Magazinrundschau - Archiv

La regle du jeu

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Magazinrundschau vom 14.04.2026 - La regle du jeu

Es gibt Leute, die bezeichnen es als eine "Debatte über Literaturkritik", wenn darüber diskutiert wird, dass Denis Scheck ein Buch von Ildikó von Kürthy in die Mülltonne geworfen hat. Da mag es passen, dass der bekannte Autor Arturo Pérez-Reverte im Gespräch mit Daniel Ramírez sich einer anderen Episode aus der Geschichte der deutschen Literaturkritik entsinnt. Er erinnert daran, dass der Ruf Javier Marias' in Deutschland (mit großem Widerhall in anderen Ländern) durch eine enthusiastische Besprechung seines Romans "Mein Herz so weiß" von Marcel Reich-Ranicki im "Literarischen Quartett" geradezu geschaffen wurde. "Es war ein deutscher Kritiker, der den Stein ins Rollen brachte, indem er Marias' Werk im Fernsehen in den höchsten Tönen lobte. Das war landesweit ein riesiger Erfolg. Diese Art der Literaturkritik war normativ und zudem fundiert, was das Wesentliche ist. Die Kritiker verfügten über eine erstklassige Bildung." Dieser Typus des Kritikers ist heute laut Pérez-Reverte verschwunden. Dass heutige Kritiker diesen Status nicht mehr erreichen ist nicht ihre Schuld, so der Autor: "Ich glaube, das hat eher mit dem Kontext zu tun. Die heutige Gesellschaft schafft keine prestigeträchtigen Kulturikonen mehr. Kulturikonen, die heute entstehen, sind in der Regel Wegwerfware. Früher hatte ein Literaturkritiker einen klaren Lebensplan. Er war jemand, der sich schon sehr früh auf die Kritik konzentrierte: Er kannte die Klassiker und das, was man als neue Erzählformen bezeichnete. Ein echter Spezialist. Sie schrieben sehr fundierte, kanonische Kritiken. Wenn der Kritiker eine Diskussionsrunde betrat, verstummten die Leute. Das war der beste Ausdruck seines Einflusses. Die sozialen Netzwerke haben die Literaturkritik demokratisiert. Und das hat die Kritiker zerschlissen. Es hat ihre Einflussmöglichkeiten beschnitten. Und auch die der Autoren selbst."

Hier die Diskussion über Javier Marias aus dem "Literarischen Quartett" von vor dreißig Jahren. Eingeführt wird der Roman "Mein Herz so weiß", der sich nach der Sendung 600.000 mal verkaufte, vom Dlf-Kritiker Hajo Steinert.

Magazinrundschau vom 10.03.2026 - La regle du jeu

Bernard-Henri Lévy veröffentlicht auf der Seite seiner Zeitschrift ein "Entretien-fleuve" mit dem kürzlich verstorbenen portugiesischen Autor António Lobo Antunes, der hier über seinen Arztberuf spricht, den er auch im Kolonialkrieg in Angola ausübte, und der in einem Absatz seine Herkunft und Öffnung zur Welt erzählt: "Ich wurde in eine privilegierte Familie geboren, lebte seit meiner Kindheit in einem großen Haus mit Garten, war der zukünftige Freiherr, gehörte zur Aristokratie. Es gab keine Beziehungen zwischen den verschiedenen sozialen Schichten, so dass wir ziemlich isoliert waren. Ich begann früh mit dem Studium, ich war 16 Jahre alt, und dort lernte ich eine Welt kennen, die mir bis dahin verschlossen war. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Zugfahrt mit Soldaten. Wir kamen aus dem Norden und der Zug fuhr am Meer entlang. Ein Soldat fragte mich: 'Herr Leutnant, wie heißt dieser Fluss mit so viel Schaum?' Er hatte noch nie das Meer gesehen, was für einen Portugiesen unverständlich ist - manchmal denke ich, dass Portugal das ist, was das Meer nicht will: Das Wasser zieht sich zurück, zurück bleiben eine Kathedrale, ein paar Häuser, die Armut der Diktatur, das Elend."

Magazinrundschau vom 30.09.2025 - La regle du jeu

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Gilles Hertzog, einer der besten Osteuropakenner Frankreichs, bespricht Emmanuel Carrères neuen autobiografischen Roman "Kolkhoze", der ein bisschen da fortzufahren scheint, wo "Un roman russe" (deutsch 2017) geendet hatte. Mit anderen Worten: Der Roman handelt wieder von Carrères Mutter, Hélène Carrère d'Encausse, die in Frankreich lange Zeit viel berühmter war als ihr Sohn. Sie war Frankreichs berühmteste Russlandexpertin, der erste weibliche Secrétaire perpétuel an der Spitze der Académie française, hat Präsidenten über Russland beraten und war leider Gottes ein Riesenfan von Wladimir Putin. Carrère hatte in seinem ersten Roman über sie enthüllt, dass ihr Vater, der georgische Exilant, Georges Zourabichvili, ein Kollaborateur der Nazis gewesen war. Der neue Roman sei versöhnlicher, so Hertzog - aber nicht unehrlich: "Die Urszene ist das Verschwinden von Hélène Carrère d'Encausses Vater nach der Befreiung, das von seinen Angehörigen aus Scham über seine Kompromittierung und aus Sorge um die gerade erst erworbene französische Staatsbürgerschaft gründlichst verdrängt wurde. Der gebürtige Georgier Zourabichvili, Liebhaber der großen russischen Kultur und Fan von Dostojewski, staatenlos, lebte als Ausgestoßener im Exil in Frankreich. Als fanatischer Antikommunist schloss er sich den Deutschen an, die Russland vom Bösen befreien sollten. Seine Tochter war ihm in mitleidiger Liebe zugetan. Sie konnte es nicht ertragen, dass ihr Sohn die Vergangenheit ihres Vaters öffentlich machte, was ihr Ansehen an der Akademie und in der Stadt ruinieren könnte... Emmanuel Carrère zeichnet das Bild seiner Mutter als eine dominante Frau, immer makellos gekleidet, machthungrig, auf Ehrungen bedacht, liebevolle Mutter, symbiotisch und tribal, die sich bald von ihrem Mann löst, einem im Vergleich zu ihrem Ruhm allzu banalen Versicherungsvertreter und manischen Genealogen aller aristokratischen, europäischen und russischen Vorfahren seiner Frau - einen Ehemann, den sie bis zu ihrem Lebensende mit Sticheleien und Sarkasmus überhäuft, einen Ehemann, der ihr trotz seiner gequälten Seele bis zu seinem Tod unerwiderte Liebe entgegenbringt." Vor zwei Wochen hat schon Johanna Adorján in der SZ auf den Roman hingewiesen - und ihn zu ihrem Favoriten für den diesjährigen Prix Goncourt erklärt.

Magazinrundschau vom 12.11.2024 - La regle du jeu

Helen Phillips, "Amants novices", 1952. Foto: Galerie T&L, Paris.

Hundert Jahre Surrealismus! Im Centre Pompidou findet dazu die offizielle Ausstellung statt. Wem das Thema ein bisschen abgegessen erscheint: Es gibt auch durchaus noch Künstler, die man entdecken kann. Lou Kolnikoff verweist auf eine kleine Parallel-Ausstellung in der Pariser Galerie T&L: Stanley William Hayter, vor allem aber seine Frau Helen Phillips. Hayter ist der bekannteste britische Surrealist, er war ein wichtiger Drucker im Umfeld der bekannteren Namen, hat selbst wunderbar filgrane Gemälde geschaffen, die gegen Ende in die Abstraktion münden. Seine Frau Helen Phillips war eine der wenigen Bildhauerinnen des Surrealismus mit vielgestaltigen Skulpturen. "Ihre länglichen Skulturen aus aneinander geschweißten Rohren lassen an Giacometti denken. Wie in Hayters Gemälden sieht der Betrachter durch die Figur hindurch, durch das Liniengeflecht, aus dem die Figuren bestehen: Es sind zarte Figuren, die in anschaulichen Posen dargestellt werden, wie sie im täglichen Leben vorkommen (wie 'Seated Woman' oder 'Enceinte'). Diese Skulpturen wirken trotz ihrer mittleren Größe monumental und laden den Betrachter dazu ein, sie zu umkreisen, wobei jede Seite eine andere Sichtweise bietet, als ob sie sich in einer ständigen Metamorphose und Transformation befänden - ein Prinzip, das dem Surrealismus sehr am Herzen liegt."

Magazinrundschau vom 15.10.2024 - La regle du jeu

O Touro - Boi na floresta © Tarsila do Amaral Licenciamento e Empreendimentos S.A.

Das Pariser Musée du Luxembourg zeigt eine Ausstellung der brasilianischen Malerin Tarsila do Amaral, die mit ihrer "falschen Naivität" vor hundert Jahren Paris verzauberte. Damals entdeckte man nicht nur den Jazz, sondern auch den Samba, erzählt Gilles Hertzog, und Darius Milhaud schrieb sein wunderbares Stück "Le boeuf sur le toit". Amaral war die Frau des berühmten Schriftstellers Oswald de Andrade: "Ende 1922, gerade erst zum Liebling der brasilianischen Avantgarde aufgestiegen, landet das Duo Oswald de Andrade-Tarsila do Amaral in einem Paris, das die Vergangenheit, die zur Schlächterei von 14/18 geführt hatte, brüsk von sich stößt. Paris ist mehr denn je der Ort, an dem es abgeht und alles neu erfunden wird. Die Intelligenzia und die Kunstszene, die sich in einer großen intellektuellen und ästhetischen Revolution befanden, bereiteten den Neuankömmlingen den besten Empfang. Denken Sie nur: Kunst und Literatur als eine große spontane Anthropologie, dazu der magische Surrealismus, Freud und die indigenistische Ethnologie. Und dazu noch Samba und Saudade! Das war etwas anderes als die kalten Spekulationen an der Sorbonne und die strenge Orthodoxie der Anhänger der permanenten Revolution."

Magazinrundschau vom 01.10.2024 - La regle du jeu

Die Rabbinerin Delphine Horvilleur, deren Bücher auch in Deutschland erscheinen, eröffnet die neueste Nummer von Bernard-Henri Lévys Zeitschrift La Règle du Jeu mit einer Reflexion zum Jahrestag des 7. Oktober. Darin erzählt sie als erstes einen jüdischen Witz: "Treffen sich ein Pessimist und ein Optimist. 'Es kann einfach nicht mehr schlimmer werden', sagt der Pessimist. Antwortet der Optimist: 'Doch, glaub mir, es kann noch viel schlimmer werden.'" In dem Artikel kommt Horvilleur auf das neue Genre der wohlmeinenden Antisemiten zu sprechen, die von sich überzeugt sind, auf der richtigen Seite zu stehen, weil sie nur Antizionisten seien: "Judenhass hat in der Geschichte immer - zumindest sehr oft - Menschen heimgesucht, die sich für rundum gut hielten, die meinten, den richtigen Glauben, die richtige Theologie, die richtige Ideologie zu haben, und die davon überzeugt waren, dass nur der Jude ihre Familie, ihr Land oder die ganze Welt daran hinderte, in Frieden zu leben und sich zu entwickeln. Paradoxerweise wurde der Jude sehr oft im Namen der Nächstenliebe, des Weltfriedens oder der Sorge um die Einheit gehasst; das ist eine der Stärken dieses uralten Hasses, der in jeder Epoche mutieren kann. Man könnte es fast in einer Minute zusammenfassen, eine Art kleiner Schnellkurs in Antisemitismus machen, verständlich für jeden Studenten - sogar in Science Po!"

Magazinrundschau vom 25.06.2024 - La regle du jeu

Die Politiker und natürlich vor allem Politikerinnen des Rassemblement national fressen im Moment tonnenweise Kreide, um die Wähler glauben zu machen, sie hätten ihrer Positionen zu einigen zentralen Streitfragen abgemildert. Eine dieser Fragen ist die innige Beziehung der Partei zu Russland und Putin - unvergessen ist der Millionenkredit, den Putin dem Front national vor einigen Jahren zu sehr günstigen Konditionen gewährte. Auch im Diskurs über die Ukraine hat das Rassemblement national sich jüngst gemäßigter geäußert, aber Sophie Letellier und Pierre Forman wollen in einem längeren Hintergrundartikel nicht dran glauben: "Der Diskurswechsel, der auf den russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 folgte, ist nuancierter, als manche glauben. Während das RN den Einmarsch formell verurteilte, wartete die Partei nur einen Monat, bevor sie einige Kriegsverbrechen in Frage stellte und erklärte, dass Russland nach dem Konflikt 'natürlich' ein Verbündeter sein könnte. Marine Le Pen ist im gesamten Jahr 2022 nicht müde geworden, die gegen Russland verhängten Sanktionen anzuprangern, die ihrer Meinung nach 'nichts nützen'. Und die Partei prangerte regelmäßig die Waffenlieferungen an die Ukraine an, die es dem Land ermöglichen sollen, sich zu verteidigen. Anstatt direkt gegen Resolutionen des EU-Parlaments zu stimmen, zieht es die Partei nun vor, sich zu enthalten, um sich nicht der Kritik auszusetzen. Man verzichtet also mitzustimmen, wenn es darum geht die 'Eskalation des Krieges' anzuprangern oder der Ukraine 'unerschütterliche Unterstützung' zu gewähren. Immer wieder dieses Zaudern. Marine Le Pen hat beispielsweise erwogen, 2023 den Mitgliedern des RN zu verbieten, einer Rede von Wolodomir Selenski im Europäischen Parlament beizuwohnen. Am Ende war Jordan Bardella der einzige RN-Abgeordnete, der nach der Rede applaudierte."

Magazinrundschau vom 28.05.2024 - La regle du jeu

Patrick Mimouni setzt seine Artikelserie über Marcel Proust und seine Welt fort - wir haben bereits mehrere Artikel zitiert. Bestens informiert schildert er die Verhältnisse in der Belle Epoque, aber auch in Prousts Familie und in der Proust-Rezeption. Ein wenig deprimierend lesen sich die Artikel auch, denn Mimouni zeigt ein ums andere Mal, wie sehr sich Proust in Kreisen der Rechten in der Dritten Republik bewegte. Einige seiner engsten Freunde gehörten zur Crème der Action française und des damaligen Rassismus, der wie der Antisemitismus noch offen und als angeblich wissenschaftliche Theorie vorgetragen wurde. Zugleich zeigt Mimouni aber die Kunst, mit der Proust sein Leben sublimierte. Ein Beispiel ist die Gestalt des Diplomaten Norpois, der in der "Recherche" ein Beispiel für einen prätenziösen intellektuellen Dummkopf ist, was nicht heißt, dass er als einflusslos geschildert wird. Eines der Vorbilder für ihn ist laut Mimouni der Graf Talleyrand, Enkel des berühmten napoleonischen Ministers, mit dem Prousts Eltern verkehrten. Als Diplomat "hat Norpois eine Besonderheit: Man hört ihn nie etwas explizit Antisemitisches sagen Warum sollte er auch? Es versteht sich ja von selbst, dass er Juden hasst. Wer könnte das schon bezweifeln? Ein Zeichen - ein scheinbares Nichts - genügt, um dies zu belegen ...: Anstatt Swanns Namen wie üblich englisch auszusprechen, also 'Souanne', zieht Norpois es vor, ihn deutsch auszusprechen, also 'Svann', so als wollte er ihn in die Ecke der 'Boches' stecken. Ja, denn die Idee verbreitet sich in Frankreich, dass die Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg nicht ohne den Verrat der Israeliten möglich gewesen wäre, vor allem jener Israeliten, die in der Armee gedient hatten. Genau dies bedeutet 'Svann' in diplomatischer Sprache, jener Sprache, die man im Salon von Prousts Eltern sprach, wenn man die Norpois aus dem Außenministerium einlud."

Magazinrundschau vom 12.03.2024 - La regle du jeu

Ziemlich finster liest sich das Gespräch, das Maria de França mit der Russland-Expertin und Herausgeberin von Deskrussie, Galia Ackerman, führt. Die russische Bevölkerung schildert sie als völlig geknebelt, ein Potenzial für einen Aufstand sieht sie nicht, höchsten zehn Prozent der Bevölkerung seien noch oppositionell gestimmt. Hoffnungen setzt sie trotz allem auf die westlichen Sanktionen. Die aktuelle wirtschaftliche Scheinblüte sei durch Militärausgaben zu erklären, komme aber nicht bei der Bevölkerung an. "Wenn der Westen standhaft bleibt und es gelingt, das Netz enger zu knüpfen, denke ich, dass es tatsächlich einen Zeitpunkt geben kann, an dem die russische Wirtschaft zumindest teilweise stranguliert wird, was zu einem niedrigeren Lebensstandard und einer viel größeren Unzufriedenheit führen wird. Zu diesem Zeitpunkt könnte ein Teil der herrschenden Elite in Putins Umfeld beschließen, dass es an der Zeit ist, ihn loszuwerden. Dann würde jemand auftauchen, der liberaler ist, der den Krieg beendet, der vorgibt, sich mit dem Westen wieder anzufreunden, um die Aufhebung der Sanktionen zu erreichen - und der dann Kräfte sammelt, um die gleiche imperialistische Politik wieder aufzunehmen. Tatsächlich reicht ein Putsch nicht aus. Was es braucht, damit sich das Regime in Russland wirklich ändert, ist seine totale Niederlage in der Ukraine."
Stichwörter: Ackerman, Galia, Russland

Magazinrundschau vom 20.02.2024 - La regle du jeu

Giuliano da Empoli ist auch in Deutschland mit seinen Büchern "Der Magier im Kreml", einem Roman über Putin, und "Ingenieure des Chaos", wo er den Einfluss des Internets auf den Rechtspopulismus untersucht, bekannt geworden. Er ist ein Insider der Politik in Italien, war Mitglied im Kabinett Matteo Renzi. Im Gespräch mit Christian Longchamp entfaltet er ein faszinierendes Panorama der italienischen und ein wenig auch der europäischen Politik. Giorgia Meloni, sagt er, ist viel weniger eine Figur des Internet als die öko- und linkspopulistischen Fünf Sterne. Aber sie steht in einer anderen Linie des Charismatikertums, in der Italien ein besonderer Vorreiter war: "Was Italien seit Anfang der 1990er Jahre kennzeichnet, ist, dass es eine schrecklich heftige Ablehnung der politischen Eliten gibt, die nicht unbedingt die anderen Eliten betrifft - nicht in dem Maße, wie es beispielsweise in Frankreich der Fall sein kann. Sie werden mir sagen, dass Frau Meloni doch auch eine Politikerin ist, dass sie ihr Leben der Politik gewidmet hat - ja, aber als Extremistin und damit als Randfigur. Was die Italiener besonders ablehnen, sind die klassischen politischen Eliten. Was sie wollen, sind charismatische politische Figuren, die sich tiefgreifend von den klassischen politischen Eliten unterscheiden: also Persönlichkeiten, die von außerhalb der politischen Arena kommen, wie Silvio Berlusconi, wie Beppe Grillo, auch Technokraten wie Mario Draghi in gewisser Weise, oder dann sehr transgressive Politiker wie Matteo Renzi, wie Matteo Salvini, oder wie Giorgia Meloni als Galionsfigur der extremen Rechten. In dieser Hinsicht hat sich also nichts geändert: Das heißt, Meloni ist das neueste Produkt dieser Flucht der Italiener vor ihren traditionellen politischen Eliten. Meiner Meinung nach ist der Treibstoff derselbe."