In zwei eher kurzen Artikeln setzen sich Jon Lee Anderson und John Cassidy mit dem Überfall der USA auf Venezuela auseinander. Anderson weist darauf hin, wie schwachsinnig Trumps Begründung für den Militärcoup ist: "Trump betonte in der Pressekonferenz am Samstag, dass er mit der Absetzung Maduros den 'Drahtzieher eines riesigen kriminellen Netzwerks' entfernt habe, das große Mengen Kokain in die USA geschmuggelt habe. Ironischerweise hatte er nur wenige Wochen zuvor dem ehemaligen honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernández, der 2024 im südlichen Bezirk von New York wegen Kokainhandels zu 45 Jahren Haft verurteilt worden war, eine vollständige Begnadigung gewährt. Trumps Begründung war, dass Hernández wie er selbst von politischen Gegnern 'sehr hart und unfair behandelt' worden sei."
Aber auch die Ölindustrie in den USA hatte vorab kaum Interesse an einem Militäreinsatz signalisiert: "Politico berichtete, dass einige Antworten auf die Sondierungen der Regierung negativ ausgefallen seien. 'Offen gesagt ist das Interesse der Branche angesichts der niedrigeren Ölpreise und attraktiverer Felder weltweit nicht sehr groß', erklärte eine Quelle gegenüber der Nachrichtenseite. Die Absetzung Maduros könnte die Kalkulationen der Ölkonzerne ändern, aber die Lehre aus dem Irak ist, dass sie eine Garantie für langfristige politische Stabilität brauchen, bevor sie größere Investitionen tätigen. ... Mehr als ein Jahrzehnt Bürgerkrieg und gewalttätige Aufstände hielten ausländische Unternehmen davon ab, in nennenswertem Umfang in den Irak zurückzukehren. Erst in den letzten Jahren, mehr als zwei Jahrzehnte nach der Invasion, haben Unternehmen wie Exxon und Chevron dies getan. Derzeit ist die Zukunft Venezuelas ungewiss..." Egal in welche Richtung man guckt, scheint dieser Militäreinsatz keinen rationalen Sinn zu ergeben. Ist er vielleicht einfach die Folge eines Geltungsbedürfnisses alter Männer, das in der Trump-Regierung bis ins Absurde ausgeprägt ist? Liest man Ian Parkers leider ziemlich wirres Porträt des Ökonomen und Trump-Gefolgsmanns Peter Navarro, kommt einem das nicht so unglaubhaft vor.
Kleid von Kei Ninomiya aus seiner Kollektion Herbst/Winter 2023-24Psychoanalyse und Modegehen für die AutorinLeslie Jamison Hand in Hand, nicht nur, weil Sigmund Freud großen Wert auf maßgeschneiderte Anzüge legte, sondern weil unsere Kleidung uns Dinge über uns verrät, die wir selbst noch nicht erahnen können. Das lässt sich auch in Valerie Steeles Buch "Dress, Dreams, and Desire" nachlesen, Jamison fügt noch eigene Gedanken an: "Um das Buch zu begleiten, hat Steele eine Ausstellung im Museum des Fashion Institute of Technology kuratiert, an dem sie seit fast dreißig Jahren leitende Kuratorin ist. Viele der Kleidungsstücke, die sie diskutiert, werden gezeigt, und im selben Raum mit ihnen zu stehen, nachdem man sie zuvor nur auf dem Blatt gesehen hat, bedeutet, zu realisieren, wie irreduzibel materialgetrieben die Kraft der Kleidung ist. Man kann die langen, knochigen Appendizes sehen, wie sie aus den Schultern von Anouk Wipprechts'Spider Dress 2.0' hervorstechen, sie sind darauf programmiert, sich auszustrecken, wenn ihnen jemand zu nahe kommt, und ein Kleid von Kei Ninomiya, das aus weißen Haarextension und dünnen Stahlstangen besteht und aussieht wie eine Löwenzahnblüte, die im Wind auseinanderfällt. Solche Begegnungen erinnern daran, dass die Wirkung von Mode oft eine viszerale ist: Sie trifft uns, bevor wir verstehen, warum. ... Steeles Projekt adressiert diese Lücke nie so direkt und ich hätte mir gewünscht, dass sie direkter Position bezieht zu den Fragen, die ihr Buch motivieren: Wie kann uns die Psychoanalyse helfen, die Arten und Weisen zu verstehen, wie Mode auf uns wirkt - wie sie uns anzieht und abstößt? Wie kann Kleidung über das sprechen, was wir selbst noch nicht sagen können?"
Fast märchenhaftwirken die Mitford-Schwestern auf Rachel Syme. Ein bisschen was von ihrem Mythos klärt Claire Kaplan in ihrem Buch "Troublemaker: The Fierce, Unruly Life of JessicaMitford" auf, das sich der zweitjüngsten Schwester widmet, die als Kommunistin versuchte, dem Standesdünkel des Elternhauses zu entfliehen. Als Schriftstellerin schrieb sie nicht nur über ihre Familie, sondern auch über Abseitiges wie Beerdigungsunternehmen - und hatte damit großen Erfolg: "Decca (ihr Spitzname, d.Red.) hat jeden nur erdenklichen Aspekt des Beerdigungsvorgehens recherchiert, vom Sarg bis zur 'Beerdigungslingerie'. Sie hatte Spaß daran, in Bestattungsunternehmen zu gehen, sich als potentielle Kundin auszugeben und dann, wie Kaplan schreibt, ihren Protagonisten zu erlauben 'sich zu blamieren'. Ihr Buch beschreibt detalliert Einbalsamierungen, sie hat einen großen Teil des Manuskripts auf die blutigen Einzelheiten der Prozedur verwendet. Deccas Einbeziehung solcher Details verursachte einen Streit mit ihrem Verleger, der sie darum gebeten hatte, 'die Albernheiten wegzulassen'. Decca weigerte sich. In der letzten Minute wurde das Buch von Robert Gottlieb gerettet, einem jungen Lektor bei Simon & Schuster (und später bei diesem Magazin). 'Wir hatten zu allem die gleiche Meinung', so Gottlieb - was heißt, dass sie beide der Meinung waren, guter Journalismus sollte nerven und angstlos sein. Von 'The American Way of Death' wurden hunderttausende Exemplare verkauft, es führte zu einer Reihe von Anhörungen im Congress und hat Menschen im ganzen Land dazu verleitet, nach einer abgespeckten, günstigen Beerdigung zu fragen, die als 'Mitford Service' bekannt wurde."
Außerdem: Merve Emre fragt: Was macht Goethe so besonders? Alex Ross hört Francisco Colls Oper "Ein Volksfeind" nach Ibsen. Richard Brody sah im Kino Kleber Mendonça Filho Triller "The Secret Agent".
Genau das möchte man im New Yorker lesen: zwei großartige Artikel über den Kongo und den Sudan, die sich nicht in Elendsbeschreibung oder Schuldzuweisungen erschöpfen, sondern versuchen die Hintergründe und Interessenlage aufzudröseln. Zuerst die Demokratische Republik Kongo: Im Osten des Landes operieren ungefähr 120 Milizen, die um Rohstoffe und Territorien kämpfen, was mittlerweile tausende Menschenleben gekostet hat, berichtet Jon Lee Anderson in einer atemberaubenden Reportage aus Goma im Ostkongo. Am stärksten sind auf der einen Seite die M23, die von Ruanda unterstützt werden, weil sie die nach dem Genozid an den Tutsis in den Ostkongo geflüchteten Hutu in Schach halten. Auf der anderen Seite die Wazalendo und die F.D.L.R., die mit der kongolesischen Regierung von Felix Tshisekedi verbündet sind. Anderson unterhält sich mit altenDamen, Milizenführern, Ruandas Präsident Paul Kagame, Ärzten und einem Priester, während sich vor den Augen des Lesers langsam ein Bild formt, zu dem auch die reichen Bodenschätze des Kongo gehören. Grund genug für Donald Trump, einen "Friedensplan" vorzulegen: "Das Abkommen, das sich im Kern nicht wesentlich von der kolonialen Berliner Konferenz unterscheidet, sieht vor, dass die verschiedenen Konfliktparteien, anstatt um die Ressourcen im Osten des Kongo zu kämpfen, diese einfach untereinander aufteilen. Die Ruander sträuben sich, aber Katar dränge sie zur Unterzeichnung. Die Katarer haben neben ihrer Rolle als Vermittler auch ein finanzielles Interesse: Sie sind bereits Partner eines milliardenschweren Deals, um Ruanda zu einem regionalen Finanz- und Logistikzentrum zu machen, und die Mineralien würden enorme Einnahmen bringen. Ruanda hat auch Erfahrung mit dem Transport und der Verarbeitung von kongolesischen Erzen, was helfen könnte, den Deal an die USA zu verkaufen. Ein humanitärer Experte in der Region sagte mir: 'Tatsache ist, dass einfach jeder weiter Rohstoffe aus der DR Kongo fördern will, und jetzt will das auch Präsident Trump.'" Ob Ruanda dem Abkommen zustimmt, hängt vor allem davon ab, ob Präsident Tshisekedi es auch gegenüber den eigenen Leuten durchsetzen kann. "Das Problem ist", erklärt ein Diplomat Anderson, "dass Tshisekedi unfähig ist, irgendwas durchzusetzen." Und selbst wenn das Abkommen zustande kommt, gibt es immer noch mehr als hundert Milizen, die um Rohstoffe und Territorien im Ostkongo kämpfen, ganz zu schweigen von Uganda, das mit seiner Armee im Kongo intervenierte - angeblich um Islamisten zu bekämpfen. Inzwischen "exportiert es jedoch Gold im Wert von mehr als drei Milliarden Dollar im Jahr, das meiste davon aus einer einzigen Mine im Osten des Kongo".
Ebenfalls sehr interessante Lektüre ist ein Interview mit Kholood Khair von der NGO Working Group on Women, Peace and Security über Hintergründe, Strippenzieher und Interessen im Sudan. Außerdem im New Yorker: Ben Taub besucht einen Eisbärjäger in Island. Alex Ross besucht die Megalithdenkmäler auf den schottischen Orkney-Inseln. Sarah Stillman berichtet über Schicksale von Deportierten, die unter Trump genau in den Gewaltverhältnissen landen, vor denen sie geflohen sind. Gideon Lewis Kraus liestSven BeckertsGlobalgeschichte des Kapitalismus. Und Justin Chang sah im Kino Chloé Zhaos Film "Hamnet".
Jill Lepore macht sich im New Yorker Gedanken über das anstehende Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeit - und über die Serie "The American Revolution" von Ken Burns: "Die Geschichte, die 'The American Revolution' erzählt, handelt davon, wie einige der wichtigsten Ideen der modernen Welt aufkommen, erkämpft in einer blutigen und mutigen Rebellion gegen Tyrannei, die gleichzeitig ein Bürgerkrieg und globaler Krieg war und die mit ihren Ideen von Freiheit, Sklaverei, Eroberung und Unabhängigkeit die Schicksale britischer Soldaten, amerikanischer Milizmänner, Diplomaten der Lenape, Kämpfer der Seneca, deutscher Söldner, französischer Seemänner, Männer der Akan, Frauen der Igbo, Pioniere im Hinterland, Stadtfrauen, Freien, Unfreien, Reichen und Armen miteinander verbunden hat. Es ist eine Leinwand, teils Bruegel, teils Goya, ein politisches Karussell, eine wimmelnde, bewegende, erschreckende Geschichte (…). Das Verdienst der Serie liegt darin, die Würde und die Bedeutung der revolutionären Ideale der Gründer ebenso zu honorieren wie die Opfer aller, die dafür gekämpft haben und zudem auch einen schonungslosen Blick auf die Grausamkeiten und Kosten des Krieges zu werfen, insbesondere für Frauen, schwarze Amerikaner und Ureinwohner, denen die Freiheit, Gleichheit und Herrschaft versagt wurde, die die Revolution versprochen hatte. Die Revolution, die versagt hat, ist die Revolution, von der Trump-Regierung nicht will, dass die Amerikaner sie kennen und bedauern. Die Revolution, die geglückt ist, ist die, die manche amerikanischen Institutionen fest entschlossen sind zu ignorieren."
Wann und warum sind Monster in Büchern und Filmen eigentlich von furchteinflößenden Kreaturen zu solchen geworden, mit denen wir Mitleid haben und für deren Hintergrundgeschichte wir uns interessieren, fragt sich Manvir Singh im New Yorker: "Eine vergleichende Studie semi-menschlicher Monster aus zwanzig verschiedenen Kulturkreisen - von den Apachen bis zu den Alten Griechen - hat 2001 eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zwischen ihnen festgestellt. Die Kreaturen waren immer Außenseiter, viele waren Kannibalen. Alle hatten sichtbare Abweichungen: Ein Monster aus dem nordwestlichen Südamerika hatte Augen auf den Knien, der Oger der Apachen war mit so massiven Hoden belastet, dass er kaum laufen konnte. In jeder Kultur wurden die Monster von Helden besiegt, meistens getötet, deren Mutter die moralische Ordnung wiederhergestellt hat. Die Bosheit der Kreaturen kam nicht von Traumata oder unglücklichen Lebensumständen. Anderssein allein hat gereicht. Für Jahrtausende hat der Reflex - Anderssein mit Gefahr gleichsetzen - die Imagination bestimmt. Empathie (…) wäre einst undenkbar gewesen. Es brauchte eine langsame Revolution der Frage, wie wir das Monströse denken. Die Romantik säte die Saat und machte Bosheit von einer ansteckenden Äußerlichkeit zu einem inneren Problem. Freuds Konzeption des Unheimlichen versetzte die Monstrosität auf eine andere Weise ins Innere: Was uns verstört, ist nicht das radikal Andere, sondern die plötzliche Erkenntnis dessen, was elementar zu uns gehört - die Wiederkehr des Verdrängten. In seinen Händen hörte das Monster auf, ein Besucher von außen zu sein und wurde das unheimliche Gesicht des eigenen Selbst. Aber Empathie wurde erst zu einem Credo nach den Konvulsionen des 20. Jahrhunderts. Faschismus und die radikale Mythologie einer überlegenen Rasse hatten gezeigt, was daraus folgte, wenn man entscheiden konnte, wer als menschlich galt und wer nicht. In den moralischen Nachbeben des Genozids wurde die Idee des Monströsen selbst suspekt. Zu dämonisieren, stigmatisieren, entmenschlichen - Worte, die einst theologischen Wert hatten - wurde zu säkularen Sünden."
Anthony Lane empfiehlt uns im New Yorker die Dichterin Violet Ranney Lang, die bereits 1956 im Alter von nur 32 Jahren an einem Hodgkin-Lymphom starb. Ihre Mischung aus profunden Themen und Überdrehtheit macht sie einzigartig, lockt er: "Kann man ihre Werke identifizieren, ohne dass sie ihren Namen tragen? Was sind die Unterscheidungsmerkmale, wenn es welche gibt? Zum einen schaue man sich die Menge an Tieren an, die vorkommt - eine Arche voll von ihn durchstreift ihre Lyrik, oft, wenn man sie am wenigsten erwartet. 'Oh, er hat die Augen eines Gnus, furchtbar/ Und eine Zunge wie ein Eispickel.' Lang bewegt sich hin und her in der kreatürlichen Zeit, zurück bis zur Vorgeschichte: 'Die Brontosauren/stehen und schauen, ihre blassen, schon wässrigen Augen/tun ihnen weh, und ihre unbeweglichen verkrusteten Glieder.' Menschliche Biester sind selten allein und keineswegs sicher. 'Katzen spazieren auf den Mauern und strahlten uns an', 'Wo die Liebenden herumliegen wie Virginiauhus,' und 'Wir legen fette Katzen unter einen Himmel voller Wolfsmilch.' Die letzten drei sind, wie betont werden sollte, alle erste Verse. Lang ist, im besten Sinne, eine vielversprechende Anfängerin. Sie schießt aus dem Startblock, wie eine Sprinterin in Stollenschuhen. Fühlt den Windhauch, wenn ihre Eröffnungen vorbeizischen: 'Schatz, sie haben Dynamit entdeckt'." Eine besondere Dichterin, findet Lane: "Es scheint irgendwie, als wäre Violet Lang kaum real gewesen, man kann sich leicht vorstellen, wie sie zur Legende wird. Und trotzdem, sie hat existiert und dabei ebenso viele Leute genervt wie verzaubert. 'Ich wünsche dir Desaster, nichts dauerhaftes', schrieb sie in einem Gedicht. Sie hat uns gemischte Signale hinterlassen, über die wir uns den Kopf zerbrechen können."
Außerdem: Emma Green schreibt über den "Anschlag der Trump-Regierung auf die höhere Bildung". Und Eric Lach porträtiert den Kandidaten für das Amt des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani.
Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, hat im Mai sein Amt niedergelegt - dafür hat nicht nur der Druck der USA gesorgt, nachdem Khan Haftbefehl gegen Benjamin Netanjahu und Yoav Gallant erlassen hat, sondern auch die Anschuldigung einer früheren Mitarbeiterin, er habe sich sexuell übergriffig verhalten, wie David Kirkpatrick für den New Yorkerberichtet. Dass die Anschuldigung zeitlich mit den umstrittenen Haftbefehlen zusammengefallen ist, hat beiden Anliegen nicht geholfen, schreibt er: "Andrew Cayley, ein britischer Anwalt, der für Khan bei den Untersuchungen zu Gaza mitgearbeitet und unter dem Druck der US-Sanktionen gekündigt hat, sagte mir, dass wegen des Skandals und der Sanktionen 'enormer und möglicherweise dauerhafter Schaden am Projekt IStGH entsteht' - ein Projekt, dessen Wurzeln er bis zu den Nürnberger Prozessen zurückführt. Leila Sadat, Professorin an der juristischen Fakultät der Washington University, die den IStGH im Sommer 2023 nach zehn Jahren als Beraterin der Ankläger verlassen hat, hat sowohl mit Khan als auch der Beschuldigerin gearbeitet. Sie sagte, dass sie 'weder Grund hat, die Aufrichtigkeit der Frau zu bezweifeln' noch daran zu zweifeln das auch Khan 'in guter Absicht' gehandelt hat, als er die Haftbefehle erließ. Für sie ist eine Verbindungen zwischen beiden Anliegen sowohl unwahrscheinlich als auch 'höchst bedauerlich'... Eine Person, die der Frau nahesteht, die Khan beschuldigt hat, hat mir berichtet, dass sie die Verschmelzung der beiden Themen ebenfalls sehr bedaure. Wenn die UN-Investigatoren ihren Bericht zu den Anschuldigungen vorgelegt haben - er wird in den kommenden Monaten erwartet - wird Khans Zukunft beim IStGH von der Versammlung der Staaten abhängen, die ihn verwalten, und deren Politik wird wohl eine Rolle spielen. Der Skandal hat bereits jetzt die Bemühungen behindert, Israel für die Tode in Gaza zur Verantwortung zu ziehen; die Frau hat Angst, dass der Zornauf Israel nun Mitglieder der Versammlung dazu verleiten könnte, ihre Geschichte unberücksichtigt zu lassen und sich stattdessen auf Khans Seite zu schlagen."
Weitere Artikel: Kelefa Sanneh liest zwei Bücher über panafrikanische Träume (Kwame Nkrumah) und postkoloniale Realitäten (Idi Amin). Jennifer Wilson schickt einen Brief aus Finnland über die ehemalige Ministerpräsidentin Sanna Marin. Amanda Petrusich hörtTaylor Swift. Alex Ross berichtet von zwei Konzerten in New York: einer Aufführung von John Coriglianos erster Symphonie unter Gustavo Dudamel und der Eröffnung der Saison an der Met mit "The Amazing Adventures of Kavalier & Clay", wo der demokratische Senator Chuck Schumer ausgebuht wurde, weil er Zohran Mamdanis Bewerbung für das Amt des New Yorker Bürgermeisters nicht unterstützt (mehr hier). Justin Chang sah im Kino Luca Guadagninos Film "After the Hunt" mit Julia Roberts
Nicht erst seit dem Mord an Charlie Kirk schlägt das Thema Meinungsfreiheit in den USA besonders hohe Wellen, das zeigen Louis Menand zwei neue Bücher der Princeton-Professoren Christopher Eisgruber ("Terms of Respect: How Colleges Get Free Speech Right") und Fara Dabhoiwala ("What Is Free Speech? The History of a Dangerous Idea"). Der Historiker Dabhoiwala hält die Entwicklungen zu einem großzügiger ausgelegten Recht auf freie Rede für gefährlich, weil dadurch auch Hate Speech legitimiert werde: "Die richtige Art und Weise, um zu entscheiden, welche Aussagen toleriert werden sollen, sei, die 'dubiose Unterscheidung' zwischen Worten und Handlungen aufzugeben. 'Ihre angeblich unterschiedliche Macht', betont er, 'ist nur ein bequemer Mythos.' Wir sollten Sprache genauso regulieren wie Verhalten. Es ist 'total nachvollziehbar, sich gegen Äußerungen zu stellen, die man für ernsthaft schädlich hält', so Dabhoiwala, 'und zu argumentieren, dass diese nicht unter Meinungsfreiheit fallen.' Was genau die Argumentation von Donald Trump ist. Ich hoffe, dass dies Dabhoiwala anregt, seine Position zu überdenken. Als Akademiker versucht haben, bestimmte Begriffe und Auffassungen zu stigmatisieren, wie beispielsweise in Princeton, haben sie die erste Regel der Meinungsfreiheit vergessen: The Postman always rings twice. Die heute Gemaßregelten sind die Maßregelnden von morgen. Wenn die Aktionen der Administration so dreist unrechtmäßig sind, warum geben dann alle einfach nach? Zum Teil aus Kosten-Nutzen-Gründen. (…) Regierungsämter können vor Gericht angegriffen werden und manche dieser Angriffe waren vor Berufungsinstanzen erfolgreich. Aber zuletzt entscheidet immer noch der Supreme Court. Manchen, die von der Regierung zu Feinden im Krieg um die Meinungsfreiheit ernannt wurden, macht das Sorgen. Universitäten, die den Betrieb einstellen oder ihre Diversity-Programme umbenennen, wollen nicht nur den Präsidenten zufriedenstellen. Sie haben antizipiert, dass die Gerichte wohl eher die Behörden unterstützen werden, die 'Diversität' als Alibi für eine unzulässige rassistische Klassifizierung interpretieren, die den Gleichstellungsgrundsatz verletzt. Professoren, die sich beschweren, dass ihre Unis 'einknicken', wenn sie den Begriff Diversity aufgeben, sollten das wissen."
Weitere Artikel: Jon Lee Anderson beschreibt die schwierige Situation von Kubanern, die vor Castros Regime in die USA geflüchtet sind, die selbst immer autoritärer werden. Tim Berners-Leeerzählt Julian Lucas, wie er das Internet retten will (mehr dazu hier). Und Justin Chang sah im Kino Paul Thomas Andersons "One Battle After Another".
Die japanische Modemarke Uniqlo ist so eine Art Ikea der Bekleidung, stellt Lauren Collins in ihrer Recherche für den New Yorker fest, hergestellt werden Kleidungsstücke, die durch Form, Verarbeitung und Universalität überzeugen, nicht durch das Andocken an kurzfristige Trends. Ob die immensen Mengen an produzierter Kleidung aber mit den Nachhaltigkeitszielen der Marke vereinbar sind, ist fraglich: "Der Umfang von Uniqlos Tätigkeiten, ganz zu schweigen von ihrem Bestreben nach endloser Expansion, machen wirkliche Nachhaltigkeit unmöglich. Maxine Bédat, die Direktorin eines Sustainability Think Tanks namens 'New Standard Institute', sagte mir, 'auch wenn Uniqlo einige Schritte unternommen hat, sie sind Teil eines Problems, das die ganze Branche umspannt und nicht durch kleine Initiativen gelöst werden kann'. Den jüngsten Daten aus einem McKinsey-Report von 2016 zufolge kauft die Durchschnittskundin heute sechzig Prozent mehr Kleidung als noch vor fünfzehn Jahren und behält sie nur noch halb so lange. Dreißig Prozent aller Kleidungsstücken, die in einem Jahr hergestellt werden, werden nie verkauft, geschweige denn getragen. Die Frage, ob Uniqlo Fast Fashion, Sustainable Fashion oder Ethical Fashion ist oder nicht, ist vielleicht irrelevant geworden in einer Welt, in der Mode - egal welcher Couleur - zunehmend schuld an der Ausbeutung des Planeten ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass Uniqlo seine globalen Ambitionen erfüllen kann, hängt in hohem Maße davon ab, ob die Marke in der Lage sein wird, den amerikanischen Markt zu erobern. Werden die US-Kunden sich der Idee hingeben, dass es Vorteile hat, sich anzuziehen wie alle anderen? In der Mode, so wie in der Politik, macht Kollektivismus das Leben besser, aber Individualismus setzt sich oft durch." Zum Glück! Diesen Artikel haben wir nur gemacht, weil Mallarmé auf dem Cover einen so schön pinken Schal und Binder trägt.
Weitere Artikel: Rachel Kushnergibt Lebenslektionen über Wünsche und Stil wieder. D.T. Max fragt sich, ob Gaudis Sagrada Familia vielleicht doch Kitsch ist. Kelefa Sanneh hörtBad Bunny. Rebecca Mead liest die Autobiografie Arundhati Roys. Adam Gopnik besuchtCalder Gardens in Philadelphia. Lesen dürfen wir außerdem T.C. BoylesErzählung "The Pool".
Sam Knight erzählt, wie der französisch-israelische Telekommunikationsmilliardär Patrick Drahi im Jahr 2019 das Auktionshaus Sotheby's kaufte - und es ins Chaos stürzte. Knight schildert die unterschiedlichen "disruptiven" Konzepte, mit denen Drahi versuchte, die Unternehmensstrukturen zu verändern, um Geld zu sparen. Aber - ein Auktionshaus für Kunst ist nunmal nicht wie jedes andere Unternehmen: Seit 2019 haben "hunderte von Mitarbeitern Sotheby's verlassen - Schätzungen zufolge bis zu einem Viertel der Belegschaft - darunter Dutzende von Spezialisten, die die für den Unternehmensgewinn wichtigen Konsignationen einbringen. Als "die Pandemie abflaute, stellten die Mitarbeiter, die in die Londoner Büros zurückkehrten, einen Mangel an Technikern fest, die sich um die Objekte kümmerten und sie fachgerecht aufhängten. Einige Werke, die zuvor an J-Haken hingen, hingen nun an Drähten, was es schwieriger machte, Bilder bündig an die Wand zu hängen. 'Uns wurde gesagt, das sei zu teuer', erzählte mir ein ehemaliger Spezialist aus einer kleineren Abteilung. 'Es sah einfach beschissen und billig aus.' Marketingbudgets, Kundenessen, Reisen zur Art Basel - die konsumfreudige Atmosphäre - all das wurde knapper. Für Menschen, die es gewohnt waren, Kunst zu verkaufen, stellten die Kürzungen ein Paradox der Sparsamkeit dar, das ihre Gesamtergebnisse beeinträchtigte. 'Denn es geht um Beziehungen', erklärte der Spezialist. 'Wenn man die Zeit begrenzt, die die Leute im Auktionsraum vor den Werken verbringen, begrenzt man auch ihr Interesse, ihre Sehnsucht danach, ihr Potenzial.' Die Mitarbeiter der Kunstabteilung von Sotheby's - dem historischen Kern des Auktionshauses - bemerkten eine neue Distanz zwischen ihnen und der Unternehmensführung. Im Vergleich zu ihren Vorgängern reduzierten Stewart und seine Führungskräfte die Zeit, die sie mit den Spezialisten verbrachten drastisch. "Sie haben viel Reibung innerhalb der Organisation verursacht, indem sie die Experten nicht als Experten behandelten', sagte der ehemalige Spezialist. Der New Yorker Kunstberater sagte mir: 'Wissen Sie, diese Auktionshausspezialisten wurden gewissermaßen zu Verkäufern degradiert, was dem Sinn einer Beziehung widerspricht.'"
Chris Ware erinnert im New Yorker an die Künstlerin Mary Petty, die zahlreiche Cover mit Klassiker-Status für das Magazin gestaltet hat. Sie zeigen die Familie Peabody, die vom sozialen Abstieg bedroht sind: "Sie sind erkennbar an ihren Gesichtern und ihrer wohlhabenden gesellschaftlichen Stellung, aber auch ihrer besonderen Einsamkeit. Die Familie erscheint häufig eingenistet in ihr großes Brownstone-House und sie werden angeführt von der älteren Witwe Mrs. Peabody, die sich an ihrem Wohlstand festhält, während Modernität und Irrelevanz durch die Wände schleichen. Zumindest scheint es das zu sein, was los ist. Bei näherem Hinsehen finden sich tiefere Wunden als nur die des Statusverlusts. Auf einem der Cover sitzt Mrs. Peabody an ihrem opulent gedeckten Esstisch, gesetzt hält sie ein Buch und ignoriert ihren kahlköpfigen mittelalten Tischgenossen; erst nachdem man das Gemälde an der Wand betrachtet, ein Junge mit seiner Mutter, realisiert man, dass es sich um ihren Sohn handelt (und dann bemerkt man den leeren Stuhl zwischen ihnen). Ihre Konstrastfigur in der Serie ist Fay, ein Hausmädchen, das nach ihrer zunehmend isolierten Chefin schaut, und deren eigenes Lebens genauso unsichtbar vorbeizuziehen scheint. (…) Die Zeit vergeht und Petty enthüllt eine feinsinnige Beziehung. Fay, nicht länger unsichtbar, spielt Karten mit Mrs. Peabody. Für Silvester holen die beiden den Champagner raus. Und dann zieht Mrs. Peabody, die mehr als je zuvor wie ein Geist aussieht, an ihrem Glockenseil, um Fay herbeizurufen - aber der gealterte, morsche Stoff reißt in ihrer Hand und ihre Perlen liegen auf dem Fußboden verstreut."
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Lily King: Herz König Aus dem Englischen von Eva Bonné. Sie studiert Literatur, sie weiß, wie gute Liebesgeschichten funktionieren - Geheimnisse, Höhen, Tiefen. Doch die größte Liebesgeschichte…
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