9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

1454 Presseschau-Absätze - Seite 112 von 146

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.08.2016 - Kulturpolitik

"Offenbar wird aber auch gebildeten Erwachsenen immer weniger die Erkenntnis zugetraut, dass historische Begriffe aus ihrer Zeit heraus zu verstehen sind", ärgert sich in der FAZ Arnold Bartetzky, dem die political correctness, in deren Namen jetzt beispielsweise gefordert wird, ein antisemitisches Relief aus der Wittenberger Stadtkirche zu entfernen, gewaltig auf die Nerven geht: "Auch die Taliban gaben vor, sich von für sie anstößigen Darstellungen verletzt zu fühlen, als sie 2001 die Buddha-Statuen von Bamiyan in die Luft jagten. Gleiches tut auch der IS bei seinen Bilderstürmen. Was uns aber von den Taliban und vom IS unterscheidet, ist nicht zuletzt unsere Bereitschaft, Kulturleistungen und Geschichtszeugnisse auch dann zu respektieren, wenn sie nicht zu unserem Weltbild passen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.08.2016 - Kulturpolitik

Im SZ-Interview mit Michael Stallknecht prangert Johannes Maria Schatz, Gründer der Initiative Art but Fair, die miserablen Arbeitsbedingungen von Theater-Schauspielern an, die hohen Arbeitszeiten und niedrigen Gagen, und die Praxis mancher Intendanten, bei ihrem Start das halbe Ensemble zu entlassen: "Der Bühnenverein begründet das mit der Kunstfreiheit. Aber es ist Feudalismus pur. Man kann nicht ein ganzes Haus auf die Straße setzen, nur weil der neue Intendant der Ansicht ist, dass die Künstler nichts taugen."

In der Welt erinnert der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann an den großen "Kollektivplan" Hans Scharouns, der Berlins "Stadtlandschaft" neu gestalten sollte: "Die City sollte in moderner Architektur, aber in der alten Lage zwischen Potsdamer Platz und Spree neu entstehen, das administrative Stadtzentrum zwischen Alexanderplatz und Spree neu gebaut werden. Das Berliner Kulturzentrum sollte in den vorhandenen Gebäuden der Museumsinsel, des Forum Fridericianum und des Schlosses bleiben - denn Scharoun war gegen den Abriss der Schlossruine. Die getrennten Areale für die Industrie, Wirtschaft, Verwaltung und Kultur sollten von Wohngebieten in Grundeinheiten für 4000 bis 5000 Menschen nach dem Muster der Siedlung Siemensstadt begleitet werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.07.2016 - Kulturpolitik

Peter Laudenbach macht sich in der SZ Sorgen um die Rotstiftpolitik in der eigentlich prosperierenden Stadt Karlsruhe: "Die Subventionskürzungen von im Schnitt 3,6 Prozent betreffen nicht nur das Staatstheater, sondern alle von der Stadt mitfinanzierten Kultureinrichtungen, vom soziokulturellen Kulturzentrum Tollhaus auf dem Schlachthofgelände bis zum international renommierten Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM).

Hannah Lühmann ist in der Welt immer noch geschockt vom Museumssprech, mit dem der eigentlich sehr sympathische Paul Spies sein Konzept für die Berlin-Ausstellung im Humboldt-Forum vorstellte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.07.2016 - Kulturpolitik

Die geplanten Reklame-Räume für Berlin im Humboldt-Forum könnten zum Horror werden, fürchtet Andreas Kilb, der bei der Vorstellung des Konzepts dabei war und in der FAZ aus den Broschüren zitiert: "Das, was sich da als 'transparenter und partizipativer Prozess' entwickelt, soll in eine Serie von 'Aspekt-Räumen' münden, zwischen denen es 'thematische Berührungspunkte, aber keine logische Abfolge' gibt. Einer dieser Räume handelt beispielsweise vom Krieg; hier sollen 'Berliner Emigrant*innen in den Vereinigten Staaten bis hin zu russischen Rotarmist*innen in den Straßen Berlins und die Beziehungen zwischen Berliner*innen und NS-Zwangsarbeiter*innen' im Mittelpunkt stehen." Für den Tagesspiegel berichtet Christiane Peitz.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2016 - Kulturpolitik

Voller Bewunderung begleitet SZ-Redakteur Andrian Kreye Frank-Walter Steinmeier in die Zentrale des Goethe-Instituts, als dessen "freier Mitarbeiter" sich der Außenminister bezeichnet, und schildert die Soft-Power-Strategien, die Steinmeier mit dem Institut verfolgt: "Der entscheidende Unterschied zu China ist ..., dass Deutschland seine Kulturpolitik mit dem Goethe-Institut nicht offensiv betreiben muss. Es geht um subtilere Themen. Darum, den neuen EU-Ländern zu helfen, sich nicht nur in die EU zu integrieren, sondern sich selbst zu finden. Darum, Afrika zu helfen, seine eigene Kultur und damit seine Länder zu stärken. Darum, Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa einen Wertekanon zu vermitteln." Süß.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.07.2016 - Kulturpolitik

In der FAZ quittiert Rose-Marie Gropp mit Erleichterung, dass nun auch der Bundesrat das Kulturgutschutzgesetz verabschiedet hat: "Wer oder was hat da eigentlich wen 'verunsichert'?", fragt sie allerdings noch einmal mit Blick auf Künstler, Sammler und Galeristen, die gegen die Novellierung Sturm gelaufen sind: "Dass massenhaft Leihgaben aus den deutschen Museen abgezogen würden aus der Sorge - wer oder was hat diese Sorge überhaupt genährt? -, die Kunstwerke würden gleichsam einbehalten, stimmt auch nicht. Und unbelegt ist bisher die Unterstellung, der deutsche Staat werde bei allfälligen Ankäufen schlechter bezahlen als der internationale Kunstmarkt."
Stichwörter: Kulturgutschutzgesetz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2016 - Kulturpolitik

Jörg Häntzschel und Catrin Lorch tragen in der SZ zusammen, was sich über die Münchner Kunstwelt und ihr Verhalten in der Nazizeit so sagen lässt - alles sehr honorige Leute, wie es scheint: "So war es in der ehemaligen 'Hauptstadt der Bewegung'. Man zelebrierte die Stunde Null, den Zusammenbruch, um sich kollektiv von der eigenen Vergangenheit zu distanzieren: der tiefen und extrem profitablen Verstrickung in die Plünderung und Enteignung jüdischer Sammlungen. Doch gelitten wurden in diesem Milieu wenig. Die Händler und Museumsleute orientierten sich geschmacklich neu. Und die Angehörigen der NS-Familien trachteten voller Energie danach, ihre Landhäuser, Seegrundstücke und Kunstsammlungen zurückzubekommen. Für alle ging das Leben nahezu bruchlos weiter." Lorch schildert in einem zweiten Artikel "wie NS-Aufarbeitung in München versandet".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2016 - Kulturpolitik

Das geplante Museum der Moderne am Kulturforum könnte der nächste Berliner Flop werden, fürchtet Niklas Maak in der FAZ. Nachdem der Architekturwettbewerb keine überzeugende Entwürfe für die diffizile Situation brachte, sind nun nochmals 42 Architekturbüros eigens aufgefordert worden. Niklas Maak liest das Lastenheft und kommentiert: "Der Bau soll für die Gesellschaft, aber auch für die Kunst da sein, als gewissermaßen gebaute Medizin oder architektonisches Op-Besteck einen Unort 'heilen', ein Zeichen setzen, die anderen aber auch nicht durch übermäßige Zeichenhaftigkeit bedrängen - man darf gespannt sein, in welche Form die geladenen Büros all diese Anforderungen bringen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2016 - Kulturpolitik

Guido Kalberer vom Zürcher Tages-Anzeiger stellt eine Frage, die sicherlich auch in Deutschland nicht ganz uninteressant wäre: "Wir wissen, was die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch verdient. Wir wissen, was Andreas Meyer bei den SBB verdient. Und wir wissen sogar von vielen Managern in der Privatindustrie, was sie verdienen. Kann jemand erklären, warum die Saläre der Chefs kultureller Institutionen nicht kommuniziert werden? Warum ausgerechnet jene Manager, deren Arbeit bis zu 80 Prozent mit Steuergeldern vergütet wird, eine Mauer des Schweigens um ihre sicherlich nicht geringen Einkünfte errichten?" Der einzige Unterschied in Deutschland: Es sind zu hundert Prozent Steuergelder!
Stichwörter: Kulturbetrieb, Corint

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.06.2016 - Kulturpolitik

Der scheidende Frankfurter Kulturdezernent und CDU-Politiker Felix Semmelroth spricht sich im Interview mit Claus-Jürgen Göpfert und Christian Thomas von der FR gegen die von SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann gebrauchte Metapher von der Kultur als "Schmiermittel der Sozialpolitik" aus: "Es ist nicht nur eine Funktionalisierung der Kultur. Die Kultur und die Kulturpolitik werden zur Magd gemacht. Das bedeutet eine Verachtung gegenüber allen ästhetischen wie intellektuellen Manifestationen. Denken Sie an die Römerberggespräche. Die sind nicht massenkompatibel. Aber sehr wirksam."
Stichwörter: Sozialpolitik