Verbirgt sich hinter aufschlussreichem Material: Leni Riefenstahl. Morgen startet AndresVeiels Dokumentarfilm "Riefenstahl", der bereits bei den Filmfestspielen in Venedig sehr viel Aufmerksamkeit erhalten hat (unsere Resümees). Gemeinsam mit Produzentin Sandra Maischberger hat Veiel dafür den umfangreichen, von der Nazi-Regisseurin in eigener Sache vorsortierten Nachlass kritisch ausgewertet und dabei "Risse gefunden in den Legenden, die Riefenstahl um sich selbst herum strickte", schreibt Susan Vahabzadeh in der SZ. "Und manchmal legt eine kleine Geste eine Unwahrheit frei. Was dabei entsteht, ist das sehr genaue Psychogramm einer Lügnerin. Wie Leni Riefenstahl damit durchkam, immer nichts gewusst zu haben, und wie viel Beifall sie dafür bekam, ist allerdings auch ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte."
Der Film versammelt zwar "fraglos aufschlussreiches, auch belastendes Material",stellt Peter Körte online nachgereicht fest. Doch stellen sich dem FAS-Kritiker vor allem viele Fragen. Nur ein paar davon: "Will man all das wirklich wissen" und "ist überhaupt eine Neufassung oder Revision des Riefenstahl-Bildes fällig? ... Warum 'Riefenstahl'? Erzählt der Film irgendetwas Neues über einen Modus der Verdrängung, wie er im Nachkriegsdeutschland üblich war? Liegt sein Aktualitätsbezug ... wirklich in der 'Permanenz ihrer Ästhetik', wie sie zum Beispiel in Moskauer Mai-Paraden oder Pekinger Olympiafeiern zu erkennen sei? 'Riefenstahl' wirkt am Ende wie ein großer Anmerkungsapparat zu einer Causa, dielängstabgeschlossen ist." Stefan Reinecke (taz) und Johanna Adorján (SZ) haben mit Veiel gesprochen.
Außerdem: Valerie Dirk resümiert im Standard die Viennale, die mit dem Wiener Filmpreis für MoHarawes "The Village Next to Paradise" zu Ende gegangen ist. Dietmar Dath blickt in der FAZ online nachgereicht auf GerhardKleinsDEFA-Klassiker "Berlin - Ecke Schönhauser" zurück.
Besprochen werden AlfonsoCuarónsApple-Serie "Disclaimer" (Jungle World), ElenaWolffs "Asche" (Standard), AlPacinos Memoiren (für die SZ online nachgereicht vom TA) und HaukeWendlersZDF-Doku "Steuerparadies Deutschland" darüber, warum Deutschland seit 1997 seine Vermögenssteuer ausgesetzt hat (taz).
Patrick Heidmann unterhält sich für die FR mit PedroAlmodóvar über dessen aktuellen Film "The Room Next Door" (unser Resümee). Leo Geisler widmet sich in seiner Filmdienst-Reihe über Heist-Movies JacquesAudiards "Lippenbekenntnisse". Besprochen werden AndresVeiels Dokumentarfilm über LeniRiefenstahl (FAZ, hier unsere Resümees vom Filmfestival Venedig), die ZDF-Serie "BFF - Best Family Forever" (taz) und Shiori Itos in der Schweiz startender Dokumentarfilm "Black Box Diaries", in der die japanische Journalistin schildert, wie lange sie dafür kämpfen musste, dass ihr Vergewaltiger vor Gericht landet (NZZ).
Zeigt neue Strukturen der Fürsorge: "Dear Beautiful Beloved" Die Viennale zeigt JuriRechinskys Dokumentarfilm "Dear Beautiful Beloved" über den Kriegsalltag der Menschen in der Ukraine, über "die unsichtbaren Leidenden hinter dem Krieg", wie Jakob Thaller im Standardschreibt. "Man sieht neue Strukturen der Fürsorge, die sich inmitten der Zerstörung gebildet haben - alte und kranke Personen, die sich nicht selbst in Sicherheit bringen können. ... Immer ist die Kamera ganz nah am Geschehen. Die unerträgliche Zerstörung, die der Krieg ausgelöst hat, wird sichtbar, aber bleibt trotzdem unbegreifbar. ... Als eine Mutter einen dieser Leichensäcke öffnet und ihren Sohn darin sieht, bricht sie in Tränen aus. Menschen stehen um sie herum, sie schluchzt untröstlich. 'Dear Beautiful Beloved' ist schwer zu ertragen. Schmerzhaft erinnert er uns daran, dass es im Krieg ausschließlich Verlierer gibt."
Weiteres: Valerie Dirk spricht für den Standard mit MatiDiop über ihren auf der Berlinale ausgezeichneten Restitutionsdokumentarfilm "Dahomey" (mehr dazu hier). Fabian Tietke empfiehlt in der taz die Edward-Yang-Retrospektive im Berliner Zeughauskino. Besprochen wird Pedro Almodóvars "The Room Next Door" (Jungle World, mehr dazu hier).
Ein Verlust: EckhartSchmidt ist tot. Als Teil der Münchner Gruppe wurde er 1967 mit "Jet Generation" bekannt, sein wohl bekanntester Film war der Neonlicht-Psychothriller "Der Fan" aus den frühen Achtzigern mit der jungen Désiree Nosbusch - seinerzeit als Skandal diskutiert. "Die Unermüdlichkeit, mit der Schmidt in all den Jahren bis heute sein Kino machte", schreibt Fritz Göttler im SZ-Nachruf, "ist unermesslicher und radikaler als die seiner Münchner Freunde und Kollegen." Bei der Kritik fiel Schmidt irgendwann in Ungnade, in den letzten Jahrzehnten drehte er digital und als Self-Publisher. "Diese späten Filme und Bücher bilden ein magisches Gewebe aus Erinnerungen und Improvisation, das Kino als Ort anheimelnder Unsicherheit, ohne Anfang und Ende, Einstieg und Ausweg, eine Traumwelt, in der man sich bedingungslos verlieren muss." Hier der Trailer zu "Jet Generation":
Außerdem: Galo E. Rivera wünscht sich im Tagesspiegel das Kino als Diskursraum zurück und plädiert für den Kinobesuch als "Gemeinschaftserlebnis". Für die WamS spricht Martin Scholz mit DenisVilleneuve über dessen "Dune"-Filme.
Besprochen werden unter anderem MatiDiops essayistischer Dokumentarfilm "Dahomey" (FAZ, mehr dazu bereits hier), SeanBakers in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnete Komödie "Anora" (taz), ein Luxusband aus dem Taschen Verlag über DonaldDuck (online nachgereicht von der NZZ), Chris Nashs Meta-Slasherfilm "In a Violent Nature" (Presse), Aaron Schimbergs auf der Viennale gezeigter "A Different Man" (Standard), die ARD-, bzw. ZDF-Serien "30 Tage Lust" und "BFF - Best Family Forever" (FAZ, BLZ) und Kelly Marcels Superheldenfilm "Venom - The Last Dance" (NZZ).
Die Filmkritik ist ökonomisch im Niedergang, stellt Rüdiger Suchsland in seiner Artechock-Glosse fest, nachdem er die Nominierten für den Siegfried-Kracauer-Preisfürdie besteFilmkritik des Jahres durchgesehen hat: "Vier der Nominierungen gingen an Kollegen, die im Online-Bereich arbeiten, nur eine an eine Print-Redakteurin, und die kommt aus der Schweiz. Nun wird aber online leider fast nichts verdient. Erkennbar ist hier zunächst mal aber die Abdankung der traditionellen Print-Medien vom traditionellen Journalismus, erst recht von der Kulturkritik. Zudem ist es auch sehr traurig, dass offenbar niemandem bislang aufgefallen ist, dass es zwar einen neugeschaffenen Preis für die 'Beste Innovative Form der Filmkritik' gibt, aber kein Jahresstipendium mehr. Und gekürzte Preisgelder." Ausgerufen wird der Preis vom Verband der deutschen Filmkritik, finanziert von der Filmförderung in Baden-Württemberg. Der Preis für die "beste innovative Form der Filmkritik" geht an dieses Diskursvideo (mehr dazu hier):
Welt-Kritiker Jakob Hayner gewinnt bei MatiDiops auf der Berlinale preisgekröntem, nun in Deutschland anlaufenden Restitutionsessay "Dahomey" (unser erstes Resümee) den Eindruck, "dass sich Diop selbst im Weg steht, dass ihre Parteinahme das Dokumentarische beschränkt." So lässt sie etwa "die Chance liegen, den Charakter des titelgebenden Königreichs - nämlich: Eroberungspolitik und Versklavung - stärker einzubeziehen. Oder allgemeiner etwas über Kunst und Ausbeutung zu erzählen."
Weitere Artikel: Susanne Lenz spricht für die Berliner Zeitung mit der Filmemacherin HelkeSander über ihr Lebenswerk als Pionierin des feministischen Films in Deutschland und warum sie zuletzt gegen Waffenlieferungen an die Ukraine protestierte. Valerie Dirk spricht im Standard mit der österreichischen Regisseurin KurdwinAyub. Peter Kremski erinnert sich auf Artechock an den bereits im August verstorbenen, französischen Filmhistoriker JeanCharlesTacchella. Caroline O. Jebens befasst sich in der Welt mit den Lieblinsfilmen der durchgeknallten Incel-Bewegung, als da wären "American Psycho" von Mary Harron, "Drive" von Nicolas Windig Refn und "Joker" von Todd Philipps. Robert Wagner empfiehlt auf critic.de die RetrospektiveEdwardYang im Berliner Zeughauskino.
Besprochen werden ThomasImbachs Selbstporträt "Say God Bye" über eine Pilgerwanderung zu Jean-LucGodard (NZZ), zwei neue, auf der Viennale gezeigte Filme von RaduJude (Standard), Pedro Almodóvars "The Room Next Door" (Artechock, unsere Kritik), Ernst De Geers "Hypnose" (critic.de), Chris Nashs Slasherfilm-Meditation "In a Violent Nature" (critic.de, Artechock), Marcus O. Rosenmüllers "Münter & Kandinsky" (Artechock), Simon Verhoevens "Alter weißer Mann" mit Jan JosefLiefers in der Titelrolle (FAZ), Claire Burgers "Tandem - In welcher Sprache träumst Du" (Artechock), die zweite Staffel der wegen teils kruder Thesen sehr kritisierten Netflix-Archäologieserie "Untergegangenen Zivilisationen auf der Spur" (FAZ) und KellyMarcels Marvel-Verfilmung "Venom: The Last Dance" mit TomHardy (Standard, Artechock).
Alles erkennen, was man erkennen will: "Dahomey" von Mati Diop Auf der Berlinale gewann MatiDiops "Dahomey" den Goldenen Bären (unser Resümee), nun kommt der dokumentarische Essayfilm über die Restitution von Bronzen aus Paris nach Benin auch regulär ins Kino. Der Clou : Über ansehnliche Strecken erzählt die französische Filmemacherin mit senegalesischen Wurzeln den Film aus Perspektive der Bronze #26, die über sich, die eigene Lage und den Zeitenlauf der Geschichte mit drönender Stimme nachdenkt. Diese "Introspektionen sind ein Bruch, nicht nur mit dem Erzählfluss in 'Dahomey', sondern auch mit den übrigen Stimmen, die Mati Diop aufzeichnet", schreibt Katrin Doerksen im Perlentaucher. Am Ende "folgt sie einer Podiumsdiskussion unter Studierenden der Université d'Abomey-Calavi zu den Restitutionen. Inhaltlich könnten sie uneiniger kaum sein, aber die Leidenschaft, die Überzeugung, mit der sie ihre Meinungen glasklar vertreten, ist ihnen gemein. Diop findet immer wieder kleine Resonanzmomente inmitten dieses hitzigen Geschehens, die ein Bewusstsein für die Komplexität der Debatte zeigen, die den Film weiter verdichten ohne ihn dabei mit Diskurs zu überfrachten: Eine zerlesene Ausgabe der 'L'aventure ambiguë' von Cheikh Hamidou Kane auf einem Büchermarkt des Campus. Ein Wissenschaftler aus dem beninischen Museumsteam, der selbstversunken die Statue König Ghézos aus nächster Nähe betrachtet und dabei ein kleines Lied summt. Die eigentliche Faszination in 'Dahomey' gilt der Fähigkeit der Menschen, im Auge einer hölzernen Statue alles zu erkennen, was sie erkennen wollen."
SZ-Kritiker Philipp Stadelmaier sieht diesen "poetischen Essay in der Tradition" von AlainResnais und auch ChrisMarker. Doch während diesen "Kulturgegenstände aus dem subsaharischen Afrika auf der Leinwand ausstellten und aus dem Off kommentierten, lässt Diop die Gegenstände selbst sprechen" - und zwar in Form von Texten des haitianischen Schriftstellers MakenzyOrcel. "Doch Diops Film erteilt keinen Nachhilfeunterricht in kolonialer und postkolonialer Geschichte. Orcels Texte und Diops Kamera erforschen vielmehr die Dunkelheit. Etwa den Moment, an dem die Statuen in Paris zum Transport verpackt werden. Die Kamera nimmt den Blickwinkel der Statue ein, steckt also mit in der Holzkiste, auf die der Deckel geschraubt wird - das Bild wird schwarz." In der Zeit ist Ijoma Mangold eher ambivalent: "Die Regisseurin soufliert den Statuen jene Worte, mit denen diese ihre Verwurzelung in der einstigen Heimat bekunden. Sie werden nicht als Kunstwerke, sondern als mystische Offenbarungen der Volksseele behandelt. Und auch der ergriffene Empfang, den die Studenten den Skulpturen bereiten, ist ein Spiel für Mati Diops Kamera. Die Wirklichkeit, die sie zeigt, hat sie vorher selbst inszeniert. Deshalb sind die Bilder, die ihr dann gelingen, auch so überirdisch auratisch." Für die tazbespricht Jens Balkenborg den Film.
Weitere Artikel: Daniel Kothenschulte spricht für die FR mit Kida Khodr Ramadan über dessen, auf critic.debesprochenen Film "Haltlos". Daniele Muscionico porträtiert für die NZZ den Schauspieler SylvesterGroth. Jakob Thaller macht sich im Standard Gedanken dazu, warum ToddPhilipps' "Joker: Folie à Deux" (unsere Kritik) floppt.
Besprochen werden Pedro Almodóvars "The Room Next Door" (Perlentaucher, Standard, FAZ, FR, Welt, mehr dazu bereits hier), Beatrice Mingers und ChristophSchaubs Dokumentarfilm "E.1027 - Eileen Gray und das Haus am Meer" (Freitag), die ARD-Doku "Der Autokraten-Code", für die eine KI experimentell einen Populisten entwirft und an der FAZ-Kritiker Dietmar Dath einige "Einseitigkeiten und Oberflächlichkeiten" bemäkelt, und AlPacinos Autobiografie "Sonny Boy" (SZ). Außerdem informieren SZ und Filmdienst über die Kinostarts der Woche.
Pure Ästhetik oder belangloser Oberflächenglanz? "The Room Next Door" polarisiert. Pedro Almodóvars (auf SigridNunez' Roman "Was fehlt dir" basierender) Film "The Room Next Door" mit JulianneMoore und TildaSwinton über die alte Freundschaft zweier Frauen, von denen eine an Krebs erkrankt ist und dem selbstbestimmten Sterben entgegen sieht, ist bereits beim Filmfestival in Venedig von der Kritk gefeiert und von der Jury ausgezeichnet worden (hier und dort unsere Resümees), jetzt kommt der Film bei uns in die Kinos. "Nunez' leichten, niemals ins Fatalistische abdriftenden Ton übersetzt der Spanier in seine opulentenFarbspiele, begegnet der Härte des Lebens mit purerÄsthetik", schreibt Maria Wiesner in der FAZ. "Jedes Zimmer, jedes Outfit strahlt. Julianne Moores Garderobe verankert ihre Ingrid in satten Grüntönen mitten im Leben. Olivfarbe Kaschmirpullover und tannengrünkarierte Wollmäntel setzen die schönsten Kontraste zu Moores Kupferhaar und den in dunklem Ochsenblutton geschminkten Lippen. Tilda Swintons Martha hingegen beginnt ihre Reise in Krankenhauspastell; je sicherer sie in ihrer Entscheidung wird, je mehr Macht sie sich über das eigene Schicksal zurückerobert, desto leuchtender strahlen ihre Sachen."
"Zwei Urkräfte kollidieren da in Almodovárs erstem englischsprachigem Film", schreibt SZ-Kritiker Philipp Bovermann: "der protestantische amerikanische Optimismus und der spanische Barock der Trauer, das Erbe Caldérons." Und diese Melancholie des Sich-Dem-Sterben-Fügens hat auch viel mit der Gegenwart zu tun: "Im liberalen, gebildeten Milieu, das der Film beschreibt - in den Kreisen also, die sich beispielsweise für Filme von Pedro Almodóvar interessieren - herrscht allenthalben ein Fin-de-Siècle-Gefühl des bevorstehenden Untergangs, des Überrolltwerdens von Kräften des Hasses und des Wahns. Wohin man auch guckt, nichts scheint das Vordringen menschenfeindlicher Ideologien in die Mitte der Gesellschaft aufhalten zu können."
Arabella Wintermayr haut diese Art von Filmpoesie in der taz entrüstet in die Tonne: "Almodóvars gewohnt überästhetisierte Bildwelten wirken im Kontext des Sterbedramas blasiert und bilden einen schmerzhaften Kontrast zu einer sich meist doch ganz anders darstellenden Realität." Doch "als weitaus irritierender als diese abgehoben wirkende Glamourisierung des Todes erweist sich allerdings das Gefühl der Belanglosigkeit, das der Film ausgerechnet gegenüber dem wahrscheinlich existenziellsten aller Themen erzeugt."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Für den Filmdienstspricht Chris Schinke mit der Medienwissenschaftlerin MichaelaKrützen, die ein Buch über Zeitverschwendung und Herumgammeln im Film geschrieben hat. Valerie Dirk freut sich im Standard, dass die Viennale einen Fokus auf die Filme der brasilianischen Regisseurin JulianaRojas legt: Diese "sind im guten alten Europa noch eine Entdeckung". Das Gegenwartskino entdeckt die Einsamkeit, ist SZ-Kritikerin Susan Vahabzadeh aufgefallen. Andreas Hartmann empfiehlt in der taz das auf B-Movies spezialisierte ObscuraFilmfestin Berlin. In seiner Filmdienst-Reihe über Heist-Movieswidmet sich Leo Geisler diesmal JonathanGlazers "Sexy Beast". Andreas Kilb schreibt in der FAZ zum Tod der Schauspielerin ChristineBoisson.
Besprochen werden ClaireBurgers französisches Jugenddrama "Tandem - In welcher Sprache träumst du?" (Tsp), AndreasDresens "In Liebe, Eure Hilde" (Standard), LauraNix' Arte-Doku "USA: Demokratie unter Beschuss" (FAZ) und die vom ZDFonline gestellte, deutsch-tschechische Science-Fiction-Serie "We're on it, Comrades!" (FAZ).
Außerdem gibt der Verband der deutschen Filmkritik die Nominierten für die beste Filmkritik des Jahres bekannt. Hoffnungen machen können sich Silvia Bahl ("Theatre of Violence"), Esther Buss ("Nataschas Tanz"), Denise Bucher ("Zone of Interest"), Daniel Gerhardt ("Back to Black", leider verpaywallt) und Till Kadritzke ("Megalopolis").
Christiane Peitz gibt im Tagesspiegel Hinweise zum UkrainischenFilmfestivalin Berlin. Patrick Holzapfel sah für die NZZErichLangjahrs in den Schweizer Kinos laufenden Dokumentarfilm "Die Tabubrecherin" über das Krebsleiden von Michèle Bowley. Thomas Klein bespricht in der taz die auf Netflix gezeigte Neowestern-Serie "Territory". Aus dem Viennale-Programm besprochen werden NeleWohlatz' "Dormir de olhos abertos" (Standard), MilenaCzernovskys und LilithKraxners "bluish" (Standard) sowie KláraTasovskás "Ješte nejsem, kým chci být" über die queere Fotografin Libuše Jarcovjáková (Standard).
Bilder, die man noch nie gesehen hat: "Zone" von Christina Friedrich Peter Neumann staunt in der Zeit (online nachgereicht) über ChristinaFriedrichs inhaltlich kaum zusammenfassbaren Film "Zone": Es geht grob gesagt um eine junge Frau in den jungen Jahren der DDR. "Ihre Welt, das sind die Bergwerke, die stillgelegten Kombinate und die tyrannischen Heime, in denen die Kinder zuneuen Menschen erzogen werden sollen. ... Friedrich findet kafkaeske Bilder, die die Gespenster der Vergangenheit nicht zu besänftigen versuchen, sondern sie herumwüten lassen. All die Albträume, die Ängste, das Irrationale. Der Harz wird ein ostdeutsches wasteland - eine wüste Gegend, in der noch immer der Krieg wohnt. Friedrich exorziert die deutsche Geschichte, aber sie tut es in Bildern, die man so noch nicht gesehen hat. ... Es sind die Bilder, die bleiben: von dieser rauen Landschaft in ihrer Abgründigkeit, aber auch in ihrer Schönheit."
Weitere Artikel: Valerie Dirk spricht für den Standard mit dem Regisseur AliAbbasi über dessen "The Apprentice", ein Biopic über den jungen DonaldTrump. Gespielt wird dieser von SebastianStan, den Christian Zaschke im Tagesanzeigerporträtiert. Oliver Jungen resümiert in der FAZ das FilmfestivalCologne. Bert Rebhandl weist im Standard auf das Viennale-Spezial zur Schauspielerin HeleneThimig hin. Nadine Lange schaut für den Tagesspiegel ins Programm des Roma-Filmfestivals in Berlin.
Philipp Stadelmaier erzählt im Filmdienst von der Wiederentdeckung der heute sehr zurückgezogen lebenden Film- und Videokünstlerin FriederikePezold, von der vor einem Monat im Österreichischen Filmmuseum einige Filme gezeigt wurden. Ihr Projekt ist es "mit den Mitteln von Film und Video gegen ein fremdbestimmtes, von äußeren Medien aufgezwungenes Schauen zu revoltieren" und "die Bedingungen für eine eigene, unabhängige Wahrnehmung zu schaffen." In ihrem Film "Toilette" etwa betrachtet sie sich "anfangs durch die Videokamera auf einem Monitor, bevor sie vor der Kamera ihren nackten Körper putzt, bekleidet und schminkt. Der Vorgang wird auf 80 Minuten gedehnt und der Körper durch Bildausschnitte in einzelne Teile segmentiert, die durch die Schlieren des Videobildes abstrakte Formen annehmen. Auf diese Weise entstehen zahlreiche neue, fremdartigeKörper: Brustwarzen werden zu einem Gesicht, ebenso wie die grimassierende Scham oder das symmetrisch zerlegte Gesäß. So montiert pezoldo mit ihren eigenen Gliedmaßen einen neuen, vielgestaltigen (Video-)Körper, der sich von einem typisierten weiblichen Körperbild emanzipiert."
Morgen vor 50 Jahren tauchte mit "Waldweg" die erste "Derrick"-Folge die deutschen Wohnzimmer in blaues Licht. Für die Seite Drei der SZ vertieft sich Holger Gertz tief und kenntnisreich in diesen oft vorschnell zu den Akten gelegten Serienkosmos. Mit dem Wissen um HorstTapperts SS-Vergangenheit (dass der Autor der Serie, HerbertReinecker, SS-Mann gewesen ist, war schon damals bekannt) sieht man die Folgen von damals heute anders, schreibt Gertz: "In Wahrheit, so hört es sich mit den Ohren von 2024 an, umkreisen Reinecker und Tappert, wenn sie permanent über die Verantwortung all der Betrüger, Trunksüchtigen, Hochzeitschwindler, Fallensteller, Drogendealer, Ehebrecher, Unfallfahrer und sonstigen Totmacher in der verderbten Münchner Vorstadtwelt nachdenken, immer auch eigenesVerstricktsein. Eine eindrückliche Vorstellung: dass das Abgründige in den Verdächtigen, die so ein Kommissar jagt, zugleich auch das Abgründige in denen sein könnte, die sich solche Krimis ausdenken." Im Laufe "gerieten Derricks Erörterungen und Verhöre immer öfter zu ausufernden Betrachtungen von Schuld und Verdrängung, auch andere Darsteller sprachen so. Erkenntnis beim Wiedersehen: Die reden im Derrick gar nicht anderen ins Gewissen. Die reden irgendwie auch immer von sich selbst."
In den alten "Derrick"-Folgen begegnet auch FR-Kritiker Arno Widmann vor und hinter der Kamera ein Personal wieder, das tief in den Nationalsozialismus verstrickt war. Anders als oft kolportiert wird, hat das ZDF "Derrick" im übrigen mitnichten in den Giftschrank verbannt, sondern wertet die Serie zwar nicht im linearen Programm und in den Mediatheken, aber ganz offiziell auf dem Youtube-Kanal "KultKrimi" aus:
Weitere Artikel: Valerie Dirk plaudert für den Standard mit AlexanderHorwath, der auf der Viennale seinen bereits auf der Berlinale mit Erfolg gezeigten Essayfilm "Henry Fonda for President" zeigt. Thomas Klein spricht für den Filmdienst mit Hamze Bytyçi, dem künstlerischen Leiter des InternationalenRoma-Filmfestivals "Ake Dikhea?" in Berlin. Für Filmstartsspricht Kamil Moll mit dem Regisseur ParkerFinn über dessen Horrorfilm "Smile 2" (unsere Kritik). Patrick Holzapfel blickt für die NZZ auf die Beziehung zwischen MarleneDieterich und ErichMariaRemarque. Besprochen wird die ARD-Coming-of-Age-Serie "Schwarze Früchte" (Zeit Online, FAZ).
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