Magazinrundschau - Archiv

Le point

157 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 16

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - Point

In seinen Bloc-notes stellt Bernard-Henri Levy klar, dass er das Wort Krieg im Zusammenhang mit Darfur unerträglich findet und nicht mehr hören könne. "Weil es sich nicht um einen Krieg handelt. Hier kämpfen keine rivalisierenden Gruppen, wie man überall liest, um die Kontrolle über die Reichtümer des Landes. Noch weniger gibt es 'darfurianische' Kräfte, die sich der sudanesischen Armee entgegenstellten und versuchten, diese zurückzudrängen. Die Wahrheit - die ich gesehen habe - sind arme Menschen, die von Antonows bombardiert werden. Es sind arme Dörfer, die komplett vom Erdboden ausgelöscht werden. Es sind Frauen, Alte, Kinder, die aus ihren Häusern gejagt werden, und denen diese schrecklichen Todesschwadronen namens Janjawids die Bäuche aufschlitzen, sie köpfen oder bei lebendigem Leib verbrennen. All das auf Initiative der islamistischen Regierung von Khartum und im Augenblick mit dem Segen der internationalen Gemeinschaft."
Stichwörter: Levy, Bernard-Henri, Darfur

Magazinrundschau vom 29.05.2007 - Point

Für den Philosophen und Historiker Marcel Gauchet, war die französische Präsidentschaftswahl eine "Revanche der Wirklichkeit", wie er in einem Interview erläutert. "Trotz aller Rhetorik haben es die Franzosen bisher vorgezogen, den in den siebziger Jahren einsetzenden Wandel der Welt zu ignorieren, und wurden darin von einer ganzen Reihe Illusionisten unterstützt. (...) Jetzt ist das Land bereit, nach einer neuen französischen Version der neuen Weltlage zu suchen. Aus dieser Perspektive ging es in dieser Wahl nicht um rechts oder links."

Bernard Kouchner, der Gründer von Medecins sans frontieres, als Außenminister - das ist als hätte man einen Neuen Philsophen auf den Posten gesetzt. In seinem Bloc-notes setzt Bernard-Henri Levy darum seine Hoffnungen auf den neuen Mann: "Und wenn er nur eine Sache fertigbringen würde, wenn er die Islamisten von Khartum zur Vernunft bringen und ihre chinesischen Alliierten einknicken lassen würde, indem er sie mit einem Boykott der Olympischen Spiele von 2008 bedrohen würde - er hätte schon gewonnen."

Magazinrundschau vom 22.05.2007 - Point

Francois Dufay führt ein schönes Gespräch mit Georges-Arthur Goldschmidt über Deutschland und Frankreich. Auch über den Casus Grass spricht der Autor: "Angesichts der Amoral oder besser der Moral falscher Kameraderie, die der Nationalsozialismus der Jugend eintrichterte, werfe ich Günter Grass nicht vor, dass er mit 17 Jahren in die Waffen-SS eingetreten ist. Ich bin in Nazideutschland aufgewachsen, und ich weiß sehr gut, dass es enormen Mut und Hellsichtigkeit gebraucht hätte, um sich nicht hineinziehen zu lassen. Nein, was mich zutiefst verstört hat, ist, dass Grass von diesem Eintritt im Sprachgestus der Epoche schreibt, ohne kritische Distanz, in einer Sprache, die die Sprache des Dritten Reichs bleibt. Das war im Jahr 1944 normal, heute ist es das nicht mehr."

In seinem "blocnote" verteidigt Bernard-Henri Levy einmal mehr den italienischen Exterroristen und Krimiautor Cesare Battisti, den er nicht nach Italien ausgeliefert wissen will.

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - Point

Natürlich sind die Magazine von den französischen Wahlen beherrscht. Bernard-Henri Levy sieht in seiner Kolumne durch die Marginalisierung der extremen Linken die französischen Sozialisten auf dem Weg in die Godesbergisierung: "Michel Rocard, Bernard Kouchner und Daniel Cohn-Bendit hatten recht, wenn auch vielleicht zu früh. Wenn man einerseits den Durchbruch von Francois Bayrou und andererseits den Zusammenbruch der extremen Linken sieht, drängt sich eine Schlussfolgerung auf: Es gibt keine linke Regierungsmehrheit mehr mit der Unterstützung der extremen Linken. Die Strategien der 'gauche plurielle' oder gar der 'union de la gauche' sind Vergangenheit. Anders gesagt: Die Linke kann weiterhin siegen, aber nur wenn sie sich mit einer dritten - zentristischen - Partei verbündet."

Im selben Heft ein langes Gespräch mit dem großen Ideenhistoriker Jean Starobinski, der ein Buch über die "Gabe" vorlegt.

Magazinrundschau vom 24.04.2007 - Point

Elisabeth Levy und Dominique Quessada haben Peter Sloterdijk, Frankreichkenner und einen der "erfinderischsten" deutschen Philosophen, nach seiner Sicht auf den französischen Präsidentschaftswahlkampf befragt. Sloterdijk hält die jetzige Wahl demnach für eine Chance, endlich das "Museum der Illusionen" zu verlassen und mit der "politischen Lyrik" zu brechen. Er meint: "Für die Mehrheit der Kandidaten ist Frankreich doch nur ein Vorwand. Sie sind auf der Suche nach einem Land, das sich ihren Phantasmen anschließt. Wir Deutschen haben sieben Jahre mit einem Kanzler verbracht, der die Inkarnation des puren Ehrgeizes war. Deutschland war das Symptom und das Spielzeug seines politischen Oberhaupts, wie Frankreich zum Symptom und Spielzeug von Sarkozy oder jemandem anderen werden könnte. Aber Frankreich braucht einen Präsidenten, für den es nicht nur ein Symptom ist."

In seinem Bloc-notes antwortet Bernard-Henri Levy auf Nicolas Sarkozys Ansicht, eine Boykottdrohung gegen die olympischen Spiele in China sei unter allen "dummen Ideen", die er je gehört habe, die "dümmste von allen". Levy, der einer der Wortführer dieser "Dummheit" ist, widerspricht: "Ich denke, im Gegenteil, dass [eine Boykottdrohung] Druck auf China ausüben könnte, seinerseits der Regierung des Sudan Druck zu machen, in Darfur endlich ein Massaker zu beenden, das für mindestens 300.000 Tote und 2,5 Millionen Flüchtlinge verantwortlich ist."

Magazinrundschau vom 17.04.2007 - Point

Nicht anders als schwärmerisch kann man die Auslassungen von Bernard-Henri Levy bezeichnen, mit denen er in seinen Bloc-notes den Franzosen den möglichen demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama nahe bringen will. "Ich habe mir geschworen - und dieses Versprechen in einem Kapitel meines Buchs 'American Vertigo' protokolliert -, niemals dieses Bild zu vergessen, als er exakt um 23 Uhr mit diesem leicht tänzerischen Schritt die Szene betrat, und sich sein wundersames Gesicht eines braunen Amerikaners gegen das Licht abzeichnete - ein imaginärer Zwilling des unehelichen Kinds von Thomas Jefferson. (...) Ist er der erste Schwarze, der begriffen hat, dass man nicht mehr mit Schuld, sondern mit Verführung spielt? Der erste, der beschlossen hat, nicht der Vorwurf Amerikas zu sein, sondern sein Versprechen, seine neue Chance?"

In einem Interview stellen die beiden Philosophen Eric Deschavanne und Pierre-Henri Tavoillot ihr Buch über Lebensalter "Philosophie des ages de la vie" (Grasset) vor, das sich insbesondere der Frage widmet, was Erwachsensein heutzutage heißt.

Magazinrundschau vom 10.04.2007 - Point

Die Historikerin Madeleine Ferrieres, die sich bereits mit einer Geschichte der Ernährungsängste einen Namen gemacht hat, hat nun eine neue Studie über die Geschichte der "Nourritures canailles" vorgelegt. Bei diesem - wörtlich übersetzt - "Gesindelfraß" handelt es sich um die Küche und Ernährung der Unterschichten, die nie Kochbücher lasen oder sich an die kulinarischen Codes der klassischen französischen Küche hielten, die den Eliten vorbehalten blieben. Gleichzeitig haben ihre Gerichte die französische Küche bereichert. Im Interview erläutert sie ein interessantes Detail zur Entstehung und den historischen Formen von Fastfood: "Man spricht heute von der 'McDonalidisierung' unserer Sitten, aber eigentlich gab es das schon früher. Der Arbeitstag war damals häufig von Pausen unterbrochen, in denen gegessen wurde. Das galt auch für den Arbeiter, der sich vormittags um elf Kutteln an der nächsten Ecke kaufte. Zu Zeiten des Ancien Regime gab es in den Städten ein bemerkenswertes Angebot an Fertiggerichten zum Mitnehmen. Ich betone diese öffentliche Küche, die Weinstuben und Tavernen, die sie erfunden haben. Sie haben es verstanden, sich an den Geschmack ihrer Kundschaft anzupassen. Ihnen verdanken wir die Weinküche, die Schmorgerichte und Fischragouts."

Magazinrundschau vom 20.03.2007 - Point

In einem interessanten Interview spricht der Historiker und Antikenexperte Paul Veyne über sein neues Buch, in dem er sich - "gelehrt und unverschämt" - mit dem Rätsel der Christianisierung des römischen Reiches auseinandersetzt ("Quand notre monde est devenu chretien", Albin Michel). Auf die Frage, ob der römische Kaiser Constantin mit seinem Übertritt zum christlichen Glauben tatsächlich an einen metaphysischen Plan geglaubt und nicht auf gesellschaftliche und politische Bedürfnisse reagiert habe, antworte er: "Hüten Sie sich vor Vorurteilen! Das Christentum hat sich durchgesetzt, weil es dem Heidentum und den östlichen Religionen kulturell und spirituell überlegen war. Man sollte anerkennen, dass es wie jeder Bestseller die Bedingungen seines Erfolgs selbst geschaffen hat. Wir wiederholen heutzutage unentwegt, dass die Wirtschaftsgesellschaft neue Produkte auf den Markt wirft und falsche Bedürfnisse schafft. Das Christentum hat eine Sensibilität für sich geschaffen, die es im Gegenzug unterstützt hat."

In seinen Bloc-notes denkt Bernard-Henri Levy über Darfur und französische Politik nach.

Magazinrundschau vom 23.01.2007 - Point

Der englischer Historiker Anthony Beevor (Homepage) hat Notizen aus dem Zweiten Weltkrieg des russischen Schriftstellers, damaligen Kriegskorrespondenten der Roten Armee und späteren Dissidenten Wassilij Grossman wiedergefunden. Sie erscheinen nun in Frankreich unter dem Titel "Carnets de guerre - De Moscou a Berlin, 1941-1945" (Editions Calmann-Levy). Le Point bringt einen Vorabdruck einiger der "eindringlichsten" Passagen. Unter anderem diese Szene von Ende 1941, nachdem die Wehrmachtsoffensive vor Moskau durch sowjetischen Widerstand und "General Winter" gestoppt worden war. "Auf der Route unseres Vormarschs liegen erfrorene Deutsche. Die Körper sind vollkommen unversehrt. Nicht wir haben sie getötet, sondern die Kälte. Kleine Fieslinge stellen die steifgefrorenen Deutschen auf die Beine oder auf alle Viere, arrangieren sie gekonnt zu fantastischen Skulpturengruppen. Die gefrorenen Körper stehen aufrecht, mit erhoben Fäusten, abgespreizten Fingern, manche machen den Eindruck, als wollten sie den Kopf einziehen. Sie tragen Schuhe und kurze, dünne Mäntel wie aus Papier und Strickjacken, die die Wärme nicht halten können." Hier Informationen zu dem Buch auf Englisch - hoffen wir, dass es auch auf Deutsch erscheint!

Weiteres: Bernard-Henri Levy kommentiert in seinen Bloc-Notes das Treffen und die neue "revolutionäre Freundschaft" zwischen Ahmadinejad und Chavez. Zu lesen ist außerdem ein Bericht über die Beteiligung des Louvre an einem ehrgeizigen Museumsprojekt in Abu Dhabi, die in Frankreich eine heftige Debatte ausgelöst hat.

Magazinrundschau vom 16.01.2007 - Point

In seinen Bloc-notes denkt Bernard-Henri Levy noch einmal über die Hinrichtung Saddams nach, die er für einen Fehler hält. Mit Bezugnahme auf Gershom Sholem, der zu Hannah Arendt gesagt haben soll, die Hinrichtung Eichmanns sei keineswegs die Höchst-, sondern die Minimalstrafe gewesen, argumentiert Levy: "Das Gleiche gilt für die heimlich vollzogene Exekution Saddams, für diesen Diktator, dessen unabgeschlossener, eigentlich kaum begonnener Prozess einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Es ist eine bagatellisierende Strafe, eine banalisierende Strafe. Eine Strafe - und eine Hinrichtung -, die zu Recht befürchten lässt, dass sie den ersten Akt des großen revisionistischen Unterfangens markiert, das die Massaker in gewissem Maße immer begleitet. Ganz zu schweigen von den Deppen, die (...) angesichts der letzten, über Internet verbreiteten Augenblicke des Despoten nicht müde werden auszurufen: 'Welche Würde! Welche Haltung!' Das ist im Grunde das Schlimmste."