Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Französischer Film - 13 Artikel - Seite 1 von 2

Auf dem Narrenschiff: "Sur L'Adamant" von Nicolas Philibert (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 25.02.2023 Die Adamant ist ein echtes Narrenschiff, ein wunderschönes Hausboot mit hölzernen Verschlägen, das an einem Quai der Seine mitten in Paris vor Anker liegt, im Schatten der Hochbahn und riesiger Platanen. Das Schiff dient mehreren psychiatrischen Krankenhäuser als Tagesklinik, sie ist das selten gewordene Beispiel einer zugewandten, offenen und freien Psychiatrie. Man kann nicht sagen, ob und wie die Patientinnen und Patienten hier therapeutisch behandelt werden, davon sehen wir nichts. Von Thekla Dannenberg

Triptychon des Schmerzes: Rithy Panhs "Irradiés" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 28.02.2020 Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer - darum kreist das Schaffen des kambodschanischen Filmemachers Rithy Panh. In weniger als vier Jahre wurden fast zwei Millionen Menschen ermordet, fast ein Viertel der Bevölkerung. Rithy Panhs Familie wurde - wie Tausende von Städtern, die als bürgerlich, intellektuell, korrumpiert und verdorben galten - zur Umerziehung in Arbeitslager auf das Land geschickt, Rithy Panh war damals elf Jahre alt, er verlor seine Familie und floh allein über Thailand nach Frankreich. Von Thekla Dannenberg

Humor in gelber Weste: Benoît Delépines und Gustave Kerverns "Effacer l'historique" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 24.02.2020 Das französische Regieduo Benoît Delépine und Gustave Kervern hat sich auf einen Humor kapriziert, der zwischen charmanter Komödien und sozialer Groteske oszilliert. Gerard Depardieu spielte im schrägen "Mammuth" einen Schlachter, der in Rente geht und auf eine Tour de France durch sein gelebtes Leben aufbricht. Auch "Saint Amour" war ein poetisch-anarchisches Roadmovie, dessen Deadpan-Witz allerdings nicht immer zünden wollte. Mit "Effacer l'historique" haben sie nun eine Komödie vorgelegt, in der die Könige der echten Idioten den Kampf gegen die künstliche Intelligenz aufnehmen. Gelöscht werden soll nicht die Geschichte, sondern der Verlauf im Browser. Es ist ein echter Gelbwesten-Film, mit obligatorischem Cameo-Auftritt von Michel Houellebecq. Von Thekla Dannenberg

A ma facon: Agnes Vardas "Varda par Agnès" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2019 Erstaunlich, was alles in ein Leben passt. Agnes Varda ist Filmemacherin, Installationskünstlerin, Fotografin, Dokumentarin, sie interessiert sich für neue Musik, Politik, und Menschen, die ausgemusterte Kartoffeln vom Acker sammeln. Ihr Film "Varda par Agnès", der im Wettbewerb außer Konkurrenz läuft, zeigt die 90-Jährige auf der Bühne eines Theaters sitzend, wo sie Filmstudenten von ihrem Leben und ihrer Arbeit erzählt. Dazwischen sind Filmszenen geschnitten, oder Szenen, in denen sie an den Drehorten über ihre Arbeit spricht. Unprätentiös, engagiert, witzig und ungemein lebendig. Es geht bei ihr immer um beides: Warum sie etwas gemacht hat und wie sie es gemacht hat, welche Form sie sich dafür ausgedacht hat. Von Anja Seeliger

Ein größerer Rhythmus: François Ozons "Grâce à Dieu" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019 Alexandre sieht genauso aus, wie Pariser, die froh sind, nicht in der Provinz leben zu müssen, sich den Lyonnaiser Bourgeois vorstellen: brav gescheitelt, mit Barbour-Jacke, fünf Kindern, darunter nur einem Töchterchen, einer hübschen Frau, und gutem Auskommen. Alexandre ist einer, der - gibt es das wirklich noch? - seine Mutter siezt. Alexandre geht jeden Sonntag zur Messe, und seine Kinder, die vorher brav Klavier üben, gehen brav mit. Alexandre glaubt wirklich noch dran. Und seine Frau, die ihn den ganzen Film über nach Kräften unterstützt, glaubt auch dran und ist Lehrerin am katholischen Gymnasium. Von Thierry Chervel

Die Unberührbare: Emily Atefs Romy-Schneider-Film "3 Tage in Quiberon" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 19.02.2018 Unter der Zwischenüberschrift "Das Verhör - Die zwei Gesichter einer Frau" findet man in Romy Schneiders Autobiografie jenes große Interview, das die Schauspielerin im Frühjahr 1981, ein Jahr vor ihrem Tod, dem Stern gegeben hat - während eines Kur- und Fasten-Aufenthalts in der französischen Hafenstadt Quiberon. "Die zwei Gesichter einer Frau", so lautet auch der Titel eines der letzten Schneider-Filme, Regie Dino Risi. Von Thomas Groh

Die üblichen Anfechtungen: Cedric Kahns "La Priere" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2018 In der Geschichte des französischen Kinos ist der Katholizismus ein bedeutender Unterstrom, auch wenn er von außen wenig wahrgenommen wird. Aber Robert Bresson, Alain Cavalier, Maurice Pialat sind erzkatholische Regisseure und haben Filme gemacht, die nicht nur von Religiosität durchdrungen sind, sondern sie auch predigen. Bressons "Au hasard Balthazar" ist vielleicht der überwältigendste Film dieser katholischen Tradition, ein Monument des Leidens und des Mitleids. Von Thierry Chervel
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