9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.03.2023 - Medien

Der Stern darf bei Gruner + Jahr bleiben, aber die verkaufte Auflage sank in den letzten Jahren von 650.000 auf 325.000, das kostenpflichtige Digitalabo soll laut IVW bei 34.000 liegen, weiß Lisa Priller-Gebhardt in der SZ. Nun will Bertelsmann 30 Millionen Euro für Redaktion und Technik ausgeben und vierzig neue Stellen schaffen - als Ziel sind 100.000 neue Stern-Plus-Abonnenten in den nächsten zwei Jahren geplant: "Zu der neuen Strategie gehört wohl auch, die Trennung der Redaktionen von Stern.de und des gedruckten Heftes aufzuheben. Aus Hamburg ist zu hören, dass alle Inhalte künftig von einer großen Redaktion erstellt werden, in der nur noch Menschen mit Digitalkompetenz arbeiten sollen. Diese Fusion ist in den meisten anderen Medienhäusern vor Jahren vollzogen worden. Beim Springer-Verlag in Berlin gerade recht radikal, wo innerhalb von drei Jahren 100 Millionen Euro bei Welt und Bild eingespart werden sollen. Weil Papier, Distribution und Druckereien teuer sind, will man dort in absehbarer Zukunft die Papierausgaben einstellen und ausschließlich online publizieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.03.2023 - Medien

In der FAZ kann der Publizist Friedrich Dieckmann ja irgendwie verstehen, dass die Lettre gegen die Zeitschrift Sinn und Form klagt, die von öffentlichen Mitteln lebt, während Frank Berberich seine Lettre privat finanziert: "Die Kränkung, auf die er seit dem September 2020 mit Beschwerdebriefen an die Kulturstaatsministerin reagierte, bestand darin, dass Lettre International als Zeitschrift von der Pandemie-Beihilfe ausgeschlossen blieb, die das Ministerium Buchverlagen damals in Höhe von zehn Millionen Euro gewährte. Berberich verwies auf Verkaufsausfälle im Umfang von 1500 bis 2000 Exemplaren pro Ausgabe und einen entsprechenden Verlust von 50.000 Euro im Jahr 2020 und fand sich angesichts der unbestrittenen Qualität und Bedeutung des Blattes nicht weniger förderungsbedürftig als Buchverlage und Buchhandlungen ... Die Antwort des Ministeriums auf dieses begründete Klagelied: Der Staat dürfe 'nicht in den publizistischen Wettbewerb der Presse eingreifen', und 'Eine finanzielle Förderung einzelner Zeitschriften mit öffentlichen Geldern unterliege daher sehr hohen (verfassungsrechtlichen) Hürden'. Berberich platzte daraufhin der Kragen, er schrieb seinen vierzehnseitigen Brief, den das Ministerium nicht mehr beantwortete, und erklärte die von staatsfinanzierten Institutionen herausgegebenen Zeitschriften pauschal für illegal." Aber selbst wenn er gewinnt, retten wird seine "unentbehrliche" Zeitschrift das nicht, fürchtet Dieckmann. Ideen anyone? Hier geht's übrigens zum Lettre-Abo.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2023 - Medien

tazler erinnern an ihren Meinungsredakteur Daniel Haufler, der im Alter von nur 61 Jahren gestorben ist."'No jokes with names' ermahnte mich Daniel eines Nachmittags in den nuller Jahren, als ich einen Kommentar über Dieter Hundt geschrieben hatte, damals Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände", erzählt Barbara Dribbusch. "'Hundt oder Katze?', hatte ich getitelt und kam mir irre witzig vor mit der Überschrift über meinen Meinungsbeitrag zu einem Konflikt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Doch Daniel sicherte das Niveau."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2023 - Medien

Dirk Knipphals zeigt sich in der taz bestürzt über das Urteil im Fall Sinn und Form. Er ist geschockt "darüber, dass das Weiterbestehen einer Zeitschrift nicht nur durch den Markt und das Internet gefährdet ist, sondern auch durch unsolidarisches Verhalten untereinander. Frank Berberich von Lettre International, der das Verbot von Sinn und Form gerichtlich betreibt und nun einen Teilsieg errungen hat, hat Züge des sprichwörtlichen Michael Kohlhaas angenommen, eines Menschen, der Gerechtigkeit auch aufKosten des allgemeinen Untergangs durchsetzen will." Dass man sich durchaus mal Gedanken machen kann um Finanzierungsfragen und Trägerschaften, die nicht mit der gebotenen Staatsferne in Konflikt kommen, findet auch Knipphals, aber bitte nicht zum Leidwesen der eh schon überschaubaren Journal-Szene in Deutschland.

"Die Erklärung, hier würde ein 'angry old man' zur Tat schreiten, weil sein Druckerzeugnis den Zenit überschritten habe und die Kräfte langsam abnehmen, greift indes zu kurz", kommentiert Ulrich van Loyen im Freitag, dankbar dass Berberich "die Grundproblematik der deutschen Kulturförderung aufzeigt: die Tatsache, dass die Unlust zu gesetzlicher Klärung eine Art von Interventionsförderung hervorgebracht hat, die von Praktiken klientelistischer Gesellschaften nicht mehr weit entfernt ist. Was dabei herauskommt, ist eine Verlagsförderung nach Preisen (Deutscher Verlagspreis) und ein Zeitschriftenmarkt, wo noch jede Institution ihre Duftmarke hinterlässt. Das ist nicht notwendig zum geldwerten Nachteil von Übersetzern und Autoren, aber es ist weder nachhaltig noch belohnt es Engagement. Und es fördert am Schluss zwar keine Staatskunst - woran vermutlich nicht einmal Frank Berberich ernsthaft glaubt - aber einen hilf- und zahnlosen Begriff von Vielfalt, Demokratie und Literatur, wie er aus dem Protestschreiben der Berliner Akademie der Künste hervortritt (das von zahlreichen Schriftsteller:innen unterzeichnet wurde)."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.03.2023 - Medien

Lettre International und ihr Herausgeber Frank Berberich hatten eine wettbewerbsrechtliche Klage gegen die von der Berliner Akademie der Künste herausgegebene Zeitschrift Sinn und Form angestrengt (Unsere Resümees), die Herausgabe der Zeitschrift wurde vom Landgericht Berlin nun vorläufig untersagt, melden Wolfgang Janisch und Jens-Christian Rabe in der SZ: "Noch nicht wirklich geklärt ist freilich, ob die Akademie überhaupt eine Zeitschrift vertreiben darf. Das ist heftig umstritten, denn die Akademie ist eine bundesunmittelbare Körperschaft. Der Staat aber darf sich normalerweise nicht mit einem eigenen Blatt auf dem Zeitschriftenmarkt tummeln. Das Grundgesetz enthält eine 'Institutsgarantie' der freien Presse, danach ist dem Staat jede Verzerrung des publizistischen Wettbewerbs untersagt. 'Der Staat darf sich nur in engen Grenzen auf dem Gebiet der Presse betätigen', urteilte der Bundesgerichtshof vor einigen Jahren. Ganz ausgeschlossen ist die staatlich finanzierte Presse aber nicht. Immerhin ist die Berliner Akademie mit gesetzlichem Auftrag zur 'Repräsentation des Gesamtstaates auf dem Gebiet der Kunst und Kultur' unterwegs. Ob dazu auch die Herausgabe einer intellektuellen Zeitschrift gehört, dazu schweigt das Gesetz - verbietet es aber auch nicht ausdrücklich."

Sinn und Form schreibt auf seiner Website, das Landgericht stütze sein Urteil "auf rein formale Gründe, denen die Akademie der Künste selbst abhelfen kann", ergänzt Cornelia Geißler in der Berliner Zeitung: "Das klingt einfacher, als es sein dürfte. Um beide Zeitschriften wettbewerbsrechtlich gleichzustellen, müsste das Finanzierungsmodell von Sinn und Form geändert werden. Und nicht nur hier. Berberich kritisiert ebenfalls den Wettbewerbsvorteil der Zeitschrift Kulturaustausch, die am Institut für Auslandsbeziehungen angesiedelt ist, und des Online-Formats LCB diplomatique, betreut vom Literarischen Colloquium Berlin. Es scheint, als sei dies alles nur der Anfang einer längeren und widersprüchlichen Auseinandersetzung. Das Ganze erinnert an die seit 2011 immer wieder aufflackernden Auseinandersetzungen um die 'presseähnlichen' Internetauftritte der öffentlich-rechtlichen Medien." Berberich kann sich als "Rechthaber fühlen, aber nicht mehr", kommentiert Jürgen Kaube in der FAZ: Er "hat im inhaltlichen Sinne … keiner 'Staatszeitschrift' das Handwerk gelegt, denn Sinn und Form hat seine staatsnahen Zeiten seit 1989 hinter sich."

Es sind nicht nur die Details, die die Enthüllungen rund um Fox News so brisant machen (Unsere Resümees), schreibt Lukas Hermsmeier auf ZeitOnline: "Wie sich durch die neuen Dokumente nachvollziehen lässt, half Fox News in den Wochen nach der Wahl 2020 mutwillig dabei, eine Stimmung in Teilen der US-Rechten zu erzeugen, die sich am 6. Januar 2021 mit dem Sturm auf das US-Kapitol gewaltsam entlud. Mehrere Menschen starben damals, verschiedene Untersuchungen dazu laufen gegenwärtig noch immer. Sollte Fox News also den Prozess gegen Dominion verlieren, droht nicht nur eine Strafzahlung in Rekordhöhe, es drohen womöglich auch weitere juristische Konsequenzen. Andersherum könnte sich Fox News bei einem für den Sender positiven Urteil darauf stützen, dass die eigene 'Berichterstattung' nach den Buchstaben des Gesetzes 'journalistische Standards' erfüllt habe. Es wäre eine Zementierung der Fox-News-Identität, eine Bestätigung, dass sich Lügen lohnen und Demokratiezersetzung auszahlen kann."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2023 - Medien

100 Millionen Euro will Axel Springer in den kommenden drei Jahren bei Bild und Welt einsparen, unter anderem wird der Zustellservice von Bild am Sonntag und Welt am Sonntag eingestellt, auch von Stellenabbau ist die Rede, entnimmt Anna Ernst in der SZ einer mit "Euer Mathias" unterschriebenen internen Mail von Mathias Döpfner. Geplant ist ein "Digital Only"-Unternehmen der Zukunft, man müsse sich darauf einstellen, dass Print eingestellt werde, so Döpfner. "Wer selber kündigen möchte, darf auf eine Abfindungen hoffen, wenn der Verlag ihn gehen lassen will," weiß Ernst. "Der SZ liegen Auszüge der Mitarbeiter-Fragen vor, die am Dienstag bei einer digitalen Konferenz im Chat vorgebracht wurden. 'Bild ist in wichtigen Ressorts extrem unterbesetzt. Wie passt das noch zusammen mit qualitativem Journalismus?', fragt dort ein Mitarbeiter Richtung Chefredaktion der Bild. Es gebe kaum mehr Zeit für exklusive und investigative Recherchen, man sei mit den Kräften am Ende. Boie sieht die 'Herausforderungen' an anderer Stelle: 'Jede und jeder hier muss sich fragen: Bin ich schon fit für diese Zukunft? Wo kann ich dazulernen? Was fehlt mir?'"

In seinem Brief sagt Döpfner auch, dass "Künstliche Intelligenz das Potenzial hat, den unabhängigen Journalismus besser zu machen als er je war - oder ihn einfach zu ersetzen", berichtet Jonathan Yerushalmy im Guardian. Was er genau sagte, war allerdings, dass Bots bestimmte Fleißrecherchen oder Archivrecherchen besser können, nur Journalisten dagegen Beweggründe verstehen, so die FAZ: "Das ist das Pathos, mit dem Döpfner gerne formuliert. Doch sind die hehren Ziele bei ihm mit knallharten Gewinnerwartungen verbunden, die sich vor allem auf den amerikanischen Markt richten, in dem Döpfner mit Springer zur Weltmarke wachsen will. Und das, obwohl die Zahlen stimmen: 3,9 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2021, rund eine dreiviertel Milliarde Gewinn. 18.000 Mitarbeiter hat Springer, davon sind 3400 Journalisten. Bei Bild und Welt stehen ihnen sehr ungemütliche Zeiten bevor. Den Kollegen bei Gruner + Jahr haben sie aber immerhin eines voraus: Ihr Oberboss glaubt an den Journalismus. Der Bertelsmann-Chef beerdigt ihn gerade."

Wird dieser Murdoch-Skandal größer als der um die illegalen Telefon-Überwachungen vor einigen Jahren? Murdochs amerikanisches Sender-Imperium Fox ist von der Firma Dominion Voting auf Schadenersatz verklagt worden, weil einige Moderaten Trumps Wahlfälschungslüge weiterverbreiteten und damit auch den Ruf der Firma schädigten. Murdoch musste in dem Prozess aussagen, berichtet unter anderem Ed Pilkington im Guardian: "Unter starkem Druck der Anwälte von Dominion gab er zu, dass mehrere Moderatoren von Fox News - Lou Dobbs, Maria Bartiromo, Jeanine Pirro und Sean Hannity - die Lüge unterstützt hatten, dass die Präsidentschaftswahlen 2020 Trump gestohlen und Joe Biden zugesprochen worden seien. 'Einige unserer Kommentatoren haben das gebilligt', sagte er. 'Ja, sie haben es gebilligt.' Murdoch versuchte, einen Unterschied zwischen den Moderatoren - 'Kommentatoren', wie er sie nannte -, die falsche Behauptungen über Wahlbetrug aufstellten, und Fox selbst zu machen. Aber in anderen Teilen seiner niederschmetternden Aussage gab er zu, dass er Wahlleugner wie Rudy Giuliani nicht aus dem Sender nahm, obwohl er die Macht dazu hatte." In der taz hofft Steffen Grimberg, dass Murdoch diesmal so verliert, dass es wehtut: "Dominion fordert 1,6 Milliarden Dollar von Fox beziehungsweise Murdoch wegen Verleumdung. Dass erstmals überhaupt so ein Fall vor Gericht zugelassen wurde - die Hauptverhandlung soll im April beginnen -, ist eine gute Nachricht. Möge Rupert verlieren! Eine solche Summe zahlt selbst er nicht mal eben aus der Portokasse."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2023 - Medien

Im Tagesspiegel befürchtet Gregor Dotzauer mit Blick auf den von Frank Berberich, Herausgeber der Lettre International, angestrengten Rechtsstreit - er klagt gegen die staatliche Subventionierung der Zeitschrift Sinn und Form - einen "kulturpolitischen Orkan". Denn Berberich will gegen weitere subventionierte Kulturzeitschriften klagen: "Berberichs Motive sind … so verständlich wie widersprüchlich. Das Dossier, das er auf lettre.de unter dem Titel 'Staatspresse oder Pressefreiheit' zusammengestellt hat, intoniert den Konflikt allerdings, als würde es sich um einen Querdenker-Slogan handeln. Denn von einer 'Staatspresse', die sich niemand wünscht, kann bei den öffentlich subventionierten Kulturzeitschriften, um deren Schicksal es geht, keine Rede sein. So politisch sie im Einzelnen Akzente setzen mögen, nehmen sie doch grundsätzlich andere Aufgaben wahr als die systematisch berichterstattende, in die Breite von Politik, Wirtschaft, Sport und Feuilleton gehende Tages- und Wochenpresse, die sogenannte vierte Macht im Lande." Vor allem bleibt Dotzauer jedoch völlig unverständlich, was Berberich davon hätte, wenn es Sinn und Form nicht mehr gäbe.

Patricia Schlesinger klagt vor dem Landgericht Berlin auf Zahlung eines monatlichen Ruhegeldes von 18.384 Euro, vertraglich steht es ihr zu, schreibt Joachim Huber im Tagesspiegel. Künftig werde das Ruhegeld allerdings zur "Charakterfrage", meint er: "Sollte Katrin Vernau über die Interimszeit hinaus RBB-Intendantin bleiben, wird die von ihr vorgeschlagene Martina Zöllner zur Programmdirektorin gewählt, müssen mit beiden Verträge geschlossen werden. Mit Regelungen zum Ruhegeld oder ohne? Das haben die Führungskräfte wie auch der Verwaltungsrat des Rundfunk Berlin-Brandenburg in der Hand."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2023 - Medien

Vor vierzig Jahren publizierte der Stern die von Konrad Kujau gefälschten "Hitler-Tagebücher" - sechzig Bände, die seitdem in einem Safe im Stern lagern. Ein ARD-Rechercheteam konnte sie einsehen und förderte unter anderen zutage, dass der Fälscher enge Verbindungen zur Neonazi-Szene hatte. Für die SZ unterhält sich Peter Laudenbach mit dem Politologen Hajo Funke, für den die wahre Dimension des Skandals erst jetzt ans Licht kommt: "Die Fälschung suggeriert, dass Hitler vom Holocaust nichts wusste. In seiner Wahrnehmung, in seinem Verantwortungsbereich kommt der Holocaust in den 'Tagebüchern' nicht vor. Das ist der Versuch, Hitler von diesem Verbrechen reinzuwaschen. Dass sich der Stern dafür hergeben wollte und auch noch stolz darauf war, so die Geschichte des Nationalsozialismus umzuschreiben, das ist der eigentliche Skandal."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2023 - Medien

Der RBB ist nach dem barocken Gehabe seiner ehemaligen Intendantin Patricia Schlesinger auch wirtschaftlich in einer tiefen Krise, muss Einschnitte in seinem Programm vornehmen (unser Resümee) und Dutzende Mitarbeiter entlassen. Schlesinger will nur, was ihr zusteht, meldet Spiegel online, und klagt auf eine Betriebsrente von 18.384,54 Euro."Pro Monat".
Stichwörter: Schlesinger, Patricia, RBB

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2023 - Medien

Der RBB will bis Ende 2024 insgesamt hundert Stellen streichen, meldet ZeitOnline mit dpa: Insgesamt sollen rund 49 Millionen Euro eingespart werden. "Würden wir jetzt nicht handeln, würden wir Ende 2024 in einen finanziellen Abgrund blicken", sagt Interimsintendantin Katrin Vernau im Tagesspiegel-Gespräch mit Joachim Huber. Frisches Programm will der RBB im Fernsehen nur noch zwischen 18 und 22 Uhr senden, auch die Zahl der außertariflichen Verträge soll reduziert werden: "Derartige herausgehobene Führungspositionen wird es nur noch auf der Hauptabteilungsleiter-Ebene geben, und zwar auf Zeit und nicht für ewig. (...) Mittelfristig wollen wir die Anzahl der AT-Verträge auf die Hälfte runterfahren. Bei den Betroffenen hat das keine allzu große Begeisterung ausgelöst. (…) Aber wir müssen die Auswüchse des Systems Schlesinger wieder auf Normalmaß zurückführen."
 
Eine besonders herausgehobene Führungsposition hat Vernau allerdings selbst inne, staunt Claudia Tieschky in der SZ: Vernau handelt "in einem quasi absolutistischen Machtgefüge, ohne die Geschäftsführung, die einer Intendantin sonst zur Seite steht: Seit sämtliche Direktorinnen und Direktoren des RBB aus der Schlesinger-Zeit entweder gekündigt (Arbeitsgerichtsprozesse laufen) oder im Einvernehmen verabschiedet wurden, ist Vernau Alleinherrscherin. Diejenigen Mitarbeiter, die mit ihr jetzt den Sender umkrempeln, stehen nicht einmal formal in der Verantwortung."

Anno Hecker erzählt auf anderthalb Feuilletonseiten der FAZ, wie Ines Geipel von zwei ehemaligen DDR-Sportlern, Henrich Misersky und Uwe Trömer, Dopging-Opfern wie sie, seit Jahren gestalkt wird - die Aufarbeitung des DDR-Dopings liegt darüber inzwischen in Trümmern. Die beiden durften sich in einer MDR-Doku äußern: "Der Film ist angekündigt als Aufarbeitung der Dopinggeschichte: 'Doping und Dichtung - Das schwierige Erbe des DDR-Sports'. Er suggeriert eine Diskussion. Aber es geht vorwiegend um Ines Geipel, um ihre Glaubwürdigkeit. Misersky und Trömer sitzen auf einem weißen Sofa, während sie der früheren Sprinterin Lüge und Hochstapelei unterstellen. Ihre Anklage: Ines Geipel sei als Sprinterin nie Weltklasse, nie Olympiakader, sie sei kein Dopingopfer und keine Dissidentin gewesen, brüste sich aber damit. Zu Wort kommt sie nicht. Ines Geipel hatte eine 'Mitwirkung' im November 2022 abgelehnt."

Unsaubere Recherchen wirft Michael Martens, ebenfalls in der FAZ, auch Jan Böhmermann vor, der sich in seinem "ZDF Magazin Royale" über den Hohen Repräsentanten in Bosnien-Herzegovina, Christian Schmidt, lustig gemacht hatte.

Das diesjährige Schlagerfestival von Sanremo, das in Italien an die Stelle großer christlicher Feiertage getreten zu sein scheint, bleibt wegen zahlreicher Skandale in den Schlagzeilen. Nun geht's auch um die staatliche Sendeanstalt RAI, die das Festival ausrichtet, berichtet Matthias Rüb in der FAZ: "Recherchen der Satire- und Investigativsendung 'Striscia la notizia' des privaten Fernsehsenders Mediaset (aus dem Hause Berlusconi) haben ergeben, dass die RAI gut 1.100 Mitarbeiter samt Angehörigen und Freunden zum Schlagerfestival in die Stadt an der ligurischen Blumenriviera geschickt hat, unter ihnen 80 Redakteure und Journalisten."