Es klingt schon trist, was Jörg Häntzschel in der
SZ über die europäische Kulturhauptstadt 2025
Chemnitz schreibt: "Sich als
failed city den Titel zu sichern, war leicht. Ein Programm auf die Beine zu stellen, ist schwerer. (…) 360.000 Menschen wohnten mal hier, jetzt sind es noch
250.
000. (…) Es dürfte das erste Mal sein, dass eine Stadt sich als weißer Fleck auf der Landkarte vermarktet, als Paria-Kommune." Häntzschel hat mit
Stefan Schmidtke, gesprochen, der 2021 zum Leiter des Projekts wurde und seinen Humor bewahrt, aber die Rechtsextremen in der Stadt nicht angreifen will. Auch Benjamin Gruner, mit einem Verein in das Projekt involviert, "hält die
neutrale Linie der Kulturhauptstadt für unvermeidbar: 'Sie will auf keinen Fall als
links-grünes Intellektuellenprojekt wahrgenommen werden. Gesellschaftlich war hier schon alles so aufgeladen, da wollte man nicht noch einen draufsetzen.' Er glaubt, die kontroversen Themen der Gegenwart, Gaza, Ukraine, Klimawandel könne man nur noch in größeren Städten verhandeln."
Die
georgische Regierung hat ein "ausländische-Agenten-Gesetz" beschlossen, wie man es aus Putins Russland kennt. Seitdem wird die georgische Kulturpolitik
gleichgeschaltet, berichtet Cornelius Wüllenkemper in der
FAZ, und zugleich kommt der georgischen Kulturszene eine entscheidende Rolle im Widerstand zu - sie boykottiert ihre eigene Regierung: "So musste der angesehene Litera-Preis des Schriftstellerhauses in Tiflis bis auf Weiteres abgesagt werden, weil nach der Ernennung eines regierungstreuen, aber fachfremden Jurymitglieds
93 der 110 Bewerber ihre Texte zurückgezogen hatten. Georgien wird auf der Frankfurter Buchmesse von dem renommierten Verlag 'Intelekti Publishing' vertreten, der seit dem vergangenen Jahr gänzlich auf staatliche Unterstützung verzichtet. Den Boykott versteht die Managerin des Verlags, Gvantsa Jobava, als Protest gegen die '
Re-Sowjetisierung' der Gesellschaft."
Die vom Bundestag geplante
Antisemitismus-Resolution (
unser Resümee) würde jede Kritik am Staat Israel als antisemitisch werten, ruft uns
Michael Barenboim in der
SZ zu. "Insgesamt lässt der Verweis auf Israel, dessen Politik bekanntermaßen auch von vielen Jüdinnen und Juden kritisiert wird, vermuten, dass es hier eigentlich nicht um die Bekämpfung von Antisemitismus geht, sondern um die
Unterdrückung propalästinensischer Stimmen. Nicht alle Jüdinnen und Juden werden hier geschützt, sondern nur diejenigen, die die Politik der Regierung Israels unterstützen. Das ist
einer Demokratie unwürdig."