Benjamin Hasselhorn spielt als für die CDU tätiger
pro-Hohenzollern-Experte im Historikerstreit um deren Rolle eine wichtige Rolle. Der Historiker
Niklas Weber legt in der
taz eine Recherche vor, wonach Hasselhorn unter dem Pseudonym Martin Grundweg offenbar in den neurechten Zeitschriften von
Götz Kubitscheks "Instituts für Staatspolitik" (IfS) publiziert: "Mit der Berufung Hasselhorns durch die Unionsfraktion haben sich Strategie und Nachwuchsarbeit des rechten IfS
offenbar ausgezahlt. Der alte Revisionismus kehrt durch die Hintertür zurück, im
Gewand der unschuldigen Frage. Das neurechte Interesse am Hohenzollernstreit besteht dabei nicht in der unrealistischen Hoffnung auf eine Restauration der Monarchie, sondern in einer behutsamen Verschiebung des Geschichtsbilds. Die Zerstörung der Weimarer Republik durch die konservativen Eliten erscheint dann in Verkehrung der historischen Tatsachen als edelmütiger Versuch, den Nationalsozialismus zu verhindern."
Hasselhorn schreibt auch in dem Sammelband "Die Hohenzollerndebatte", der heute bei Duncker & Humblot
erscheint und den der Historiker
Dietmar Süß heute in der
SZ bespricht. Mit "
schartigen Dragonersäbeln" teile dort die pro-Hohenzollern-Fraktion gegen kritische Historiker aus, die sehr wohl denken, dass der Hohenzollern-Prinz "erheblichen Vorschub" leistete. Den
Band "Die Hohenzollern und die Nazis" von
Stephan Malinowski, der schon jetzt als Standardwerk gilt, konnten die in dem Band schreibenden Historiker noch nicht mal zur Kenntnis nehmen. Dass der Prinz eine
Bastion des Konservatismus gegen Hitler gewesen sei, behaupte ohnehin keiner mehr, so Süß. Die Rückzugslinie der Pro-Hohenzollern-Fraktion paraphrasiert er so: "Letztlich sei der Kronprinz eher eine
randständige Figur gewesen, einer, der sich zwar mit den Nationalsozialisten eingelassen, aber kaum über eigenständiges politisches Gewicht verfügt habe; ein Mann ohne Charisma, eine belächelte Figur des Weimarer Jetsets." Der Band, so Süß, versuche auch eine "eine Art Ehrenrettung der preußischen Geschichte".
Außerdem: In der
FAZ fragt David Lindenfeld nach Kritierien deutscher Städte für die Umbenennung von Straßen. In Stuttgart wurde die Heinrich-von-Treitschke-Straße schon 2010 in
Fritz-Bauer-Straße umbenannt, der Bezirk Berlin-Steglitz hält an seiner Treitschke-Straße bisher fest.