gesampelter Musik nach mittlerweile deutlich über zwanzig Jahren doch noch an sein Ende? In der Sache Kraftwerk/MosesPelham (letzterer hatte für Sabrina Setlurs "Nur Mir" von ersteren zwei Sekunden aus "Metall auf Metall" verwendet, ohne vorher anzuklopfen) hat der EuropäischeGerichtshof nun jedenfalls Richtlinien vorgegeben, nach denen ein Sample auch ohne Genehmigung des Urhebers verwendet werden darf - sofern es ans Original zwar erinnert, aber hörbar weiter verarbeitet wurde und zum Original eine künstlerische Korrespondenz unterhält, also ein "Pastiche" ist (mehr dazu in den Agenturen). Damit könnte in dieser Geschichte "das vorletzte Wort gesprochen" sein, schreibt Wolfgang Janisch in der SZ - die finale Entscheidung liegt nun wieder beim Bundesgerichtshof. Michael Hanfeld in der FAZ ist sich sicher: "Damit hat Moses Pelham im jahrelangen Ringen um das für DJs und den Rap typischen Sampling eine weitere Grundsatzentscheidung errungen."
"Was wie eine Privatfehde aus Absurdistan anmutet, ist im Grunde viel mehr", merkt Frédéric Döhl im Tagesspiegel an. Denn: Das deutsche Urheberrecht war im Hinblick auf kreative Arbeit mit Orginalen eigentlich schon mal deutlich liberaler, wurde aber durch die InfoSoc-Richtlinie der EU erheblich eingeschränkt. Sind die Pastiche-Richtlinien des Europäischen Gerichtshofs nun also ein Anlass zum Jubel? Eher nicht so: "Sowohl Zitat- als auch Parodie-Karikatur-Schranke sind nun aber aus Kunstsicht voraussetzungsreiche, ästhetisch vergleichsweise limitierte Schranken, die nur spezifische Formen der Auseinandersetzung mit fremden Vorlagen erfassen und rechtlich privilegieren. Scheiden aber beide aus, bleibt im neuen Urheberrecht ab Wiedererkennbarkeit einer Übernahme nur die Pasticheschranke als Exitoption hin zu Erlaubnisfreiheit. Das heißt, es hängt rechtlich ganz viel an der Frage: Was ist Pastiche? ... Es wird nun viel Streit geben, was von dieser recht schwammigen Definition erfasst ist und was nicht. Klar ist: Es wird ab heute viel weniger erlaubnisfrei zulässig sein als nach altem Recht."
Weitere Artikel: "Es ist ein GewinnanLicht, LuftundLeichtigkeit" und außerdem klingt es hier mitunter "herrlich krisp und knusprig, also konturiert, aber nicht bullig", schreibt Jan Brachmann (FAZ) zur in den letzten Jahren baulich etwas umgestalteten HeidelbergerStadthalle, in der sich das Heidelberger FrühlingMusikfestival pünktlich zu seinem 30-jährigen Bestehen präsentierte. Michael Stallknecht beobachtet für die NZZ, wie sich das ausschließlich mit Schweizer Musikern besetzte SwissNationalOrchestra (nicht zu verwechseln mit dem Swiss Orchestra) aufstellt, um Kulturbotschafter der Schweiz zu werden. Im Freitagfindet Laura Ewert JustinBiebers minimalistischen Coachella-Auftritt (mehr dazu bereits hier) "tragisch berührend" und sieht darin "die größte Menschwerdung, die es auf einer derart großen Popbühne je gab". Und Paul Buschnegg fragt sich auf ZeitOnline, ob "hier ein vom Showbusiness gezeichneter Ex-Kinderstar der effekthaschenden Gegenwart den Mittelfinger zeigte", fand die Performance insgesamt aber "erfrischend" sowie "ungelenk, aberneu".
Besprochen werden ein Konzert von BeverlyGlenn-Copeland (taz) und das Debütalbum der österreichischen Alte-Herren-Punkband Post (Standard).
Beim Coachella-Festival, das sich vergangenes Wochenende in der Wüste bei Palm Springs abgespielt hat, geht es eigentlich um immer noch bombastischere Performances. Umso größer war der Aufschrei popinformierter Kreise, als der einstige, zwischenzeitig arg von Depressionen und anderem Leid gezeichnete Kinderstar JustinBieber lediglich einen Laptop aufklappte, von dort aus Youtube-Videos auf die Screens projizierte und davor performte. In der Weltfeiert Dennis Sand aber genau das: Bieber "verzichtet auf Spektakel, auf kalkulierte Eskalation, und ersetzt sie durch etwas, das im Pop ein Stück weit verloren schien: Selbstbegegnung. ... Er performt nicht seine Songs, sondern die Bedingungen, unter denen sie entstanden sind. Das ist mehr als nur ein ästhetischer Kniff: Pop wird hier nicht als Oberfläche inszeniert, sondern als Archiv offengelegt. ... Gerade darin liegt die Radikalität dieses Auftritts: In einer Kultur permanenter Selbstinszenierung verweigert Bieber die nächste Version seiner selbst. Kein Rebranding, keine 'New Era', um im Taylor-Swift-Vokabular zu bleiben, stattdessen bloß Stillstand als Geste."
Eine zweiteilige Edition erschließt Herbert von Karajans Live-Aufnahmen mit den BerlinerPhilharmonikern von den Fünfzigern bis in die späten Siebziger - nachvollziehen lässt sich dabei, auch im Abgleich mit Studioaufnahmen, Karajans voranschreitende Selbstperfektion unter technisch immer besseren Rahmenbedingungen, beobachtet Helmut Mauró in der SZ. Denn "auch im Konzertsaal will der Dirigent wirklich jeden Ton hören, jede geschriebene Note, und trotzdem soll es ein dramatisch geschlossenes Ganzes sein. Der Klang resultiert aus einer wohlkalkulierten Ästhetik. Er ist vom Raunen befreit, von der Idee einer zeremoniellen Feier, wie sie während der Nazizeit Standard war. ... Wo bis dahin Posaunen und Hörner einen statisch kalten Klangraum aufspreizten, treibt Karajan nun die Bläser vor sich her - das gilt selbst für die wuchtige Achte von Bruckner - und gibt dem Pathos einen Schwung, der die großen klassischen und romantischen Symphonien zwar weiterhin großmächtig, aber nun auch hell und glanzvoll erscheinen lässt. Karajan hat den düsteren deutschen Orchesterklang bei Bruckner entnazifiziert, von Mozart alles Süßlich-Klebrige abgewaschen, die verkrustete Idylle bei Schubert entblättert."
Weitere Artikel: Markus Acher und Cico Beck von TheNotwisterklären im FR-Gespräch mit Steffen Rüth, warum sie ihr neues Album "News from Planet Zombie" wieder organisch und kollektiv im Studio aufgenommen haben und welche Rolle vermeintliche B-Movies (Carpenters "Klapperschlange" ist ja nun wirklich kein solches, möchte der Perlentaucher hinter diesen Zeilen anmerken) als Inspirationsquelle dabei gespielt haben. Ueli Bernays spricht in der NZZ mit dem israelischen Jazzpianisten OmerKlein. Michael Pilz führt in der Welt durch die eher befremdlichen Versuche internationaler Popstars, auf Deutsch zu singen. In der FAZ gratuliert Clemens Haustein der Sopranistin BarbaraBonney zum 70. Geburtstag. Henrik von Holtum schreibt in der taz einen Nachruf auf Hiphop-Pionier AfrikaBambaataa. Wolfgang Sandner schreibt in der FAZ zum Tod des britischen Jazzers MikeWestbrook.
Besprochen werden JamesBlakes Album "Trying Times" (FR), ein Konzert in der Komischen Oper Berlin, bei der MoorMother auf Tschaikowsky traf (BC), ein Konzert von TristanBrusch in Bremen (Kaput), die Compilation "Changing My Scene: Art, Music & The Beatles - from Stockhausen to The Goons" (FR), ein Konzert von PeterEvans in Frankfurt (FR) und neue Veröffentlichungen anspruchsvoller Musik, darunter MarilynCrispells und AndersJormins gemeinsames Album "Memento" (Standard).
Viel Aufregung um eine Platte einer Band namens TheCockroaches, die in relativ anonymer Aufmachung in den Plattenläden landete und ratzfatz ausverkauft war - kein Wunder, handelt es sich dabei doch um neue Musik von den RollingStones, die obendrein vorerst nur auf Vinyl erhältlich ist, ein neues Album im Juli teast und vorab in London von einer ebenfalls eher mysteriösen Werbekampagne annonciert wurde. Dass die Stones die Streamer ignorieren, freut Gerrit Bartels im Tagesspiegel: "So gehört sich das für die größte Rock'n'Roll-Band der Welt". Schon in den Siebzigern hatte die Band den Alias für Kellerkonzerte genutzt, weiß in der SZ Jakob Biazza, der auch die vielen Anspielungen und Hinweise zu deuten weiß, die auf der Website thecockroaches.com preisgeben, wer sich hinter der Band versteckt. Geboten wird auf der Single ein "sehr toller Rumpel-Blues. Eines dieser so famos abgehangenen und dann sandgestrahlten Richards-Intro-Riffs. Feinstes Jagger-Mundharmonika-Kikeriki. Ron Wood lässt ein paar grelle Slide-Guitar-Einwürfe strahlen. Dazu ein womöglich etwas kraftmeiernder Shuffle-Beat und insgesamt trotzdem vielLässigkeit."
Weiteres: Für ZeitOnline spricht Christoph Amend mit HerbertGrönemeyer, der gestern 70 Jahre alt wurde, wozu Wieland Schwanebeck (54books) gratuliert. Jonathan Fischer (NZZ) und Edo Reents (FAZ) gratulieren AlGreen zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden ein Clubkonzert der PetShopBoys in London (taz), ein Konzert von FranzFerdinand in Frankfurt (FR), WalterGröbchens und ThomasMießgangs Buch "Die guten Kräfte" über "die Geschichte der österreichischenPopmusik in 100 Songs" (Standard), eine vom InnsbruckerFestwochenorchester unter AlessandroDeMarchi eingespielte Aufnahme von Vivaldis Oper "L'Olimpiade" (FAZ), ein neues Album des LeonkoroQuartetts mit Aufnahmen von Berg, Webern und Schulhoff (FAZ), OmerKleins jazziges Klavieralbum "The Poetics" (FAZ) und JoshuaIdehens neues Album "I Know You're Hurting, Everyone Is Hurting, Everyone Is Trying, You Have Got To Try" (taz).
Ins Metaverse der VirtuellenRealität will bislang kaum einer einsteigen. Auch Facebook wickelt seine einst mit großem Enthusiasmus vorangetriebene VR-Sparte mittlerweile still und heimlich ab. Und dann soll man ausgerechnet jetzt mit der VR-App "Virtual Hall" per VR-Brille ingroßeKonzerte internationaler Orchester einsteigen? Thomas Lindemann hat den Versuch für die FAS gewagt und sich Beethovens "Eroica" virtuell in der Victoria Hall in Genf angesehen. Die Überraschung zuerst: Die Andockpunkte, von denen aus man das Konzert verfolgen kann, "liegen alle mitten im Orchester. Dass man im Zuschauerbereich sitzt, ist gar nicht vorgesehen. Wäre ja auch nichts Neues. ... Schon jetzt ist klar, das Erlebnis erzeugt eine gewisse angenehme Ruhe, der Saal ist imposant, die Stimmung andächtig. ... Man darf das trotzdem nicht mit dem Gefühl verwechseln, wirklich in einem großen Konzertsaal zu sitzen", denn: "Irgendwas fehlt. Aber Beethovens Eroica einmal so zu hören, ist andererseits für Fans schon ein kleines Wunder."
Weitere Artikel: "Gut, dass menschenfeindlicheAussagenimPop für millionenschwere Künstler zumindest ein paar kleine Konsequenzen haben", kommentiert Johann Voigt in der taz den Umstand, dass Großbritannien KanyeWest die Einreise verboten hat. David Pfeifer erzählt in der SZ von seiner Reise nach Japan, wo er die von KahchunWong geleiteten Proben zur Aufführung von Beethovens Neunter in der Suntory Hall in Tokio besucht hat. Marta Popowska porträtiert in der taz die Stuttgarter Opernsängerin JosefinFeiler, die nebenbei in einer Punkband singt. Gunnar Meinhardt spricht in der WamS mit der Sängerin JuliaNeigel. Maurice Summen berichtet in der taz vom Psychobilly-Treffen in Stadtlohn. Patrick Bahners gratuliert in der FAZHerbert Grönemeyer zum Siebzigsten. Das dazu passende ARD-Porträt bespricht Jakob Biazza in der SZ. Andrian Kreye (SZ) und Jens Balzer (ZeitOnline) schreiben Nachrufe auf Afrika Bambaataa. Besprochen wird ein Konzert von ArcadiVolodos in Wien (Standard).
Im Spektrum extremer Stromgitarrenmusik stehen NapalmDeath für unglaubliche Grindcore-Geschwindigkeit (und Barney Greenways keifendes Gegrunze) und die Melvins für unglaubliche Sludge-Langsamkeit (und für BuzzOsbornes sägendes Geriffe samt Genöle). Für das Album "Savage Imperial Death March" haben sich beide nun zusammengetan und sorgen damit für "raues, düsteres Kollektiv-Quieken", schreibt Du Pham in der taz, wird aber nicht völlig warm mit dieser "adligen Ausgeburt einer Supergroup aus der Hölle. Die Buzz'schen Riffs im Wechsel mit metallischen Geschredder, das Schlagzeug ruckartig und immer nahe am Abgrund des Taktgefühls. Sie sind Antichristen, die miteinander Pferde stehlen", sich dabei aber gegenseitig ausbremsen: "Es könnte erfrischend sein, denn sie covern nicht sich selbst, sondern schaffen ein drittes Element. Das Neue ist nur leider nicht gut, sondern schrecklich", nur "beim letzten Track ist es ihnen gelungen, ihren jeweiligen Sound den nötigen Raum zu geben, sich musikalisch zu entfalten und etwas Gemeinsames zu schaffen". Wir wagen am frühen Morgen dennoch ein Ohr:
Helene Slancar staunt im Standard über den rasenden Erfolg, den das anonym auftretende kanadische Duo Khn und Klek gerade unter dem Namen Angine de Poitrineauf Social Media hat: Waghalsige Kostüme, noch waghalsigere Musik - da jauchzen Algorithmus, Feed und Timeline. "Wie Khn auf der Doppelhalsgitarre abwechselnd mikrotonale Lead-Melodie und Bass spielt und sich dabei mit dem Loop-Pedal selbst in alle Ewigkeit begleitet, ist nicht nur faszinierend anzusehen, sondern Teil der köstlichenHypnose. Klek kontert dem Ganzen am Schlagzeug." Diese Musik vermittelt "durchaus ein Pathos, das den Nerv der Zeit trifft. Revolutionär ist die Komplexität und Fitzelei von Angine de Poitrine im Hinblick auf eine lange Prog- und Mathrock-Geschichte nicht unbedingt." Doch beeindruckt, "wie sich Angine de Poitrine so erfolgreich in einen Mainstream aus Synthesizer-Pop und Herschmerz-Texten drängen. ... Dada-AuftrittundVirtuosität stellen die sinnbefreitenInhalte ordentlich in den Schatten."
Weiteres: Derya Türkmen porträtiert in der taz den türkischen Musiker DenizMahirKartal. Steffen Rüth spricht in der FR mit Robyn über deren neues Album "Sexistential". Der englische Musiker Fil hat mittels einer Audioanalyse nachgewiesen, dass TaylorSwift auf ihren Touren zumindest passagenweise Playback singt, meldet Jean-Martin Büttner in der NZZ, was für die Sängerin indessen wohl "keine schwerwiegenden Folgen haben" dürfte, denn "dem Publikum ... geht es nicht um vokalen Purismus".
Besprochen werden ein von JohnEliotGardiner dirigiertes Bach-Konzert des ConstellationOrchestra & Choir in Wien (Standard), HollyHumberstones Album "Cruel World" (Welt) und JanWehns Buch "Deutschrap" (FAZ).
Und eine Meldung aus den Agenturen: Hiphop-Pionier AfrikaBambaataa ist gestorben. 1982 vermählte er die Kühle von Kraftwerk mit dem Funk der Straßenpartys in der Bronx:
Kanye West wurde wegen seiner in den letzten Jahren zunehmend eskalierenden antisemitischen und rechtsradikalen Exzesse nun, seiner angeblichen Läuterung zum Trotz, die Einreise nach Großbritannien verboten. Richtig so, meint Jochen Bittner auf Zeit Online, denn "an Judenfeinden herrscht auf der Insel auch ohne Kanye West kein Mangel. Seit dem 7. Oktober 2023 erreichen antisemitisch motivierte Vorfälle in Großbritannien immer neueRekorde. Den Boden dafür bereitet ein geistiger Schulterschluss zwischen der radikalen Linken und radikalen Muslimen. ... Künstler, die entsprechende Begleitmusik liefern, gibt's ebenfalls nicht zu knapp aus heimischer Produktion. Die nordirischen Rapper und Terrorismusverherrlicher Kneecap wedelten auf einer Bühne in London mit einer Hisbollah-Flagge und riefen 'Hoch die Hisbollah, hoch die Hamas!' Und der Vulgär-Rapper BobVylan fand nicht nur beim Glastonbury-Festival im vergangenen Juni Freude am Slogan 'Death, Death to the IDF!', er gab ihn auch kürzlich beim Al-Kuds-Tag in London zum Besten - unter dem Jubel Hunderter Unterstützer des iranischen Regimes."
Nach dem Einreiseverbot sagten Festivals, bei denen West auftreten sollte, ihr Stattfinden ab: "Stutzig" macht es Edo Reents im FAZ-Kommentar, dass die Veranstalter West überhaupt eingeladen haben, wo dessen wirre Äußerungen doch seit Jahren bekannt sind. "Der Wind begann sich erst zu drehen, als Sponsoren wegen des umstrittenen, aber bis dahin noch nicht gecancelten headliners kalte Füße bekamen."
Außerdem: Im VAN-Essay umkreist der Autor und Dozent Joseph Kreider in tiefer Trauer seinen voranschreitenden Hörverlust: "Meine Erinnerungen daran, wie sich Musik früher anfühlte, verbinden sich mit einer Sehnsucht, dieses Gefühl im gegenwärtigen Moment wiederzufinden." In der Zeitempfiehlt uns David Hugendick ein Konzert der Band Angine de Poitrine, nach dem man sich "angenehm kariert fühlt von all den rhythmischen Schleudergängen und mikrotonalen, dissonanten Turbulenzen".
Besprochen werden AmyBergs Musik-Dokumentarfilm "It's Never Over, JeffBuckley" (FR, taz, FD), ein Frankfurter Liederabend mit JosephCalleja (FR), das Set "Bongo Fury" mit den Aufnahmen von FrankZappas und CaptainBeefhearts letztem künstlerischen Aufeinandertreffen im Jahr 1975 (Standard-Kritiker Ronald Pohl beobachtet ein "letztes, triumphales Aufbäumen der verpeilten US-Subkultur") sowie das dritte Album des kenianischen Musikers Kabeaushé ("ein herausfordernder Ritt quer durch diverse Popstile: HipHop, Gospel-Dekonstruktion, Industrial-Punk, dazu Falsettgesang, Handclaps, südafrikanische Gqom-Beats und verzerrte Kickdrums", schreibt Stephanie Grimm in der taz).
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