Magazinrundschau - Archiv

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149 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 15

Magazinrundschau vom 15.09.2020 - Wired

Von wegen Liebesgöttin: Venus ist buchstäblich die Hölle - zwar nicht auf Erden, aber in unserem Sonnensystem. Die Temperatur dort beträgt bleischmelzende 400 Grad, es herrscht ein Druck wie bei uns 900 Meter unter der Meeresoberfläche. Und dieses Inferno soll Leben bergen? Spuren von Monophosphan, von dem man annimmt, dass es in signifikanten Mengen nur im Zusammenhang mit organisch-biologischen Prozesse auftritt, könnten jedenfalls darauf hindeuten, erfahren wir aus Sarah Scoles' Porträt der Astronomin Jane Greaves, die auf diese Spuren gestoßen ist und nun erforscht, inwiefern dieser Fund tatsächlich die Aussage bekräftigt, dass sich in unserem Sonnensystem auch außerhalb der Erde Lebensformen finden - in diesem Fall womöglich eine primitive in den oberen Atmosphärenschichten des Planeten, wo bessere Bedingungen herrschen. "Um nichtbiologische Szenarien auszuschließen, warf ein MIT-Team unter der Leitung von Williams Bains seine Venus-Simulationen an und einen Blick auf andere Prozesse, die Phosphine entstehen lassen könnten: Sonnenlicht, von der Oberfläche aufgewirbelte Mineralien, vulkanische und tektonische Aktivitäten, Blitze oder Kometen und Meteoriten, die das Material einsprenkeln. 'Die meisten chemischen Zusammensetzungen lassen sich auf verschiedenen Wegen hervorbringen', sagt Greaves. Das Team spielte also jede ihnen nur denkbare Möglichkeit durch. Keine würde diese Mengen an Monophosphan freisetzen, auf die sie gestoßen sind. Die letzte, die ihnen blieb? Leben. ... Doch Monophosphan, erklärt die Astrobiologin Victoria Meadows, ist ein einfaches Molekül, das unter Umständen auch in planetarischen Prozessen entsteht, die uns nicht vertraut sind. In diesem Falle also Prozesse jenseits dieser Simulation. Das wäre die einfachste Erklärung dafür, warum ein Planet wie Venus Monophosphan aufweist."

Außerdem: Die Open-Source-Plattform GitHub ist in China unter dem Corona-Lockdown ein Hafen der freien Rede in einem ansonsten schwer zensierten Internet geworden, berichtet Yi-Ling Liu. Jack Hitt porträtiert den Aktivisten Steve Tingley-Hock, der sich mit den Tücken und Abgründen des amerikanischen Wahlsystems auseinandersetzt, das regelmäßig Teilen der Bevölkerung ihr Wahlrecht erschwert. Cody Cassidy erklärt am Beispiel des historischen Vesuvausbruchs in der Antike, wie man sich vor einem speienden Vulkan in Sicherheit bringt (Spoiler: Allzu gut stehen Ihre Chancen nicht).

Magazinrundschau vom 08.09.2020 - Wired

Was wäre die Welt ohne durchgeknallte Wissenschaftler? Auf jeden Fall beträchtlich ärmer an Irrwitz. Jim Woodward zum Beispiel, den Daniel Oberhaus porträtiert, hat es sich nach etwas, das er für eine UFO-Sichtung hält, in den Kopf gesetzt, einen Weg zu finden, wie sich andere Sonnensysteme erreichen lassen könnten, ohne dass für den Reiseweg alleine schon zum nächsten Nachbarn ein paar tausend Jahre veranschlagt und erhebliche Mengen an Treibstoff durch den Kosmos transportiert werden müssen: den MEGA-Antrieb. Wie soll das gehen? Sein Modell basiert nicht "auf Treibstoff, sondern auch Elektrizität, die im All von Solarflächen oder einem Atomreaktor kommen könnte. Seine Einsicht beruht auf einem Stapel piezoelektrischer Kristalle und einigen kontroversen - seiner Ansicht nach aber plausiblen - physikalischen Annahmen, um Schub zu generieren. Der Stapel Kristalle, die kleinste Mengen Energie speichern, vibriert zehntausende Male pro Sekunde, wenn sie mit elektronischer Stromstärke aufgeladen werden. Einige der Schwingungsfrequenzen harmonisieren sich, wenn sie durch das Gefährt gehen. Und wenn die Oszillationen sich genau richtig synchronisieren, bewegt sich das kleine Gefährt vorwärts. Das klingt jetzt nicht gerade nach dem Schlüssel, der das Geheimnis interstellarer Reisen öffnet, aber wenn der kleine Ruck verstetigt werden kann, könnte ein Raumschiff theoretisch solange Schub produzieren, wie es elektrischen Strom hat. Es würde nicht schnell beschleunigen, aber kontinuierlich für eine sehr lange Zeit bis es schließlich eine Geschwindigkeit erreicht, die es quer durch die Galaxie sausen lässt. Ein Atomreaktor an Bord könnte das Gefährt für Jahrzehnte mit Energie versorgen. Sollte Woodwards Gerät funktionieren, wäre es das erste Antriebssystem, das es denkbar erscheinen lässt, ein anderes Sonnensystem in der Lebenszeit eines Astronauten zu erreichen."

Magazinrundschau vom 18.08.2020 - Wired

Programmatische Werbung - also der vollautomatisierte und auf Tracking der Nutzer basierende Ablauf des Angebots und Verkaufs von Werbeflächen im Netz - wird immer skeptischer betrachtet: Nicht nur steht das Verfahren mittlerweile im Ruf, die Werbeetats mit großzügigen Streuverlusten zu verpulvern, sondern immer mehr Anzeigenpartner sorgen sich auch, dass sie kaum Einfluss mehr darauf haben, in welchem - womöglich imageschädigenden - Umfeld ihre Anzeigen erscheinen. Immer mehr Unternehmen sichern sich dagegen über teils grotesk ausufernde schwarze Listen ab, erzählt Gilad Edelman: Darauf finden sich Begriffe, die kontroverse Inhalte nahelegen und in deren Umfeld man seine Anzeigen nicht sehen will. Was wiederum Folgen für den seriösen Journalismus hat: "Als die Pandemie losbrach, landeten auch Begriffe wie 'Coronavirus' oder 'Covid-19' auf diesen Listen. Das Ergebnis war desaströs. Eine geleakte Tabelle eines der wichtigsten Werbetreibenden zeigte, dass die Software mehr als die Hälfte der Anzeigen von Medien mit gutem Ruf, darunter der Boston Globe, CBS News und Vox, fernhielt. ... Manche Ergebnisse waren lachhaft. Der Magazinanbieter Hearst etwa beschwerte sich darüber, dass Artikel über Meghan Markle, die Herzogin von Sussex, geblockt waren, weil das Wort 'sex' auf der schwarzen Liste stand. Weit weniger zum Lachen: Die Definition von 'kontrovers' kann auch hässliche Vorurteile einschmuggeln, indem Begriffe wie 'lesbisch' oder 'bisexuell' gebrandmarkt werden. Im Großen und Ganzen zeigte die Innovation keinen offensichtlichen Nutzen für die Werbetreibenden, verursachte aber erhebliche Schmerzen im Nachrichtengeschäft. Eine Analyse von Zeitungs- und Magazinverlagen in den USA, UK, Australien und Japan kam zu dem Schluss, dass übermäßiges Blockieren sie im vergangenen Jahr 3,2 Milliarden Dollar Umsatz aus dem Digitalgeschäft kostete. Unterdessen haben sich die Publisher aus dem niederen Segment, deren Geschäftsmodell nicht etwa darauf basiert, sorgfältig das Weltgeschehen zu reflektieren, sondern das digitale Werbegeschäft im eigenen Interesse zu schröpfen, der Lage angepasst und Mittel und Wege gefunden, die schwarzen Listen zu umgehen."

Außerdem: Andrew Leonard erklärt, wie Taiwan die Coronakrise "hackte". San Francisco war deutlich besser auf Corona vorbereitet als andere Städte, schreibt Daniel Duane. Und Garrett M. Graff weiß, wie der MAGA-Bomber - ein fanatisierter Trump-Anhänger, der Bombenattrappen an Demokraten und Journalisten schickte - binnen kürzester Zeit identifiziert und dingfest gemacht werden konnte (mehr dazu auch beim Washingtonian).
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Magazinrundschau vom 11.08.2020 - Wired

Sehr spannend zu lesen ist Rachel Lance' kenntnisreiche Einschätzung der katastrophalen Explosion im Hafen von Beirut, in deren Zuge sie auch auf das Desaster im Hafen von Halifax im Jahr 1917 zu sprechen kommt, die bislang größte von Menschen verursachte, aber nicht-nukleare Explosion der Geschichte - ein trauriger Rekord, den Beirut gebrochen haben könnte. Seinerzeit rammte ein mit Munition beladenes, in Flammen stehendes Schiff den Hafen und forderte schlagartig tausende von Todesopfern. Damals ging eine Schockwelle durch die Stadt, wohingegen in Beirut - anders als eilige Twitter-Kommentatoren angesichts des weißen Kegels, der sich zunächst um die Beiruter Explosion legte, vermeldeten - lediglich eine Druckwelle zu beobachten war. Fast könnte man sagen: zum Glück, denn "der Hauptunterschied zwischen beiden besteht in der Zahl der Opfer, von der auszugehen ist. Bei einer Schockwelle steigt der Druck buchstäblich schlagartig von Null auf Maximum . Der Wirkung einer Druckwelle gleicht dem Aufschlag auf dem Boden, nachdem man eine Steilküste heruntergekugelt ist. Die Kraft einer Schockwelle hingegen eher einem Aufprall auf dem Boden nach einem Sturz aus dem Himmel mit tödlicher Geschwindigkeit. Hochgradig explosive Stoffe ergeben Schockwellen, weniger explosive Stoffe - wie Ammoniumnitrat - Druckwellen." Anhand der zahlreichen Videos aus Beirut lässt sich die Geschwindigkeit der Druckwelle messen - die Schwelle zur Schallgeschwindigkeit wurde dabei nicht überschritten: "Die Verwüstung vollzog sich zunächst mit lediglich 312 Metern pro Sekunde. Für eine Bombe wäre das langsam. Als der Knall und die verheerende Naturgewalt eine zuvor friedliche und pittoreske Freiluft-Bar erreicht, hat sie sich bereits auf 289 Meter pro Sekunde verlangsamt. Diese Druckwelle hat, auch wenn sie langsamer war als die Schallgeschwindigkeit mit 343 Metern pro Sekunde, zwar Zerstörungen, Schrecken und Verwirrungen hervorgerufen, Glas wurde zersplittert, Flächen zerstört, die Menschen desorientiert, nachdem ihre Ohren erheblichen Druckschwankungen ausgesetzt waren. Eine Schockwelle aber hätte noch im selben Moment ein Lungentrauma verursacht und sie sofort tot umfallen lassen."

Außerdem: Robert Peck schildert Aufstieg und Niedergang von r/The_Donald, einem extrem reichweitenstarken Reddit-Subforum für Trump-Fans, Rechtsradikale und zynische Trolle, das erhebliches Chaos angerichtet hat und nun von den Reddit-Betreibern gelöscht wurde. Jason Parham schaut sich an, wie digitales Blackfacing auf TikTok funktioniert - nicht klassisches Blackfacing ist damit gemeint, sondern die Tatsache, dass weiße Influencer Aspekte und Slang von Black Culture bestenfalls adaptieren, schlimmstenfalls parodieren. Andy Greenberg hat die Geschichte zweier Hacker recherchiert, die nach einem Bruch in ein Justizgebäude in den Knast gewandert sind. Jamie Holmes erzählt, wie Wissenschaftler und Piloten sich gegen die erste Welle von V1-Raketen, die Nazi-Deutschland auf London abfeuerte, wappneten - und schlussendlich eine relativ hohe Abschussrate erzielten.

Magazinrundschau vom 21.07.2020 - Wired

Sehr ausführlich stellt Garrett M. Graff Trumps Auseinandersetzungen mit dem chinesischen Hi-Tech-Giganten Huawei dar. Eine Säule dieses Kampfes ist der Versuch, Produktionsstätten wieder zum großen Teil auf dem eigenen Boden anzusiedeln: "Auch damit signalisiert Trumps Regierung, dass sie gewillt ist, Feuer mit Feuer zu bekämpfen - im Hinblick mit Angebot und Nachfrage mit wirtschaftlichen Interventionen im fast schon chinesischen Stil, um den Westen von chinesischer Technologie wie Huawei zu entwöhnen. In diesen jüngsten Entwicklungen und angekündigten Maßnahmen liegt eine gewisse Ironie. Eine der großen gescheiterten Annahmen in den letzten zwei Jahrzehnten im Verhältnis des Westens zu China besagte, dass China, wenn es wächst, sich dem Westen angleichen würde - Rechtsstaatlichkeit würde stärker, geistiges Eigentum würde besser geschützt und das Land würde sich produktiv in multilateralen internationalen Organisationen einbringen. Stattdessen verhält sich China geopolitisch einfach ungestümer und tritt autoritärer auf. Um nun diesem China entgegen zu treten, scheint die Trump-Regierung offen dafür zu sein, den Westen China anzugleichen."
Stichwörter: Huawei, China, Trump-Regierung

Magazinrundschau vom 14.07.2020 - Wired

Wanderer, kommst Du nach China, sei gefasst darauf, dass Dir Linkin-Park-Shirts (und zwar nicht irgendwelche, sondern ein ganz spezieller Entwurf) in rauen Mengen begegnen werden. Dies beobachtet zumindest Noelle Mateer - und darüber hinaus auch viele verwirrte westliche Touristen, die sich online über diesen sonderbaren Trend austauschen, der nur noch sonderbarer erscheint, als zusehends Schreibfehler in die Shirts wandern. Hinzu kommt: Händler und Träger des Shirts wissen oft noch nicht einmal, was sie da eigentlich tragen. Was geht da vor sich?  "Ich bin auf keine plausiblerer Erklärung für die Popularität dieser Shirts gestoßen, als die, dass sie modern und cool aussehen, und dass die Leute gerne Dinge nachmachen. Dieses Nachmachen ist eine angewandte Kunst in den Fabriken in Guangdong. Viele gefälschte Produkte sind das Resultat von 'Nachtschicht-Piraterie', bei der ein Hersteller gegenüber einem Kunden behauptet, in zwei Tagesschichten zu arbeiten, dann aber eine dritte Schicht fährt, um Überschuss zu produzieren, von dem der Kunde keine Ahnung hat. ... Alex Taggart, Geschäftsführer von Outdustry, einer Firma, die sich im Auftrag von Künstlern um Musikrechte in China kümmert, sagt, dass das Linkin-Park-Phänomen wahrscheinlich mit dem 'simplen Design, einem massiven Produktüberschuss und Nachtschicht-Piraterie' zu tun hat. Er fügt hinzu: 'Als ich bemerkte, dass das Englisch auf den Shirts langsam schlechter wurde, nahm ich an, dass die Designs 'neu interpretiert' worden waren, während sie ihren Weg zu Fabriken fanden, die immer weiter entfernt liegen von jener Fabrik, die sie ursprünglich herstellten - und immer weiter entfernt vom typischen Linkin-Park-Fan.'"

Magazinrundschau vom 19.05.2020 - Wired

Schon alleine, weil sich die chinesischen Sprachen kaum sinngemäß in lateinische Buchstaben übertragen lassen und die Tipparbeit am Computer in China daher eine erhebliche Last darstellt, gab es dort von Anfang an einen erheblichen Bedarf für intelligente Lösungen zur Spracherkennung, erklärt Mara Hvistendahl in einer ausführlichen Firmen- und Softwaregeschichte. Heutzutage läuft ein erheblicher Teil der alltäglichen digitalen Kommunikation bereits via Spracherkennung und das wiederum weckt Begehrlichkeiten bei der chinesischen Regierung - zumal sich Audio lange Zeit deutlich weniger leicht überwachen und gegebenenfalls zensieren ließ als geschriebener Text: "Doch der Kommunistischen Partei Chinas geht es anscheinend um mehr als Zensur. 'Stimm- und Videodaten zu sammeln kann dabei helfen, Menschen und Netzwerke zu identifizieren. Wie sie sprechen, was ihnen wichtig ist und welche Trends sich abzeichnen', sagt Samantha Hoffman, eine Analystin beim Australian Strategic Policy Institute's Cyber Centre in Canberra. Die chinesische Firma iFlytek hat ein System patentiert, das es gestattet, riesige Mengen an Audio und Video zu durchforsten, die kopiert oder repostet wurden - Teil einer Operation, die das Patent als 'sehr wichtig für die Informationssicherheit und den Überblick über die öffentliche Meinung' einschätzt. iFlytek erklärt, dass 'die Analyse von Audio- und Videodaten eine Vielzahl verschiedener Anwendungen ermöglicht, darunter etwa, populäre Lieder zu identifizieren und Spam-Anrufer ausfindig zu machen.' Aber iFlytek ermöglicht auch Security-Arbeit. 2012 kaufte das Innenministerium auf intelligente Stimmtechnologie spezialisierte Geräte von iFlytek. Das Ministerium wählte die Anhui-Provinz, wo das iFlytek-Hauptquartier liegt, als Ort für ein Pilot-Projekt aus, um eine Stimmmuster-Datenbank zu erstellen - ein Katalog voller einzigartiger Stimmen der Bevölkerung, der es den Behörden gestatten würde, die Sprecher allein am Klang ihrer Stimme zu identifizieren."

Weiteres: In einem langen, sehr langen, wirklich sehr, sehr langen Longread erzählt Andy Greenberg die Geschichte des Hackers Marcus Hutchins, der im Mai 2017 das Internet vor der WannaCry-Ransomware-Attacke rettete. Zum Dank hat ihn das FBI erst einmal eingesperrt.

Magazinrundschau vom 21.04.2020 - Wired

Wer in Indien einen Mob von Hindu-Nationalisten anstachelt, um unter "Kuhmörder"-Rufen in aller Öffentlichkeit Muslime zu attackieren, kann durchaus damit rechnen, dass die Modi-Regierung nach einigen Monaten auf oberstes Geheiß Amnesie walten lässt. Zumindest ist dies Mohammad Alis großer Reportage über Hindu-Lynchmobs zu entnehmen. Lancierte Fake News und Social-Media-Dynamiken begünstigen immer wieder Tragödien, die von der Modi-Regierung allenfalls halbherzig angegangen, wenn nicht geduldet werden. "In einer Analyse von 14 Selbstjustizmorden, die 'Kuhschutz'-Gruppen wie Bajrang Dal zwischen 2015 und 2018 verübten, fand Human Rights Watch heraus, dass die Polizei 'Untersuchungen anfangs verzögerte, gängige Abläufe ignorierte oder in den Morden und ihrer Vertuschung sogar die Rolle des Komplizen spielte'. Im April 2017 überquerte ich die Grenze in den benachbarten Staat Rajasthan, nachdem dort ein muslimischer Milchfarmer namens Pehlu Khan angegriffen und umgebracht worden war, mutmaßlich von Vigilanten der Gruppe Bajrang Dal. Die Verdächtigen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt - und das, obwohl Videos den Angriff zeigten, das Opfer auf dem Sterbebett die Namen seiner Mörder nannte und einer der Angeklagten ein Geständnis ablegte (die Videos wurden vor Gericht wegen einer Formsache als unzulässig eingestuft). Die Kehrseite dieser Straffreiheit ist, dass jene, die solche Fakten ans Tageslicht bringen, mit gravierenden Folgen rechnen müssen. Anfang September 2017 wurde eine Journalistin namens Gauri Lankesh, die jahrelang kritisch über Hindu-Nationalisten berichtet hatte, vor ihrem Haus erschossen. In den Wochen darauf erhielten zahlreiche Journalisten Todesdrohungen, darunter auch ich. Ich beschloss, meine Berichterstattung über Indien für eine Weile zu unterbrechen. Schlussendlich zog ich in die Vereinigten Staaten."

Magazinrundschau vom 24.03.2020 - Wired

Die große Frage, die jetzt allen auf den Nägeln brennt: Wann hört das mit der Corona-Krise wieder auf? Wann hält die Normalität wieder Einzug? Steven Levy hat bei dem Epidemiologen Larry Brilliant nachgefragt, der seit 2006 vor den verheerenden Folgen einer globalen Pandemie warnt. Seine Antwort: "Dafür müssen drei Dinge geschehen sein: Erstens, wir müssen herausgefunden haben, ob die Verteilung dieses Virus aussieht wie ein Eisberg, von dem nur ein Siebtel über dem Wasser liegt, oder wie eine Pyramide, die wir zur Gänze sehen. Wenn wir derzeit nur ein Siebtel der tatsächlichen Fälle sehen, weil wir nicht ausreichend testen, und wir dafür blind sind, dann befinden wir uns in einer Welt des Schmerzes. Zweitens, wir müssen eine effektive Behandlung gefunden haben - eine Impfung oder ein Gegenmittel. Und drittens und vielleicht am wichtigsten: Es muss sich abzeichnen, dass eine große Menge von Menschen - insbesondere Krankenschwester, Pfleger für den Heimbereich, Ärzte, Polizisten, Feuerwehrleute und Lehrer, die die Krankheit hatten - immun ist und dass wir sie getestet haben, um zu wissen, dass sie tatsächlich nicht mehr infektiös sind. Und wir brauchen ein System, dass sie als solche identifziert. Ein Armband oder eine Ausweiskarte mit ihrem Foto oder einer Art Beleg darauf. Dann können wir unsere Kinder ruhigen Gewissens zurück in die Schule schicken, im Wissen, dass der Lehrer sie nicht anstecken kann. Und statt dass wir sagen, 'nein, man kann niemanden in einem Pflegehaushalt besuchen', haben wir eine Gruppe von Leuten, die ausgewiesenermaßen mit älteren und anfälligen Leuten arbeiten können, und Krankenschwestern, die zurück in die Krankenhäuser gehen können, und Zahnärzte, die Deinen Mund öffnen und hineinsehen können, ohne Dir dabei den Virus zu verabreichen. Wenn diese drei Dinge geschehen, ist der Zeitpunkt genommen, an dem die Normalität zurückkehrt."

Magazinrundschau vom 03.03.2020 - Wired

Jahrelang hat Nordkorea nahezu perfekt gefälschte Dollars gedruckt, doch seit einiger Zeit hat sich das Land darauf spezialisiert, mit avancierten Hacks westliche Banken digital auszurauben, hat Ben Buchanan recherchiert. Nachdem ein groß angelegter Heist - für den auch diverse Drucker per Fernsteuerung lahmgelegt werden mussten - nicht ganz den ersehnten Ertrag brachte (zahlreiche Banken hatten Nachfragen angesichts der Häufung ungewöhnlicher Überweisungsanfragen), hat sich das Land 2018 auf eine andere Strategie verlegt: "Die Operation begann irgendwann im Juni 2018 damit, die Cosmos Cooperative Bank in Indien zu kompromittieren. Nachdem die Hacker dort erst einmal drin waren, erarbeiteten sie sich ein tiefgehendes Verständnis der Funktionsweise dieser Bank und verschafften sich einen geheimen Zugang zu maßgeblichen Teilen ihrer Rechner-Infrastruktur. Den ganzen Sommer 2018 lang schienen sie sich auf eine neue Art Operation vorzubereiten. Diesmal würden sie sich auf Bankkarten und elektronische Überweisungen konzentrieren, um das Geld rauszuschaffen. ... Am 11. August wurden die Nordkoreaner schließlich aktiv. In einem Zeitfenster von wenig mehr als zwei Stunden traten Geldkuriere in 28 Ländern in Aktion. Mit gefälschten, voll funktionsfähigen Kontokarten hoben sie an Automaten in aller Welt Beträge zwischen 100 und 2500 Dollar ab. Während frühere nordkoreanische Versuche daran gescheitert sind, dass der Transfer riesiger Summen ziemlich auffällig und leicht rückgängig zu machen ist, war diese Aktion darauf angelegt, breit, flexibel und schnell zu sein. Insgesamt erbeuteten sie elf Million Dollar."

Außerdem hat Nicola Twilley nachgeforscht, was wir künftig auf langen Weltraumreisen essen werden. Eine zentrale Frage, denn: "Ein durchtrainierter Astronaut mag zwar in der Lage sein, von Weltall-Studentenfutter zu leben, ohne durchzudrehen. Aber was ist mit den Zivilisten, die ein Ticket ohne Rückkehr zum Mars buchen? Maggie Coblentz, die die gastronomische Forschung der Space Exploration Initiative leitet, behauptet, dass uns erst gutes Essen, genau wie Kunst, Musik und ausreichend Bewegung, in die Lage versetzt, die Erde hinter uns zu lassen. ... 'Die Leute, fragen mich, warum ich denn nicht einfach Pasta im Weltall koche, ich sei doch Italiener', sagt der Astronaut Paolo Nespoli. 'Und ich sage nur: Nun ja, das würde ich rasend gerne. Aber das geht nicht.' Meiner Meinung nach kann man Essen im All nicht verstehen, solange man nicht einige der grundlegenden praktischen Probleme verstanden hat, die aus Essen im All das machen, was es nun einmal ist.'"

Stichwörter: Nordkorea, Bankraub, Raumfahrt