Nicht die Suche nach einer gemeinsamen Sprache zwischen Geistes- und Naturwissenschaften führt zu einer "
dritten Kultur", sondern im Gegenteil
Vielsprachigkeit,
meint der Chemiker Gerd Folkers in der
NZZ und nennt einige Beispiele für gelingende Interdisziplinarität: "So ist ein kürzlich gegründetes
Zentrum für Robotik nicht nur mit Ingenieurinnen, Hirnforschern und Physikerinnen besetzt, sondern auch mit Philosophen, Soziologinnen, Linguisten und Juristen. So studieren Physiker die japanische
Pinselschrift der Tokugawa-Zeit, um besser zu verstehen, was unser Gehirn von optischer Information lernt und was es sich als Weltmodell aus Vorurteilen zusammenbastelt."
Ein anderes interdisziplinäres Projekt stellt Fridtjof Küchemann in der
FAZ vor. Es geht um die
Zukunft des Lesens ohne physisches Buch. Mehr als hundertfünfzig Wissenschaftler haben sich laut Küchemann zur internationalen Initiative E-Read zusammengeschlossen: "Welchen Einfluss hat das Lesegerät auf unsere Fähigkeit,
das Gelesene zu erinnern? Welchen darauf, sich ins Lesen auch vertiefen zu können? Oder sich in das Gelesene einzufühlen? Welche Unterschiede gibt es hierbei zwischen Jüngeren und Älteren, zwischen Leseanfängern und souveränen Lesern, zwischen Männern und Frauen, zwischen den sogenannten digital natives und digital immigrants? Wenn wir das Lesen als eine für unsere Zivilisation zentrale Technik begreifen: Welche kognitiven, kulturellen und sozialen Implikationen hat dessen
Digitalisierung?"