9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2020 - Kulturmarkt

Die Manager von Stars wie  Rammstein, Helene Fischer, Sarah Connor, Peter Maffay, Marius Müller-Westernhagen, Kelly Family, Silbermond und Prinzen haben sich zusammengetan und fordern die Bosse der Plattenindustrie auf, den Musikern bessere Konditionen beim Streaming ihrer Musik zu geben, berichtet Marcus Theurer im Wirtschaftsaufmacher der FAS. Die Vertriebskosten aus dem CD-Zeitalter sind schließlich längst weggefallen. "Bei vielen Musikern kommt vom Geldregen aus der Streaming-Wolke wenig an. Zwar reichen Spotify und Co. typischerweise rund 70 Prozent ihrer Einnahmen an die Rechteinhaber weiter. Doch den größten Teil davon bekommen nicht selten die Plattenfirmen. Die Musiker kriegen dagegen häufig nur einen kleinen Anteil ab. Insider rechnen vor, dass die Musiker von einem monatlichen Abo-Entgelt von 10 Euro, das ein Streamingkunde zum Beispiel an Spotify zahlt, nur gut 50 Cent erhielten - manchmal auch noch weniger. In den Kassen der Plattenfirmen landeten dagegen rund 3 Euro."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.01.2020 - Kulturmarkt

Erdbeben bei Rowohlt. Nach gerade mal einem Jahr als Verlagschef hört Florian Illies wieder auf, für den sehr brutal die beliebte und erfolgreiche Barbara Laugwitz abserviert wurde. Unter anderen meldet dies Mara Delius in der Welt, ohne sagen zu können, wer hier wem zu viel zugetraut hat. Was für eine peinliche Party!, ruft dagegen Sandra Kegel in der FAZ und erinnert noch einmal an Illies' gefeierten Einzug: "Von Holtzbrinck wurde das vorausschauend eingefädelt, mit Verträgen, die lange zuvor unter Dach und Fach waren, und einer Pressearbeit, die es möglich machte, dass Volker Weidermann vom Spiegel nicht nur den spektakulären Wechsel an der Spitze von Rowohlt 'exklusiv' vermelden konnte, sondern gleich auch die Lesart mitgab: Gute Entscheidung! Weil? Laugwitz sei eben nicht präsentabel, 'zu geringe öffentliche Präsenz', und außerdem 'ohne klares verlegerisches Profil'. Während er, Illies, das schon schaukeln werde. So kann man sich irren. Das Fatale ist, dass jetzt alle beschädigt sind. Laugwitz, Rowohlt, Holtzbrinck, Illies."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2019 - Kulturmarkt

Hubert Spiegel beschreibt in der FAZ die Marktmacht des Riesen Momox auf dem Gebrauchtbuchmarkt. Selbst zu Weihnachten läuft der Laden: "Wer ein gebrauchtes Buch unter den Weihnachtsbaum legt, riskiert zumindest ein Stirnrunzeln beim Beschenkten. Doch die soziale Ökonomie des Schenkens hat sich verändert. Das gebrauchte Konsumgut ist längst nicht mehr zwangsläufig ein Indikator für den sozialen Abstieg, es hat das Stigma der Einkommensschwäche abgeschüttelt und das Gütesiegel der Nachhaltigkeit übergestreift."
Stichwörter: Buchmarkt, Momox, Nachhaltigkeit

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2019 - Kulturmarkt

Nach einem Urteil des europäischen Gerichtshofs dürfen gelesene E-Books nicht weiterverkauft werden, meldet der Tagesspiegel mit dpa: "Es argumentierte, das Interesse der Rechteinhaber, angemessen vergütet zu werden, würde durch das fragliche Vorgehen deutlich stärker beeinträchtigt als im Fall gedruckter Bücher. Der Zustand digitaler Kopien werde durch den Gebrauch schließlich nicht schlechter. Auf dem Second-Hand-Markt seien sie folglich perfekter Ersatz für neue Exemplare."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2019 - Kulturmarkt

Ab heute werden Ebooks nur noch mit sieben Prozent besteuert und damit gedruckten Büchern gleichgestellt, schreibt Wolfgang Tischer im Literaturcafé. Darum "verdienen die Verlage und somit auch Autorinnen und Autoren mehr Geld - zumindest theoretisch. In den meisten Verlagsverträgen werden die E-Book-Tantiemen auf Basis des Nettoverlagsabgabepreises berechnet, also dem Betrag, den der Handel den Verlagen zahlt... Autoren sollten also bei der nächsten Verlagsabrechnung einmal genau nachsehen, ob bei E-Book-Verkäufen mehr übrigbleibt. Illusionen auf einen markanten Mehrverdienst sollte man sich aber nicht machen."
Stichwörter: Ebooks, Tantiemen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2019 - Kulturmarkt

Seit die Buch-Zwischenhändler Libri und KNV immer mehr kleine Verlage aus ihrem Sortiment werfen, sind deren Bücher kaum noch zugänglich, obwohl sie eigentlich lieferbar sind, berichtet Carla Neuhaus im Tagesspiegel. Für die Verlage ist das eine Katastrophe, aber auch die Sortimenter haben zu kämpfen, wie man schon an der Insolvenz von KNV im Frühjahr ablesen konnte: "Die Marge in ihrem Geschäft sei 'schon lange rückläufig', heißt es auf Anfrage. Die Zwischenhändler verdienen also pro ausgeliefertes Buch immer weniger. 'Dazu trägt auch die Buchpreisentwicklung bei, die nicht mit den Kostensteigerungen für Personal und Transport Schritt hält', schreibt Libri. Wohl auch mit Blick auf die Insolvenz des Konkurrenten hat das Unternehmen reagiert und Bücher, die sich schlecht verkaufen, aus dem Sortiment genommen. Das trifft insgesamt ein Viertel des Angebots: Statt einer Million Titel hat Libri nun nur noch 750 000 auf Lager."
Stichwörter: Libri, Knv, Sortimenter

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2019 - Kulturmarkt

Im FR-Interview mit Claus-Jürgen Göpfert spricht Verleger Klaus Schöffling über den Erfolg von Katzenkalendern, soziale Medien und den Anspruch, vergessene und verfolgte AutorInnen zu verlegen: "Oft waren die Autoren tatsächlich entweder tot oder in der Emigration, weit weg in den USA, selbst in China. Und nach dem Ende des Faschismus waren die Emigrierten die Unbequemen. Sie kamen zurück und haben Forderungen gestellt. Oder sie wussten Sachen zu erzählen, die in der jungen Bundesrepublik nicht so gerne gehört wurden. Viele der Emigranten haben keinen Anschluss mehr gefunden an die neue Gesellschaft. Es gab außerdem eine nachgewachsene junge Literatur in Deutschland, die sich etwa in der Gruppe 47 organisierte. Die wollten mit der Literatur der Emigration nichts zu tun haben und wussten auch oft gar nicht, um welche Personen es da ging."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.12.2019 - Kulturmarkt

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt gerät im Buchhandel eine Säule ins Wanken. Der Zwischenbuchhändler Libri, der die Buchhandlungen (unter anderem auch den Perlentaucher-Buchladen eichendorff21 beliefert) hält viele Bücher kleiner Verlage nicht mehr lieferbar. Diese spüren das um so mehr, als der andere Grossist KNV nach seine Pleite und Rettung ebenfalls um sein Gleichgewicht kämpft. Frank Meyer, der mit Verleger Jörg Sundermeier gesprochen hat, berichtet für Dlf Kultur: "Viele Titel sind vor diesem Hintergrund nun nur noch direkt bei den Verlagen zu bekommen - und das dauert manchmal bis zu einer Woche. Für den Buchhändler an der Ecke ist das ein großer Nachteil gegenüber Unternehmen wie Amazon... Jörg Sundermeier verweist noch auf ein weiteres Problem: Gerade wegen des großen Bestands war für viele Buchhandlungen Libri nicht nur Zwischenhändler, sondern auch Suchplattform. Nun sehe es so aus, als seien bestimmte Titel 'nie existent gewesen. Und es sind eben immer noch lieferbare Titel.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2019 - Kulturmarkt

In Bibliotheken darf man E-Books ausleihen. Die Bibliotheken verfahren dabei nach dem Prinzip "one copy - one user", leihen eine Datei also nicht gleichzeitig an zwei Leser aus. Und sie zahlen dafür kräftig Lizenzen. Dennoch beschweren sich Lobbyisten und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der zum Thema eine Studie vorgelegt hat und behauptet, dass die Ausleihe den Markt beeinträchtigt. Hilmar Schmundt vom Spiegel sieht das nicht ein: "Hier lohnt sich ein zweiter Blick. Die Studie lässt auch den genau umgekehrten Schluss zu: Wer Digitalbücher ausleiht, kauft fast doppelt so viele E-Books wie der Durchschnitt: 15,9 pro Jahr. Teils verachtfachte sich sogar parallel zum Onlineverleih auch der E-Book-Verkauf, das zumindest ergab in den USA die sogenannte Panorama-Studie. Bücher bilden - und Bibliotheken bilden Buchkunden aus."
Stichwörter: Ebooks, Lobbyisten, E-Books

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2019 - Kulturmarkt

Der Verleger Herbert Ullmann attackiert in der FAZ den Börsenverein des deutschen Buchhandels für Untätigkeit angesichts von Digitalisierung und Leserschwund: "Aufgrund der abgewanderten Buchkäufer und Leser seit 2013 - bis heute sind etwa sieben Millionen Kunden verlorengegangen - tickt die Uhr. Die Zeiten gegenseitiger Vorwürfe und unberechtigter, teils überhöhter Ansprüche - wer muss, wer ist legitimiert, von wem überhaupt, Bücher zu verkaufen - muss unverzüglich im Interesse der gesamten Branche beendet werden. Besonders besorgniserregend ist das Abwandern der jungen Generationen. Lediglich die ältere Käufergruppe schrumpft nicht beim Buch."