
Eineinhalb Jahre, nachdem die englische Ausgabe von
Jan T. Gross' "Fear" erste Diskussionen auslöste, hat die polnische Übersetzung weitere hitzige Debatten ausgelöst. Dazu hat die "Wyborcza" ein kleines
Dossier zusammengestellt. In einem sind sich die Kommentatoren, der letzte Anführer des Ghetto-Aufstandes Marek Edelmann und der Historiker Dariusz Stola, einig: Die
Fakten über die antijüdische Gewalt in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sind längst bekannt. Die Gemüter erregen aber Gross' Sprache und seine kontroversen Interpretationen. "Simple Generalisierungen, extreme Bewertungen und missglückte Interpretationen machen die Kritik an 'Fear' einfach und gerechtfertigt. Schade, denn das Thema ist wichtig und der Autor außergewöhnlich. Aber er hat seinen
Schreibstil selbst gewählt",
so Stola.
Sehr lobend
berichtet Marek Beylin über die Ausstellung "It's our history. 50 Jahre europäisches Abenteuer", mit der das
Europa-Museum in Brüssel seine Arbeit aufnimmt. "Sie zeigt ein Europa, das unter dem Einfluss der Angst entstand, das Grauen von
Krieg und Totalitarismus könne wiederkommen, und dann würde der Kontinent endgültig aus der Geschichte verschwinden". Aber außergewöhnlich macht die Ausstellung etwas anderes: "Zum ersten Mal wird im Westen so spektakulär zum Ausdruck gebracht, dass die
Geschichte des östlichen Teils auch zum europäischen Erbe gehört. (...) Man spürt die Handschrift von Krzysztof Pomian", der den
wissenschaftlichen Beirat leitet.
Artur Domoslawski
serviert einen weiteren Appetizer aus seiner entstehenden Ryszard-Kapuscinski-Biografie
(Teil 1
berichtete aus "Kapus" Arbeitszimmer). Diesmal geht es um seine Beziehungen zu
Lateinamerika - als Korrespondent, Dozent von Workshops der
"Stiftung für neuen lateinamerikanischen Journalismus", Freund von Gabriel Garcia Marquez, und und und. Kapuscinski, der mit
emanzipatorischen Bewegungen in Lateinamerika sympathisierte, leitete einen solcher Workshops in Mexiko-Stadt, in dem Moment, als "Subcomandante Marcos" einmarschiert. "Urplötzlich stand Kapu auf und sagte: Und jetzt, entschuldigt mich, meine Freunde, ich gehe arbeiten - und löste sich in der Menge der Partisanen, Unterstützer und Schaulustigen auf", erinnert sich ein Augenzeuge.