Im
Standard berichten Stefan Weiss, Jan Michael Marchart und Theo Anders vom Rücktritt der Wiener Kulturstaatssekretärin und Grünen-Politikerin
Ulrike Lunacek, der es in der Coronakrise nicht gelungen war, ausreichende
Hilfen für die Kultur zu organisieren: "In ihrer Rede bedauerte Lunacek, dass sie die kulturpolitischen Vorhaben aus dem Regierungsprogramm, vor allem das Bestreben der Grünen nach
mehr sozialer Gerechtigkeit im Kulturbetrieb, nicht mehr umsetzen konnte ... Dabei habe gerade die Krise aufgezeigt, wie sehr die Kulturbranche unter prekärer Beschäftigung leide. 'Es wurde ein lange negiertes Problem offengelegt, über Jahrzehnte wurden prekäre Bedingungen von der Politik ignoriert.' Ironischerweise scheiterte die 62-Jährige nun gerade selbst an der Aufgabe, diese Nöte zu lindern."
In einem flankierenden Essay im
Standard fragt Uwe Mattheiss, wie es eigentlich grundsätzlich um die
kulturpolitischen Vorstellungen der Grünen bestellt ist. Warum tun ausgerechnet sie sich so schwer mit einem Betrieb, der ihnen eigentlich nahesteht: "Gibt es tatsächlich so etwas wie kulturpolitische Visionen, oder hat sich am Ende die Perspektive multikultureller Stadtteilfeste um 1990 nicht wesentlich weiterentwickelt? Sozialdemokraten hatten mal eine Vision, bevor ihnen der Arztbesuch empfohlen wurde. In den 1970er- und 1980er-Jahren hieß es '
Kultur für alle'. In der Ära Schröder/Blair war das Zauberwort '
creative industries', sie sollten das postindustrielle Arbeitsplatzwunder bewirken, das bekanntlich ausblieb. Schwarz/Türkis hat sehr wohl eine Vision. Man liest sie in der Regierungsübereinkunft: Kultur als
Standortfaktor in der Globalisierung, der helfen soll, Edeltouristen und Fachkräfte ins Land zu bringen. Die grüne Handschrift liefert im Wesentlichen flankierende sozialpolitische Reparaturkonzepte."
In der
taz-Kultur
spricht Andreas Fanizadeh mit der Grünen-Politikerin
Katrin Göring Eckhardt, die mehr Hilfen einfordert: "Wir haben eine Kulturstaatsministerin, die zunächst nichts für die Künstlerinnen und Künstler tat. Der Druck kam aus der Opposition und aus der Kultur selber."