9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.04.2017 - Wissenschaft

Eine Reihe prominenter Wissenschaftler protestiert in einem von der FAZ veröffentlichten Appell gegen die vom Orban-Regime betriebene Schließung der Central European University in Budapest: "Nachdem der ungarische Staatspräsident die Gesetzesnovelle am 10. April unterzeichnet hat, ist mit einer Korrektur der Gesetzgebung in Ungarn nicht mehr zu rechnen. Deshalb fordern wir die europäischen Regierungen und insbesondere die Europäische Kommission dazu auf, geeignete Schritte, gegebenenfalls ein Vertragsverletzungsverfahren, einzuleiten, um zu gewährleisten, dass die Central European University weiterhin in Budapest arbeiten kann."

Im Guardian kann der britische Autor Tibor Fischer die Aufregung nicht nachvollziehen.

Außerdem: In der taz macht Manfred Ronzheimer auf einen morgen stattfindenden "March for Science" aufmerksam, der sich unter anderem gegen Donald Trumps Klimaleugnerei wenden soll. In der FAZ erklären der Politologe Karsten Fischer und der Mediävist Peter Strohschneider, warum sie den "March for Science" unterstützen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.04.2017 - Wissenschaft

In der SZ stellt Christopher Schrader in einer Reportage das von dem Physiker Neil Turok gegründete Mathematik-Internat "African Institute for Mathematical Sciences" (Aims) bei Kapstadt vor: "In seiner Dankesrede für einen Preis der gemeinnützigen Organisation Ted sagte Turok 2008: 'Wenn Afrika gerettet werden kann, dann von den jungen Leuten, nicht von uns.' Er wünsche sich, dass der nächste Einstein aus Afrika kommen werde, und am besten auch die nächsten Gates, Brins und Pages. Dazu zeigte Turok eine Weltkarte, bei der die Fläche der Länder nach ihrem Anteil an den wissenschaftlichen Publikationen verzerrt worden war. Während die USA, Großbritannien oder Deutschland wie aufgepumpt wirkten, baumelte Afrika wie eine knittrige Krawatte vom Stiernacken Europas. Der Anblick habe ihn schockiert, sagte der Physiker."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2017 - Wissenschaft

Sibylle Anderl stellt im Feuilleton-Aufmacher der FAZ Thomas Royen vor, einen "Mathematik-Rentner aus dem Taunus", der "die Gaußsche Korrelationsungleichung gefunden hat, ein Problem, an dem sich Mathematiker viele Jahrzehnte lang die Zähne ausgebissen hatten". Den Beweis hat er schon vor drei Jahren geführt. Aber niemand hat es gemerkt: "In Deutschland hatte er mit dem niedrigen Ansehen der Fachhochschulen zu kämpfen. 'Wenn man in Deutschland nicht an einer Universität ist, dann gilt man ja nichts.' Er lacht."
Stichwörter: Mathematik, Mathematiker

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.04.2017 - Wissenschaft

Paul-Anton Krüger besucht für SZ und TagesAnzeiger das irakische Mossul, in dem der IS an Kulturzeugnissen zerstört hat, was er nur konnte: "Wo einst eine der wenigen erhaltenen und wohl bestausgestatteten archäologischen Stätten Iraks mit weitläufigen Palästen früheren Glanz erahnen ließ, sind heute nur ein paar Mauer-Grundrisse übrig, aufgefüllt mit Schutt. Manche lassen noch die Ketten-Spuren von Bulldozern erkennen, obwohl der Frühjahrsregen seit Wochen die rote Erde auswäscht. Auch hier haben die Dschihadisten Reliefs mit Elektromeißeln und Baumaschinen zerstört, haben mit Winkelschleifern Metallklammern zerschnitten, die Platten an den Wänden hielten."

In der NZZ widerspricht der Konstanzer Zoologe und Evolutionsbiologe Axel Meyer den Behauptungen der Gender-Studies, das Geschlecht des Menschen sei rein kulturell bestimmt. Geradezu wissenschaftsfeindlich findet er diese Aussage: "Biologie ist kein '-ismus'. Sie ist eine objektive experimentelle Wissenschaft wie die Physik. Ihre Erkenntnisse haben auch für die kulturellste aller Arten, den Homo sapiens, Gültigkeit. Es ist eine sehr kleine Minderheit, die sich nicht dem einen oder dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt oder sich nicht zweifelsfrei physisch zuordnen lässt. Rund 95 Prozent der Menschen der meisten Populationen der Welt sind heterosexuelle Frauen oder Männer ..."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.03.2017 - Wissenschaft

In der NZZ denkt der Astrophysiker Martin Rees über die Möglichkeit eines Multiversums nach. "Die Vorstellung ist atemberaubend, aber sie ist mittlerweile im Mainstream kosmologischen Denkens angekommen: Die physische Realität könnte um ein Vielfaches größer sein als das, was wir bis dato 'das Universum' genannt haben. Unser kosmisches Umfeld könnte reich gewirkt und vielschichtig sein, aber in so gewaltigen Größenordnungen, dass unsere Astronomie nur einen winzigen Bruchteil davon erfasst." Daneben denkt der Physiker und Unternehmer Yuri Milner über die mögliche Kolonisierung des Weltraums nach.

Joachim Müller-Jung stellt in der FAZ ein von liberalen Professoren verfasstes Papier über die "Ethische und rechtliche Beurteilung des genome editing in der Forschung an humanen Zellen" (hier als pdf-Dokument) vor und fürchtet, dass das sehr restriktive deutsche Verbot von Forschung an Embryonen in frühesten Stadien aufgeweicht werden könnte.

Außerdem: In der NZZ beschreibt Bernd Noack die Arbeit mit einer Lochkamera.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.03.2017 - Wissenschaft

Die vor allem mit amerikanischen Geld finanzierte trotzkistische Partei für Soziale Gleichheit (PSG - Socialist Equality Party) und ihr Ableger, die "International Youth and Students for Social Equality" (IYSSE) haben sehr erfolgreich eine Kampagne losgetreten, die Professoren wie Herfried Münkler oder Jörg Baberowski als "rechtsextrem" denunziert und Veranstaltungen mit den beiden verhindert, schreibt Heike Schmoll in der FAZ. Die Universitäten tun sich dabei nicht als Verteidiger der freien Rede hervor, so Schmoll: "das Präsidium hat sich in Bremen genauso wenig entschlossen gezeigt, den freien Diskurs zu sichern, wie an anderen Universitäten. In Berlin hat es nach Auskunft von HU-Präsidentin Sabine Kunst schon Solidaritätserklärungen für Baberowski gegeben; sehr lautstark können sie kaum gewesen sein, sonst wären sie der Öffentlichkeit aufgefallen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.03.2017 - Wissenschaft

Lange hat man die Künstliche Intelligenz herbeigeredet. Jetzt kommt sie, schreibt Sascha Lobo in seiner Spiegel-online-Kolume und belegt diese Behauptung mit einem Google-Brain-Tweet, das die Wirkung selbständig "vermutender" Software unterstreicht:


"Die künstliche Intelligenz hatte die drei Pixelhaufen links als Ausgangsmaterial. Daraus hat die Maschine die Bilder in der Mitte berechnet. Rechts findet sich die Auflösung, nämlich die tatsächlichen Bilder hinter den Pixelhaufen. Die KI ist verstörend nah an die Realität herangekommen, und das heißt: Sie muss sich zur Auswertung nicht mehr nur auf die vorhandenen Daten stützen - künstliche Intelligenz kann mit hoher Treffsicherheit Daten vermuten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.03.2017 - Wissenschaft

Nicht die Suche nach einer gemeinsamen Sprache zwischen Geistes- und Naturwissenschaften führt zu einer "dritten Kultur", sondern im Gegenteil Vielsprachigkeit, meint der Chemiker Gerd Folkers in der NZZ und nennt einige Beispiele für gelingende Interdisziplinarität: "So ist ein kürzlich gegründetes Zentrum für Robotik nicht nur mit Ingenieurinnen, Hirnforschern und Physikerinnen besetzt, sondern auch mit Philosophen, Soziologinnen, Linguisten und Juristen. So studieren Physiker die japanische Pinselschrift der Tokugawa-Zeit, um besser zu verstehen, was unser Gehirn von optischer Information lernt und was es sich als Weltmodell aus Vorurteilen zusammenbastelt."

Ein anderes interdisziplinäres Projekt stellt Fridtjof Küchemann in der FAZ vor. Es geht um die Zukunft des Lesens ohne physisches Buch. Mehr als hundertfünfzig Wissenschaftler haben sich laut Küchemann zur internationalen Initiative E-Read  zusammengeschlossen: "Welchen Einfluss hat das Lesegerät auf unsere Fähigkeit, das Gelesene zu erinnern? Welchen darauf, sich ins Lesen auch vertiefen zu können? Oder sich in das Gelesene einzufühlen? Welche Unterschiede gibt es hierbei zwischen Jüngeren und Älteren, zwischen Leseanfängern und souveränen Lesern, zwischen Männern und Frauen, zwischen den sogenannten digital natives und digital immigrants? Wenn wir das Lesen als eine für unsere Zivilisation zentrale Technik begreifen: Welche kognitiven, kulturellen und sozialen Implikationen hat dessen Digitalisierung?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.03.2017 - Wissenschaft

Iranische Studenten sind erstklassig ausgebildet und hoch motiviert. Viele würden gern im Ausland weitermachen und seit die USA ein Einreiseverbot verhängt haben, steht auch Deutschland in der Wahl, berichtet Patrick Illinger in der SZ. Doch da steht der deutsche Amtsschimmel gegen: "Professoren und Studenten tun sich allerdings noch schwer mit der Kontaktaufnahme. Die Visapolitik Deutschlands wird als restriktiv wahrgenommen und die Wissenschaftslandschaft als schwer durchschaubar: 'DAAD, Max-Planck, DFG…', fragt ein Ingenieur, 'wer ist denn da für was zuständig?' Und ein Student meint, in Deutschland sei es wohl unüblich, einen Professor direkt anzuschreiben. Von amerikanischen Forschern bekomme man stets und prompt eine Antwort."
Stichwörter: Iran, Daad

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.02.2017 - Wissenschaft

Die Technische Universität in Berlin denkt darüber nach, alle Fachzeitschriften des Elsevier Verlags abzubestellen, berichtet Astrid Herbold im Tagesspiegel und zitiert den TU-Präsidenten Christian Thomsen, der über die exorbitanten Preise und Margen der Wissenschaftsverlage klagt. Ein Ausstieg der TU hätte enorme symbolische Bedeutung, so Herbold: "Die TU hat keinen Einzelvertrag mit Elsevier abgeschlossen, sondern verhandelt als regionales Konsortium gemeinsam mit der Humboldt-Universität, der Freien Universität und der Charité ihre Journalpakete. Gut möglich also, dass die anderen drei Berliner Schwergewichte es in den kommenden Monaten der TU gleichtun. Das würde - auch auf der internationalen Bühne - seine Wirkung nicht verfehlen."