9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.03.2020 - Kulturmarkt

Im SZ-Interview mit Marie Schmidt spricht Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, über die Ratlosigkeit nach der Absage der Messe und den Ausschlag für die Entscheidung: "Das Gesundheitsamt der Stadt folgt der Aufforderung des Bundesgesundheitsministeriums, wonach die Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein muss. Die dringende Empfehlung lautete, dass jeder Messeteilnehmer zusagen müsste, nicht aus einem Risikogebiet zu kommen oder Kontakt zu Risikopersonen gehabt zu haben. Und das täglich und schriftlich. Mit 2500 Ausstellern, fast 300 000 Besuchern, 3600 Mitwirkenden ist da kein halbwegs normaler Messebetrieb mehr machbar."

Im Tagesspiegel-Interview mit Markus Ehrenberg erläutert Thea Dorn, wie sie das Literarische Quartett als alleinige Gastgeberin künftig zum Literarischen Salon wandeln will (Klassiker und literarisch-gesellschaftliche Themen sollen besprochen werden) und wie sich der Buchmarkt verändert hat: "Das zuverlässigste Fieberthermometer direkt nach einer Sendung sind für uns die Verkaufsränge bei Online-Buchhändlern. Es gibt eine sehr interessante Studie vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum veränderten Leseverhalten. Innerhalb von zehn Jahren sind in Deutschland sieben Millionen Buchkäufer verloren gegangen. Dieser extreme Rückgang hat viele Gründe, die meisten haben mit der Digitalisierung zu tun. Aber es gibt einen Punkt, der uns sehr aufhorchen ließ: Die befragten Leser beziehungsweise Ex-Leser haben den Eindruck, dass früher mehr über Bücher gesprochen wurde. Umgekehrt lässt sich daraus die Hoffnung ableiten, dass auch wieder mehr gelesen wird, wenn Bücher wieder stärker ins Gespräch kommen."

Weiteres: Auf Zeit Online erinnert Ijoma Mangold an den im Alter von 83 Jahren verstorbenen SPD-Politiker und Rowohlt-Lektor Friedrich Duve.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2020 - Kulturmarkt

Die Absage der Buchmesse ist ein Schlag ins Kontor der Stadt Leipzig, kommentiert Gerrit Bartels im Tagesspiegel: "Die 260.000 bis 270.000 Besucher, die Jahr für Jahr nach Leipzig zur Buchmesse kommen, lassen einiges an Geld in der Stadt und sorgen für eine fast hundertprozentige Hotelauslastung in den vier Messetagen. Gleich nach der Absage formulierte es der Chef der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH, Volker Bremer, so: 'Leipzig hat keine andere Veranstaltung mit vergleichbarer Strahlkraft und Außenwirkung, auch international. Das ist schwer zu verkraften.'" Mehr bei dlf kultur. Die London Book Fair und die lit.Cologne halten laut Börsenblatt bisher noch an ihren Terminen fest. In der SZ kommentiert Lothar Müller: "Geist ohne Körper gibt es hier nicht. Schade, dass sie eben deshalb abgesagt werden musste."

Auch Richard Kämmerlings fürchtet in der Welt die Auswirkungen des Coronavirus auf den Kulturbetrieb: "Kunst, Kultur, Literatur werden gerade zu einer sehr einsamen Angelegenheit vor dem Rechner. Als einziger Ausweg bleibt, an die Stelle der physischen Präsenz Fernkommunikation und virtuelle Kunsterfahrung zu setzen. Aber ist das eigentlich schlimm? Liegt es nicht im Trend? Gerade hat der global perfekt vernetzte Kurator Hans Ulrich Obrist in der Zeit ein grundsätzliches Umdenken in der Kunstwelt gefordert - vor allem aus Gründen des Klimaschutzes." Aber, davon ist Kämmerlings überzeugt: "Digitale Communitys können ein gemeinschaftsstiftendes Erlebnis nicht ersetzen."

Das Berliner Kulturleben lässt sich vom Coronavirus jedenfalls nicht beängstigen, beobachtet Hannah Bethke in der FAZ. Theater, Museen, alle machen weiter: "Ein ähnliches Bild liefert der Rundfunkchor Berlin. Wo gesungen wird, fliegt mitunter Spucke, was die Ausbreitung des Virus begünstigen könnte. Aber das ist zurzeit wohl doch noch zu hypothetisch: Der Chorbetrieb laufe ganz normal weiter, solange nichts Relevantes vorliege."

Hier singt er Brahms' Schicksalslied (nach Hölderlin): "Es schwinden, es fallen / die leidenden Menschen / Blindlings von einer / Stunde zur anderen / Wie Wasser von Klippe / zu Klippe geworfen / Jahrelang ins Ungewisse hinab."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2020 - Kulturmarkt

Noch beteuert die Leipziger Buchmesse tapfer, dass sie stattfinden wird. Aber Andreas Platthaus klingt in der FAZ etwas skeptisch: "Allerdings steht der erste Besuchertag erst am Donnerstag der kommenden Woche an, und darüber, wie sich die Ausbreitung der Corona-Infektionen in Deutschland binnen dieser neun Tage darstellen wird, kann man bestenfalls spekulieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2020 - Kulturmarkt

Das Börsenblatt resümiert eine Diskussionsveranstaltung, bei der sich die Verlagsmanagerin Siv Bublitz (Leiterin der Fischer-Verlags) gegen Subventionen für die Branche aussprach: "'Bücher sind Wirtschaftsgut und Kulturgut - beides kann und muss man in Einklang bringen. … Literatur nur auf Subventionsbasis entstehen zu lassen, da sehe ich das Risiko der politischen oder anders gearteten Abhängigkeit', so Bublitz ... Sie warnt auch davor, dass die Verlagsbranche 'wie andere kulturelle Sparten ihr komplettes System auf die staatliche Subventionierung bauen und die eigene wirtschaftliche Verantwortung aufgeben.' Gefahr sieht sie - auch in Anbetracht historischer Hintergründe - vor allem bei einem Wandel des politischen Klimas."

Kaum hatte sich erwiesen, dass die Verlegerbeteiligung an den Einnahmen der VG Wort von den Gerichten als unbillig angesehen wurde (Der Jurist und Perlentaucher-Autor Martin Vogel hatte mit seinen Klagen dagegen in allen Instanzen gesiegt), wurde sie im Rahmen der europäischen Urheberrechtsreform wieder eingeführt. Nun liegt ein "Diskussionsentwurf" der Bundesregierung zur deutschen Ausgestaltung vor. Die Verleger sind nicht damit zufrieden, dass sie grundsätzlich nur eine Quote von einem Drittel abbekommen sollen, berichtet der Buchreport: "Der Börsenverein fordert dagegen, diese 'neuartige' Vorschrift ersatzlos zu streichen. Der Gesetzgeber würde damit erstmals in die langjährig geübte Autonomie der Verwertungsgesellschaften bei der Aufstellung von Verteilungsplänen eingreifen. Die paritätisch besetzten Gremien würden durch den 'paternalistischen Eingriff' des Gesetzgebers entmündigt. Auch wenn bereits in der Vergangenheit die Urheber bei den meisten Verteilungsschlüsseln mindestens zwei Drittel der Ausschüttungen erhalten haben, sei ein wesentlicher Nachteil einer gesetzlichen Regelung, dass sie undifferenziert sei und nicht in allen Fällen sachgerecht. Beispiel Schulbuch, wo wesentliche Leistungen (wie Konzept und staatliche Zulassung von Lernmedien) durch die Verlage erbracht würden." Stellungnahmen von Schriftstellern und Übersetzerinnen sind hier resümiert.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2020 - Kulturmarkt

Das Smartphone habe bei vielen Kindern längst das Buch ersetzt, diagnostiziert Medienforscher Frederik Weinert im Gespräch mit Kai-Uwe Vogt von buchreport.de: "Ich muss die Smombies aber in Schutz nehmen. In vielen Spielen ist Textverständnis gefragt, sonst können die Aufgaben, auch genannt Quests, nicht gelöst werden. Außerdem entwickeln die Kids ihre eigene Jugendsprache, schreiben sich lange Nachrichten über WhatsApp und beteiligen sich an politischen Diskussionen in Internetforen. Ich bin der Meinung, dass gerade im Deutschunterricht mehr mit dem Smartphone gearbeitet werden muss, um Poesie und Kurzgeschichten zu verfassen oder Auszüge aus Büchern direkt am Smartphone zu lesen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.02.2020 - Kulturmarkt

Der Mann von Welt Florian Illies ist bekanntlich nach einem Jahr als Rowohlt-Chef getürmt. Nun probiert der Holtzbrinck-Verlag, zu dem Rowohlt wie auch Fischer oder Kiepenheuer und Witsch gehört, ein anderes Modell: die Verlagsmanagerin Nicola Bartels, die von Randomhouse kommt. Dort sind die Verlage nur noch Labels, schreibt SZ-Literaturredakteurin Marie Schmidt. Die Holtzbrinck-Verlage waren dagegen von Verlegern geprägt. Ein nurmehr historisches Modell? "Heute dagegen, sagte Nicola Bartels kürzlich in einem Interview, müsse es für Lektoren darum gehen, 'bei potenziellen Buchprojekten zwischen der eigenen Perspektive und der Nachfrage durch die Zielgruppe zu unterscheiden'. Allem Anschein nach ist es also das, was eine Verlegerin heute besonders glaubwürdig macht: betont uneitler Marktrealismus. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2020 - Kulturmarkt

Die Manager von Stars wie  Rammstein, Helene Fischer, Sarah Connor, Peter Maffay, Marius Müller-Westernhagen, Kelly Family, Silbermond und Prinzen haben sich zusammengetan und fordern die Bosse der Plattenindustrie auf, den Musikern bessere Konditionen beim Streaming ihrer Musik zu geben, berichtet Marcus Theurer im Wirtschaftsaufmacher der FAS. Die Vertriebskosten aus dem CD-Zeitalter sind schließlich längst weggefallen. "Bei vielen Musikern kommt vom Geldregen aus der Streaming-Wolke wenig an. Zwar reichen Spotify und Co. typischerweise rund 70 Prozent ihrer Einnahmen an die Rechteinhaber weiter. Doch den größten Teil davon bekommen nicht selten die Plattenfirmen. Die Musiker kriegen dagegen häufig nur einen kleinen Anteil ab. Insider rechnen vor, dass die Musiker von einem monatlichen Abo-Entgelt von 10 Euro, das ein Streamingkunde zum Beispiel an Spotify zahlt, nur gut 50 Cent erhielten - manchmal auch noch weniger. In den Kassen der Plattenfirmen landeten dagegen rund 3 Euro."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.01.2020 - Kulturmarkt

Erdbeben bei Rowohlt. Nach gerade mal einem Jahr als Verlagschef hört Florian Illies wieder auf, für den sehr brutal die beliebte und erfolgreiche Barbara Laugwitz abserviert wurde. Unter anderen meldet dies Mara Delius in der Welt, ohne sagen zu können, wer hier wem zu viel zugetraut hat. Was für eine peinliche Party!, ruft dagegen Sandra Kegel in der FAZ und erinnert noch einmal an Illies' gefeierten Einzug: "Von Holtzbrinck wurde das vorausschauend eingefädelt, mit Verträgen, die lange zuvor unter Dach und Fach waren, und einer Pressearbeit, die es möglich machte, dass Volker Weidermann vom Spiegel nicht nur den spektakulären Wechsel an der Spitze von Rowohlt 'exklusiv' vermelden konnte, sondern gleich auch die Lesart mitgab: Gute Entscheidung! Weil? Laugwitz sei eben nicht präsentabel, 'zu geringe öffentliche Präsenz', und außerdem 'ohne klares verlegerisches Profil'. Während er, Illies, das schon schaukeln werde. So kann man sich irren. Das Fatale ist, dass jetzt alle beschädigt sind. Laugwitz, Rowohlt, Holtzbrinck, Illies."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2019 - Kulturmarkt

Hubert Spiegel beschreibt in der FAZ die Marktmacht des Riesen Momox auf dem Gebrauchtbuchmarkt. Selbst zu Weihnachten läuft der Laden: "Wer ein gebrauchtes Buch unter den Weihnachtsbaum legt, riskiert zumindest ein Stirnrunzeln beim Beschenkten. Doch die soziale Ökonomie des Schenkens hat sich verändert. Das gebrauchte Konsumgut ist längst nicht mehr zwangsläufig ein Indikator für den sozialen Abstieg, es hat das Stigma der Einkommensschwäche abgeschüttelt und das Gütesiegel der Nachhaltigkeit übergestreift."
Stichwörter: Buchmarkt, Momox, Nachhaltigkeit

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2019 - Kulturmarkt

Nach einem Urteil des europäischen Gerichtshofs dürfen gelesene E-Books nicht weiterverkauft werden, meldet der Tagesspiegel mit dpa: "Es argumentierte, das Interesse der Rechteinhaber, angemessen vergütet zu werden, würde durch das fragliche Vorgehen deutlich stärker beeinträchtigt als im Fall gedruckter Bücher. Der Zustand digitaler Kopien werde durch den Gebrauch schließlich nicht schlechter. Auf dem Second-Hand-Markt seien sie folglich perfekter Ersatz für neue Exemplare."