Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

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Magazinrundschau vom 21.06.2004 - Al Ahram Weekly

Das ägyptische Al Ahram Weekly präsentiert ein Interview mit dem Regisseur Osama Fawzi, dessen Film "Bahib Al-Sima" (I Love Cinema) erfreulicherweise die Zensur passiert hat, obwohl er von einer Familie erzählt, die vom tiefreligiösen Vater Adli tyrannisiert wird. Adli ist ein orthodoxer Kopte, der 200 Tage im Jahr fastet und glaubt, dass in dieser Zeit Gesang, Kino, Malerei und sogar ehelicher Sex Sünde ist. "Dass Adli die islamischen Begriffe halal und haram (erlaubt und verboten) benutzt, um Dinge zu beschreiben, ist vielleicht ein Versuch, aus der sektiererischen Haltung auszubrechen - der Film handelt, wie Fawzi betont, von allen Formen der Unterdrückung - die Weigerung, die koptische Formulierung 'angemessenes und unangemessenes Verhalten für den Gläubigen' zu benutzen, wird so deutlicher."

In einem ausführlichen Interview wird der "libanesisch-ägyptisch-kroatische" Impresario Nicha Sursock vorgestellt. Sursock hat mit seinen Bars und Restaurants das Nachtleben Kairos von der Krawatte befreit und revolutioniert. Hier stellt er sein neustes Projekt vor: Miro's Studio. "'Es geht um einen Mann, einen Künstler, Miro.' Er erzählt von Joan Miro, dem spanischen Maler, der 1983 starb. 'Die Geschichte handelt davon, dass Miro ein Schloss erbt. Eines Tages geht er mit seinen Malutensilien in das Schloss, stellt seine Farben ab, seine Staffelei auf und benutzt es als Studio. Am Sonntag beginnt die Transformation des Schlosses in ein Studio. Wir haben den Ort - das Rive Gauche in Zamalek - und der Designer mit dem ich arbeite, Reesa, geht rein und kreiert den Studiolook ... Es soll so aussehen, als wäre dieser Typ gerade reingekommen, hätte seine Sachen abgestellt und angefangen zu malen. Die Flure, die Wände. Es kommen natürlich ein paar Möbel rein, aber wir benutzen vor allem, was da ist, um Miros Stil zu adoptieren." Darauf einen Gin Tonic!

Magazinrundschau vom 01.06.2004 - Al Ahram Weekly

Hala Mustafa sieht zwar vielfältige Probleme in den politischen Systemen der arabischen Welt, widerspricht aber entschieden der Annahme, arabische Länder könnten in der Zukunft keine Demokratien werden: "Die Distanz zwischen dem was wir haben und dem was wir wollen mag groß sein. Der Weg mag steinig sein, gepflastert mit dem Schutt zerstörter Hoffnung, aber wir geben nicht auf. Es gibt keine Nationen, die zum Fortschritt und andere, die zur Rückschrittlichkeit verdammt sind. Wenn es so wäre, hätte die Geschichte längst angehalten."

Weitere Artikel: Azmi Bishara fürchtet, dass der israelischen Linken die Ideen ausgegangen sind und sie zur "rechten Hand" Sharons werden könnte. Dass der palästinensischen "intellektuellen Klasse, der Zivilgesellschaft und einigen Führeren der PLO klar wird, dass eine komplette Umstrukturierung des politischen Systems notwendig ist" hofft Mohamed El-Sayed Said. Unterschiedliche Meinungen gibt es über die Politik der arabischen Liga: Den Gipfel in Tunis interpretiert Ibrahim Nafie als Fortschritt für eine gemeinsame arabische Diplomatie, während Nayef Hawatmeh darauf hinweist, dass den wohlklingenden Resolutionen jetzt auch Taten folgen müssen. Salama a Salama sieht ihn vollends als Zeichen für die Unentschlossenheit und fehlende Einheit der arabischen Welt.

Außerdem: Nachdem Ägypten bei der Wahl des Austragungsortes für die Fußball-WM 2010 keine einzige Stimme bekommen hat, beginnt die Suche nach den Schuldigen. Abdel Raouf El-Reedy bespricht ausführlich das Buch "Disarming Iraq" des ehemaligen Waffeninspekteurs Hans Blix und empfiehlt es nachdrücklich. Ganz kurz äußert Nagib Machfus (mehr hier) seine Wertschätzung für die Frankfurter Buchmesse. Nehad Selaiha ist begeistert von dem Theaterprojekt "Shakespeare: An Encounter" des seit einem Jahr bestehenden Bibliotheca Alexandrina Resident Theatre (homepage), und die ägyptische Musikgruppe Qithara will der arabischen Popmusik traditionellere Klänge entgegen setzen.