
Nicolas Niarchos
erzählt in einer niederschmetternden, aber unbedingt lesenswerten Reportage von der Flucht von Wanis, Intisar und ihren sieben Kindern aus Khartoum zu ihren Verwandten in die Nuba-Berge, immer auf der Flucht vor dem Krieg und den Rebellen des R.S.F.. Verzweifelt ist schon kein Ausdruck mehr, um die Lage im Sudan zu beschreiben: "Im derzeitigen
Bürgerkrieg im Sudan - dem dritten seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien und Ägypten im Jahr 1956 - schwanken die Schätzungen der Opferzahlen zwischen sechzigtausend und hundertfünfzigtausend. Das Land verfügt jedoch nur über wenige Ressourcen, um die Toten zu zählen, so dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer möglicherweise nie bekannt wird. Seit 2024 herrscht im Sudan außerdem eine
Hungersnot, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Kämpfe die Verbreitung humanitärer Hilfe behindert haben. Neben der R.S.F. kämpfen
mindestens sechzehn Milizen um die Macht. Die R.S.F. hat das Chaos ausgenutzt, um Gold, das im Sudan in großem Umfang abgebaut wird, aus dem Land zu bringen, und ist damit die bei weitem reichste Miliz. (In dem Maße, wie sich die Lage im Sudan verschlechtert hat, ist der Weltmarktpreis für Gold in die Höhe geschossen und hat vor kurzem ein Allzeithoch erreicht.)
Hemedti, der R.S.F.-Warlord, ist ein
arabischer Sudanese, der als Mohamed Hamdan Dagalo als Sohn eines Kamelzüchters geboren wurde, der zwischen Darfur und dem Tschad, dem westlichen Nachbarland des Sudan, pendelte. In seinen Fünfzigern wurde Hemedti zum
Milliardär, vor allem dank des Schwarzmarkthandels mit Gold durch die RSF. Er unterhält enge Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, die ein bevorzugtes Ziel für das Edelmetall sind. ... Die
arabische Vorherrschaft ist eine der Leitideen der RSF, und nichtarabische Sudanesen werden zunehmend zur Zielscheibe rassistisch motivierter Gewalt. Laut Tom Perriello, dem Sondergesandten für den Sudan während der Biden-Administration, hat die R.S.F. in einigen Teilen des Landes sogar
nichtarabische Zivilisten vergiftet, indem sie angeblich Mehlsäcke mit Dünger versetzte. (Die Trump-Administration hat noch keinen neuen Gesandten ernannt.)"
Clare Malone
fragt sich
, womit
Jeff Bezos die
Washington Post wohl am meisten beschädigt hat, nachdem er die Zeitung 2013 gekauft hatte. Während er sich anfangs als Freund der Tradition des Blattes gerierte, zeigt sich immer mehr, dass ihn die Integrität der Zeitung kaum interessiert, wichtiger ist das Geld: "Jahrelang schienen Bezos' Ideen für die
Post auf seiner Erfahrung mit Amazon zu basieren. 'Er meinte, 'Ich hätte
lieber zweihundert Millionen Abonnenten, die zehn Dollar im Jahr zahlen als eine geringere Anzahl, die einen höheren Preis zahlt'', berichtet mir ein früherer Redakteur. 'Einfach die
Zahlen in die Höhe treiben. Das war immer seine Auffassung eines wirklich erfolgreichen digitalen Nachrichtenunternehmens. Aber in einer Zeit, wo Mainstream-Medien oft nicht getraut wird, ist die Menge an Leuten, die für Qualitätsjournalismus in Amerika zahlen wollen, empfindlich geringer als die jener, die zweilagiges Toilettenpapier bestellen wollen, das am nächsten Tag ankommt.'" Insbesondere die Meinungsseiten der Zeitung stehen jetzt unter Beschuss: "Als Bezos begann, über Veränderungen der Meinungsseiten nachzudenken, hat er die Sache mit
Barry Diller besprochen, dem Medienmogul, der neben
Rupert Murdoch an der Gründung der Fox Broadcasting Company beteiligt war. (…) Der neue Fokus, so Diller, reflektiert Meinungen, die Bezos seit Langem hat. Aber es gibt auch Risiken, gibt Diller zu. Bezos' Motivation könnte falsch interpretiert werden als Versuch, '
eine unparteiische Beziehung zu der neuen und möglicherweise gefährlichen Regierung' zu halten. Das, unglücklicherweise oder nicht für Bezos, scheint zu passieren. 'Ich habe ihn kennengelernt und ich glaube, er versucht einen guten Job zu machen,' so Trump im März über Bezos. 'Jeff Bezos versucht einen guten Job mit der
Washington Post zu machen, und das ist vorher nicht passiert.'"
Weitere Artikel: Früher misstrauten Linke
den Experten, heute sind es Rechte: Daniel Immerwahr
überlegt, wie es dazu kam. Adam Gopnik
liest die Memoiren von
Barry Diller. Hua Hsu
hört und sieht ein experimentelles musikalisches Biopic über die amerikanische Indieband
Pavement. Alex Ross
sieht zwei
Strauss-Produktionen in New York. Lesen dürfen wir außerdem
Patricia Lockwoods Story
"Fairy Pools".