9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2016 - Kulturpolitik

In der Berliner Zeitung wird Nikolaus Bernau blass vor Ärger beim Blick auf den Untersuchungsbericht zur Berliner Staatsoper, der die "umfassende Inkompetenz Berlins" widerspiegele. Senat und Abgeordnetenhaus hätten das Desaster jederzeit stoppen können, die Informationen hatten sie. Statt dessen wurde "die auf drei Jahre geplante Bauzeit ... mehr als verdoppelt. Der Berliner Anteil an den Baukosten hat sich verzwanzigfacht. Die Hilfe des Fördervereins kam nie zustande - obwohl sie den umstrittenen Umbau als 'Bürgerprojekt' legitimieren sollte. Das Baudenkmal der 1950er-Jahre wurde, obwohl es erhalten werden sollte, bis auf einige wenige Räume und die Fassaden weitgehend neu errichtet. Der von Angela Merkel mitorganisierte Bundeszuschuss von 200 Millionen Euro verpuffte zum Startgeld. Ganze Leistung, Berlin."

Auch Lorenz Maroldt geht im Tagesspiegel die "organisierte Unzuständigkeit" der Berliner Verwaltung, "die irgendwann und irgendwie immer in der kollektiven Verantwortungslosigkeit mündet", gewaltig auf die Nerven: "Wie das so läuft, zeigt das Beispiel der gefährdeten Wahl. Dass es Schwierigkeiten geben könnte, ist seit langem bekannt, vor allem als Folge der Probleme bei den überforderten Bürgerämtern. Die Senatskanzlei sagt, dafür ist der Innensenator zuständig. Der Innensenator sagt, dafür sind die Bezirke zuständig. Die Bezirke sagen, ihnen fehlen die Leute. Die SPD sagt, darum muss sich der CDU-Innensenator kümmern. Die CDU sagt, daran ist der SPD-Senat unter Wowereit und Sarrazin schuld. Tja, da kann man nichts machen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2016 - Kulturpolitik

Ziemlich kampfbereit gibt sich Marcel Brülhart, Vizepräsident der Dachstiftung Kunstmuseum Bern - Zentrum Paul Klee, im Gespräch mit Julia Voss in der FAZ - Ansprüchen der Gurlitt-Familie will er nicht so ohne weiteres nachgeben: "Die Testierfähigkeit von Erblassern vor Gerichten anzufechten ist eine Zeiterscheinung. Eine beachtliche Anzahl von Anwälten lebt prächtig davon. Wir hatten eher nicht mit einer solchen Entwicklung gerechnet, weil die gesamte Familie im Mai 2014 öffentlich bekanntgegeben hatte, sie begrüße eine allfällige Annahme der Erbschaft durch das Kunstmuseum Bern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2016 - Kulturpolitik

Das umstrittene Kulturgutschutzgesetz soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. Im Interview mit der Welt warnt der Ex-Verfassungsrichter und Sammler Harald Falckenberg vor enormen Kosten, die folgen könnten und zeichnet das Gesetz in so schlechtem Licht, dass man sich fragt, warum, wie er selbst zugibt, "die Übernahme staatlicher Vorkaufs- und Ankaufsrechte, die in maßgeblichen EU-Mitgliedsländern wie Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien in jahrhundertelanger Tradition mit sehr unterschiedlichen Regelungen entstanden sind, um das nationale Kulturerbe angemessen zu schützen" ausgerechnet in Deutschland solch katastrophale Folgen haben soll.

Die Verwaltungsrechtlerin Sophie Schönberger blickt in der SZ mit Skepsis auf das Kulturgutschutzgesetz, über das heute im im Kulturausschuss des Bundestags beraten wird. Besonders die vorgesehene Verhinderung der Abwanderung bedeutender Werke leuchtet ihr nicht ein: "Was gewonnen wird, wenn ein Kunstwerk zwar im Inland verbleibt, der Öffentlichkeit aber nicht zugänglich gemacht wird, diese Frage beantwortet der Gesetzentwurf gerade nicht. Worin besteht der Mehrwert für das Gemeinwesen, wenn ein Gemälde in einem privaten Safe in Deutschland lagert statt etwa in einem privaten Safe im Ausland - oder einem ausländischen Museum?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.06.2016 - Kulturpolitik

Andreas Kilb verfolgte für die FAZ - zumindest so weit sie öffentlich war - eine Berliner Konferenz über das syrische Kulturerbe, wo ihm klar wurde, dass man mit dem Teufel paktiert, um den Beelzebub abzuwehren: "Die russischen Flieger mögen die Symeonskirche und die unweit gelegenen 'Toten Städte', ein weltweit einmaliges Netz von Dörfern aus der Spätantike, in den Grund bomben, aber immerhin haben sie geholfen, den IS aus Palmyra zu vertreiben."
Stichwörter: Palmyra, Syrien, Kulturerbe

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2016 - Kulturpolitik

Für die taz unterhält sich Anne Haeming mit der Museumshistorikerin Sharon MacDonald, die das Humboldt-Forum berät und einen Bezug der Ausstellungen zur Gegenwart wünscht: "Es wäre radikal gewesen, gar nicht erst vom 'ethnografischen' Museum zu sprechen. Solche Kategorien schränken von vorneherein ein. Beim Humboldt-Forum gab es anfangs ein starkes Bedürfnis, ethnografische Exponate als Kunst auszustellen, mit Fokus auf ihrer Schönheit... Vorbild war auch das Musée du Quai Branly in Paris - und klar, das lockt viele Besucher an. Aber diese Haltung ist meiner Meinung nach hochproblematisch, es ist entpolitisiert. Das mag für Museen mit westlicher Kunst funktionieren. Ethnografische Kuratoren arbeiten so schon lange nicht mehr."

A propos Musée du Quai Branly. Dort bereitet man eine Ausstellung über den Sammler (und Ex-Président de la République) Jacques Chirac vor, über den man alles mögliche sagen kann, nur nicht, dass er keinen Humor hat. Als besondere Hommage auf Chirac wird auch die im untenstehenden Tweet gezeigte japanische Theatermaske ausgestellt - Chirac ist ein Verehrer japanischer Kunst und wird sich über die Anspielung freuen, meint Emmanuelle Jardonnet in le Monde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2016 - Kulturpolitik

Der glücklose Chef des Deutschen Historischen Museums, Alexander Koch, muss gehen. Nun tagt eine vertrauliche Findungskommission aus eben jenen Verantwortlichen, denen das aktuelle Desaster zu verdanken ist. Nikolaus Bernau fragt sich in der FR: "warum es nicht eine offene Ausschreibung des Postens gibt. Auch in der Kultur belebt die Konkurrenz das Geschäft. Ideen und unterschiedliche Konzepte könnten so öffentlich präsentiert, diese möglicherweise sogar schon mit den Mitarbeitern abgestimmt werden - die über die Sammlungen, die Traditionen und die Möglichkeiten des Hauses im Allgemeinen mehr wissen, als jede Chefetage wissen kann. Und dann wird ausgewählt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.06.2016 - Kulturpolitik

Lothar Müller berichtet in der SZ von der in Berlin veranstalteten internationalen Syrien-Konferenz von Archäologen und Denkmalschützern (siehe Hermann Parzingers gestrigen Artikel in der FAZ, der jetzt online steht, unser Resümee) und sieht sie als Ausdruck der Hoffnung, "dass der internationalen Gelehrtenrepublik in ihrer Sphäre gelingen kann, woran die politische Diplomatie auf ihren Treffen so häufig scheitert".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.06.2016 - Kulturpolitik

Hermann Parzinger von der Preußen-Stiftung hat gerade syrische Restauratoren getroffen, die dringend um westliche Hilfe bitten, und macht vorbereitende Anmerkungen zu einem internationalen Expertentreffen zum Thema: "Tun wir also doch bitte nicht so, als wäre schon alles in bester Ordnung. Natürlich war die syrisch-russische Befreiung Palmyras von den Schergen des IS ein wichtiger Sieg für die Kultur; doch dieser Sieg macht Assad und seine Helfershelfer noch lange nicht zu Rettern des kulturellen Erbes. Auch Assads Soldaten plünderten vor der Einnahme durch den IS in den Ruinen von Palmyra, und ihre Raketen und Granaten schlugen schonungslos in antiken Säulen und Mauern ein, wenn auch nur die geringste Aussicht auf minimalen militärischen Vorteil bestand."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2016 - Kulturpolitik

Im Tagesspiegel zählt Frederik Hanssen die Fehlentscheidungen auf, die bei der Sanierung der Berliner Staatsoper zu Zeitverzögerungen und Kostenexplosion geführt haben. So habe sich etwa als verheerend erwiesen, dass das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wurde: "Ein Schritt, dessen finanzielle Konsequenzen keiner richtig bedachte. Denn die Kulturgutbeschützer taten nun, was sie für ihre edelste Aufgabe halten - sie begannen, um jeden Verputzkrümel zu kämpfen. Auch um jene an den Außenwänden des Bühnenturms. Eines Gebäudeteils, der nicht das Geringste mit dem Original von 1742 zu tun hat, weil er diverse Male erweitert wurde, um den Anforderungen des sich entwickelnden Genres gerecht zu werden. Die jetzige Form stammt aus den 1930er Jahren und wurde im Krieg zweimal zerbombt. Dennoch erscheint der Bühnenturm den Denkmalschützern ebenso bewahrenswert wie der Marmorboden im Knobelsdorff'schen Apollo-Saal."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.05.2016 - Kulturpolitik

In der FAZ mokiert sich Jürgen Kaube über den Frankfurter OB Peter Feldmann, der "in keinster Weise" Kultur als "Schmiermittel der Sozialpolitik" bezeichnet haben soll und sich nicht mal beim Abschied von Max Hollein blicken ließ.
Stichwörter: Hollein, Max, Sozialpolitik