Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Musik

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.01.2026 - Musik

In der SZ versucht Joachim Hentschel, sich einen Reim auf "Fotzenrap" (mehr dazu bereits hier) zu machen, in dem junge Frauen sich die sonst im männlich geprägten Hiphop flottierenden Allmachts- und Sexprotzfantasien kurzerhand aneignen, in eigener Sache umdeuten und mit ebenbürtiger Drastik zurückfeuern. "Seit den Loveparades der Neunzigerjahre hat kein so stumpf daherballernder Poptrend ein so immenses Analysebedürfnis ausgelöst. Die inneren Widersprüche des Genres sind auch zu reizend, zu diskursiv herausfordernd: Selbstermächtigung hier, Reproduktion von Männerfantasien da. Vierte Welle des Feminismus, aber zu wenig Platz für migrantische und queere Stimmen. Achselhaare versus Bauch-Beine-Po. Pussy-Power gut. Zickenkrieg schlecht. Die Versuche, das Fotzenrap-Wirrwarr halbwegs zu ordnen, scheitern oft schon daran, dass sie wieder der typisch patriarchalen Bewertungslogik folgen würden."

Zu den via Tiktok groß gewordenen Pionierinnen zählen die Berlinerinnen 6euroneunzig:



Außerdem: Hans-Jürgen Linke schreibt in der FR einen Nachruf auf den Komponisten Rolf Riehm. Rahel Zingg fragt sich in der NZZ, wie man mit Xavier Naidoos Bühnencomeback umgehen sollte, nachdem der angeblich geläuterte Musiker jahrelang auschließlich durch krudesten, mitunter antisemitischen Verschwörungsirrsinn von sich reden gemacht hatte. Tobias Timm denkt auf ZeitOnline über die Wohnungswechsel von Bushido nach. Luca Glenzer spricht in der taz mit Frank Spilker von Die Sterne, die gerade ein neues Album veröffentlicht haben, über die Ups und Downs seiner 2018 mit neuer Besetzung neugestarteten Band.

Hier das aktuelle Video:

Stichwörter: Fotzenrap, Hiphop, Deutschrap

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.01.2026 - Musik

Lilly Schröder porträtiert in der taz den Berliner Rapper Baran Kok, der mit drastischen Texten der Homophobie im Deutschrap entgegentritt: "'Rap wird nicht unbedingt schwuler', meint Kok, 'aber offener.' Das geschehe etwa durch New-Wave-Rapper und Trap-Künstler, die Croptops und Nagellack tragen. 'Das hilft schon viel, es wird nur gefährlich, wenn es performativ wird', sagt er. Man dürfe nicht jedem Mann, der Nagellack trägt, einen Pokal geben. Lachend fügt er hinzu: 'Sei nicht schwuler als ich, wenn du nicht schwul bist.'" Auf Social Media gibt es für seinen Gesamtauftritt viel Kontra, doch "der Hass pralle an ihm ab, sagt Kok. 'Wenn du Kanake bist und dann noch schwul, hast du schon mit so viel Scheiße zu kämpfen gehabt, dass dich nicht juckt, was irgendein Moritz auf Tiktok schreibt.'"



Weiteres: In der FR gratuliert Harry Nutt Joan Baez zum 85. Geburtstag, den diese am kommenden Freitag feiert. Besprochen wird Stella Donnellys Album "Love and Fortune" (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.01.2026 - Musik

Mit einer von Philippe Bach gemeinsam mit diversen Solisten und dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn besorgten Aufnahme von Werken von Frank Martin lässt sich einer "der am meisten unterschätzten Komponisten" wiederentdecken, freut sich Marcus Stäbler in der NZZ. Höhepunkt der CD ist für ihn das Stück "Polyptyque" mit dem Geiger Bartłomiej Niziol als Solist. Er "formt einen leuchtenden Ton, mit vielen Facetten im Klang, in der Dynamik, im Gebrauch des Vibrato." Im zweiten Satz bringt "Niziol den wehmütigen Ton der Musik unglaublich schön und ausdrucksvoll zum Klingen. Er gibt dem Klang aber auch, im Einvernehmen mit dem Orchester, eine schneidende Schärfe, wenn Martin im fünften Satz die Verurteilung Jesu nachzeichnet. Dort spiegeln sich die Brutalität und der Sadismus der Volksmasse in der Musik, bevor das Stück mit dem Bild der Verherrlichung endet. Auch da findet Frank Martin eine ganz eigene Tonsprache: mit geheimnisvollen Harmonien, deren Zauber das Kammerorchester zusammen mit den Solisten ausleuchtet."

Von der aktuellen Veröffentlichung lässt sich kein Klangbeispiel im Netz finden, aber ARD Klassik bietet das von Stäbler geschätzte Stück "Polyptyque" in einem Konzert des WDR-Sinfonieorchesters auf Youtube an: 



Neue Musik gibt es hier: Vor zehn Jahren starb Pierre Boulez, nicht nur einer der berühmtesten Komponisten, sondern auch Gründer des Ensemble Intercontemporain. Dieses stellt zusammen mit der Philharmonie de Paris aus diesem Anlass eine ganze Reihe von Konzerten des Ensembles als Videos online.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.01.2026 - Musik

Die Eventisierung der Klassik geht Axel Brüggemann mittlerweile entschieden zu weit. Im Betrieb sollten alle - auch die Kritiker - "wieder mehr Mut für Tiefe aufbringen, für Gegenrede, für Kontroverse und schwierige Auseinandersetzung", schreibt er auf Backstage Classical. "Ist es wirklich die Rettung, die Klassik zur Popkultur zu schrumpfen, zur 'populären' Kultur, die der Mode immer wieder hinterherläuft? Oder ist es nicht gerade jetzt an der Zeit, andere Werte in unserer Kultur zu pflegen? Es ist ja nicht nur die Schnelligkeit, das unreflektierte Herauskotzen von Meinungen in den sozialen Medien, die Dummheit der Oberflächlichkeit und die Illusion, dass Moral sich nach Erfolg definieren lässt; die Trumpisierung unserer Welt bedeutet, alles der lauten Behauptung unterzuordnen und den Kompass von Richtig und Falsch nach dem Geldstrom auszurichten. All das aber widerspricht der Tradition der europäischen Kultur - und besonders unserer Musikkultur!"

Weitere Artikel: Norbert Trawöger, künstlerischer Direktor des Brucknerhauses, singt im Standard-Essay ein Loblied aufs Zuhören mit Muße. Thomas Kamar blickt für die Presse zurück auf die Anfänge von Punk vor 50 Jahren. Aber ist das noch Punkrock, wenn Turnstile in den Charts ist, fragt sich Konstantin Nowotny in der Jungle World. Valerie Dirk schreibt im Standard über 90 Jahre Billboard-Charts.

Besprochen werden eine neue CD des Freiburger Barockorchesters (Welt), das Konzertdebüt der TikTok-Rapperin Zah1de (SZ), neue Musikveröffentlichungen, darunter Tanita Tikarams "LIAR" (FAZ), und das Comeback-Album der Riot-Grrrl-Pionierinnen von Thee Headcoatees (FR).

Stichwörter: Klassik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.01.2026 - Musik

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In der SZ legt sich Egbert Tholl der Cellistin Raphaela Gromes zu Füßen: Deren Album "Fortissima", auf dem ausschließlich die Werke von zum großen Teil nicht-kanonisierten Komponistinnen zu hören sind, "war die erstaunlichste Produktion eines Mainstreamlabels (Sony) des Jahres 2025" - auch dahingehend, dass das Album prompt auf der Spitzenposition der Klassikcharts landete. "Was für ein satter, dunkler Trotz" erklingt etwa im ersten, von Henriëtte Bosmans komponierten Stück. "Poesie gepaart mit einem Aufbegehren, das ist Musik von jemandem, der nicht gewillt ist, alles einfach hinzunehmen." Gromes und der Pianist Julian Riem "stürzen sich in diese Cellosonate, loten ihre fantastisch große, genialische, selbstbewusste Geste aus, verfallen in aufregende Dialoge voller Wagemut, schichten schroffe Klavierakkorde und weit Raum greifenden Cellogesang übereinander." Außerdem legt uns Tholl das gleichnamige Buch von Gromes und Susanne Wosnitzka ans Herz, in dem die beiden zahlreiche Komponistinnen detailliert vorstellen. 

Bei ihrem Neujahrskonzert in der Berliner Philharmonie demonstrieren der Rias-Kammerchor, die Akademie für Alte Musik und der Dirigent Justin Doyle, "wie sich der große Saal in einen Raum spannungsvoller Intimität verwandeln lässt", schwärmt Clemens Haustein in der FAZ. "Fünf Instrumentalisten spielen, zwei Violinen, eine Viola, dazu ein Basso continuo aus Violoncello und Orgelpositiv. Sie führen eine melancholische Passacaglia des venezianischen Komponisten Biagio Marini auf." Dessen Komposition "ist von ungewöhnlicher Intensität, die drei Melodiestimmen spielen ein Spiel aus Nähe und Ferne, touchieren sich, nehmen Abstand, nähern sich von Neuem, reiben sich aneinander in der Dissonanz oder kommen sich gleich kunstvoll in die Quere. Die Wirkung ist enorm."

Weiteres: Ulrich Gutmair erinnert sich in der taz an den kurzlebigen Konzertveranstaltungsraum Bootleg in Augsburg, in dem sich Ende der Achtzigerjahre die Subkultur feierte. In der WamS sprechen Autor Frank Schätzing und Musiker Jim Kerr über David Bowie, über den beide jüngst Bücher veröffentlicht haben. Besprochen wird Gündaleins Rap-Album "Always Crazy", das laut FR-Kritiker Stefan Michalzik "rundum geglückt" ist.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.01.2026 - Musik

Dass mit Xania Monet vor wenigen Wochen erstmals ein kompletter KI-Act an der Spitze der R&B-Charts stand, könnte den Weg fürs Jahr 2026 weisen, fürchtet Sven Beckstette in der taz. Aber "vielleicht sagt der Fall" ja auch "vor allem etwas darüber aus, wie generisch R&B inzwischen funktioniert und wie einfach es ist, Musikerwartung perfekt durch Simulation zu erfüllen. Am Ende geht es auch um die alte Pop-Frage, was Authentizität und Glaubwürdigkeit bedeuten. Und um viel Geld natürlich: Telisha Jones", die Produzentin hinter Xania Monet, "hat einen millionenschweren Plattenvertrag angeboten bekommen. ... Glücklicherweise gibt es im zeitgenössischen R&B jedoch weiterhin Werke, die solche Muster aufbrechen. Highlights in diesem Jahr stammten von Rochelle Jordan, Sudan Archives und Dijon." Mehr zu Letzterem bereits hier, Xania Monets Hitsong dort

Weitere Artikel: Manuel Brug resümiert in der Welt die Silvester- und Neujahrskonzerte der einschlägigen Orchester. Christoph Irrgeher schreibt im Standard derweil über das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker unter Yannick Nézet-Séguin. Ueli Bernays trauert in der NZZ ums Musikfernsehen, nachdem MTV an Silvester Musikvideos endgültig aus dem Programm genommen hat. Christina Mohr spricht für die FR mit Jason Williamson von den Sleaford Mods über deren neues, von den Schieflagen der Gegenwart mal wieder toll angepisstes Album "The Demise of Planet X".



Besprochen werden ein Beethoven-Abend mit den Wiener Symphonikern unter Dima Slobodeniouk (Presse), das neue Album "Great Resignation" der Kölner Posthardcoreband Pogendroblem ("wunderbare Musik", findet Larissa Schober in der taz), Gerhard Poppes historischer Führer "Musik aus der Katholischen Hofkirche zu Dresden" (FAZ) und das neue Tortoise-Album "Touch" (FR, mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.12.2025 - Musik

Eine 84 CDs umfassende Box mit Aufnahmen von Friedrich Gulda nimmt SZ-Kritiker Helmut Mauró zum willkommenen Anlass zu einer Darstellung von Leben und Werk des Pianisten. Um vermutete Intentionen der Komponisten, deren Werke er spielte, sei es ihm nie gegangen. Gulda "sah die Stücke als selbständige Kunstwerke, zu denen er Stellung nimmt. Er spielte das Werk und gleichzeitig seine Reaktion darauf. Deshalb spürt man in schier jeder seiner Aufnahmen diese ungeheure Spannung, die auch das kleinste Vorspiel zum großen persönlichen Drama anwachsen lässt, mit allem, was dazugehört: parlierende Gelassenheit, rasende Wut, verzweifeltes Aufbäumen, und am Ende ein tödlich stilles Zusammensinken in sich selbst." Als die Sechziger kamen, griff Gulda "das Freiheitsversprechen der Flower-Power-Zeit begierig auf". Obwohl: "Eigentlich brauchte Gulda keine Massenbewegung, um sich von menschlichen Zwängen zu befreien. Er war seine eigene Revolution. Auch wenn es nach außen hin nicht so aussah: Gulda nahm sich als Künstler ernst. Je lächerlicher er manchen auf der Bühne erschien, sei es bei Auftritten mit oder ohne Badehose, desto ernster war es ihm grundsätzlich: Ecce homo - sehet, ein Mensch." 

In diesem Porträtfilm lässt er sich unter anderem über den "unverantwortlichen und übertriebenen Konservatismus" des Klassikpublikums aus. 



"Die Zeit ist tatsächlich reif", findet auch Gregor Dotzauer im Tagesspiegel zu den sich offenbar konkretisierenden Plänen, das seit vielen Jahren geforderte "House of Jazz" nun in einem früheren Soldatenkino in Berlin-Reinickendorf entstehen zu lassen (mehr dazu bereits hier). "Berlin hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu einer Welthauptstadt des Jazz entwickelt. Musikerinnen und Musiker aus aller Welt haben hier eine Bleibe gefunden. Während für die Amerikaner und Engländer die Unerschwinglichkeit von New York und London eine Rolle spielt, haben sich durch zusehends hochwertige Ausbildungsangebote zwischen Basel und Graz, Trondheim und Amsterdam, europäische Netzwerke herausgebildet, zu denen auch das Berliner Jazzinstitut, eine Kooperation von Hanns-Eisler-Hochschule und Universität der Künste, beiträgt. Trotz ihres Reichtums an Ideen und Talent ist die Szene aber ein Armenhaus geblieben."

Laut Tagesspiegel-Kritiker Ulrich Amling steckt "viel Trauer, Abschied und Herzensbruch" in der "überraschend bunten Abfolge von Vorspielen, Arien und Suiten", die das traditionelle Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko mit Benjamin Bernheim zu bieten hat. Die letzte Aufführung des Programms wird heute auch live im Radio3 des RBB und etwas zeitversetzt bei Arte im Fernsehen übertragen. Der Dirigent "lotet das Dunkle und Herbe in Tschaikowskys 'Romeo und Julia'-Ouvertüre aus, ehe er sich mit dem Vorspiel zu Massenets 'Werther' Goethes unrettbar an der Liebe und der Welt Leidenden nähert. Aus emotionalem Überdruck entwickelt er behutsam das Porträt einer verletzten Seele, ehe Bernheim Werthers Arie aus dem 3. Akt nahtlos, nur durch den Applaus getrennt, anschließt. Und er singt sie mit einer Hingabe an den Text und seine Nuancen, die man sonst nur bei wenig glamourösen Liederabenden antrifft."

Weitere Artikel: "Für das Neujahrskonzert bin ich ein junger Hüpfer", sagt Yannick Nézet-Séguin im Welt-Gespräch, durchaus geschmeichelt von dem Umstand, dass die Wiener Philharmoniker sich in diesem Jahr für ihn als Dirigenten entschieden haben. Konstantin Nowotny fragt sich in der taz, ob Harry Styles vor einem Karriere-Comeback steht. Besprochen werden Frank Schätzings Buch "Space Boy" über David Bowie, das der völlig entsetzte tazler Uwe Schütte in der Luft zerreisst, und DJ Hells neues Album "Neoclash" ("ein fundamentales, in die Zukunft blickendes Album ohne jedes Quantum Nostalgie", versichert Max Dax in der FR). 

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.12.2025 - Musik

Der Komponist Samuel Penderbayne sorgt sich in der FAZ um den Zustand der Neuen und zeitgenössischen Musik: Deutliche Abschottung nach innen sei zu erkennen, was einst ein großer Erneuerer war, ist mittlerweile zum Regelwerk verkrustet. Von innen kommen kaum neue Impulse, einer Diversifizierung - ob nach Geschlecht, Alter oder Hautfarbe - stehen eifersüchtig wachende Gatekeeper skeptisch gegenüber. Er schlägt einen Deal vor: Ein gnädiger Welpenschutz für diejenigen, die sich noch erproben müssen und ein waches Ohr für das, was die als neu bestimmen: "Jede Generation muss ihren eigenen Klang finden." Doch "dafür müssen besonders progressiv eingestellte Menschen begreifen, dass Chancengleichheit nicht Ergebnisgleichheit bedeutet. Zwar stimmt es leider nach wie vor, dass unsere Gesellschaft in weiten Teilen Rollenbilder für Frauen vorsieht, die sie Männern unterordnen. ... Doch stimmt es leider auch, dass es inzwischen ein strukturelles Ungleichgewicht zugunsten der Komponistinnen gibt, und dies ist in einer liberalen Demokratie grundsätzlich unerträglich. ... Die künstlerische Qualität ist unser höchstes Gut und darf nie einer politischen Agenda geopfert werden, doch vielleicht wäre eine moderate Identitätspolitik nicht nur erträglich, sondern den Verhältnissen angemessen."

Bereits vor fünfzehn Jahren hat der Trompeter Till Brönner vorgeschlagen, in Berlin ein "House of Jazz" zu errichten, seitdem flammte die Debatte darum immer wieder mal auf. Nun zeichnet sich die Kino- und Theateranlage L'Aiglon am Kurt-Schumacher-Damm als wohl auch von der Politik favorisierte Location ab, berichtet Wolfgang Sandner in der FAZ und ist von den Möglichkeiten der Räumlichkeiten absolut begeistert. "Nach so vielen Jahren der Entwicklung des Projekts" sollte diese Möglichkeit nun auch wirklich "genutzt werden, denn die Situation für das Kulturgut Jazz in Deutschland entspricht zwar noch nicht dem düsteren Szenario, dem Till Brönner vor fünfzehn Jahren seine Jazz-Akademie entgegensetzen wollte." Doch "sind die alarmierenden Anzeichen, etwa zur Marginalisierung des Jazz in den Medien und die ökonomischen Probleme von Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern, in den Jahren seither sicher nicht kleiner geworden. ... Das House of Jazz wird gebraucht."

Außerdem: New York macht Berlin vor, wie es geht, staunt Larissa Smurago in der FAZ: Während Berlin als Clubmetropole gerade am Scheideweg zwischen Siechtum und vollendeter Institutionalisierung steht, ist in New York gerade wieder der Zauber des gemeinsamen Anpackens und Aufbrechens zu spüren, wie ihr der erfahrene Veranstalter und Betreiber Seva Granik bestätigt. Christoph Irrgeher blickt im Standard gespannt auf das anstehende Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, für dessen Programm Dirigent Yannick Nézet-Séguin auch Stücke von Josephine Weinlich und Florence Price angekündigt hat, nachdem 2025 erstmals überhaupt zu diesem Anlass Musik einer Komponistin aufgeführt wurde. Stefan Ender erkundet in der NZZ den Zauber des Donauwalzers, mit dem für viele traditionell das neue Jahr beginnt.

Besprochen werden die Autobiografie von Lionel Richie (FAZ) sowie NAS' und DJ Premiers Hiphop-Album "Light Years", das der aktuellen Apathie im Rap sehr zur Freude von NZZ-Kritiker Ueli Bernays die Spiel- und Bewegungsfreude früherer Hiphop-Ästhetiken entgegen stellt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.12.2025 - Musik

Für ihr Album "Gleann Ciùin" hat sich die schottische Organistin Claire M Singer von Spaziergängen in der schottischen Natur inspirieren lassen. Tazler Thaddeus Herrmann lässt sich davon gerne mitnehmen, zumal Singer ihrem Instrument eigenwillige Klänge entlockt. Vor dem geistigen Auge erscheinen "epische Abbilder einer Landschaft, in der die Menschheit noch kaum Spuren hinterlassen hat. Erhaben, unbeschreiblich, überlebensgroß. Und doch nahbar und vertraut, trotz aller Schroffheit." Das "sind in Musik gegossene Field Recordings, ohne die Umwelt faktisch hörbar zu machen. Die ist vielmehr omnipräsente Metapher. Singer hat die vielleicht purpursten Drones der bisherigen Musikgeschichte aufgenommen - kontrastiert und kontextualisiert von den weiteren Instrumenten, die die Idee von Weite und Nähe ganz anders aufnehmen. ... Das ist pure Trance. Fokus und Vertrautheit, immer gepaart mit dem verstörenden Unnahbarem. Statt leise Geräusche und Aufnahmen des Draußen eins zu eins abzubilden und in die Kompositionen zu integrieren, ist der Sound der Orgel Verstärker des persönlichsten Inneren. Alles leuchtet, alles atmet."



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Weiteres: Klaus Walter spricht in der FR mit Sonja Eismann über die Benachteiligung von Frauen im Pop, worüber Eismann mit "Candy Girls" gerade auch ein Buch verfasst hat. Peter Praschl verdrückt in der Welt eine Träne darüber, dass MTV zum Ende des Jahres das M im Titel endgültig obsolet macht und Musikvideos komplett aus dem Programm streicht: "Kein junger Mensch weiß noch, wie verdammt großartig dieser Sender mal war." Im Reflektor-Podcast von Tocotronics Jan Müller blickt Jens Balzer zurück aufs Popjahr 2025. Im Dlf tut er dies mit Jenni Zylka und Ina Plodroch. In der SZ erzählt Josef Wirnshofer die Geschichte, wie sich Neil Gust und Elliott Smith einst entzweiten.

Besprochen werden Jaan Bossiers Album "draad" (FR), Heinz Rudolf Kunzes "Angebot und Nachfrage" (FAZ), eine neue Aufnahme von Johann Strauss' "Waldmeister" des Orchesters des Staatstheaters am Gärtnerplatz unter Michael Brandstätter (FAZ) und das neue Blood-Orange-Album "Essex Honey", dem FAZ-Kritiker Wolfgang Schneider "etwas Versponnenes, Traumschönes" bescheinigt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.12.2025 - Musik

Deutschrap hat sich zu Tode gesiegt, ist Jens Ulrich Eckhard im Welt-Kommentar überzeugt. Zwar dominiert das Genre Listen wie etwa die meistgestreamten Acts in Deutschland. "Doch akustisch betrachtet handelt es sich bei den Chartstürmern um einen weitestgehend gleich klingenden Mischmasch aus Trap-Beats, Autotune-Hooks und dahingenuschelten Texten. Deutschrap ist zur generischen Leierkastenmusik der Gen Z verkommen. Vom Kreativitätsschub, der das Genre in den gut zehn Jahren von etwa 2005 bis 2015 durchfuhr, keine Spur mehr. ... Dagegen wirkt die Szene heute wie ein stickiger Klassenraum, in dem ein paar Kids apathisch auf ihren Geräten herumwischen."

Außerdem: Die Agenturen melden dass Perry Bamonte, der Gitarrist und Keyboarder von The Cure, gestorben ist. Der Tages-Anzeiger verkündet die besten Popsongs des Jahres.
Stichwörter: Hiphop, Deutschrap, Rap-Musik