
Schon allein dieses Textes wegen muss man die neue
Lettre lesen:
Ziauddin Sardar erinnert sich an seine Jahre in der heiligen Stadt der islamischen Welt:
Mekka. Wir dürfen im Netz einen
Auszug lesen, in dem er erzählt, wie man
blitzschnell ein Visum vor einem belagerten Schalter ergattert: "Shaikh Abdullah spürte meine Bestürzung und klopfte mir sanft auf die Schulter. 'Ich weiß, was ich tun muss, gelernt ist gelernt', sagte er zuversichtlich. 'Bleiben Sie hier stehen und
schauen Sie mir zu.' Er zählte eine Anzahl Schritte von der Menge vor dem Visaschalter weg wie ein Bowlingspieler, der seinen
Anlauf vorbereitet. Knapp 20 Meter von der Menge entfernt blieb er stehen, drehte sich um und schrie den zwei oder drei Leuten, die zwischen ihm und der Menge standen, zu, sie sollten aus dem Weg gehen. Dann hob er die untere Hälfte seines toupe, seiner langen weißen Oberbekleidung, hoch und band sie sich
um die Hüfte fest. Schließlich schaute er mich grinsend an und zeigte dabei einen
Goldzahn. Plötzlich schrie Shaikh Abdullah mit schrecklicher Stimme: 'Ya Allah' und rannte los. Die Leute vor dem Schalter drehten sich entsetzt um und konnten nicht glauben, was auf sie zukam. Shaikh Abdullah sprang auf die Menge, lief in Blitzesschnelle
über ihre Köpfe und Schultern und legte seine Akte dem Mann hinter dem Schalter genau in die Hände. Dann stieg er elegant herab - ein müheloses Absitzen - und kam nonchalant zu mir zurück. 'Klappt immer', sagte er triumphierend."
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