9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2019 - Kulturmarkt

Ab heute werden Ebooks nur noch mit sieben Prozent besteuert und damit gedruckten Büchern gleichgestellt, schreibt Wolfgang Tischer im Literaturcafé. Darum "verdienen die Verlage und somit auch Autorinnen und Autoren mehr Geld - zumindest theoretisch. In den meisten Verlagsverträgen werden die E-Book-Tantiemen auf Basis des Nettoverlagsabgabepreises berechnet, also dem Betrag, den der Handel den Verlagen zahlt... Autoren sollten also bei der nächsten Verlagsabrechnung einmal genau nachsehen, ob bei E-Book-Verkäufen mehr übrigbleibt. Illusionen auf einen markanten Mehrverdienst sollte man sich aber nicht machen."
Stichwörter: Ebooks, Tantiemen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2019 - Kulturmarkt

Seit die Buch-Zwischenhändler Libri und KNV immer mehr kleine Verlage aus ihrem Sortiment werfen, sind deren Bücher kaum noch zugänglich, obwohl sie eigentlich lieferbar sind, berichtet Carla Neuhaus im Tagesspiegel. Für die Verlage ist das eine Katastrophe, aber auch die Sortimenter haben zu kämpfen, wie man schon an der Insolvenz von KNV im Frühjahr ablesen konnte: "Die Marge in ihrem Geschäft sei 'schon lange rückläufig', heißt es auf Anfrage. Die Zwischenhändler verdienen also pro ausgeliefertes Buch immer weniger. 'Dazu trägt auch die Buchpreisentwicklung bei, die nicht mit den Kostensteigerungen für Personal und Transport Schritt hält', schreibt Libri. Wohl auch mit Blick auf die Insolvenz des Konkurrenten hat das Unternehmen reagiert und Bücher, die sich schlecht verkaufen, aus dem Sortiment genommen. Das trifft insgesamt ein Viertel des Angebots: Statt einer Million Titel hat Libri nun nur noch 750 000 auf Lager."
Stichwörter: Libri, Knv, Sortimenter

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2019 - Kulturmarkt

Im FR-Interview mit Claus-Jürgen Göpfert spricht Verleger Klaus Schöffling über den Erfolg von Katzenkalendern, soziale Medien und den Anspruch, vergessene und verfolgte AutorInnen zu verlegen: "Oft waren die Autoren tatsächlich entweder tot oder in der Emigration, weit weg in den USA, selbst in China. Und nach dem Ende des Faschismus waren die Emigrierten die Unbequemen. Sie kamen zurück und haben Forderungen gestellt. Oder sie wussten Sachen zu erzählen, die in der jungen Bundesrepublik nicht so gerne gehört wurden. Viele der Emigranten haben keinen Anschluss mehr gefunden an die neue Gesellschaft. Es gab außerdem eine nachgewachsene junge Literatur in Deutschland, die sich etwa in der Gruppe 47 organisierte. Die wollten mit der Literatur der Emigration nichts zu tun haben und wussten auch oft gar nicht, um welche Personen es da ging."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.12.2019 - Kulturmarkt

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt gerät im Buchhandel eine Säule ins Wanken. Der Zwischenbuchhändler Libri, der die Buchhandlungen (unter anderem auch den Perlentaucher-Buchladen eichendorff21 beliefert) hält viele Bücher kleiner Verlage nicht mehr lieferbar. Diese spüren das um so mehr, als der andere Grossist KNV nach seine Pleite und Rettung ebenfalls um sein Gleichgewicht kämpft. Frank Meyer, der mit Verleger Jörg Sundermeier gesprochen hat, berichtet für Dlf Kultur: "Viele Titel sind vor diesem Hintergrund nun nur noch direkt bei den Verlagen zu bekommen - und das dauert manchmal bis zu einer Woche. Für den Buchhändler an der Ecke ist das ein großer Nachteil gegenüber Unternehmen wie Amazon... Jörg Sundermeier verweist noch auf ein weiteres Problem: Gerade wegen des großen Bestands war für viele Buchhandlungen Libri nicht nur Zwischenhändler, sondern auch Suchplattform. Nun sehe es so aus, als seien bestimmte Titel 'nie existent gewesen. Und es sind eben immer noch lieferbare Titel.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2019 - Kulturmarkt

In Bibliotheken darf man E-Books ausleihen. Die Bibliotheken verfahren dabei nach dem Prinzip "one copy - one user", leihen eine Datei also nicht gleichzeitig an zwei Leser aus. Und sie zahlen dafür kräftig Lizenzen. Dennoch beschweren sich Lobbyisten und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der zum Thema eine Studie vorgelegt hat und behauptet, dass die Ausleihe den Markt beeinträchtigt. Hilmar Schmundt vom Spiegel sieht das nicht ein: "Hier lohnt sich ein zweiter Blick. Die Studie lässt auch den genau umgekehrten Schluss zu: Wer Digitalbücher ausleiht, kauft fast doppelt so viele E-Books wie der Durchschnitt: 15,9 pro Jahr. Teils verachtfachte sich sogar parallel zum Onlineverleih auch der E-Book-Verkauf, das zumindest ergab in den USA die sogenannte Panorama-Studie. Bücher bilden - und Bibliotheken bilden Buchkunden aus."
Stichwörter: Ebooks, Lobbyisten, E-Books

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2019 - Kulturmarkt

Der Verleger Herbert Ullmann attackiert in der FAZ den Börsenverein des deutschen Buchhandels für Untätigkeit angesichts von Digitalisierung und Leserschwund: "Aufgrund der abgewanderten Buchkäufer und Leser seit 2013 - bis heute sind etwa sieben Millionen Kunden verlorengegangen - tickt die Uhr. Die Zeiten gegenseitiger Vorwürfe und unberechtigter, teils überhöhter Ansprüche - wer muss, wer ist legitimiert, von wem überhaupt, Bücher zu verkaufen - muss unverzüglich im Interesse der gesamten Branche beendet werden. Besonders besorgniserregend ist das Abwandern der jungen Generationen. Lediglich die ältere Käufergruppe schrumpft nicht beim Buch."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2019 - Kulturmarkt

Iris Mönch-Hahn schließt ihre Librairie allemande in Paris, berichtet das Börsenblatt. Grund ist letztlich zu wenig Kundschaft, trotz der 50.000 Deutschen, die in Paris leben: "Auch bezüglich der Bestellungen von Seiten der deutschen Institute oder der Schulen in Paris habe sie keine Unterstützung erfahren. Dazu kommen 'die schwierigen politischen Umstände in der Stadt wie Attentate, Gelbwesten-Bewegung, Streiks - als nächstes wird es unbegrenzt ab 5. Dezember 2019 einen Generalstreik sämtlicher öffentlicher Verkehrsmittel geben. Sie alle verhindern den Besuch von potenziellen Kunden aus dem Umland von Paris.' Seit November 2018 sei der Umsatz an Samstagen wegen der Beeinträchtigungen durch die Gelbwesten-Bewegung dramatisch gefallen." Laut Börsenblatt schließt damit die letzte deutsche Buchhandlung in Paris.
Stichwörter: Buchhandel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.11.2019 - Kulturmarkt

Der große Filialbuchhändler Thalia, das Schreckgespenst der Branche, bevor Amazon kam, feierte in Hamburg seinen hundertsten Geburtstag, berichtet der Buchreport. Man versuchte sich sich mit der  Kampagne "Welt, bleib wach" auch als politisches Unternehmen zu profilieren: Aber "in der Buchbranche steht Thalia für die massive Konzentration im Buchhandel. Zuletzt hat sich das in größerem Umfang 2019 in der Übernahme des Regionalfilialisten Decius (Niedersachsen) und der Fusion mit dem NRW-Marktführer Mayersche gezeigt. Hinzu kommen, alleine 2019, die Übernahmen von zehn Standorthändlern aller Größenordnungen, um das Netz enger zu knüpfen, darunter auch kleine 140-qm-Flächen."

Weiteres: Auf der Literaturseite der SZ schildert Willi Winkler sehr ausführlich, wie Wilhelm Höttl, einst SS-Offizier und nach dem Krieg getarnt als Verleger des Nibelungen-Verlags in Linz für allierte Geheimdienste tätig, gemeinsam mit dem heute vergessenen, aber einst für seine Trilogie "Die Throne stürzen" von Hitler als Staatsdichter verehrten und nach dem Krieg von Piper verlegten Schriftsteller Bruno Brehm sowie dem Piper-Verlag in den fünfziger Jahren als Geldwaschanlage funktionierten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2019 - Kulturmarkt

Die Konzentration im Buchhandel wächst rasant, berichten Christina Schulte und Michael Roesler-Graichen im Börsenblatt. Nachdem sich Thalia die Mayersche einverleibt hat, kauft der Konzern mit Vorliebe kleinere, inhabergeführte Buchläden: "Wirft man einen Blick auf die Buchhandelslandschaft, vor allem auf die Altersstruktur vieler erfolgreicher Buchhändler, lässt sich schon jetzt absehen: Die Filialisten werden sich noch einige Perlen einverleiben können. Buchhändler berichten von jahrelanger erfolgloser Suche nach einem Nachfolger, wenn es keine Lösung in der Familie gibt oder Mitarbeitern das notwendige Kapital fehlt, um sich in die Buchhandlung einzukaufen. Für die Filialisten ist es da ein Leichtes, in die Bresche zu springen."
Stichwörter: Buchhandel

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2019 - Kulturmarkt

Dem Sachbuch geht's relativ gesehen besser als der Literatur, schreibt Hannes Hintermeier in einem FAZ-Leitartikel zu Auftakt der Buchmesse. Aber trotz eines leichten Anstiegs gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Buchkäufer gegen über 2012 um 7 Millionen auf knapp unter 30 Millionen zurückgegangen. "Sachbücher sind die Schnecken im Regal der Schnelldreher. Sie haben häufig die längere Entstehungszeit für sich, die bessere Haltbarkeit, das größere Potenzial an Orientierung. Es ist kein Zufall, dass sie im Markt der E-Books keine große Rolle spielen - je komplexer die Inhalte, desto besser begreift man sie auf Papier, desto eher bleiben sie im Gedächtnis haften." Im Gegenteil: Wer sie im Ebook liest, hat mehrere Instrumente, zu unterstreichen und sich ein Exzerpt anzufertigen und kann sie darum sehr viel besser memorieren.

Der Buchmarkt wird in Deutschland in diesen Tagen ohnehin revolutioniert: Der Perlentaucher gründet einen Buchladen, eichendorff21, meldet unter anderem das Börsenblatt.