
Es gibt einfach kein Vorbeikommen an den USA: dafür sorgen die amerikanische Irak-Politik und der erste Jahrestag des Attentats auf das World Trade Center.
In einem herrlich ironischen
Artikel macht
Eliot Weinberger eine
Bestandsaufnahme der amerikanischen Situation, ein Jahr nach dem Attentat auf das World Trade Center, und stellt fest, das es erstens kein
amerikanisches "wir" gibt, das sich seitdem hätte verändern können, und dass, gesetzt es gäbe ein solches "wir", man höchstens sagen könnte: "'Wir' sind die gleichen, aber
wir sind Nervenwracks." Dafür macht Weinberger zwei in ihrer Panikmache konkurrierende Mächte verantwortlich: "das Team des
Weißen Hauses" und "die
lakaienhaften Medien". "Ist es möglich, die Vereinigten Staaten zu verstehen?", seufzt Weinberger und erklärt, warum diese Frage gerade der Bush-Administration gilt: Der 11. September "brachte einer der arrogantesten und
aggressivsten Regierungen in der amerikanischen Geschichte hervor, eine Regierung, die bereits ihre
Unduldsamkeit oder Abneigung gegen solche Grundlagen der Demokratie wie die freie Rede, offene Wahlen, ordentliche Gerichtsverfahren und die Trennung von Kirche und Staat unter Beweis gestellt hat."
Nicholas Fraser
hat im Auftrag der BBC
nicht-englische Dokumentarfilme aus Europa in Augenschein genommen, die ihm Aufschluss geben sollten über Europas derzeitige Einstellung zu den
USA. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass "die
Entfremdung zwischen Europa und den USA
sehr tiefgreifend, wenn nicht sogar
unwiderruflich" ist. "Überlegen Sie sich, welche Auswirkungen es auf alte,
überaus selbstbewusste Landstriche hat, wenn sie mitansehen, wie Konzepte, die sie für ihre ureigenen Erfindungen hielten -
Demokratie, Menschenrechte, die grundsätzliche Exportierbarkeit universeller, die Zivilisation definierender Ideen -, von anderen angeeignet und ihnen dann zurückgegeben werden. Stellen Sie sich vor, wie sich
arrogante Nationen fühlen, wenn sie miterleben, wie ihre Erfindungen auf eine Weise verwirklicht werden, die alles übertrifft, was sie selbst zuwege gebracht haben. Wieder an der Stelle angelangt, wo einmal die
Guillotine stand, versuchen Sie zu begreifen, was für ein Gefühl es ist, in dieser amerikanischen Welt Europäer zu sein. Es ist nicht immer ein gutes Gefühl."
Auszugsweise lesen dürfen wir schließlich noch:
Tahar Ben Jelloun erzählt in seinem Text
"Dschenin" von inneren und äußeren
Trümmerhaufen.
Rian Malan zeichnet das
Eigenleben einer weltbekannten Melodie nach
Nur im Print:
Samuel Weber bemerkt, dass neuerdings auch der Begriff
'Spektakel' mit den Begriffen
'Krieg' und
'Terrorismus' in Verbindung gebracht wird, und erforscht diesen neuen Zusammenhang am Beispiel des 11. September und
Tariq Ali warnt vor einem 'Kampf gegen den Terrorismus', der, als
leere Rhetorik, der Durchsetzung
geopolitischer Interessen dienen würde.
Totgesagte leben länger, doch das müssen sie erst einmal beweisen. So auch der totgeglaubte Vagabund und Dichter
Andre de Richaud (mehr
hier), dessen Text
"Ich bin nicht tot" aus dem Jahr 1964 zum ersten Mal auf Deutsch veröffentlicht wird. Wie schon
Pirandellos Mattia Pascal, fand Richaud dieses Totsein bestenfalls seltsam: "Aber nein, ich bin nicht tot.
Viel schlimmer! Ich habe nämlich die Nachteile des Todes, aber die Vorteile habe ich nicht. Ein Mönch ohne Glauben bin ich. Und auch ein unschuldiger Sträfling."
Des weiteren porträtiert Hans-Jürgen Heinrichs den französischen Dichter
Blaise Cendrars als "Inbild des Reisenden" und
"transsibirischen Homer", Hannes Böhringer schreibt über
"verschenkte Weisheit" in Büchern und anderswo, Ziauddin Sardar porträtiert den 1997 verstorbenen Qawwali-Sänger
Nusrat Fateh Ali Khan (mehr
hier und
hier), und Volker Demuth widmet sich
"Extremitäten" und der "Perfektionierung der Ortlosigkeit".