9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2016 - Kulturpolitik

In der Berliner Zeitung plädiert Kerstin Krupp wieder für ein eigenes Kulturressort in Berlin, damit offener über Zukunftsthemen gestritten werden könne. Außer Kulturstaatssekretär Tim Renner fällt ihr aber niemand ein, der Interesse an dem Amt hätte. Der Unwille hängt möglicherweise damit zusammen, dass ein Kultursenator sich ständig Sparforderungen ausgesetzt sähe. Krupp erinnert daran, "dass der Regierende Bürgermeister Wowereit seinem Kultursenator Wowereit stetige Haushaltszuwächse zugestand, während er seinem Vorgänger noch aufnötigte, 25 Millionen Euro einzusparen. Dieses Wowereit'sche Erfolgsrezept hat sein Nachfolger in beiden Ämtern, Michael Müller, beibehalten."
Stichwörter: Berlin, Müller, Michael

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2016 - Kulturpolitik

Der Aufruhr gegen die Berufung neuer Intendanten in Berlin wie Chris Dercon und Sasha Waltz zeigt vor allem eins, meint Rüdiger Schaper im Tagesspiegel: "Angst vor dem Neuen. Sie äußert sich laut in der Berliner Kultur, an ganz unterschiedlichen Stellen. Der Fall Volksbühne ist noch nicht ausgestanden. Auch hier fordern, ähnlich wie beim Staatsballett, Teile der Belegschaft und viele bekannte Künstler von dem neuen Intendanten Chris Dercon ein schlüssiges Konzept, das sie überzeugen könnte. Als könne man ein ganzes Theater auf Jahre hin konzeptionieren wie irgendein einzelnes Projekt." Und am Berliner Ensemble versuche derweil Intendant Claus Peymann, nach 17 Jahren Amtszeit seinen Nachfolger Oliver Reese schlecht zu reden: "Da muss man sich nicht vor dem Neuen, sondern vor dem Alten fürchten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.09.2016 - Kulturpolitik

"Chris Dercon und sein Team sind alternativlos", sagt Tim Renner im Gespräch mit Andreas Fanizadeh und Jens Uthoff von der taz und verteidigt seine Volksbühnenentscheidung in einem Generalinterview über Berliner Kulturpolitik noch einmal: "Was Dercon auszeichnet, ist sein Interesse für neue Talente und gerade auch an Dingen, die lokal sind. Das hat er auch in München am Haus der Kunst gezeigt. Und das, was der gute Claus Peymann nun als drohende Eventbude beschwört, hat doch an der Volksbühne bereits immer schon stattgefunden. Wahrscheinlich hat Peymann es nicht bemerkt, weil er nicht da war. Nun muss es darum gehen, das Gute, das die Volksbühne auszeichnet, weiterzuführen, ohne Castorf zu kopieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.09.2016 - Kulturpolitik

So übel findet der Berliner SZ-Kulturkorrespondent Jens Bisky die kulturpolitischen Akzentsetzungen von Michael Müller und Tim Renner gar nicht - und doch hat er auch Kritik: "Tim Renner scheint vor allem den Erneuerungsdruck, das Veränderungstempo erhöhen und neue Verbindungen herstellen zu wollen. Das war wahrscheinlich, wenn es denn überhaupt eines gab, das Kalkül hinter der Auswahl der neuen Intendanten für die Volksbühne und das Staatsballett. Die Entscheidungen durch Argumente zu legitimieren, die unmittelbar Betroffenen einzubeziehen oder ihnen wenigstens das Gefühl zu geben, sie hätten teil an der gewünschten Entwicklung, ist kaum versucht worden. Vielmehr schien es, als sollte die bessere Zukunft wie ein Geschenk der Obrigkeit herabschweben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2016 - Kulturpolitik

Erstaunlich still ist der Regierende Bürgermeister und SPD-Spitzenkandidat im Berliner Wahlkampf Michael Müller, wenn es um Kultur geht. Dabei ist das ein so zentraler Bereich für die Stadt, schreibt Rolf Lautenschläger in der taz, der fürchtet, dass Müller und sein Kulturstaatssekretär Tim Renner lieber Hinterzimmerpolitik machen: "Am Beispiel Volksbühne lässt sich nachzeichnen, was beide eigentlich mit der Berliner Kultur im Sinn haben. Chris Dercon, Chef der Londoner Tate Modern, soll aus dem Noch-Castorf-Haus ein mehrspartiges, internationales Bühnen-Kunst-Event-Produkt mit Theater, Tanz, Musik, Performances machen - einen 'Eventschuppen', wie Claus Peymann polterte. Ähnliches hat Paul Spies, neuer Intendant für den Berlin-Teil im Humboldt-Forum, für den Ausstellungssektor dort vor. Und das BE führt ab 2017 Oliver Reese, bekannt für publikumswirksame Produktionen."

Hätten die Briten gewusst, dass sie eine Chance gehabt hätten, Martin Roth als Chef des Victoria and Albert-Museums zu behalten - sie hätten gewiss nicht für den Brexit gestimmt. Zu seinen Beweggründen sagt er nun erstmals exklusiv dem herbeigeeilten SZ-Reporter Alexander Menden: "Es ist eher eine Gemengelage. Aber wenn das Referendum anders ausgegangen wäre, wenn es ein überwältigendes Bekenntnis zu Europa geworden wäre, wage ich zu behaupten: Ich wäre mindestens noch ein Jahr geblieben. Nach der Brexit-Entscheidung dachte ich, das kann alles nicht wahr sein, das geht so gegen meine Art, zu denken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.09.2016 - Kulturpolitik

Alles in allem haben es Michael Müller und sein Kulturstaatssekretär Tim Renner mit der Kulturpolitik in Berlin gar nicht so schlecht hinbekommen, findet Rüdiger Schaper im Tagesspiegel: Die Stadt verändert sich und die Kulturpolitik spiegelt das wider. Für Touristen (und die Stadtkasse) ein Traum, für die Einwohner ist es schwieriger: "Das durch Kultur und Kreativwirtschaft mit generierte schnelle Wachstum lässt eine Stadt entstehen, auf die man dann doch nicht mehr so stolz ist, weil sie den Menschen zur Last fällt, die in ihr leben, in einem Stadtraum, der ihnen zu teuer und zu schäbig zugleich wird und ihre Grundbedürfnisse nicht mehr erfüllt. Man spürt es an vielen Stellen, zumal in den kulturellen Einrichtungen der Stadt. Ein Wandel geht vor sich, Unsicherheit herrscht. Verteilungskämpfe deuten sich schon an zwischen der neuen Volksbühne, dem Hebbel am Ufer, den Berliner Festspielen...""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2016 - Kulturpolitik

Der Theaterwissenschaftler Christopher Balme überlegt in der SZ mit Blick auf die Castorf-Nachfolge an der Volksbühne, ob die Intendantenwahl für deutsche Theater immer nur - unter absoluter Verschwiegenheit - als "Übergang von einem Übermenschen zum anderen" gestaltet werden kann. "Die Krise der Nachfolge wirft die Frage auf, warum in Deutschland so lange an der Herrschaftsform des Regie führenden Intendanten festgehalten wurde. An der Bayerischen Staatsoper beispielsweise hat man sich bereits Anfang der Neunzigerjahre mit der Berufung von Peter Jonas davon verabschiedet. In der Figur des Regie führenden Intendanten hat sich ein besonderes und wohl anachronistisches Verhältnis zwischen Ästhetik und Institution herausgebildet. Die Machtfülle des Amtes hat wohl in der NS-Zeit ungeahnte Ausmaße erreicht, endete aber nicht mit der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten."

Warum gelingt es Architekten des 20. und 21. Jahrhunderts nicht, Stadtviertel zu bauen, in denen die Leute wirklich leben wollen, fragt in der FAZ der Architekt Christoph Mäckler: "Fakt ist, dass die Moderne europaweit nicht einen einzigen Platzraum hervorgebracht hat, der in seiner stadträumlichen Qualität mit dem Place des Vosges, der Piazza Navona oder auch nur mit dem unter dem damaligen Oberbürgermeister Walter Wallmann schon 1983 wiedererrichteten Rathausplatz der Stadt Frankfurt, dem Römerberg mit seinen giebelständigen Fachwerkhäusern, vergleichbar wäre."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2016 - Kulturpolitik

Dass die saudische König-Fahd-Akademie keine weiteren Schulen in Deutschland mehr bauen will, findet Regina Mönch in der FAZ überfällig. Das dies überhaupt bisher so ohne weiteres erlaubt war, erscheint ihr außerdem ziemlich kurzsichtig: "Ursprünglich gab es für die Genehmigung, wahhabitisch-fundamentalistische Schulen (und Moscheen) errichten zu dürfen, gute Rabatte im Ölgeschäft. Das ist heute, mit niedrigen Ölpreisen, kaum mehr ein Grund, die Augen zu schließen und den Verstand auszuschalten. In Belgien hat dieser Freibrief - günstiges Öl gegen ungehinderte radikale Missionierung - zu einer blühenden Salafistenszene geführt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2016 - Kulturpolitik

Dass die Zerstörung von Welterbestätten inzwischen als Kriegsverbrechen geahndet wird, findet Rainer Haubrich in der Welt zwar berechtigt, schwerer als Massaker an Menschen wiege sie aber nicht, meint Haubrich und verweist auf die Möglichkeit des Wiederaufbaus. Allerdings: "Für manche Experten bedeuten Rekonstruktionen auch heute noch 'Gehirnwäsche', Identität könne nicht an Kulissen geknüpft, sondern nur in 'Prozessen' gewonnen werden. Auch Verluste zählten zum Erbe, ja, sie seien 'das eigentlich Zusammenhaltende'. Debatten dieser Art sind durchzogen von Ideologie und einer - teils widersprüchlichen - Moral: Was in dem von Deutschen verschuldeten Krieg zerstört wurde, gilt als ewige Strafe, während die Opfernationen Teile ihrer Altstädte wieder aufbauen dürften - etwa in Warschau."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.08.2016 - Kulturpolitik

Über einen amüsanten Kleinkrieg der sachsen-anhaltinischen Metropolen Magdeburg und Halle um die Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 berichtet Julius Heinrichs im Tagesspiegel. Halle will der Landeshauptstadt nicht auch hier noch den Vortritt lassen: "Dabei war längst besprochen, dass die Landesregierung Magdeburg bei seiner Bewerbung unter die Arme greift. Das Bewerbungsvorhaben der Landeshauptstadt nämlich ist seit 2011 in Planung. Kulturminister Rainer Robra (CDU) betonte laut Evangelischem Pressedienst, dass Halle eine solche Hilfe nicht zuteil werde. Zumal: Magdeburg richtete bereits ein Büro sowie ein 4-Millionen-Euro-Budget ein, um die Bewerbung bis 2019 voranzutreiben."

In der SZ beschreibt Jens Schneider am Beispiel des Mercure Hotels den Kampf um Potsdams Erscheinungsbild: Während die einen am liebsten reinen Barock hätten und die ganze DDR-Architektur (und damit auch eine Menge Plattenbauten mit bezahlbaren Wohnungen) abreißen wollen, sind andere gegen eine solche Schönheits-OP: "Die vielen Engagierten für und gegen die Bauprojekte treffen sich auf Foren, die veranstaltet werden, damit von Dialog die Rede sein kann. Aber es gibt wenig Verständigung. 'Ich erlebe das als eine Situation, in der nicht diskutiert wird', sagt die Künstlerin Annette Paul. Potsdam sei in dieser Hinsicht leider einzigartig, sagt Paul, die vor Jahren aus Dresden herzog. Sie fordert mehr Kompromissbereitschaft."