In der
FAZ fragt Claudius Seidl, warum die
SZ es nötig fand, ihre Seite 3 zu Aiwanger
literarisch aufzubrezeln. "Unbeeindruckt vom Krawall nach politischer und moralischer Substanz zu fragen wäre eigentlich der Auftrag des Journalismus. Im Fall von Hubert Aiwanger tut die
Süddeutsche aber nur so, als fragte sie. 'Ist dieses Flugblatt wirklich die
Linie vom Gestern ins Heute, von Mallersdorf nach Erding?' Erding, das meint die verstörende Rede Aiwangers, der dort forderte, die Mehrheit solle sich 'die Demokratie zurückholen'. Ja, sagt der Artikel - der suggeriert, dass im Populisten Aiwanger ein Nazi stecke. Und dass die tapferen Reporter dessen Welle jetzt aber endlich gebrochen hätten. Als Drama ist das trivial. Und als Journalismus die
grundfalsche Form. Die Vorwürfe wiegen ja so schwer, dass das ganze Drama nicht nötig gewesen wäre."
Auch
Uebermedien-Gründer Stefan Niggemeier
findet die
Inszenierung der Geschichte durch die
SZ "problematisch, weil sie nicht nüchtern über die Vorwürfe berichtet, sondern all jenen Munition gibt, die ihr unterstellen,
eine Agenda zu haben: Aiwanger kurz vor der Wahl wegzuschreiben. Es ist ein Text, dem
jede Distanz zu sich selbst fehlt, und der gleich mit einem Balanceakt auf der Meta-Ebene beginnt: 'Man sollte nicht mit dem Flugblatt anfangen, nicht mit dem 'Vergnügungsviertel Auschwitz' und dem antisemitischen Wahnsinn. Man sollte zweieinhalb Wochen zurückspulen, um zu begreifen, welche Welle dieser Mann gerade reitet. Und um
die Wucht zu erfassen, mit der die Welle nun brechen könnte.' In den ersten beiden Sätzen spricht der Text mit sich selbst und diskutiert, wie er sein sollte. Dem Publikum erklärt er auf diese Weise, was er damit erreichen will. Und am Ende des Absatzes nimmt der Text
seine eigene erwartete Wirkung schon vorweg: Er geht davon aus, dass diese Recherche, die eigene Recherche, die Macht haben kann, die riesige 'Welle' zu brechen, die Aiwanger gerade reite."
In der
taz hat Mohamed Amjahid kein Problem mit dem
SZ-Text: "Es ist durchaus angebracht, transparent zu machen, wo man als Autor*innenteam steht. Beim Thema Antisemitismus, wie auch bei anderen Formen der Menschenfeindlichkeit, kann man auch argumentieren, dass
eine Ablehnung dieser Menschenfeindlichkeit die Basis für guten Journalismus sein kann. Jede Redaktion muss da für sich den Weg finden, eine vielfältige Medienlandschaft erledigt den Rest."
Der Entwurf des neuen
RBB-
Staatsvertrags ist fertig: Eine
Gehaltsobergrenze für Intendanten zwischen 180.000 und 230.000 Euro ist vorgesehen, meldet unter anderem Joachim Huber im
Tagesspiegel. Zudem "wird anders dirigiert und
mehr kontrolliert. Ausgehend von den Vorschlägen der Landesrechnungshöfe soll die Senderspitze verschlankt und statt eines allmächtigen Intendanten soll künftig ein Kollegialorgan aus Intendant oder
Intendantin und zwei Direktoren agieren. Der Verwaltungsrat als Sachverständigengremium soll Aufsichtstätigkeit künftig als vergütetes Nebenamt statt wie bisher ehrenamtlich ausüben."
Für den aktuellen Intendantinnenvertrag mit der neuen
RBB-Chefin
Ulrike Demmer ist das Gesetz noch nicht verbindlich - und dennoch gibt es offenbar Probleme: Demmer hat noch immer keinen Dienstvertrag, berichtet Claudia Tieschky in der
SZ. Fraglich sei auch, ob Demmer den
Sparplan ihrer Vorgängerin mit nur zwei Direktoren in den Griff bekommt: "'Die Gremien wollten ein Zeichen setzen, unterm Strich wird das den Sender aber mehr kosten', hört man von kritischen Stimmen aus dem Sender. Hat die Findungskommission eine
Low-
Budget-
Intendantin fürs Schaufenster durchgesetzt?"