In der
SZ-Diskussion um die Globalisierung hebt Gustav Seibt die Bedeutung der
Globalgeschichte für die Diskussion hervor - weil sie nicht nur eine Geschichte der Globalisierung ist, sondern auch von
deren Scheitern. Und: "Kluge Globalgeschichte kann mühelos auch
mikrohistorisch vorgehen: In Akten der Stadt Bern fand beispielsweise der Mediävist Arnold Esch die Spuren von Schweizer Bergbauernsöhnen, die als Soldaten 1526 das päpstliche Rom plünderten, um wenige Jahre später als Söldner der Spanier am Untergang des Inka-Reichs mitzuwirken - Karl-May-Romane der frühneuzeitlichen Globalisierung."
"Definieren Sie jetzt doch mal endlich,
was ist deutsch...". Dieser Frage möchte sich
Raphael Gross, neuer Präsidenten des Deutschen Historischen Museums, in seiner Arbeit eher nicht stellen, bekennt er im
Gespräch mit der
Berliner Zeitung. Denn: "Wenn ich Sie jetzt aber umgekehrt frage, was ist
deutsch an einem VW, und was ist, wenn dieser VW in China herumfährt - haben wir dann deutsches Kulturgut exportiert? Und wenn Teile des Golfs in China gefertigt, womöglich sogar entwickelt wurden, ist dann mein Golf ein chinesisches Auto? Nur dann, wenn der Motor auch in China gefertigt wurde? Oder können
schon die Rückspiegel die kulturelle Identität eines Autos verwässern?" Gross möchte lieber die "historische Urteilskraft" seines Publikums stärken: "Wenn etwa ein deutscher Politiker sagt, wenn die Schweiz jetzt dies und jenes nicht macht, dann müssen wir die Kavallerie schicken, dann löst er
Resonanztöne aus, über die dieser Politiker vielleicht gar nicht nachgedacht hat."
So ganz überzeugt
hat der "
March for Sicence" Regina Mönch in der
FAZ nicht, zumal man vor der Botschaft Ungarns protestierte, wo die Central European University abgeschafft werden soll, aber nicht vor der Russlands, wo die Wissenschaft längst gleichgeschaltet ist. Und "Das Motto 'Zu Fakten gibt es keine Alternative' klingt gut, widerlegte sich aber im Demonstrationsfluss immer wieder selbst. Da liefen sehr
überzeugte Impfgegner und unweit davon die Wissenschaftler für den
Impfschutz; die Gegner jeglicher Gentechnik und die Wissenschaftler der Biowissenschaften."
Außerdem: In der
Boston Review bespricht William E. Scheuerman die
Habermas-
Biografie von Stefan Müller-Doohm. In der
NYRB unterhält sich Tim Parks mit dem Philosophen
Riccardo Manzotti über Traumexperimente in der Kunst.