Magazinrundschau - Archiv

Caffe Europa

16 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 2

Magazinrundschau vom 07.02.2012 - Caffe Europa

"Die Herrschaft der Zeichen" hat Daniele Greco seine Bilder von einem Japan-Aufenthalt genannt. Zu sehen sind sie online auf Geonvainedita, Tina Cosmais kleinem persönlichen Schaufenster des Kulturlebens in Genua. Japan liegt dem Straßenfotografen Greco, schreibt Cosmai. "'Die großen Städte Japans sind die idealen Orte für das Fotografieren', sagt er. 'Die Japaner sind normalerweise ordentliche Menschen, aber die Menge an Objekten und Symbolen geben der Szenerie eine verführerische Unordnung, in der ich sehr gerne arbeite. Ich werde angezogen von der Vermischung, der Anhäufung von sich widersprechenden Elementen, der Unvollkommenheit, von einfachen Ideen, die sich aus exzessiven Situationen ergeben und ja, vom Chaos. All das hat die japanische Stadt im Überfluss. Über die horizontale Wahrnehmung hinaus entwickeln diese Orte eine Tiefendimension, wo sich viel unter der Oberfläche abspielt. Orte wie die großen Märkte sind voll von Einlässen, Ausstülpungen und Abdrücken, Räumen der Neuverteilung, in denen feste und flüssige Elemente das Licht und die Farben zurückwerfen und zu Bedeutungsträgern werden.'"
Stichwörter: Schaufenster, Genua

Magazinrundschau vom 17.01.2012 - Caffe Europa

Besser spät als nie: Twitter hat Italien erfasst, sagt Caffe Europa. Die Zahl der Twitternden hat sich 2011 auf drei Millionen verdoppelt. Ein guter Grund, eine Diskussionsrunde zum Thema einzuberufen, mit Politikern, Journalisten, Soziologen und so fort. "Mit meinen Tweets aus dem Parlamentssaal habe ich die Nachrichtenagenturen und Fernsehsender ausgeschaltet", meint etwa der Journalist und Abgeordnete der Demokratischen Partei Andrea Sarubbi. "Im Plenarsaal sind auch die Anwesenheiten und Abwesenheiten von Politikern eine Nachricht. Nehmen wir ein Beispiel: Die Szene in der Maroni [es war Tremonti, Anm. des Übers.] Calderoli fragt, wo denn Bossi sei, und seine Antwort impliziert, dass Bossi gerade ein Nickerchen hält. Das ist eine Nachricht die keine Agentur jemals bringt. Die Möglichkeit, Nachrichten aus erster Hand zu bekommen, ist eine Revolution in der Welt der Information. Qualitativ jedenfalls ist das schon passiert. Was Marina Petrillo im Radio Popolare über den Tahrir Platz gemacht hat oder Claudia Vago über die Revolution von unten, das war schon eine schwere Schlappe für die traditionellen Medien."

Magazinrundschau vom 26.07.2011 - Caffe Europa

Mauro Buonocore hat vielleicht den wahren Grund dafür gefunden, warum Silvio Berlusconi in letzter Zeit kein Fortune mehr hat: Auch die Italiener vertrauen dem Netz immer mehr. Das steht zumindest in der neunten Medienumfrage des italienischen Statistikamts. Der Report stelle fest, so Buonocore, "dass sich ein wachsender Teil der Bevölkerung von der Presse löst, die Personen, die sich gewöhnlicherweise ohne Gedrucktes informieren, ist von 39,3 Prozent im Jahr 2009 auf 45,6 Prozent im Jahr 2011 gestiegen. Gleichzeitig fallen die Fernsehnachrichten, die in Italien mit 81 Prozent nach wie vor die Liste der Informationsquellen anführen, bei den Jugendlichen auf 69 Prozent zurück. Was überraschenderweise wächst, ist die Nutzung des Radios, das von den Hörern immer mehr als Informationsressource genutzt wird. Und das Netz wächst als Medium, dem am meisten vertraut wird. Es mag vielleicht seltsam erscheinen, denn wir wissen, dass es im Netz auch viel Unsinn gibt, aber ich glaube, dass im Fluss der Informationen der Schmarrn mit einer Art Selbstreinigungsmechanismus ausgekämmt wird. Lügen haben im Netz kurze Beine, übrig bleibt, was zählt."
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Stichwörter: Berlusconi, Silvio

Magazinrundschau vom 03.08.2010 - Caffe Europa

Jedes Jahr laden Autoren aus Sardinien Kollegen auf ihre Insel ein und feiern das Literaturfest "Isola delle storie". Es überzeugt nicht durch seine Größe, sondern eher durch seine globale Intimität, meint Mitorganisator und Schriftsteller Marcello Fois im Gespräch mit Flavio Iannelli. "Das Publikum ist voll dabei, wenn ein sardischer Dichter und ein polnischer Poet über die Kluft sprechen,die zwischen geschriebener und gesprochener Dichtung liegt, zwischen der Überzeugung und der Täuschung. Das war das Kernthema des diesjährigen Festivals. Diese Autoren zeigen uns, dass es ein lokales Modell geben kann, das gleichzeitig anschlussfähig ist. Viele von uns, viele Sarden, fühlen sich verstümmelt weil sie auf einer Insel leben, als würde uns ein Arm oder ein Bein fehlen. Dank dieser Treffen sehen wir, dass es in der ganzen Welt diese Verstümmelten gibt und dass sie alle zumindest eines ihrer Gliedmaßen vermissen (....) Wir bitten die Autoren, die ganzen drei Tage zu bleiben, in der Gegend und in dem Ort zu leben. Der größte Teil macht das auch, nimmt an anderen Veranstaltungen teil und vor allem am Abendessen mit den Schäfern, einem einzigartigen Ereignis, das jedes Jahr das Festival beschließt. Wir bitten alle zu bleiben, weil wir glauben dass die Autoren sich kennenlernen, sich unterhalten und sich austauschen müssen. Viele sind auf dieses Weise Freunde geworden und haben sich nicht mehr aus den Augen verloren."
Stichwörter: Sardinien, Intimität

Magazinrundschau vom 20.07.2010 - Caffe Europa

Ist es pure Verzweilfung oder die Rettung des Abendlandes in Italien? Die Philosophin Franca D?Agostini hat ein Buch geschrieben über die manipulierende Macht der Medien im 21. Jahrhundert und sucht Hilfe bei einem Kollegen, der vor knapp 2350 Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Alessandro Lanni hofft in seiner Besprechung, dass es klappt: "Die Spin Doctors von heute, schreibt die Autorin, sind eindeutig die Nachfahren der antiken Sophisten. Diese 'Demokraten', gegen die der Aristokrat Plato antrat, pflegten eine Art von Räsonieren, das die Urform aller kommenden Totalitarismen war. Es sind jene Verfechter der relativen Wahrheit, die im Sophistes-Dialog Platons in Scheibchen geschnitten werden, dem Dialog, in dem er die abendländische Metaphysik gründet, und damit auch die Möglichkeit der Wahrheit. Es sind genau jene Karl Roves ante litteram, die 'Giftmischer des öffentlichen Diskurses', gegen die das Handbuch von Franca D?Agostini eine Kur sucht. 'Das sokratische Rezept anwenden', um jedem beizubringen, wie sich gute Argumente von falschen und Spitzfindigkeiten von Überlegungen unterscheiden lassen. Neue Regeln, die nicht nur zur eigenen Gewissensbildung dienen, sondern auch auf das angewendet werden sollten, was uns täglich aus dem Fernsehen entgegenstrahlt."
Stichwörter: Metaphysik, Platon, Plato, Anternet

Magazinrundschau vom 13.07.2010 - Caffe Europa

Nach zwei Jahren ist Ulrich Becks "Der eigene Gott" ins Italienische übersetzt worden. Marco Marzano gefällt genau das, was in Deutschland kritisiert wurde: Becks Optimismus in Bezug auf den Religionen-Mix der Zukunft. "Einer der großen Vorzüge von Becks Werk ist darin zu sehen (eine wunderbare Ausnahme im gegenwärtigen Panorama linken Denkens!), dass er keine Nabelschau betreibt, dass er nie einer nostalgische Regung nachgibt. Im Gegenteil, er betont, welche Chancen der soziale Wandel mit sich bringen wird. Er sieht die alten Religionen durch den Filter der Säkularierung als Befriedungsinstrument und nicht als Konfliktherd. Er glaubt an den Triumph des persönlichen Gottes, in den alle Werte der überkommenen Religionen eingebaut werden und als Reservoir für das staatsbürgerliche Handeln dienen. Das ist ein sehr faszinierendes Szenario, vor allem für die säkularen Intellektuellen, die endlich mit Würde an die großen religiösen Traditionen anknüpfen könne."
Stichwörter: Linkes Denken, Optimismus

Magazinrundschau vom 11.05.2010 - Caffe Europa

Italien, das Land der Verschwörungen. Als finstere Strippenzieher eignen sich wahlweise Silvio Berlusconi, die Mafia oder der Vatikan. Beim verspäteten Start von Alejandro Amenabars Film "Agora" verdächtigten einige letzteren. Der Fim über die von fundamentalistischen Christen im 5. Jahrhundert ermordete Naturwissenschaftlerin und Philosophin Hypatia lief hierzulande am 1. März an. Nach Italien konnte er nicht verkauft werden, woraufhin im Internet 10.000 Menschen mit einer Petition den unverzüglichen Start forderten. Emanuele Rauco berichtet: "Am 7. Oktober gab es in La Stampa einen Artikel von einer gewissen Flavia Amabile mit dem Titel 'Der Film, den Italien nicht sehen wird', in dem sie die Schlacht um die Veröffentlichung des Films nachzeichnet. Eine zentrale Rolle spielt Jan Klaus Di Blasio, der Autor der Online-Petition. 'Ich will nicht von Zensur sprechen, aber man sollte sich den Mangel an Texten über den Neoplatonismus und Hypatia einmal vor Augen halten. Zum Beispiel die Folge 8 der Reihe über die römische und griechische Philosophie von Giovanni Reale bei Bompiani. Der Band mit dem Titel 'Plotin und der heidnische Neoplatonismus' ist der einzige Band, der nicht mehr erhältlich ist, wie die Di Blasio erklärt. Hinter ihm stehen einige wichtige Persönlichkeiten wie Piergiorgio Odifreddi, ein Wissenschaftler, der für seine antiklerikalen Tendenzen bekannt ist. Er meint: 'Die Figur der Hypatia ist exemplarisch, sie war Mathematikerin, eine Frau von großer Kultiviertheit, die die erste Schlacht zwischen Wissenschaft und Glauben austrug. Sie starb durch die Hände der Schergen des Bischofs von Alexandria, Kyrill, und wurde die erste Märtyrerin der Wissenschaft. Seitdem sind 1600 Jahre vergangen, und wir sind immer noch am gleichen Punkt.'" Mittlerweile ist "Agora" übrigens auch in Italien angelaufen, und Band 8 wird nach Informationen von Umberto Eco demnächst nachgedruckt.

Magazinrundschau vom 21.07.2009 - Caffe Europa

Aus der Zeitschrift Reset übernommen ist ein Artikel von Naomi Sakr, die sich über die Stellung der Frauen in den saudischen Medien Gedanken macht. Zwar kommen immer mehr Frauen in den Medien vor, sagt Sakr. Gleichzeitig aber hat sich an ihrer Stellung innerhalb der Medienwelt recht wenig geändert. "Diese Widersprüche reflektieren den Klientelismus im Inneren eines grundsätzlich autoritären Systems, in dem eine oberflächliche Modernisierung stattfindet, lange bevor es eine wirkliche Verschiebung in den Machtverhältnissen gibt. Dass Frauen in den saudi-arabischen Medien in den drei Jahren von 2004 bis 2006 immer präsenter und sichtbarer wurden, lag wahrscheinlich an Initiativen von oben. Mitglieder der königlichen Familie haben sich dafür eingesetzt, das Land vor den Augen der Welt ein wenig moderner erscheinen zu lassen (...) Die erste saudiarabische Schauspielerin, Hind Mohammed, debütierte im Film 'Keif al-hal?' [Wie geht es uns?], der von der [staatlichen] Rotana-Gruppe produziert wurde. Hala Nasser, die Autorin eines Buches über die Schwierigkeiten, mit denen eine saudi-arabische Frau in der Welt der Medien konfrontiert ist, wurde zur ersten Chefredakteurin des Magazins der Rotana-Gruppe. Und es war der [Staats-]Sender Mbc, der sich dazu entschied, die Show von Oprah Winfrey zu importieren, untertiteln und übertragen. Oprahs Art, delikate persönliche Erfahrungen zu behandeln, gefiel dem weiblichen saudischen Publikum."

Magazinrundschau vom 17.06.2008 - Caffe Europa

Im Gespräch mit Alessandra Spila prangert der britische Autor Nick Hornby die Klassengesellschaft auf der Insel an. "Wir haben in der Zeitung zum Beispiel die Fotos von Personen wie Boris Johnson und David Cameron, die beide in Oxford waren. Sie sind Mitglieder eines sehr elitären und beschränkten Klubs, in dem lauter Leute sind, die mir überhaupt nicht gefallen, sehr rechte, selbstüberzeugte Snobs, die schon mit 19 Jahre lächerlich formelle Kleidung trugen. Und neben ihren Bildern stehen die kommentare der Redakteure, die Sachen schreiben wie: 'Auch ich war in Oxford, und ich habe diese Typen verabscheut.' Das Problem ist, dass die Journalisten sich sehr gerne von diesen Leuten distanzieren, dabei aber eine grundlegende Sache vergessen: sie gehören derselben Elite an, aus der 98 Prozent der Gesellschaft ausgeschlossen bleibt."

Magazinrundschau vom 27.05.2008 - Caffe Europa

Nando Sigona vom Refugee Studies Centre in Oxford beschreibt in einem aus ResetDoc übernommenen Schwerpunkt (der dort aber nicht online ist) noch einmal den fremdenfeindlichen Strudel, in dem Italien gerade versinkt. "In einem Interview im Corriere della Sera, beschrieb Gianfranco Fini (der jetzige Präsident der Abgeordnetenkammer) die Roma als eine 'Gemeinschaft, die sich nicht in unsere Gesellschaft integrieren lässt', Personen die 'Diebstahl für beinahe erlaubt und nicht verwerflich halten, die das Arbeiten ihren Frauen überlassen, Prostitution wahrscheinlich, und die keine Skrupel haben, Kinder zu vergewaltigen oder Kinder nur zu zeugen, um sie zum Betteln zu schicken.' Fini hält die bisherigen Beschlüsse für zu schwach und meint, dass zweihundert- bis 250.000 Personen aus Italien ausgewiesen werden müssten. Aus den Reihen der Lega Nord ist nun der Vorschlag gekommen, man müsste die Maßnahmen auf die ganze Immigrationsfrage ausdehnen. Umberto Bossi erklärte auf den Seiten von La Padania: 'Jetzt reden alle über die Roma und die Rumänen, die ganze Aufmerksamkeit ist auf sie gerichtet. Und man vergisst, dass es da noch die ganzen anderen Einwanderer gibt, mit all den Problemen, die damit verknüpft sind. Es sind nicht nur die Roma, die dieses Land in Schwierigkeiten bringen."

Weiteres: Alessandro Simoni macht auch die Prodi-Regierung für das feindselige Klima gegenüber Einwanderern verantwortlich. Alessandro Lanni trifft sich mit dem katholischen Priester Virginio Colmegna, der sich um hilfsbedürftige Einwanderer kümmert.