Stefan Laurin von den
Ruhrbaronen hat Unterzeichner des "
Weltoffen"-
Aufrufs von 2020
gefragt, wie sie heute zu
BDS stehen und ob sie den Aufruf heute noch so unterzeichnen würden. Der Aufruf machte sich bekanntlich dafür stark, dass Künstler in ihren Institutionen BDS-Positionen verfechten können.
BDS hat sich in einer Erklärung nicht nur nicht von den Hamas-Pogromen distanziert, sondern sie als "
machtvolle bewaffnete Reaktion der unterdrückten Palästinenser im Gaza-Streifen" gefeiert. Die meisten Intendanten antworten in
fast gleichlautenden Statements, dass sie zu dem Papier stehen. Das Papier sei gar nicht als Unterstützung von BDS gemeint gewesen: "Vielmehr ging und geht es darum, nicht jede oder jeden, die sich mit einzelnen Zielen und Statements aus dem BDS-Umfeld identifizieren, prinzipiell
aus dem öffentlichen Diskurs heraus zu drängen. Es gilt also zu differenzieren. Diese Haltung ist auch und gerade nach den grauenhaften und durch nichts zu rechtfertigenden Terrortaten der Hamas ab 7. Oktober 2023 richtig und nötig.
Sprechräume für friedlichen Austausch und Debatte sind wichtiger denn je."
Zwei Intendanten sehen es freilich anders.
Barbara Mundel von den Münchner Kammerspielen schreibt: "Aus heutiger Sicht verstehe ich das Plädoyer GG 5.3 als Teil einer Entwicklung, die
israelbezogenen Antisemitismus normalisiert hat. Das teilweise vorhandene Zögern, den grauenvollen Anschlag der Hamas auf Israel zu verurteilen, hat auch mit der Virulenz dieser Form des Antisemitismus zu tun." Und
Michael Grosse, der Generalintendant und Geschäftsführer des Theaters Krefeld und Mönchengladbach, konstatiert: "Insbesondere durch das Fehlen einer aktuell tatsächlich
angemessen solidarischen Positionierung - ohne jedwede Relativierung - für die existentiellen Belange Israels durch die Initiative Weltoffenheit, ist die Unterzeichnung aus dem Jahre 2020
so nicht mehr haltbar und muss zurückgezogen werden. Jedweder - noch so kleine - Interpretationsverdacht, der in der jetzigen Situation die Solidarität mit Israel in Frage stellen könnte, muss ausgeschlossen werden."