Al-Ahram setzt die Kritik am offiziellen
Auftritt der arabischen Welt bei der
Frankfurter Buchmesse fort. Gamal Zayda
beklagt die "technokratische Mentalität" der Verantwortlichen, denen nur daran gelegen sei, einen guten Eindruck zu hinterlassen und sich als ebenbürtig darzustellen. Wie aber soll es zu einem
sinnvollen Dialog zwischen der arabischen Welt und dem Westen kommen, wenn
politische Themen - wie von Mohamed Ghoneim, einem Verantwortlicher für das Programm, gefordert -
ausgeklammert werden? Wird es in Frankfurt also gegen die
Etikette der arabischen Präsentation verstoßen, über die gegenwärtigen Konflikte zwischen dem Westen und den arabischen Ländern zu reden? Wann wird man etwas über die
verkümmerte Lesekultur der Gastländer erfahren? Und wo sind sie, die jungen, aufstrebenden arabischen Schriftsteller der Zukunft? Auf der Teilnehmerliste stehen sie nämlich nicht - dafür, so der bittere Kommentar Zaydas, hat das
Kulturestablishment gesorgt.
Optimistisch gibt sich dagegen
Volker Neumann, der Präsident der Buchmesse, im
Gespräch mit Jürgen Stryjak. Dina Ezzat
hat sich die Gestaltung des
arabischen Pavillons angeschaut (transparente Stellwände zur Signalisierung von Offenheit, Vermeidung heroisierender Darstellungen, dafür
viel Kalligraphie als grundlegendes Zeichen von kulturellem Ausdruck und Vielfalt) und den Verantwortlichen auf deutscher und arabischer Seite zugehört, und hat ebenfalls Gründe für Zuversicht gefunden.
Was bedeutet der
Sieg der Konsumgesellschaft, kombiniert mit immer stärkeren
sozialen Unterschieden, für die Zukunft arabischer Großstädte? Die
Soziologin Mona Abazza skizziert einen Entwurf, in dessen Zentrum das ausgedehnte, von der immer ärmlicheren Außenwelt isolierte Einkaufszentrum steht: die
Mall als neues Symbol nationaler Größe, als Erholungsgebiet und Fluchtpunkt, als Themenpark, als eine "Welt simulierten sozialen Aufstiegs", als Arena geschlechterspezifischer Szenarien und als Generator neuer Jugendkulturen.
Ibrahim Nafie, Chefredakteur von
Al-Ahram, hat ein Buch über die Dämonisierung des Islam in der westlichen Welt geschrieben ("Green Peril" Madness - the Campaign to Distort Islam), in dem er mit den Mitteln der historischen Analyse den gegenwärtigen und seit dem 11. September
zugespitzten Antagonismus insbesondere zwischen den Vereinigten Staaten und der moslemischen Welt zu erklären sucht - und Möglichkeiten seiner Überwindung abzuleiten. Dina Ezzat
fasst Nafies Argumentation zusammen, außerdem gibt es
hier Auszüge aus dem Buch.