Magazinrundschau - Archiv

Elet es Irodalom

639 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 64

Magazinrundschau vom 24.09.2024 - Elet es Irodalom

Wer braucht schon Medaillen, fragt der Sprachwissenschaftler István Kenesei und beklagt die falsch gesetzten Prioritäten in der Finanzierung des ungarischen Haushalts zulasten von Bildung, Forschung und Kultur. "Soeben wurden die neuesten Ergebnisse der Förderung durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) veröffentlicht. Die gute Nachricht ist, dass sich darunter vier ungarische Stipendiaten befinden. Die schlechte Nachricht ist, dass keiner von ihnen seine Forschungsergebnisse in eine ungarische Einrichtung einbringen wird. Obwohl sie ihren Abschluss in Ungarn gemacht haben, sind sie jetzt alle im Ausland und werden dort bleiben. Von den 494 Grants, die mit 780 Millionen Euro finanziert wurden, ist kein einziges aus Ungarn. (…) Finnland hat bei den Olympischen Spielen in Paris keine einzige Medaille gewonnen, jedoch 18 ERC-Stipendien zugesprochen bekommen (bei halb so großer Bevölkerung wie Ungarn). Da stelle ich mir die - zugegebenermaßen egoistische, sogar demagogische - Frage: Was bringt die Welt weiter, ein um eine Hundertstelsekunde verbessertes Sprintergebnis oder ein mRNA-basierter Krebsimpfstoff? Ein millionenteures Leichtathletikstadion, das irgendwo im Lande verstaubt, oder ein landwirtschaftliches Forschungslabor, das die Getreideproduktion auf Dürrezeiten vorbereitet? Bereits jetzt läuft die neue Olympia-Kampagne, um den einstigen Plan von Genosse Rákosi, der die Spiele 1960 nach Budapest holen wollte, bis 2036 endlich zu verwirklichen. Damals wusste man allerdings noch nicht, dass ein Land wie Ungarn im Falle einer Durchführung den Bankrott riskieren würde, wie die Olympischen Spiele 2004 in Athen gezeigt haben."

Magazinrundschau vom 17.09.2024 - Elet es Irodalom

Auch literarische Werke und ihre Verfasser sind zunehmend Gegenstand identitätspolitischer Auseinandersetzungen geworden, stellt der Schriftsteller und Literaturhistoriker Gábor Schein in der Wochenzeitschrift Élet és Irodalom fest und reflektiert die Diskussionen 2021 um die Preisvergabe der Leipziger Buchmesse sowie den Artikel von Juliane Liebert und Ronya Othmann in der Zeit vom Mai dieses Jahres. Schein wirft unter anderem die Frage auf, wie Schriftsteller zum gegenseitigen Verstehen beitragen können: "Es stellt sich die Frage, ob es in der Tradition des ästhetischen Denkens konzeptionelle Reserven gibt, die von den Künsten und der Kunstkritik erschlossen werden können, um Alternativen zu bieten, um den Begriff des Gemeinsamen neu zu begründen, indem die Erkenntnisse und Erfahrungen, die zur Skepsis geführt haben, überdacht werden. Die Offenheit von Kunstwerken bedeutet eben auch, dass sie trotz der Vielfalt der soziokulturellen Hintergründe alle ein Bedeutungspotenzial in sich tragen und die potenziellen Bedeutungen miteinander in Kontakt stehen. Um ein Gedicht eines schwarzen Dichters zu übersetzen, muss man nicht schwarz sein, aber man muss über das entsprechende Wissen und die Sensibilität für andere Erfahrungen als die eigenen verfügen. Vor allem muss man aber ein guter Übersetzer sein, denn Übersetzen ist in erster Linie ein Beruf und keine Identität. Ebenso muss Ophelia nicht von einer weißen Schauspielerin gespielt werden, und es ist sogar gut, wenn sie es nicht ist, denn das zeigt uns unsere Gemeinsamkeiten ebenso wie unsere Verletzlichkeit."

Magazinrundschau vom 10.09.2024 - Elet es Irodalom

Der Ökonom und Philosoph György Marosán nimmt die diesjährige Rede des Ministerpräsidenten Orbán im rumänischen Băile Tușnad zum Anlass, über die darin angekündigte "Weltsystemwende", sowie die "Wahrung der ungarischen Souveränität" nachzudenken: "Die Wende der Weltordnung macht es daher unausweichlich, dass sich alle auf der Erde, vom Kleinsten bis zum Mächtigsten, an die neue Situation, die sich allmählich abzeichnet, anpassen müssen. Soweit ist diese Aussage ein Klischee. Die Vision des Wandels wird jedoch dominant, wenn wir ihr Wesen verstehend die richtigen Schlüsse aus ihr ziehen. Unsere globale Koexistenz bedeutet, dass das Weltsystem so komplex und interdependent geworden ist, dass sein Frieden nur durch ständige Konsultationen und Verhandlungen mit allen gesichert werden kann. Wenn also jemand eine souveräne Entscheidung zu fast jeder Frage treffen will, muss er die Zustimmung aller Beteiligten einholen. Die schwierigste Voraussetzung für das Funktionieren des neuen Weltsystems, das sich jetzt abzeichnet, ist die Anerkennung der Tatsache, dass unsere Welt nicht mehr von Souveränität, sondern von Ashdowns drittem Gesetz regiert wird, das besagt, dass 'man nur das tun kann, was man mit zusammen anderen tun kann'. Ob man es will oder nicht, dementsprechend muss das Leben gelebt werden."
Stichwörter: Ungarn, Orban, Viktor

Magazinrundschau vom 03.09.2024 - Elet es Irodalom

Der Komponist Marcell Dargay veröffentlichte vor kurzem ein umfassendes musikhistorisches Werk über die Aktivitäten und Werke der Gruppe 180, einer zeitgenössisch-klassischen Formation der späten 1970er und 80er Jahre in Ungarn. Im Interview kritisiert er die aktuelle Entwicklung der zeitgenössisch-klassischen Musik: "Heute gilt ein Talentshow-Teilnehmer, der bis dahin nur unter der Dusche sang, am nächsten Tag als ein Profi. In diesem Zusammenhang ist es lehrreich, sich daran zu erinnern, dass Musiker, die jahrzehntelang als Instrumentalisten an der Schola und den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet worden waren, einst als Dilettanten abgestempelt wurden. Diese Grenzen sind sicherlich aufgeweicht worden, aber das ist eher das Ergebnis einer Verwischung der kulturellen Grenzen, die vielleicht durch die viel gepriesene Postmoderne gefördert wird. Sie hat auch das, was einst als Liebhaber-Kenner-Dichotomie bekannt war, neu geordnet, wobei jetzt jeder ein 'Profi' sein kann, der Software oder KI verwendet. Das kulturelle Milieu des posthumanen Zeitalters scheint auf den ersten Blick viel offener zu sein, während die Hochkultur jedoch immer mehr zu einer Subkultur schrumpft. Die innovativsten Musiktrends kommen heute oft aus der Peripherie der offiziellen Musikszene oder von außerhalb, und die Welt der klassischen Musik versucht ebenso wie die Popkultur, ihre Produkte noch marktfähiger zu machen, indem sie Instrumentalmusiker und Dirigenten quasi zu Influencern macht. Auffallend ist leider, dass weder die zeitgenössische klassische Musik noch die eigentliche klassische Musik zum Kulturkonsum der jungen Intellektuellen und der Intellektuellen mittleren Alters gehört. Sie verstehen den Gegensatz zwischen konservativ und progressiv vor allem in Bezug auf die Popmusik. Musik hat nachweislich eine viszerale Wirkung, so dass man sich leicht mit ihr identifizieren kann, aber wenn der Hörer auf Musik stößt, die wirklich intellektuell herausfordernd ist, ist die Rezeption schwieriger als bei jeder anderen Kunstform." Wir scheuen uns nicht vor intellektueller Herausforderung und hören hinein in die Musik der Gruppe 180:

Magazinrundschau vom 20.08.2024 - Elet es Irodalom

Der Publizist György Petőcz analysiert die narrativen Säulen der ungarischen Rechten, wiederholt vorgetragen durch den Ministerpräsidenten, zuletzt im Sommercamp der Regierungspartei Fidesz im rumänischen Băile Tușnad, und sucht nach einer alternativen Erzählung, aus der sich eine Gemeinschaftsidentität entwickeln ließe: "Die drei Grundaussagen von Orbans Reden sind: 'Wir sind wir' (1), 'die Welt ist unverständlich (und gefährlich)' (2), 'das Leben ist ein Kampf' (3). Daraus lassen sich alle weiteren Texte ableiten, und kein Text und keine Aussage widerspricht ihnen. Die Präsentation kann freilich spektakulär, klangvoll, klug oder weniger klug sein, aber in jedem Fall ist sie eine Inszenierung dieser Behauptungen. (...) 'Wir sind wir' ist das dritte Axiom der Orban'schen Sprache, mit ihrer essentialistischen und ausschließenden Vorstellung von Wir. Es rechtfertigt alles, weil alles daraus folgt: nationale Abschottung und Trotz nach außen, Zentralisierung, Disziplin, 'Souveränitätsschutz', ständige Feindabwehr, politisch motivierte Anti-LGBTQ-Kampagnen, die Teilung der Welt in Nationalisten und Globalisten, die Spaltung der EU in einen postnationalen Westen und eine souveränistische Ost-Zone von Kleinstaaten usw. Dieses Axiom ist vielleicht die wichtigste linguistische Säule. (…) Man kann argumentieren, dass das Leben kein Kampf ist und dass die Welt nicht unberechenbar und vor allem nicht gefährlich ist. Aber das 'Wir sind wir' ist eine unwiderlegbare Tautologie, und die wichtigste Aufgabe einer Opposition besteht darin, sie nicht nur beiseite zu schieben, sondern eine neue Art Gemeinschaft zu formulieren, die sich auf die Idee des Gemeinschaftsminimums oder des klassischen liberalen Minimums bezieht."
Stichwörter: Ungarn, Orban, Viktor, LGBTQ

Magazinrundschau vom 13.08.2024 - Elet es Irodalom

Der Publizist János Széky beschreibt, warum es in Ungarn in absehbarer Zeit auch mit der Opposition keine politischen Veränderungen geben wird. "Der technologische Fortschritt hat zwei soziale Folgen, die ebenfalls unumkehrbar zu sein scheinen: die Urbanisierung und das Erstarken der städtischen Mittelschicht. Dies ist ein universelles Phänomen, selbst in einem Land mit einem schrecklichen oligarchischen System wie die Ukraine (wo die Revolutionen siegreich war) oder in einer offenen Diktatur wie Belarus (wo die Revolution blutig niedergeschlagen wurde). Die städtische Mittelschicht hasst es, wenn ihre Freiheit und ihr Streben nach einem besseren Leben beschnitten werden und versucht, ihre Interessen durchzusetzen, selbst wenn sie dafür Opfer bringen muss. In Ungarn weiß sie nicht einmal, dass sie eine städtische Mittelschicht ist, noch dass sie das Recht hat, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Sie ist es gewohnt, in einer Nicht-Demokratie zu leben, und kann sich einen wirklich demokratischen Staat gar nicht vorstellen. Und so schließt sich der Kreis."
Stichwörter: Ungarn, Belarus

Magazinrundschau vom 30.07.2024 - Elet es Irodalom

Eines der verstörenden und meist besprochenen Bücher des Sommers ist das (im April erschienene) autobiografische Buch der Filmregisseurin, Übersetzerin und Schriftstellerin Lili Kemény. In "Nem" (Nein) schreibt sich entlang der autobiografischen Geschichte auch über Ereignisse der letzten zwanzig Jahren in Ungarn. Das Buch gilt bereits als eine der stärksten Reflexionen der städtischen Generation Z über ihre Zeit. Lili Kemény, die ältere Tochter des Dichters und Schriftstellers István Kemény, schreibt über Drogen, Sexualität oder die Ereignisse von 2020, als die Orban-Regierung die Hochschule für Theater- und Filmkunst (SZFE) - ihr Alma Mater - auf Regierungslinie brachten. Das Buch ist bei einem unabhängigen Verlag (su/cure-sale) als Eigenauflage erschienen. Lili Kemény spricht im Interview mit Julianna Zeck u.a. über die Entstehungsumstände ihres Buchs: ""Ich habe um meine bisherige Zukunft (getrauert). Im Herbst 2020 ging alles schief. Die Universität, die ich besuchte, wurde mit Füßen zertreten, und ich verließ sie. Die Widerstandsbewegung, die ich radikalisieren wollte, konsolidierte sich, aus der Geheimen Universität wurde Freeszfe, und ich verließ sie. Ich hatte keinen Beruf, keine Arbeit, keine Kontakte, keine Pläne, keine Stimmung, keine Gemeinschaft, kein Zuhause. Im Alter von siebenundzwanzig Jahren hatte ich bereits meine zweite oder dritte Karriere aufgegeben. Ich lebte mit meiner Liebe von seinem Gehalt zur Untermiete. Wir gaben unser ganzes Geld aus, nahmen Drogen gegen Depressionen. (...) Zu diesem Zeitpunkt begann ich zu schreiben. (...) Ich zog mich stets zurück: aus der Grundschule, dem Gymnasium, der Literaturszene, dem Film, der Universität und dem Studium. In der Praxis sieht es so aus, dass ich erschöpft zugrunde gehe, dass ich ertrinke. Ich kann mich nicht integrieren, wenn ich auf meiner Wahrheit bestehe, darauf, wie ich denke, dass die Struktur neu geordnet werden sollte (...) Aber es geht in diesem Buch nicht darum, meine Wahrheit anderen aufzudrängen, sondern darum herauszuarbeiten wie Autonomieversuche im heutigen Ungarn gesetzmäßig abgewürgt werden. Ich zeige, an wie viele Mauern ich gestoßen bin und was die strukturelle Ähnlichkeit bei diesen Zusammenstößen war. Anhand meines eigenen Falles versuche ich darzustellen, wie wir alle leben, wie gerade diese Jahrzehnte, die letzten dreißig Jahre, in dieser globalisierten, konsumorientierten, postfaschistischen, postfeministischen, individualistischen und doch uniformierenden, asexuellen oder vielmehr anti-erotischen Atmosphäre erstickt wurden."
Stichwörter: Ungarn, Kemeny, Lili, Generation Z

Magazinrundschau vom 16.07.2024 - Elet es Irodalom

Der Chefredakteur der Wochenzeitschrift Élet és Irodalom, Zoltán Kovács kommentiert die ersten Reisen des ungarischen Ministerpräsidenten Orbán nach Moskau, nach der Übernahme der (rotierenden) EU-Ratspräsidentschaft vergangener Woche: "Diese Reise ist eine Schande für das Land. Orbán ist sich dessen bewusst, dass die internen Regeln der EU schwach sind, sie können gegen Action-Helden wie ihn nicht wirklich etwas ausrichten. Die Regeln von damals waren für normale Lebenssituationen konzipiert, und wenn es einen Verstoß gegen die Regeln gab, dann auf einem Niveau, das mit den vorhandenen Rechtsvorschriften bewältigt werden konnte. Dass jemand daherkommt, der unter Missachtung der Grundwerte der Union den Krieg nicht als Krieg ansieht und den Aggressor nicht beim Namen nennt, egal wie oft er sich mit ihm zu Verhandlungen zusammensetzt, hatte niemand auf dem Schirm."
Stichwörter: Ungarn, Orban, Viktor

Magazinrundschau vom 02.07.2024 - Elet es Irodalom

Nach der Euphorie über das gute Abschneiden der neu gegründeten ungarischen Tisza-Partei bei den Wahlen zum Europäischen Parlament als Herausforderer der Regierungspartei Fidesz, ist immer noch die Frage offen, wofür eigentlich der Herausforderer steht. Zwar steht die Partei von Péter Magyar vor der Aufnahme in die Europäische Volkspartei, jedoch ist über das Programm oder Grundlinien der Partei wenig bekannt. Der Publizist János Széky findet es sehr bedauerlich, dass diese neue Partei den Unterschied zwischen den Begriffen Regime und Regierung, Regimewechsel und Regierungswechsel nicht zu kennen scheint. Die Mitglieder träumen davon, was passieren wird, wenn sie die Wahlen gewinnen. Dann wird alles in Ordnung sein (mit 'alles' sind in der Regel Bildung, Gesundheit und Justiz gemeint). Aber es fällt ihnen nicht mal ein, dass sich das System nicht so einfach ändern wird. Und umgekehrt: In Ungarn ist es mittlerweile so weit gekommen, dass für einen deutlichen Wahlsieg eine Änderung des Systems erforderlich ist. Mit anderen Worten: Um zu verhindern, dass die Dinge wieder in den alten Trott zurückfallen, sind konkrete Ideen für eine andere, neue politische, wirtschaftliche und soziale Struktur erforderlich. Das ist nicht dasselbe wie die Sanierung des Bildungs- und Gesundheitswesens, so notwendig sie auch sein mag, oder die strafrechtliche Verfolgung derjenigen, die sich der Korruption schuldig gemacht haben. Die Atmosphäre erinnert ein wenig an den Sommer '89, als viele das Gefühl hatten, dass etwas anders werden muss, aber - entgegen den damaligen Legenden - die Sozialistische Arbeiterpartei die mit Abstand populärste Partei war, weil die große Mehrheit einen radikalen Systemwechsel nicht wollte oder sogar fürchtete. Es ist schade, dass die Produktion von Legenden nicht zum BIP gezählt wird, dann würden wir besser dastehen."

Magazinrundschau vom 25.06.2024 - Elet es Irodalom

Der Theaterregisseur István Verebes reflektiert in der Wochenzeitschrift Élet és Irodalom die Herausforderungen der Gegenwart und den Umgang des Theaters damit. "Fragen über Fragen stelle ich mir, wenn ich morgens die Nachrichten lese und dann irgendwo hinfahre, um ein Stück zu proben. In den achtziger Jahren haben wir nur geahnt, dass sich alles langsam aber sicher verändert, und dann, vor nicht allzu langer Zeit, hat die technologische Explosion uns Theatermacher ordentlich durchgeschüttelt. Heute sagen die Leute: 'Wo ist das Problem, man kann doch auch online Theater machen, warum nicht?' Was mich erschreckt, ist, dass Herr Bürger und Frau Bürger und die Bürger-Kinder zu Hause beim Abendessen von nichts mehr beeinflusst werden, was über die bloße Geschichte hinausgeht - wenn überhaupt. Denn das Fehlen der intellektuellen und emotionalen vierten Dimension, die in der dritten, räumlichen und bühnenbildnerischen Raumbeziehung lebendig wird, macht aus einer gegenwärtigen Sakralität, die in der Atmosphäre eines gemeinsamen Raumes geboren wird, ein nach Füßen stinkendes 'Hauskino'. Es gibt keinen Beweis dafür, dass es dem Theater jemals gelungen wäre, die Realität mit der Realität zu beeinflussen. Aus diesem Grund schließe ich meine Überlegungen mit einer Frage: Sollten wir uns nicht vor der Ansteckung mit der Wirklichkeit retten? Sollten wir nicht mit Vernunft, mit dem Herzen und mit dem ganzen Weitblick unserer beruflichen Erfahrung an unseren moralischen, intellektuellen und vielschichtigen psychologischen Bestrebungen festhalten? Würden wir dann nicht mehr erreichen? Zumindest das, wofür wir in erster Linie da sind: dass diejenigen, die uns zuhören, mehr über sich selbst erfahren."