Vor 75. Jahren wurden Frauen und Männer im Grundgesetz gleichgestellt. Diesem Datum widmet die
FR heute 4 Seiten, unter anderem ein Interview von Tatjana Coerschulte mit der Juristin
Susanne Selbert, deren Großmutter
Elisabeth Selbert maßgeblich für den Gleichstellungs-Artikel im Grundgesetz verantwortlich war: "Es gab auch noch eine alternative Formulierung der CDU, die lautete, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich seien und das Gesetz Verschiedenes
nach seiner Eigenart behandeln könne. Diese Formulierung hätte Auslegungsmöglichkeiten zugelassen - man ahnt die Ungleichbehandlung aufgrund der Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, die hier gedroht hätte. Das war für meine Großmutter eine Formulierung, die sie keinesfalls mittragen konnte. Sie wollte eine Formulierung, die völlig klar und apodiktisch ist. '
Männer und Frauen sind gleichberechtigt' lässt keinen Interpretationsspielraum offen. Das war von großer Bedeutung."
Heute vor 100 Jahren starb
Lenin,
erinnert Ulrich M. Schmid in der
NZZ. Nach seinem Tod fand innerhalb der westeuropäischen Linken nie eine wirkliche Verurteilung Lenins Verbrechen statt, stattdessen seien alle Übel der Sowjetunion später auf Stalin verlagert worden. "Man wiegte sich in der Illusion, dass Trotzki als Nachfolger Lenins das revolutionäre Projekt
auf die richtige Bahn gebracht hätte. Allerdings verkennen solche Stimmen, dass sowohl Lenin als auch Trotzki mit äußerster Brutalität gegen wahre oder vermeintliche Klassenfeinde vorgegangen sind." Auch im heutigen Russland scheut man sich vor einer Aufarbeitung, so Schmid. "Die Angst, dass
ein Schlussstrich unter das Kapitel Lenin die postsowjetische Gesellschaft spalten könnte, dauert weiter an. Auch Wladimir Putin verfolgt diese Linie. Paradoxerweise ist ausgerechnet
Putin, dessen rücksichtsloser Regierungsstil durchaus 'leninistisch' genannt werden kann, zu einem der schärfsten
Lenin-Kritiker geworden. Er verdammt den Revolutionsführer aber nicht wegen seiner Brutalität oder wegen der kommunistischen Utopie, sondern wegen des Sowjetföderalismus. Lenin habe das 'historische Russland' zerstört, indem er der Ukraine eine eigene Staatlichkeit gegeben habe."