Anthony Lane empfiehlt uns im New Yorker die Dichterin Violet Ranney Lang, die bereits 1956 im Alter von nur 32 Jahren an einem Hodgkin-Lymphom starb. Ihre Mischung aus profunden Themen und Überdrehtheit macht sie einzigartig, lockt er: "Kann man ihre Werke identifizieren, ohne dass sie ihren Namen tragen? Was sind die Unterscheidungsmerkmale, wenn es welche gibt? Zum einen schaue man sich die Menge an Tieren an, die vorkommt - eine Arche voll von ihn durchstreift ihre Lyrik, oft, wenn man sie am wenigsten erwartet. 'Oh, er hat die Augen eines Gnus, furchtbar/ Und eine Zunge wie ein Eispickel.' Lang bewegt sich hin und her in der kreatürlichen Zeit, zurück bis zur Vorgeschichte: 'Die Brontosauren/stehen und schauen, ihre blassen, schon wässrigen Augen/tun ihnen weh, und ihre unbeweglichen verkrusteten Glieder.' Menschliche Biester sind selten allein und keineswegs sicher. 'Katzen spazieren auf den Mauern und strahlten uns an', 'Wo die Liebenden herumliegen wie Virginiauhus,' und 'Wir legen fette Katzen unter einen Himmel voller Wolfsmilch.' Die letzten drei sind, wie betont werden sollte, alle erste Verse. Lang ist, im besten Sinne, eine vielversprechende Anfängerin. Sie schießt aus dem Startblock, wie eine Sprinterin in Stollenschuhen. Fühlt den Windhauch, wenn ihre Eröffnungen vorbeizischen: 'Schatz, sie haben Dynamit entdeckt'." Eine besondere Dichterin, findet Lane: "Es scheint irgendwie, als wäre Violet Lang kaum real gewesen, man kann sich leicht vorstellen, wie sie zur Legende wird. Und trotzdem, sie hat existiert und dabei ebenso viele Leute genervt wie verzaubert. 'Ich wünsche dir Desaster, nichts dauerhaftes', schrieb sie in einem Gedicht. Sie hat uns gemischte Signale hinterlassen, über die wir uns den Kopf zerbrechen können."
Außerdem: Emma Green schreibt über den "Anschlag der Trump-Regierung auf die höhere Bildung". Und Eric Lach porträtiert den Kandidaten für das Amt des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani.
Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, hat im Mai sein Amt niedergelegt - dafür hat nicht nur der Druck der USA gesorgt, nachdem Khan Haftbefehl gegen Benjamin Netanjahu und Yoav Gallant erlassen hat, sondern auch die Anschuldigung einer früheren Mitarbeiterin, er habe sich sexuell übergriffig verhalten, wie David Kirkpatrick für den New Yorkerberichtet. Dass die Anschuldigung zeitlich mit den umstrittenen Haftbefehlen zusammengefallen ist, hat beiden Anliegen nicht geholfen, schreibt er: "Andrew Cayley, ein britischer Anwalt, der für Khan bei den Untersuchungen zu Gaza mitgearbeitet und unter dem Druck der US-Sanktionen gekündigt hat, sagte mir, dass wegen des Skandals und der Sanktionen 'enormer und möglicherweise dauerhafter Schaden am Projekt IStGH entsteht' - ein Projekt, dessen Wurzeln er bis zu den Nürnberger Prozessen zurückführt. Leila Sadat, Professorin an der juristischen Fakultät der Washington University, die den IStGH im Sommer 2023 nach zehn Jahren als Beraterin der Ankläger verlassen hat, hat sowohl mit Khan als auch der Beschuldigerin gearbeitet. Sie sagte, dass sie 'weder Grund hat, die Aufrichtigkeit der Frau zu bezweifeln' noch daran zu zweifeln das auch Khan 'in guter Absicht' gehandelt hat, als er die Haftbefehle erließ. Für sie ist eine Verbindungen zwischen beiden Anliegen sowohl unwahrscheinlich als auch 'höchst bedauerlich'... Eine Person, die der Frau nahesteht, die Khan beschuldigt hat, hat mir berichtet, dass sie die Verschmelzung der beiden Themen ebenfalls sehr bedaure. Wenn die UN-Investigatoren ihren Bericht zu den Anschuldigungen vorgelegt haben - er wird in den kommenden Monaten erwartet - wird Khans Zukunft beim IStGH von der Versammlung der Staaten abhängen, die ihn verwalten, und deren Politik wird wohl eine Rolle spielen. Der Skandal hat bereits jetzt die Bemühungen behindert, Israel für die Tode in Gaza zur Verantwortung zu ziehen; die Frau hat Angst, dass der Zornauf Israel nun Mitglieder der Versammlung dazu verleiten könnte, ihre Geschichte unberücksichtigt zu lassen und sich stattdessen auf Khans Seite zu schlagen."
Weitere Artikel: Kelefa Sanneh liest zwei Bücher über panafrikanische Träume (Kwame Nkrumah) und postkoloniale Realitäten (Idi Amin). Jennifer Wilson schickt einen Brief aus Finnland über die ehemalige Ministerpräsidentin Sanna Marin. Amanda Petrusich hörtTaylor Swift. Alex Ross berichtet von zwei Konzerten in New York: einer Aufführung von John Coriglianos erster Symphonie unter Gustavo Dudamel und der Eröffnung der Saison an der Met mit "The Amazing Adventures of Kavalier & Clay", wo der demokratische Senator Chuck Schumer ausgebuht wurde, weil er Zohran Mamdanis Bewerbung für das Amt des New Yorker Bürgermeisters nicht unterstützt (mehr hier). Justin Chang sah im Kino Luca Guadagninos Film "After the Hunt" mit Julia Roberts
Nicht erst seit dem Mord an Charlie Kirk schlägt das Thema Meinungsfreiheit in den USA besonders hohe Wellen, das zeigen Louis Menand zwei neue Bücher der Princeton-Professoren Christopher Eisgruber ("Terms of Respect: How Colleges Get Free Speech Right") und Fara Dabhoiwala ("What Is Free Speech? The History of a Dangerous Idea"). Der Historiker Dabhoiwala hält die Entwicklungen zu einem großzügiger ausgelegten Recht auf freie Rede für gefährlich, weil dadurch auch Hate Speech legitimiert werde: "Die richtige Art und Weise, um zu entscheiden, welche Aussagen toleriert werden sollen, sei, die 'dubiose Unterscheidung' zwischen Worten und Handlungen aufzugeben. 'Ihre angeblich unterschiedliche Macht', betont er, 'ist nur ein bequemer Mythos.' Wir sollten Sprache genauso regulieren wie Verhalten. Es ist 'total nachvollziehbar, sich gegen Äußerungen zu stellen, die man für ernsthaft schädlich hält', so Dabhoiwala, 'und zu argumentieren, dass diese nicht unter Meinungsfreiheit fallen.' Was genau die Argumentation von Donald Trump ist. Ich hoffe, dass dies Dabhoiwala anregt, seine Position zu überdenken. Als Akademiker versucht haben, bestimmte Begriffe und Auffassungen zu stigmatisieren, wie beispielsweise in Princeton, haben sie die erste Regel der Meinungsfreiheit vergessen: The Postman always rings twice. Die heute Gemaßregelten sind die Maßregelnden von morgen. Wenn die Aktionen der Administration so dreist unrechtmäßig sind, warum geben dann alle einfach nach? Zum Teil aus Kosten-Nutzen-Gründen. (…) Regierungsämter können vor Gericht angegriffen werden und manche dieser Angriffe waren vor Berufungsinstanzen erfolgreich. Aber zuletzt entscheidet immer noch der Supreme Court. Manchen, die von der Regierung zu Feinden im Krieg um die Meinungsfreiheit ernannt wurden, macht das Sorgen. Universitäten, die den Betrieb einstellen oder ihre Diversity-Programme umbenennen, wollen nicht nur den Präsidenten zufriedenstellen. Sie haben antizipiert, dass die Gerichte wohl eher die Behörden unterstützen werden, die 'Diversität' als Alibi für eine unzulässige rassistische Klassifizierung interpretieren, die den Gleichstellungsgrundsatz verletzt. Professoren, die sich beschweren, dass ihre Unis 'einknicken', wenn sie den Begriff Diversity aufgeben, sollten das wissen."
Weitere Artikel: Jon Lee Anderson beschreibt die schwierige Situation von Kubanern, die vor Castros Regime in die USA geflüchtet sind, die selbst immer autoritärer werden. Tim Berners-Leeerzählt Julian Lucas, wie er das Internet retten will (mehr dazu hier). Und Justin Chang sah im Kino Paul Thomas Andersons "One Battle After Another".
Die japanische Modemarke Uniqlo ist so eine Art Ikea der Bekleidung, stellt Lauren Collins in ihrer Recherche für den New Yorker fest, hergestellt werden Kleidungsstücke, die durch Form, Verarbeitung und Universalität überzeugen, nicht durch das Andocken an kurzfristige Trends. Ob die immensen Mengen an produzierter Kleidung aber mit den Nachhaltigkeitszielen der Marke vereinbar sind, ist fraglich: "Der Umfang von Uniqlos Tätigkeiten, ganz zu schweigen von ihrem Bestreben nach endloser Expansion, machen wirkliche Nachhaltigkeit unmöglich. Maxine Bédat, die Direktorin eines Sustainability Think Tanks namens 'New Standard Institute', sagte mir, 'auch wenn Uniqlo einige Schritte unternommen hat, sie sind Teil eines Problems, das die ganze Branche umspannt und nicht durch kleine Initiativen gelöst werden kann'. Den jüngsten Daten aus einem McKinsey-Report von 2016 zufolge kauft die Durchschnittskundin heute sechzig Prozent mehr Kleidung als noch vor fünfzehn Jahren und behält sie nur noch halb so lange. Dreißig Prozent aller Kleidungsstücken, die in einem Jahr hergestellt werden, werden nie verkauft, geschweige denn getragen. Die Frage, ob Uniqlo Fast Fashion, Sustainable Fashion oder Ethical Fashion ist oder nicht, ist vielleicht irrelevant geworden in einer Welt, in der Mode - egal welcher Couleur - zunehmend schuld an der Ausbeutung des Planeten ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass Uniqlo seine globalen Ambitionen erfüllen kann, hängt in hohem Maße davon ab, ob die Marke in der Lage sein wird, den amerikanischen Markt zu erobern. Werden die US-Kunden sich der Idee hingeben, dass es Vorteile hat, sich anzuziehen wie alle anderen? In der Mode, so wie in der Politik, macht Kollektivismus das Leben besser, aber Individualismus setzt sich oft durch." Zum Glück! Diesen Artikel haben wir nur gemacht, weil Mallarmé auf dem Cover einen so schön pinken Schal und Binder trägt.
Weitere Artikel: Rachel Kushnergibt Lebenslektionen über Wünsche und Stil wieder. D.T. Max fragt sich, ob Gaudis Sagrada Familia vielleicht doch Kitsch ist. Kelefa Sanneh hörtBad Bunny. Rebecca Mead liest die Autobiografie Arundhati Roys. Adam Gopnik besuchtCalder Gardens in Philadelphia. Lesen dürfen wir außerdem T.C. BoylesErzählung "The Pool".
Sam Knight erzählt, wie der französisch-israelische Telekommunikationsmilliardär Patrick Drahi im Jahr 2019 das Auktionshaus Sotheby's kaufte - und es ins Chaos stürzte. Knight schildert die unterschiedlichen "disruptiven" Konzepte, mit denen Drahi versuchte, die Unternehmensstrukturen zu verändern, um Geld zu sparen. Aber - ein Auktionshaus für Kunst ist nunmal nicht wie jedes andere Unternehmen: Seit 2019 haben "hunderte von Mitarbeitern Sotheby's verlassen - Schätzungen zufolge bis zu einem Viertel der Belegschaft - darunter Dutzende von Spezialisten, die die für den Unternehmensgewinn wichtigen Konsignationen einbringen. Als "die Pandemie abflaute, stellten die Mitarbeiter, die in die Londoner Büros zurückkehrten, einen Mangel an Technikern fest, die sich um die Objekte kümmerten und sie fachgerecht aufhängten. Einige Werke, die zuvor an J-Haken hingen, hingen nun an Drähten, was es schwieriger machte, Bilder bündig an die Wand zu hängen. 'Uns wurde gesagt, das sei zu teuer', erzählte mir ein ehemaliger Spezialist aus einer kleineren Abteilung. 'Es sah einfach beschissen und billig aus.' Marketingbudgets, Kundenessen, Reisen zur Art Basel - die konsumfreudige Atmosphäre - all das wurde knapper. Für Menschen, die es gewohnt waren, Kunst zu verkaufen, stellten die Kürzungen ein Paradox der Sparsamkeit dar, das ihre Gesamtergebnisse beeinträchtigte. 'Denn es geht um Beziehungen', erklärte der Spezialist. 'Wenn man die Zeit begrenzt, die die Leute im Auktionsraum vor den Werken verbringen, begrenzt man auch ihr Interesse, ihre Sehnsucht danach, ihr Potenzial.' Die Mitarbeiter der Kunstabteilung von Sotheby's - dem historischen Kern des Auktionshauses - bemerkten eine neue Distanz zwischen ihnen und der Unternehmensführung. Im Vergleich zu ihren Vorgängern reduzierten Stewart und seine Führungskräfte die Zeit, die sie mit den Spezialisten verbrachten drastisch. "Sie haben viel Reibung innerhalb der Organisation verursacht, indem sie die Experten nicht als Experten behandelten', sagte der ehemalige Spezialist. Der New Yorker Kunstberater sagte mir: 'Wissen Sie, diese Auktionshausspezialisten wurden gewissermaßen zu Verkäufern degradiert, was dem Sinn einer Beziehung widerspricht.'"
Chris Ware erinnert im New Yorker an die Künstlerin Mary Petty, die zahlreiche Cover mit Klassiker-Status für das Magazin gestaltet hat. Sie zeigen die Familie Peabody, die vom sozialen Abstieg bedroht sind: "Sie sind erkennbar an ihren Gesichtern und ihrer wohlhabenden gesellschaftlichen Stellung, aber auch ihrer besonderen Einsamkeit. Die Familie erscheint häufig eingenistet in ihr großes Brownstone-House und sie werden angeführt von der älteren Witwe Mrs. Peabody, die sich an ihrem Wohlstand festhält, während Modernität und Irrelevanz durch die Wände schleichen. Zumindest scheint es das zu sein, was los ist. Bei näherem Hinsehen finden sich tiefere Wunden als nur die des Statusverlusts. Auf einem der Cover sitzt Mrs. Peabody an ihrem opulent gedeckten Esstisch, gesetzt hält sie ein Buch und ignoriert ihren kahlköpfigen mittelalten Tischgenossen; erst nachdem man das Gemälde an der Wand betrachtet, ein Junge mit seiner Mutter, realisiert man, dass es sich um ihren Sohn handelt (und dann bemerkt man den leeren Stuhl zwischen ihnen). Ihre Konstrastfigur in der Serie ist Fay, ein Hausmädchen, das nach ihrer zunehmend isolierten Chefin schaut, und deren eigenes Lebens genauso unsichtbar vorbeizuziehen scheint. (…) Die Zeit vergeht und Petty enthüllt eine feinsinnige Beziehung. Fay, nicht länger unsichtbar, spielt Karten mit Mrs. Peabody. Für Silvester holen die beiden den Champagner raus. Und dann zieht Mrs. Peabody, die mehr als je zuvor wie ein Geist aussieht, an ihrem Glockenseil, um Fay herbeizurufen - aber der gealterte, morsche Stoff reißt in ihrer Hand und ihre Perlen liegen auf dem Fußboden verstreut."
Im New Yorker versucht David D. Kirkpatrick herauszufinden, ob und wie sehr Donald Trump persönlich von seiner Präsidentschaft profitiert. Nach einer erschöpfenden Recherche kommt er auf rund dreieinhalb Milliarden Dollar. Das es so schwierig ist, das herauszufinden, sagt einiges aus über den Zustand der Demokratie in den Vereinigten Staaten. "Während Trumps erster Amtszeit hatten er und seine Familie sich verpflichtet, keine neuen Geschäfte im Ausland zu tätigen. Das ist nun passé. Die Trumps profitieren derzeit allein im Persischen Golf von fünf großen Geschäften. ... Viele Zahlungen, die jetzt an Trump, seine Frau, seine Kinder und deren Ehepartner fließen, wären ohne seine Präsidentschaft undenkbar: eine Investition in Höhe von zwei Milliarden Dollar aus einem Fonds, der vom saudischen Kronprinzen kontrolliert wird; ein Luxusjet vom Emir von Katar; Gewinne aus mindestens fünf verschiedenen Unternehmungen, die mit Kryptowährungen handeln [mehr zu Trumps Profiten aus Krypto hier]; Gebühren von einem exklusiven Club, dem Kabinettsmitglieder angehören und der den Namen 'Executive Branch' trägt." Noch wichtiger als die Frage, wie sehr Trump von seiner Präsidentschaft finanziell profitiert, ist für Kirkpatrick die Frage, "was Käufer wirklich für ihr Geld bekommen. ... Der Geldhunger der Familie macht Fragen nach Interessenkonflikten umso dringlicher. Hat Trump stillschweigende Vereinbarungen mit Justin Sun oder C.Z. getroffen, oder mit den Medienunternehmen, die ihm hohe Abfindungen gezahlt haben, oder mit den Monarchen am Golf? Wird Katars Flugzeuggeschenk das Land vor einer weiteren Blockade schützen? Hat der Kauf von Stablecoins im Wert von zwei Milliarden Dollar durch die Vereinigten Arabischen Emirate ihnen Zugang zu sensibler amerikanischer Technologie verschafft? Haben Zahlungen von arabischen Monarchen Trump zu Luftangriffen gegen den Iran veranlasst? Quid pro quos sind äußerst schwer zu beweisen. Aber Wertheimer, führender Befürworter einer Reform der Regierungsethik, sagte über Trump: 'Die Art und Weise, wie er jeden nur denkbaren Weg verfolgt, um an Geld zu kommen, vermittelt denjenigen, die dieses Geld bereitstellen, das klare Gefühl, dass sie dafür eine Gegenleistung erhalten werden. Fast jeder, der sieht, was vor sich geht, muss davon ausgehen, dass dieses Geld die Gunst des Präsidenten erkauft.'"
Weiteres: Louis Menand liestJames Baldwin und Nicholas Boggs' neue Baldwin-Biografie. Dhruv Khullar beschreibt die Krankheit Progeria, die Teenager in Achzigjährige verwandelt. Amanda Petrusich porträtiertMac DeMarco, den "letzten Indie-Rockstar". Richard Brody sah im Kino Horrorfilme von Zach Cregger und Athina Rachel Tsangaris. Lesen dürfen wir außerdem eine Erzählung von Annie Proulx, "The Corn Woman, Her Husband, and Their Child".
Das größte Problem mit Trumps Justizministerin Pam Bondi ist ihre absolute Hörigkeit, konstatiert Ruth Marcus: "Auch andere Justizminister haben enge - manchmal beunruhigend enge - Beziehungen zu den Präsidenten gepflegt, die sie ernannt haben. Robert F. Kennedy war mit 35 der bescheiden qualifizierte Attorney General und Berater seines Bruders. Eric Holder hat sich einmal als Barack Obamas 'Wingman' bezeichnet und den Präsidenten als 'mein Junge'. Aber, selbst in einem Team voller Trump-Höflinge, sticht Bondi durch ihre anhimmelnde Bewunderung hervor. In einer frühen Kabinettssitzung, die vor allem dazu diente, die Regierung zu preisen, drehte sich Bondi zu Trump und sagte: 'Präsident, ihre hundert ersten Tage haben die jeder anderen Präsidentschaft jemals weit übertroffen, jemals, jemals.' Sie fuhr fort mit der fantasiereichen Behauptung, die Beschlagnahmung von 22 Millionen Fentanylpillen in diesem Zeitraum 'rettete - seid ihr bereit dafür, Medien? - 258 Millionen Leben.' (Die gesamte US-Bevölkerung umfasst weniger als 350 Millionen Menschen, die Nummer an Fentanyltoten jedes Jahr ist weniger als 74 000. Bondies Folgsamkeit für den Präsidenten umfasst auch so unwichtige Dinge wie das Ende der Papierstrohhalm-Käufe im Department. Eine Exekutivverordnung Trumps erkannte, dass Papierstrohhalme 'nichtfunktional, teurer und potentiell gefährlich' seien, schrieb sie im März an die Belegschaft. 'Das Department steht an der Seite des Präsidenten, diese fehlgeleiteten Bestrebungen zurückzuweisen.'" Marcus fürchtet, was da noch kommen mag: "Es stellt sich die beunruhigende Frage, was passiert, wenn wieder ein Demokrat zum Präsidenten gewählt wird. Folgt eine Säuberungsaktion auf die nächste? Wenn das Justizsystem einmal gegen den politischen Gegner eingesetzt wird, kann der Kreislauf dann noch gebrochen werden?"
Bestellen Sie bei eichendorff21!In Scott Andersons Buch "King of Kings" erfährt Daniel Immerwahr, von wie vielen Zufällen die iranische Revolution abhing und wie viele Unsicherheiten sich dabei auftaten: "Millionen von Iranern hatten, zu ihrer eigenen Überraschung, dafür gesorgt, dass das mächtigste Regime der Region einfach dahinschmolz. 'Glaubt ihr, wir hätten tatsächlich geplant, eine Revolution zu starten?', fragte einer von Khomeinis Vertrauten. 'Wir waren genauso überrascht wie alle anderen auch.' 'Tod dem Schah' war der Ruf der Revolution, aber er besagte nicht, was als nächstes geschehen sollte. Der Post-Schah-Staat war ein Mischmasch aus Krawatten und Turbanen, mit Bazargan als Premierminister und Khomeini irgendwo darüber schwebend. 'Man weiß oft nicht einmal, wer den Verkehr dirigiert', beschwerte sich Bazargan. Khomeini hat diese Unsicherheit ausgenutzt. Er hat sich bewegt wie 'ein Bulldozer, der alle Steine und Wurzel in seinem Weg niedermäht', so Bazargan. (…) Als er sicher im Sattel saß, hat sich Khomeini gegen seine früheren Verbündeten gewendet, insbesondere gegen die links von ihm. Sie waren keine 'wirklichen Linken', wie er betonte, sondern 'künstliche', die von Washington eingesetzt worden waren 'um uns zu sabotieren und zu zerstören'. In einer Reihe von Exekutionen hat Khomeinis Regierung 1988 tausende politische Gefangene getötet - Human Rights Watch spricht von 'zwischen 2800 und 5000', was vermutlich deutlich mehr sind als je in den vierzig Jahren der Schah-Herrschaft. Die Gefängnisse und Folterkammern wurden mit Kommunisten, Liberalen, Feministinnen, Homosexuellen, Baha'i und Monarchisten gefüllt. Man müsste meinen, dass solche Grausamkeiten die Islamische Republik destabilisiert hätten. Doch das ist nicht der Fall. Seit 1979 wurde der Iran von nur zwei Männern regiert: Ruhollah Khomeini und, seit seinem Tod 1989, von seinem früheren Gefolgsmann Ali Khamenei. Heute rangiert Khamenei unter den ältesten und am längsten regierenden Staatsoberhäuptern. Er ist der oberste Führer, die Generation Taylor Swifts kennt nur ihn."
Möchten Sie gern ewig leben? In Amerika poppen immer mehr Longevity Kliniken aus dem Boden, die ihrer superreichen Klientel ein deutlich längeres Leben versprechen. Ihre Zahl ist von ein paar hundert 2013 auf 3000 2025 gestiegen, erzählt Tad Friend. Es sind - Überraschung! - vor allem Männer, die darauf anspringen: "Bryan Johnson, der Gründer der Zahlungsplattform Braintree, einst reich, mollig und depressiv, ist heute, mit 47 Jahren, reich, durchtrainiert und entschlossen, ewig zu leben. Er gibt dafür jährlich eine Viertelmillion Dollar aus. Zu seinem Programm gehören eine Kalorienbeschränkung auf 1.977 Kalorien pro Tag, eine hochfrequente Stimulation seines Bauches, um die Wirkung von 20.000 Sit-ups zu simulieren, und die Stimulation seines Penis mit Stoßwellen aus zweifellos guten Gründen. Johnson leitet eine Bewegung namens 'Don't Die', deren Anhänger hoffen, dass auch sie ihren Körper und Geist neu programmieren können. Er veröffentlicht seine Biomarker online, von seinem Body-Mass-Index bis hin zur Gesamtdauer seiner nächtlichen Erektionen (drei Stunden und sechsunddreißig Minuten bei einem kürzlichen Klimakterium). Seine Gewohnheit, von seinen Mitarbeitern die Unterzeichnung von Vertraulichkeitsvereinbarungen zu verlangen und dann fast nackt unter ihnen herumzulaufen, hat ebenso wie seine Penis-Messwerte einige negative Kommentare hervorgerufen. Aber Johnson sagte mir, dass dies eine großartige Möglichkeit sei, die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen. 'Wenn man jemandem sagt, er solle rechtzeitig ins Bett gehen, reagiert er mit Na und?', sagte er. 'Wenn man ihm sagt, dass schlechter Schlaf seine Erektionen ruiniert - dass er ohne nächtliche Erektionen eine um 70 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit hat, vorzeitig zu sterben -, ist das wirklich wirksam. Niemand möchte seine nächtlichen Erektionen verlieren. Das ist ein Männerding.'"
Adam Gopnik liest die Renaissance-Experten Bernd Roeck mit "Der Morgen der Welt" und Ada Palmer mit "Inventing the Renaissance" und zieht Parallelen zu heute. Die Renaissance hat etwas zutiefst Modernes, lernt er: "Filippo Brunelleschi wusste, wie man Gebäude denken und Gebäude bauen konnte. Galileo hat ebenso viel Zeit mit dem Schleifen von Linsen verbracht wie mit der Theoretisierung von Planetenbewegungen. Diese Aufgaben waren notwendigerweise gemeinschaftliche - man braucht eine Gilde, um ein Teleskop zu bauen - und haben dabei geholfen, horizontale Sozialstrukturen zu schaffen, die egalitäre, sogar demokratische Gewohnheit geformt haben, die wiederum geholfen haben, die Welt neu zu formen. Was den 'Renaissancemenschen' auszeichnet, ist nicht die Vielfältigkeit von Aufgaben, sondern vielmehr eine so intensive Bestimmung, dass die Begeisterung für alle Facetten einer einzigen Aktivität reicht. (…) Obwohl demokratische Staaten noch in ferner Zukunft lagen, keimten demokratische Gepflogenheiten in den Gilden, Fakultäten und sogar Klöstern auf. Die Renaissanceleute waren keine bewussten Egalitaristen, aber sie waren an offene Wettbewerbe und Konkurrenz gewohnt, eines der Markenzeichen der Moderne. (..) Neue Perspektiven kommen von alten Dingen, die neu gesehen werden. Wenn die Aufklärung es darauf abgesehen hat, die Welt so zu sehen wie sie ist, hat die Renaissance die Welt, wie sie war, und die Welt, wie sie werden würde, ausbalanciert. Dieses doppelte Bewusstsein gibt den Gemälden, und der Zeit, ihre Anmut. Botticellis Figuren haben die 'Wehmütigkeit der Exilanten', um mit Walter Pater zu sprechen. Ihre Melancholie entsprang der Unsicherheit einer Zeit voller Wandel. Dieser Spirit, zu unserer ursprünglichen Melodie zurückzukehren, war ähnlich dem Spirit der disruptiven Rockmusik der 1960er, die sich wiederum nach einem verlorenen England oder einem verschwindenden Amerika voll Zügen und Outlaws sehnten. Renaissance-Malerie nimmt einen ähnlichen Raum zwischen dem Magischen und dem Materiellen ein, oder, wenn man so will, zwischen dem Mittelalterlichen und dem Modernen - den gleichen Raum, den Shakespeare einnimmt, der ihn zum letzten Renaissancemeister macht. Es ist dieses doppelte Bewusstsein, das uns heute noch so hellsichtig scheint. Sie wussten, dass nichts unter ihren Füßen fest war, selbst als sich die Sterne über ihren Köpfen neu bewegten."
Weitere Artikel: David Remnick zeichnet ein Stimmungsbild der Israelis. Rebecca Mead besucht den Astronom des Papstes. Und Anne Enrightsteuert die Erzählung "The Bridge stood fast" bei.
Antonia Hitchens stellt uns im New Yorker den Handelsminister Howard Lutnick vor, der vor diesem Posten Leiter des Finanzunternehmens Cantor Fitzgerald war. Wie Trump hält auch er Zölle für eine absolut geniale Idee, und wie Trump nutzt er sein Amt, um sich zu bereichern: "Es kümmert Lutnick nicht, dass die Barriere zwischen Finanzen und Politik brüchig wirkt und einige Gesetzgeber behauptet haben, dass er von seiner Position finanziell profitieren würde. Nachdem er vom Senat in sein Amt eingesetzt worden war, wurden seine älteren Söhne Brandon und Kyle, die in ihren späten Zwanzigern sind, zum Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden von Cantor ernannt (Kyle ist eigentlich DJ). Letztes Jahr hat Cantor fünf Prozent der Anteile von Tether erworben, eine Kryptofirma, die mit Geldwäsche, Terrorismus und internationalem Betrug in Verbindung gebracht wird. (Tether ist allerdings nicht angeklagt worden). Cantor managt auch eine substantielle Menge von Tethers Vermögenswerten, wofür die Firma Millionen Dollar in Gebühren bezieht. Seit Trumps Wahl ist der Marktwert von Tether auf mehr als 160 Milliarden Dollar gestiegen. Dem Wall Street Journal zufolge hat Giancarlo Devasini, Tether's Vorsitzender, Mitarbeitern erzählt, dass Lutnick seine 'politische Aufmerksamkeit nutzen würde, um Gefahren von Tether abzuwehren.' (Ein Sprecher von Lutnick hat dies verneint.) Angeblich hat Lutnick einen Lobbyisten zu Übergangsmeetings mitgebracht, der sowohl für Tether als auch für Cantor arbeitet, nun arbeitet er für eine von Trumps Krypto-Beratergruppen, die entscheidet, wie Firmen wie Tether reguliert werden. 'Es bereitet ihm physische Schmerzen, eine Business-Möglichkeit zu verpassen', erzählte mir einer seiner alten Freunde."
Außerdem: Rachel Aviv berichtet über neue Erkenntnisse zur Schizophrenie. Keith Gessen fragt mit Tim Weiner: Was wird aus der CIA unter Trump. Margot Talbot liest eine Geschichte der Bärte-Kultur in Amerika. Amanda Petrusich hört Musik von Mk.gee. Justin Chang sah im Kino Ari Asters Horror-Western "Eddington", mit Joaquin Phoenix, Emma Stone und Pedro Pascal. Lesen dürfen wir noch Mona AwadsErzählung "The Chartreuse".
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