Nicht erst seit dem Fall Gurlitt gelangt mit der Restitution von NS-Raubkunst ein vermeintlich abgeschlossener Teil der Vergangenheitsaufarbeitung wieder mit Wucht in die gegenwärtige Debatte. Über Bedingungen und Modalitäten wird weiter intensiv gestritten, ohne dass dabei der Akt der Wiedergutmachung als sozial anspruchsvoller Rückgabeprozess verstanden wird. Sophie Schönberger entfaltet in ihrem Buch die These, dass dieses Zurückgeben nur als bewusste vergangenheitspolitische Maßnahme eingesetzt werden kann, die einer aktiven narrativen Einbettung auf der Seite der Zurückgebenden bedarf. Dabei geht sie vor allem der Frage nach, welche besondere Funktion gerade die Rückgabe von Kunst erfüllt, da Kunstwerke sich zwar einerseits in spezieller Weise als vergangenheitspolitische Projektionsfläche eignen, historische Wunden aber nicht nur heilen, sondern auch aufreißen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2019
Patrick Bahners empfiehlt das Buch der Rechtswissenschaftlerin Sophie Schönberger als anregend und informativ in Sachen Raubkunstdebatte. Bahners erfährt, dass Deutschland schlicht versäumt hat, Gesetze zu schaffen, und moralische Präferenzen dabei eher keine Rolle spielen. Der Rezensent schätzt die argumentative Schärfe, mit der die Autorin die deutschen Verhältnisse rechtshistorisch vergleichend einordnet, aber auch den Mix aus rechtstechnisch genauer Untersuchung und rechtssoziologisch Grundsätzlichem. Auch wenn die Autorin die Rückgabe laut Bahners recht knapp als "anthropologische Universalie" ausweist - einen wertvollen Debattenbeitrag leistet sie allemal, findet er.
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