Für viele Branchen bedeutet die
Corona-Krise einen Einnahmeausfall, der ihre
Existenz in Frage stellt. Im
VAN Magazin beschreibt Hannah Schmidt die Lage für Musiker: "Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) hat vergangenen Freitag einen
'Leitfaden für Freischaffende' veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: 'Versuchen Sie, sich auf eine Verschiebung des Veranstaltungstermins zu einigen' und, falls das nicht gehe, 'vertraglich vereinbarte Ausfallhonorare geltend' zu machen oder 'diese nachträglich mit dem Veranstalter
auf Kulanzbasis zu vereinbaren.' Das Problem: Häufig gibt es
gar keine Verträge, in denen so eine Klausel stehen könnte, und falls doch, befinden sich viele Freie gar nicht in der Position, diese Verträge mit auszuhandeln."
Für die
FAZ unterhält sich Thomas Schmoll mit der
Konzertagentin Jutta Adler, die Kulturministerin
Monika Grütters und den Berliner Kultursenator
Klaus Lederer scharf kritisiert: "Wir haben vergangene Woche
aus den Medien von den Absagen gehört. Das Orchestre National du Capitole de Toulouse wandte sich sofort an uns mit der Bitte, eine offizielle Absage des Senats vorzulegen, damit das Management in Frankreich gebuchte Flugtickets und Hotels stornieren kann... Wir haben an Kulturstaatsministerin Grütters und an Berlins Kultursenator Lederer geschrieben und die Lage erklärt. Immerhin
bestätigten sie den Eingang. Mehr kam aber nicht."
Auch Sascha Lobo geht in einer
Wutrede über eine jetzt grassierende "Vernunftpanik" bei
Spiegel online auf die Lage der Freien ein - und erwähnt dankenswerter Weise, dass das Problem keineswegs nur die
kulturelle oder Mediensphäre betrifft: "Es rächt sich, dass noch immer die deutschen Sozialsysteme auf
die Festanstellung als Maß aller Dinge ausgerichtet sind. Nur leider rächt es sich faktisch nicht bei den Verantwortlichen, sondern bei den Solo-Selbstständigen, die von Veranstaltungen, Kunst, Kultur, Gastronomie und Arbeit in einer Vielzahl anderer,
temporär stillgelegter Branchen leben. Nicht alle werden die Coronakrise überleben, das gilt auf bitterste Weise physisch wie wirtschaftlich." Nebenbei staunt Lobo, "wie schnell sogar sich als liberal bezeichnende Leute bereit sind,
ausnahmslos jede Grundrechtseinschränkung klaglos hinzunehmen, wenn sie bloß glauben, es diene der größeren Sache".
Auch die
Nachtkritik alarmiert: "Die Corona-Krise bringt die
freie Kulturberichterstattung genauso in Not wie die freien Künstler*innen. Uns bricht derzeit
mehr als die Hälfte unserer Einkünfte weg." In der Berliner Zeitung berichtet Annika Leister, dass der Berliner Senat unbürokratische Hilfe leisten wolle:
15.000 Euro pro Solo-Selbständigen.
Buchhandlungen sind weitgehend geschlossen,
Klopapier hat Bücher bei
Amazon als wichtigste Warengruppe abgelöst, Verlage schieben Titel auf, die im April erscheinen sollten, berichtet Felix Stephan in der
SZ und befürchtet, dass sich die Krise vor allem auf kleine Buchhandlungen auswirken wird: "Die großen Buchhandelsketten könnten die insolventen unabhängigen Buchläden ohne größere Widerstände schlucken, ihre
Vertriebsmacht gegenüber den Verlagen auf diese Weise weiter stärken, deren Margen weiter drücken".
Weitere Artikel: Für die
SZ hat sich Peter Laudenbach in der
freien Theaterszene umgehört, viele freie Bühnen fürchten um ihre Existenz und auch die
Solidarität der Stadttheater mit ihren freien Mitarbeitern ist
begrenzt, erfährt er: "Ein großes, hoch subventioniertes Stadttheater in Nordrhein-Westfalen beispielsweise wollte Gastschauspielern für Vorstellungen, die wegen der Schließung der Bühnen abgesagt wurden,
nur die Hälfte der vertraglich vereinbarten
Gage bezahlen." Ebenfalls in der
SZ macht Catrin Lorch auf die Situation von in Berlin lebenden, ausländischen Künstlern aufmerksam: "Wer nicht aus Europa stammt, sondern beispielsweise aus Neuseeland oder Ghana, muss für die
Aufenthaltserlaubnis ein Einkommen nachweisen". Michael Stallknecht schreibt zur Situation freier Musiker.