9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

375 Presseschau-Absätze - Seite 31 von 38

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2017 - Wissenschaft

Inder FR erzählt Ulrich Johannes Schneider, Chef der Universitätsbibliothek Leipzig, im Gespräch mit Arno Widmann, wie er versucht, "in der digitalen Welt die Nase vorn und den Kopf oben zu behalten". Das geht nicht ohne die Idee von Open Source, die die Bibliothek "unabhängig von Monopolprodukten auf dem engen Markt der Bibliothekssoftware macht. Wir haben zum Beispiel auf Basis von Open-Source-Software die Suchmaschine 'finc' für Bibliotheken entwickelt, mit der arbeiten jetzt noch 16 andere Bibliotheken deutschlandweit. Wir suchen immer Partner."

Außerdem: In der NZZ begeht der Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger die unsicheren und sich bewegenden Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.08.2017 - Wissenschaft

Und noch ein Hinweis auf drei Artikel aus dem amerikanischen Campus-Leben: Elle berichtet in einer ausführlichen, abwägenden Reportage über eine toughe Professorin mit einem reichlich losen Mundwerk, das ihr zum Verhängnis wurde, obwohl sie ihre Studenten auf ein Leben als Lehrer vorbereiten sollte. Und The Chronicle of Higher Education berichtet nicht weniger nuancenreich von einem nicht weniger großmäuligen Philosophieprofessor an der Texas A&M, der nur knapp seiner Entlassung entging, nachdem er mehrfach öffentlich erklärt hatte, Waffengewalt sei möglicherweise notwendig, um sich gegen Rassismus zu schützen. Und in Current Affairs erklärt Nathan J. Robinson Judith Butler und den Poststrukturalisten, dass eine "klare" Sprache nicht dasselbe ist wie eine "einfache" Sprache.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.07.2017 - Wissenschaft

Künstliche Intelligenz mag gefährlich sein, und Algorithmen sollten womöglich staatlicher Prüfung unterliegen, aber das ändert nichts daran, dass wir Menschen den Mitwesen mit unserer Intelligenz längst schon geschadet haben, sagt Johanna Bryson, Informatikprofessorin in Princeton, im Gespräch mit Marie Kilg von der taz: "Bis zu dem Zeitpunkt, als die Schrift erfunden wurde, gab es mehr Makaken als Hominiden auf dem Planeten. Jetzt haben wir dieses exponenzielle Wachstum, plötzlich sind wir sieben Milliarden Menschen. Das ist eigentlich großartig, denn es zeigt, dass wir sehr gut darin sind, zusammenzuarbeiten. Das Problem ist nur: Niemand hat sich je hingesetzt und gesagt: 'Hey, lasst uns alle anderen Säugetiere ausrotten.' Aber genau das tun wir, und für die längste Zeit wussten wir es nicht einmal. Künstliche Intelligenz ist nicht das Problem, wir sind das Problem."

In der SZ informiert Bernd Graff über "einen neuen Meilenstein" der Künstlichen Intelligenz: Forschern ist es gelungen, mithilfe einer Audiodatei Barack Obamas ein lippensynchrones Video herzustellen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.07.2017 - Wissenschaft

Der Germanist Michael Knoche, der bis vor kurzem die Herzogin Anna Amalia Bibliothek der Klassik-Stiftung Weimar leitete, drängt in der FAZ auf eine stärkere Förderung von Digitalisierung und Bestandserhaltung von Bibliotheken: "Was digitalisiert wird, sollte zugleich konservatorisch gesichert werden. Was gesichert ist, wird auch digitalisiert. Das Prinzip lautet: Konversion nicht ohne Konservierung. Die Verknüpfung ist auch betriebswirtschaftlich sinnvoll."

Grüne Gentechnik könnte viele Menschenleben retten. Zum Beispiel der in Freiburg angebaute "goldene Reis", der nach genetischer Manipulation Betacarotin enthält, eine Vorstufe von Vitamin A, die dem Vitamin-A-Mangel in armen Ländern abhelfen könnte. In einer jetzt online gestellten Reportage für die Zeit geht Max Rauner nun dem "ungeheuren Vorwurf" von 123 Nobelpreisträgern nach, "dass nämlich die Deutschen im Allgemeinen und Greenpeace im Besonderen mit daran schuld seien, dass die Reissorte aus dem Freiburger Gewächshaus in armen Ländern noch nicht auf dem Acker steht. Dass Hunderttausende Kinder noch leben würden, wenn Europa nicht so wissenschaftsfeindlich wäre. In ihrer Anklage an Greenpeace und die Vereinten Nationen schreiben die Nobelpreisträger von einem 'Verbrechen gegen die Menschlichkeit'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.07.2017 - Wissenschaft

Am Samstag starb in Kalifornien die iranische Mathematikerin Maryam Mirzakhani an Krebs. Die Vierzigjährige war die erste Frau, die die Fields Medaille gewonnen hatte - eine Art Nobelpreis für Mathematik. Selbst iranische Zeitungen waren so beeindruckt, dass sie die Nachricht ihres Todes mit Fotos von Mirzakhani ohne Kopftuch abdruckten, berichtet Saeed Kamali Dehghan im Guardian. "Mirzakhani won the prize in 2014 for her 'outstanding contributions to the dynamics and geometry of Riemann surfaces and their moduli spaces'. Christiane Rousseau, vice-president of the International Mathematics Union, said at the time it was 'an extraordinary moment' and compared it to Marie Curie's Nobel prizes in physics and chemistry at the beginning of the 20th century."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.07.2017 - Wissenschaft

Die Rede vom Anthropozän ist kein reines Pop-Phänomen, erläutert Manuela Tomic in der taz. Geologen streiten sich darüber, wie sie das neue Erdzeitalter definieren sollen: "Zeitalter der Erdgeschichte werden mittels eines umfassenden Regelwerks definiert. Über die Zeitskala wacht die Internationale Stratigrafische Kommission. Um den Beginn einer Epoche festzusetzen, wird diese meist mit einem neu auftretenden Leitfossil markiert und definiert. Wann dieser beim Anthropozän angesetzt sein soll, ist aber eine der am längsten diskutierten Fragen innerhalb der Arbeitsgruppe zum Anthropozän."
Stichwörter: Erdgeschichte, Anthropozän

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.07.2017 - Wissenschaft

Allen, die Sexualität für eine Konstruktion halten, aber auch jenen, die Homosexualität "widernatürlich" finden, schreibt Christian Stöcker in seiner Spiegel-online-Kolumne ins Stammbuch: "Für Homosexualität - und für Bisexualität - gilt das gleiche wie für Linkshändigkeit: Sie ist angeboren. Möglicherweise gibt es Menschen mit einer homo- oder bisexuellen genetischen Disposition, die aufgrund von Umwelteinflüssen ein Hetero-Leben führen, aber in einem Punkt sind sich die einschlägig forschenden Wissenschaftler einig: Die Gene - und vielleicht pränatale Hormone - spielen eine zentrale Rolle für die sexuelle Orientierung. "
Stichwörter: Sexualität, Homosexualität

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.05.2017 - Wissenschaft

Unterminiert das Englische als Koine, als überregionale Standardsprache, in den Wissenschaften die anderen nationalen Sprachen? Der Ägyptologe Antonio Loprieno plädiert in der NZZ für freihändige Flexibilität und räumt mit einem Vorurteil auf: "Es wird oft übersehen, dass die Dichotomie zwischen Koine und Dialekt auch für jene Sprecher gilt, deren Muttersprache Englisch ist. Scientific English ist in einem Pub in Glasgow eine Fremdsprache, und ich kenne einen englischen Ägyptologen, der während einer Konferenz meinte, der englische Vortrag einer belgischen Kollegin wäre besser verstanden worden, wenn er auf Französisch gehalten worden wäre. Durch den Gebrauch des Englischen als Koine sehen sich einige die Muttersprachler im Vorteil, da sich nur Letztere mit der gebotenen Präzision ausdrücken könnten. Das ist aber ein romantischer Trugschluss."

"Die Nachricht, dass man Hirnscanner auf einem für Endverbraucher erschwinglichen Preisniveau entwickelt, beschäftigt mich intensiv", erklärt der Musiker Peter Gabriel in der NZZ. Denn: "Unsere Gedanken stehen kurz davor, aus unseren Köpfen herauszutreten, von unserem Gehirn auf Computer übertragen zu werden, ins Internet und in die Welt. Wir betreten das Zeitalter des sichtbaren (und hörbaren) Denkens."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2017 - Wissenschaft

Nachrufe auf den amerikanischen Soziologen Benjamin Barber schreiben Harry Nutt in der FR und Jens-Christian Rabe in der SZ.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2017 - Wissenschaft

In der SZ-Diskussion um die Globalisierung hebt Gustav Seibt die Bedeutung der Globalgeschichte für die Diskussion hervor - weil sie nicht nur eine Geschichte der Globalisierung ist, sondern auch von deren Scheitern. Und: "Kluge Globalgeschichte kann mühelos auch mikrohistorisch vorgehen: In Akten der Stadt Bern fand beispielsweise der Mediävist Arnold Esch die Spuren von Schweizer Bergbauernsöhnen, die als Soldaten 1526 das päpstliche Rom plünderten, um wenige Jahre später als Söldner der Spanier am Untergang des Inka-Reichs mitzuwirken - Karl-May-Romane der frühneuzeitlichen Globalisierung."

"Definieren Sie jetzt doch mal endlich, was ist deutsch...". Dieser Frage möchte sich Raphael Gross, neuer Präsidenten des Deutschen Historischen Museums, in seiner Arbeit eher nicht stellen, bekennt er im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Denn: "Wenn ich Sie jetzt aber umgekehrt frage, was ist deutsch an einem VW, und was ist, wenn dieser VW in China herumfährt - haben wir dann deutsches Kulturgut exportiert? Und wenn Teile des Golfs in China gefertigt, womöglich sogar entwickelt wurden, ist dann mein Golf ein chinesisches Auto? Nur dann, wenn der Motor auch in China gefertigt wurde? Oder können schon die Rückspiegel die kulturelle Identität eines Autos verwässern?" Gross möchte lieber die "historische Urteilskraft" seines Publikums stärken: "Wenn etwa ein deutscher Politiker sagt, wenn die Schweiz jetzt dies und jenes nicht macht, dann müssen wir die Kavallerie schicken, dann löst er Resonanztöne aus, über die dieser Politiker vielleicht gar nicht nachgedacht hat."

So ganz überzeugt hat der "March for Sicence" Regina Mönch in der FAZ nicht, zumal man vor der Botschaft Ungarns protestierte, wo die Central European University abgeschafft werden soll, aber nicht vor der Russlands, wo die Wissenschaft längst gleichgeschaltet ist. Und "Das Motto 'Zu Fakten gibt es keine Alternative' klingt gut, widerlegte sich aber im Demonstrationsfluss immer wieder selbst. Da liefen sehr überzeugte Impfgegner und unweit davon die Wissenschaftler für den Impfschutz; die Gegner jeglicher Gentechnik und die Wissenschaftler der Biowissenschaften."

Außerdem: In der Boston Review bespricht William E. Scheuerman die Habermas-Biografie von Stefan Müller-Doohm. In der NYRB unterhält sich Tim Parks mit dem Philosophen Riccardo Manzotti über Traumexperimente in der Kunst.