Der Westen steckt in der Krise und Deutschland trifft es besonders hart, diagnostiziert in der
FAZ Peter R.
Neumann, Professor für Security Studies am King's College London. Denn alle Pfeiler wanken: "Als innovativer Industriestandort und Exportweltmeister, als progressiver Sozialstaat und Garant für innere Stabilität, als liberale Demokratie, Motor der europäischen Einigung und verlässlicher Partner der USA." Er rät dringend dazu, dass Deutschland seine "Technologieskepsis" überwindet, neue
Allianzen jenseits des Westens bildet und die "reguläre,
gesteuerte Zuwanderung" ausbaut, denn die große "Frage ist, ob es Deutschland in vierzig Jahren überhaupt noch geben wird. Die demographischen Trends sind seit Jahren bekannt, aber deswegen nicht weniger dramatisch. Wenn sich nichts ändert, wird Deutschland nach Berechnungen der europäischen Statistikagentur im Jahr 2070 bis zu
15 Millionen Einwohner weniger haben als heute. Das wäre an sich kein Problem - wenn nicht gleichzeitig der Anteil von Alten, Kranken und Pflegebedürftigen drastisch zunehmen würde."
Demografisch geht es Frankreich nicht anders, wie Niklas Bender ebenfalls in der
FAZ konstatiert, denn in
Frankreich werden
immer weniger Kinder geboren. Alarmierend "scheint eine im Juli von der nationalen Demographie-Behörde INED publizierte Studie, die ein verändertes Familienverständnis feststellt. Die Befragung von fast 13.000 repräsentativ ausgewählten Franzosen zwischen achtzehn und 79 Jahren hat ergeben: Zwei Drittel sehen zwei Kinder als ideal an - 1998 dachte das weniger als die Hälfte. Während sich damals 38 Prozent der Franzosen drei oder mehr Kinder wünschten, waren es 2024 nur noch 23 Prozent. Der Anteil, der gar keine Kinder haben möchte, hat sich
von sechs auf zwölf Prozent verdoppelt." Gründe dafür sind laut Bender lückenhafte Kinderbetreuung, bescheidene finanzielle Anreize und ein
neuer Erziehungsstil: "Frankreich hat lange auf
traditionelle Methoden gesetzt, also eine klassische Rollenverteilung zwischen den Eltern, Disziplin, Benimm, soziale Rücksichtnahme, Strafen, die körperlich sein konnten. Das verändert sich spürbar, in Familien und Institutionen."
Derweil hofft die Historikerin
Hedwig Richter in einem Essay bei
SpOn, in dem sie die "
Hausfrauenehe" seit 1945 in Deutschland nachzeichnet, auf eine Zeitenwende, die die Geschlechterordnung grundlegend revolutioniert.
Im
FAZ-Feuilletonaufmacher berichtete Jürgen Kaube gestern bereits von den Vorwürfen einiger Sozialwissenschaftler, das
Statistische Bundesamt fälsche die Armutsstatistik (
unser Resümee). Die Politikwissenschaftlerin
Gwendolyn Stilling, Mitinitiatorin des Protests, erklärt heute im
taz-
Gespräch den Hintergrund: "Daten zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Bevölkerung werden auf zwei Wegen erhoben: Einmal mit einer ganz großen Stichprobe von fast 400.000 Haushalten, dem sogenannten Mikrozensus Kern, und dann noch mal mit einer
deutlich kleineren Unterstichprobe, dem Mikrozensus SILC. Bisher wurde die Armutsquote für beide Erhebungen ausgewiesen. Jetzt hat das Statistische Bundesamt entschieden, sie für eine davon nicht mehr auszuweisen - ausgerechnet für diejenige, die eine deutlich höhere Armut ausweist. Das wirft Fragen auf."