Außer Atem: Das Berlinale Blog

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Im Meer der Unwägbarkeiten

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2021 Die Festivalleiter Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian stellen das Programm ihrer gesplitteten Berlinale vor. Im März laufen Filme fürs Fachpublikum. Im Juni hofft man dann wieder auf Zuschauer. Der Wettbewerb verspricht mit Céline Sciamma, Hong Sangsoo und Dominik Graf gesetzte Größen, die Reihe "Encounters" Innovation und kosmopolitisches Flair. Preise für Schauspieler und Schauspielerinnen gibt es aber nicht mehr, nur noch für Schauspielende. Von Thekla Dannenberg

Miteinander, mit der Natur: "The Works and Days (of Tayoko Shiojiri in the Shiotani Basin)" (Encounters)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 29.02.2020 Lange Filme haben auf der Berlinale natürlich von jeher Tradition, aber der erste Festivaljahrgang von Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek ist vielleicht doch noch ein bisschen mehr eine Berlinale der langen Kinotage. 200 Minuten "Malmkrog", 250 Minuten mit Hillary Clinton, sechs plus zweieinhalb Stunden "DAU". Und dann ist da noch dieser Film mit dem langen Titel, der formatsprengendste Beitrag zur ohnehin formatsprengenden (und famos kuratierten) neuen Sektion Encounters, die dem in diesem Jahr ebenfalls starken Wettbewerb noch einmal den Rang abläuft. Von Jochen Werner

Den Hocker wegziehen: Mohammad Rasoulofs "There is No Evil" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 28.02.2020 Ausführlich, fast schon mit pädagogischer Geduld, und auch wohl an sein internationales Publikum gewandt, zeigt Mohammad Rasoulof in der ersten Episode seines Films, dass man in Teheran ein ganz gewöhnliches und keineswegs unkomfortables Leben leben kann. Der Supermarkt ist gut gefüllt, das Ministerium teilt einem eine ordentliche Portion Reis zu, man kann der kleinen Tochter den Wunsch erfüllen, abends eine Pizza essen zu gehen (sie muss natürlich vorher ihre Hausaufgaben machen). Aber auf dem Amt, auf dem Heshmat arbeitet, beginnt der Arbeitstag früh, der Wecker klingelt um drei. Von Thierry Chervel

Triptychon des Schmerzes: Rithy Panhs "Irradiés" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 28.02.2020 Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer - darum kreist das Schaffen des kambodschanischen Filmemachers Rithy Panh. In weniger als vier Jahre wurden fast zwei Millionen Menschen ermordet, fast ein Viertel der Bevölkerung. Rithy Panhs Familie wurde - wie Tausende von Städtern, die als bürgerlich, intellektuell, korrumpiert und verdorben galten - zur Umerziehung in Arbeitslager auf das Land geschickt, Rithy Panh war damals elf Jahre alt, er verlor seine Familie und floh allein über Thailand nach Frankreich. Von Thekla Dannenberg

Sinkende Gefühle in Bangkok: Tsai Ming-Liangs "Rizi" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 27.02.2020 Am Ende, in der vorletzten Einstellung, liegt der ältere Mann (Lee Kang-Sheng) im Bett, Großaufnahme des Gesichts, auf der Seite. Ein paar Minuten bleibt diese Einstellungen stehen, wie so gut wie alle Einstellungen stehen bleiben, nicht strikt, aber vorwiegend starr, nichts tut sich im Bild, denkt man, bis man zu merken beginnt, wie sich in den Augen Lichtpünktchen spiegeln, rötlich, etwas, aufblinkend, verschwindend, aufblinkend, man weiß nicht genau, was sich da spiegelt, denn in der nächsten Einstellung, es ist dann die letzte, ist man an einem anderen Ort, in der Stadt, da sitzt der jüngere Mann auf einer Bank und wartet, denkt man, auf den Bus, nur dass er aufstehen wird, bevor ein Bus oder sonst etwas kommt. Er hat nur eine Weile an der Spieluhr gedreht. Von Ekkehard Knörer

Durchschaut die Finanzmatrix: Carmen Losmanns "Oeconomia" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 27.02.2020 Carmen Losmanns Dokumentation "Oeconomia" stürzt sich in die Welt der Finanzwirtschaft, was filmisch immer eine recht undankbare Aufgabe ist, aber natürlich ein lobenswertes Unterfangen. Der Film wird bereits heiß diskutiert, denn Losmann versucht den Zusammenhang zu belegen zwischen Wirtschaftswachstum, Vermögensbildung und Verschuldung. Harter Stoff. Sie trifft sich dafür mit dem kritischen Arbeitskreis Wirtschaft in Frankfurt und befragt Chefvolkswirte, Finanzvorstände und Investmentberater. Da viele nicht mit ihr reden wollte, baut sie auch die Absagen und Ablehnungen mit ein. Von Thekla Dannenberg

Dieser ganze Wahrheits-Buzz - die Berlinale-Presseschau

Außer Atem: Das Berlinale Blog 27.02.2020 Hat Wucht, aber es fehlt die Leichtigkeit: Burhan Qurbanis Döblin-Neuverfilmung "Berlin Alexanderplatz". Große Aufregung um "DAU.Natascha", den Skandalfilm des Festivals: Verfilmter Machtmissbrauch, große Filmkunst oder am Ende doch nur eine Kapitulation der Kunst? Javier Bardem hat Demenz: Sally Potters "The Roads not Taken" enttäuscht die Kritiker. Der Berlinale-Mittwoch im Pressespiegel. Von Thomas Groh

Feier des Schmerzes: Sally Potters "The Roads not Taken" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 26.02.2020 Die Vorspänne der Filme werden immer länger. Bis die Geldgeber aus aller Welt genannt sind, vergeht in Sally Potters Film eine beträchtliche Zeit, in der das Telefon so unablässig klingelt wie die Türklingel. Doch während die Zuschauer schon Nerven zeigen, liegt Leo wie gelähmt in seinem Bett, in einer schäbigen Wohnung in Brooklyn direkt an der Hochbahn, und starrt an die Decke. Javier Bardem spielt diesen Leo, der in seiner Welt versunken ist, dement und depressiv. Erinnerungen blitzen auf, an die geliebte Dolores (Selma Hayek). Auf Spanisch sagt er zu ihr, dass er nicht mitkomme, zu dieser Feier des Schmerzes, zu diesem Zirkus, reiner Aberglauben sei das. Von Thekla Dannenberg