Säßen doch nur auch
ein paar Ethnologen im neu eingesetzten internationalen Expertenteam des
Humboldt-Forums, seufzt
Karl-Heinz Kohl, selbst vom Fach, in der
Zeit. Die kennen die Debatten über Verflechtungen von Ethnologie, Kolonialismus und Neokolonialismus seit den siebziger Jahren und könnten auf die
Vorwürfe etwa von Benedicte Savoy um einiges
robuster antworten als das verunsichert wirkende Intendantenteam Bredekamp/MacGregor. So gerechtfertigt
Restitutionsforderungen im Einzelfall sein können - Maximalforderungen wie: im Humboldt-Forum dürfen nur Artefakte ausgestellt werden, deren Herkunft lückenlos dokumentiert ist, sind wenig zielführend, so Kohl und nennt als Beispiel die Objekte, die
nach der deutschen Niederschlagung des Maji-Maji-Aufstands in die Dahlemer Sammlungen gelangt waren: "Der damalige Museumsdirektor Felix von Luschan war alles andere als erfreut, als ihm 1906 die Kriegsbeute der deutschen Kolonialtruppen zur Aufbewahrung übereignet wurde. Die Lieferung wog 4000 Pfund, und die
12 000 Speere, aus denen sie vor allem bestand, waren nur von geringem ethnologischem Wert. Luschans Versuch, sich der Maji-Maji-Sammlung zu entledigen, indem er die afrikanischen Waffen als Anschauungsmaterial an
deutsche Gymnasien versandte, scheiterte daran, dass die Spitzen einiger Pfeile vergiftet waren. Schließlich entschloss Luschan sich dazu, die Kriegsbeute bis auf ein paar wenige Objekte verbrennen zu lassen. Um Glanzstücke für eine Wiedergutmachungsaktion dürfte es sich bei ihnen nicht handeln."