Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

3753 Presseschau-Absätze - Seite 60 von 376

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.07.2024 - Film

Rückzug ins Passive: Jesse Plemons (Mitte) strahlt Ruhe aus. Szene aus "Kinds of Kindness"

Yorgos Lanthimos' "Kinds of Kindness" (unser Resümee) ist vor allem wegen des Schauspielers Jesse Plemons sehenswert, der gerade eh einen ziemlichen Lauf hat, schreibt Andreas Scheiner in der NZZ: Auch wenn er aussieht "wie ein unvorteilhafter Matt Damon", liegt in seinem Spiel "etwas Erdendes. Seine primäre Rolle ist der Ruhepuls.  Selbst wenn er als 'white supremacist' in 'Civil War' mit dem Gewehr fuchtelt, bleibt er gleichzeitig demonstrativ beherrscht. Der Rückzug ins Passive charakterisiert ihn."

Außerdem: Marius Nobach schreibt im Filmdienst über die Neuentdeckungen beim Filmfest München. Heute beginnt der Prozess gegen Alec Baldwin wegen eines tödlichen Schusses, der sich bei Dreharbeiten gelöst hatte, schreibt Jürgen Schmieder im Tages-Anzeiger. In der Welt porträtiert Hanns-Georg Rodek Kevin Costner. Besprochen werden die ARD-Doku "Schicksalsjahre einer Kanzlerin" über Angela Merkel (FAZ) und David Bellos Biografie über Jacques Tati (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2024 - Film

Ein Selfie nach dem Tanz ohne Hijab mit einem fremden Mann: Mahin (Lily Farhadpour) hat Mut.

Im Berlinale-Wettbewerb wurde Maryam Moghadams und Behtash Sanaeehas in Teheran spielender Film "Ein kleines Stück vom Kuchen" gefeiert für die Schilderung von Widerstand durch Genuss und Lebensfreude: "Er handelt von einer alleinstehenden Seniorin, die ihrer Einsamkeit eine aufregende Nacht voller Sinnesfreuden abtrotzt", schreitb Johanna Adorján in der SZ. Der Film konnte außer Landes geschafft werden, bevor die Behörden ihn in die Finger bekamen - die beiden Macher jedoch sitzen momentan in Iran fest und sehen einem Prozess entgegen. "'Seit 45 Jahren sind wir alle in Iran daran gewöhnt, ein Doppelleben zu führen', sagt Maryam Moghaddam. ... Der iranische Film erzähle normalerweise die Lüge, dass die Menschen sich auch innerhalb ihrer Wohnungen so benähmen wie auf den Straßen. Man sehe Frauen mit Hijab im Badezimmer, mit Hijab im Ehebett, was natürlich nicht der Fall sei. Das Publikum lache darüber. 'Es ist eine Lüge, und jeder weiß, dass es eine Lüge ist. Auch das Regime weiß das natürlich. Aber sie wollen, dass wir lügen.' ... Ihr neuer Film ist der erste iranische Film seit 1979, in dem eine Frau ohne Hijab zu sehen ist."

Weitere Artikel: Martin Seng hört sich für die taz in der Filmwissenschaft danach um, wie im Zuge von "The Zone of Interest" über die (Nicht-)Darstellbarkeit des Holocaust im Film diskutiert wird. Perlentaucher-Kritiker Kamil Moll spricht für Filmstarts mit Ti West über dessen neuen Horrorfilm "MaXXXine" (unsere Kritik). Für Zeit Online porträtiert Anke Leweke die Schauspielerin Maren Eggert. Jörg Seewald resümiert für die FAZ das Filmfest München. Der Filmdienst bringt den dritten Teil von Leo Geislers Kracauer-Essayreihe über den Kuchenfilm. Thomas Klein schreibt im Filmdienst einen Nachruf auf den Drehbuchautor Robert Towne. Besprochen wird Yorgos Lanthimos' "Kinds of Kindness" (Jungle World, mehr dazu hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2024 - Film

Wie Propaganada entsteht: Robert Stadlober als Goebbels, Fritz Karl als Hitler in "Führer und Verführte"

Mit seinem kommende Woche startenden Spielfilm "Führer und Verführer" über den Propaganda-Apparat der Nationalsozialisten möchte der Regisseur Joachim A. Lang mit bequemen Bildern der Hitler-Darstellung brechen, sagt er im WamS-Gespräch. Die übliche Darstellung "als schreiender Dämon" habe wohl viel mit Distanzierungswünschen zu tun, sagt er: "Auf solch ein Monster muss man sich nicht einlassen. Das greift aber zu kurz. Wäre er tatsächlich eine schreiende Witzfigur gewesen, hätte er nicht so viele Anhänger gewonnen. Goebbels hat den Mythos aufgebaut" - und von Goebbels lancierte Bilder sind es auch, die heute kursieren. Für Lang ist es daher "viel verantwortungsvoller, einen fiktionalen Film zu drehen, ich muss neue Bilder des Führungszirkels schaffen. Unser Ansatz war: Wir zeigen die historischen Bilder - und dekonstruieren sie sofort, indem wir erklären, wie sie entstanden sind."

Unerschütterlich: "Real" von Oleh Senzow

Sichtlich fasziniert ist SZ-Kritikerin Sonja Zekri, von "Real" einem Film des ukrainischen Filmemachers Oleh Senzow, der bei einem heiklen Fronteinsatz seine Helmkamera einfach mitlaufen ließ und das so gewonnene Material nun ohne weitere Bearbeitung als Film veröffentlicht. Beim Filmfestival Karlovy Vary hat er nun Weltpremiere. Es ist "eine der immersivsten Erfahrungen über den Krieg, die je einem Publikum geboten wurden", schreibt Zekri. Zwar "ist in 'Real' bitter wenig zu sehen. Es gibt keine Actionszenen, kaum Bewegung, die Männer wirken, statisch, wie eingefroren. Wo sollen sie auch hin? Aber das macht die Spannung nur schwerer erträglich. Warum hat niemand die Munitionskisten aus den Bradleys mitgenommen? Wo bleibt die Artillerie? Warum hat der Panzer, der die Menschen in 'Real' in Sicherheit bringen sollte, die Klappe nicht geöffnet? Aber vielleicht hatte er sie auch geöffnet und niemand ist eingestiegen? So nervenzerfetzend das alles ist, so unerschütterlich bleiben die Männer." Hier die Festival-Besprechung des Branchenblattes Screen Daily.

Besprochen werden Ti Wests Horrorfilm "MaXXXine" (Standard, unsere Kritik hier) und Florian Gallenbergers Biopic "Perfect Match" über die Liebesbeziehung zwischen Steffi Graf und Andre Agassi (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.07.2024 - Film

Welche Rachepläne schmiedet Trump? Biopic "The Apprentice"

Ob Ali Abbasis bereits mit großem Erfolg in Cannes gezeigtes Trump-Biopic "The Apprentice" tatsächlich je in die US-Kinos kommen wird, ist weiterhin ungewiss, schreibt Andreas Scheiner in der NZZ. Dass der Film behauptet, Trump habe in jungen Jahren seine frühere Frau Ivana Trump vergewaltigt, ist dabei wohl gar nicht mal so sehr das Problem. "In der amerikanischen Filmindustrie herrscht schlichtweg Angst. ... Denn Trump hat längst angekündigt, gegen den Film vorzugehen." Und "schon die Prozesskosten können ruinös sein." Außerdem "fürchten die Firmen Retourkutschen. ... Denn wenn Trump im November gewählt würde, wäre Rache garantiert. Wie die Vergeltung aussehen könnte, wisse man zwar nicht. Aber Trump würde sich schon etwas einfallen lassen, um es den Verleihern und vielleicht auch den Kinos heimzuzahlen. In vorauseilendem Gehorsam knicken die Leute ein."

Weitere Artikel: Das Siegel "basierend auf einer wahren Geschichte" entpuppt sich für Netflix immer mehr zum Publikums-, aber auch Rechtsstreit-Garanten, schreibt Barbara Schweizerhof im Freitag. Das CulturMag dokumentiert Moritz Baßlers Laudatio auf Georg Seeßlen (sowie dessen Dankesrede) zur Auszeichnung mit dem Lessing-Preis für Kritik. Michael Ranze (FD) und Jan Feddersen (taz) gratulieren der Schauspielerin Eva Marie Saint zum 100. Geburtstag.

Besprochen werden die DVD-Ausgabe von Trần Anh Hùngs in Cannes ausgezeichnetem Koch- und Liebesfilm "Geliebte Köchin" mit Juliette Binoche ("Wer das Kino liebt, als Feier der Subtilität in der Behandlung der Stoffe, in ihrer Auswahl, Zubereitung und Komposition, als Kunst des sinnlichen wie intellektuellen Genießens, wird bei all dem zerschmelzen", versichert Ekkehard Knörer in der taz), Richard Linklaters "A Killer Romance" (FAZ, Welt, critic.de, unsere Kritik hier), Yorgos Lanthimos' "Kinds of Kindness" (critic.de, Welt, mehr dazu bereits hier) und neue Filme der Streaminganbieter, darunter "Beverly Hills Cop: Axel F" mit Eddie Murphy (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2024 - Film

Philipp Bovermann plaudert für die SZ mit Richard Linklater, dessen neuer Film "A Killer Romance" diese Woche im Kino anläuft (aktuell besprochen in taz, FR, Artechock, mehr dazu bereits hier). Christian Meier spricht für die Welt mit Ex-Ufa-Chef Nico Hofmann über die Serien der Zukunft. Das Team von Artechock berichtet fleißig vom Filmfest München. Felix E. Müller blickt in der NZZ auf die Geschichte des Zurich Film Festivals. Jakob Thaller lässt sich im Standard erklären, wie realistisch eigentlich Haifilme sind. David Steinitz schreibt in der SZ zum Tod des Drehbuchautors Robert Towne.

Michael Freund (Standard) und Jürgen Kaube (FAZ) gratulieren der Schauspielerin Eva Marie Saint zum hundertsten Geburtstag. Hier ihr fantastischer Auftritt, wie sie in Alfred Hitchcocks "Der Unsichtbare Dritte" Cary Grant um den Finger wickelt:



Besprochen werden Ti Wests Horrorfilm "MaXXXine" (FR, unsere Kritik hier), Yorgos Lanthimos' "Kinds of Kindness" (Standard, taz, Freitag, Artechock, mehr dazu bereits hier), Bahar Bektaş' Dokumentarfilm "Exile Never Ends" über eine kurdische Familie in Deutschland (Freitag) und die Netflix-Fortsetzung von "Beverly Hills Cop" mit Eddie Murphy (FAZ, Zeit Online). Außerdem bieten SZ, Filmdienst und FR einen Überblick über die aktuellen Filmstarts.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2024 - Film

Identität als formbare Ressource: "A Killer Romance" von Richard Linklater

Richard Linklaters Krimikomödie "A Killer Romance" über einen Akademiker, der in Trubel mit der Polizei gerät, für die er einen Auftragskiller geben soll, zählt zu jenen Filmen, "die so gut sind, dass man lange nicht merkt, wie gut sie wirklich sind", schwärmt Lukas Foerster im Filmdienst. Der Film hat rege Freude am Spielen mit seinen Elementen, zumal die "Regeln nicht von Anfang an feststehen, sondern erst im Zuge des Spiels, Spielzug für Spielzug, erfunden werden" und Hauptdarsteller Glen Powell beim Wechsel zwischen den Rollen ganz geschmeidig wird. "Spaß am Spiel heißt hier immer auch Spaß am Schauspiel. ... In gewisser Weise hat Linklater einen Film über eine gefährdete Gattung gedreht: Filmstars haben derzeit einen schweren Stand; tendenziell verschwinden sie hinter den Franchises und Multiversen, die das populäre Kino der Gegenwart, oder was von ihm übrig ist, dominieren. Was dabei verloren zu gehen droht, ist eben jene spielerische, elegante Leichtigkeit, die Wunderwesen wie Gary/Ron verkörpern. Identität ist für sie nicht klebriger Ballast, sondern formbare Ressource."

Ähnlich sieht es Karsten Munt im Perlentaucher: "'A Killer Romance' steht auf dem Fundament eines Film-Noir und ist albern wie eine Komödie. ... Das Spiel entfaltet sich nicht in der Genrekinodrastik, sondern in der absoluten Gelassenheit, mit der Adria Arjona und Glen Powell absolut jeden Ton treffen, den Linklater mit der filmgewordenen Entsprechung eines verschmitzten Grinsens vorgibt." Auch Standard-Kritiker Marian Wilhelm applaudiert: "In den Händen eines anderen Regisseurs würde dieses absurde Versteckspiel leicht bis zum Klamauk überstrapaziert. Linklater schafft es aber bravourös, das einstürzende Kartenhaus dieser Meta-Fiktion mit Leichtigkeit und Schmäh zu erzählen."

Emma Stone in "Kinds of Kindness" von Yorgos Lanthimos

Eigentlich schätzt FAZ-Kritiker Andreas Kilb die Filme des griechischen Autorenfilmers Yorgos Lanthimos, der nach Filmkunst-Anfängen im Low-Budget-Bereich seit ein paar Jahren im Dunstkreis von Hollywood arbeitet: Seine Spezialität ist es "Geschichten zu erzählen, die perfekt funktionieren und zugleich das Formelkino ad absurdum führen. ... Er nimmt eine filmische Form, pflanzt ihr ein neues Nervensystem ein und schaut dann, wohin der Austauschmotor das Vehikel treibt." Doch Lanthimos' neuer Film, "Kinds of Kindness", der aus drei separaten Geschichten besteht, funktioniert für Kilb nicht: "Statt sich dem Getriebe der Bilder zu überlassen, sucht man nach Spuren seiner Konstruktion", doch man kommt dabei "keinen Handbreit unter die Oberfläche, in die Tiefe dieses Films. Denn es gibt sie nicht. ... So bleibt ein Haufen virtuoser Bilder wie Stücke eines unfertigen Puzzles."

Inga Barthels vom Tagesspiegel erlebte bei diesem Triptychon "die volle Dröhnung Nihilismus, Zynismus und Brutalität. Die wenigen Charaktere, die zunächst nett und normal wirken, entpuppen sich als die größten Monster. Der alte Lanthimos ist also zurück, allerdings in schlechterer Form als bei seinen frühen Werken." Der Film kommt "zu dem Schluss, dass die Lust nie absolut sein kann, dass zum Begehren immer auch Begrenzung, Entsagung, Unterwerfung gehören, und er tut das so rasant, dass er nicht im Absurden landet, sondern im Albernen", lautet das Fazit von Fritz Göttler in der SZ.

Außerdem: Christiane Peitz wirft im Tagesspiegel einen Blick auf die ersten Neuerungen bei der Berlinale unter der neuen Leiterin Tricia Tuttle: Die von ihrem Vorgänger eingerichtete Sektion "Encounters" entfällt künftig, dafür gibt es mit "Perspectives" einen neuen Wettbewerb für Spielfilmdebüts. Die französischen Regisseure Jacques Doillon und Benoît Jacquot befinden sich nach MeToo-Vorwürfen nun in Gewahrsam, meldet Susan Vahabzadeh in der SZ.

Besprochen werden Ti Wests "MaXXXine" (Perlentaucher Rajko Burchardt lobt "genrefilmhistorisch geschultes Stilbewusstsein sowie zügellose Gestaltungslust"), der auf Netflix gezeigte neue Teile der "Beverly Hills Cop"-Reihe mit Eddie Murphy (NZZ, FAZ), Hanna Slaks Psychodrama "Kein Wort" (Tsp), Christy Halls "Daddio" (Jungle World) und die spanische, im ZDF gezeigte Serie "Operation Marea Negra" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2024 - Film

Marius Nobach resümiert im Filmdienst die ersten Tage des Filmfests München: "Viele Filme der Blick auf (überwiegend) junge Figuren, die nach einem authentischen Leben und belastbaren Idealen suchen und sich vor der Austauschbarkeit und Beliebigkeit des Daseins fürchten." Philipp Bovermann porträtiert in der SZ die Schauspielerin Jessica Lange, die beim Filmfest München für ihr Lebenswerk geehrt wird. Dietrich Leder schreibt im Filmdiest über 20 Jahre Arte-Magazin "Karambolage".

Besprochen werden David Hintons und Martin Scorseses Essayfilm "Made in England" über die Filme von Powell & Pressburger (Standard), die Netflix-Miniserie "Ashley Madison. Sex, Lügen und ein Skandal" über die teils dramatischen Folgen einer gehackten Seitensprung-Onlineportals (NZZ) und die Netflix-Serie "Supacell" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2024 - Film

Jörg Seewald berichtet in der FAZ vom Filmfest München. Susanne Lenz berichtet in der Berliner Zeitung von einem Abend in der Volksbühne zu Ehren des vor kurzem verstorbenen Filmemachers Thomas Heise. Besprochen werden Michael Sarnoskis Horrorfilm "A Quiete Place. Tag Eins" (Welt, unsere Kritik), die beiden Animationsfilme "Despicable Me 4" und "Inside Out 2" (NZZ) und die Apple-Serie "Fancy Dance" (FAZ).
Stichwörter: Horrorfilm, Filmfest München

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.06.2024 - Film

Bis man sich für nichts mehr schämt: "Kinds of Kindness" von Yorgos Lanthimos

David Steinitz porträtiert für die SZ die Schauspielerin Emma Stone, die dieses Jahr für "Poor Things" von Yorgos Lanthimos (unsere Kritik) einen Oscar erhielt und jetzt schon ihren nächsten Film mit dem griechischen Autorenfilmer in die Kinos bringt: "Kinds of Kindness" - die bereits dritte Zusammenarbeit der beiden, die vierte ist natürlich schon in Planung. "Er ist der Beste", schwärmt Stone. Seine Arbeitsweise sieht "mehrere Wochen skurriler Proben" vor, erfahren wir. "Das diene dazu, 'sich vor allen anderen möglichst lächerlich zu machen', wie Emma Stone es im Gespräch beschreibt. Man spielt also zum Beispiel eine menschliche Nudel. Oder macht den silly walk der Monty Pythons nach. Oder man spielt Reise nach Jerusalem mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad (im Dunkeln). Wichtig sei, sagt Stone, dass man so ziemlich alles machen dürfe, außer das Drehbuch zu lesen, das man bald verfilmen wird, oder, noch schlimmer, es zu interpretieren: 'Es geht darum, dass man so viel intime Zeit miteinander verbracht hat, dass man sich vor den anderen für wirklich gar nichts mehr schämt.'"

Mit "Kinds of Kindness" geht Lanthimos nach seinen mit "The Favourite" und "Poor Things" bestrittenen Ausflügen ins Gefällige zurück zu seinen Wurzeln als galliger Kommentator, schreibt Jan Küveler in der WamS. Der Film "ist von einer derartigen Feindseligkeit, dass es schon fast lustig ist - eine klare Absage Lanthimos' an die Umarmung durch den Mainstream." Unter anderem "begegnen wir im Verlauf des Films einer totalitären Sex-Sekte, deren Mitglieder, wenn sie nicht gerade das Badewasser des Gurus saufen, auf der Suche nach einem neuen Lazarus sind. Zwischendurch haben wir befremdet einem Mann dabei zugesehen, wie er sich allmählich in einen Kannibalen verwandelte, nur um zu beweisen, dass seine Frau in Wahrheit eine Außerirdische ist."

Außerdem: Marius Nobach führt für den Filmdienst durchs Programm des Filmfests München. Baha Kirlidokme erinnert sich in der FR mit warmem, nostalgischem Blick an die im Fantum ansonsten oft verfemte Episode 1 des Star-Wars-Franchise. Besprochen werden Michael Sarnorskis Horrorfilm "A Quiet Place. Tag Eins" (Standard, unsere Kritik) die Reality-Doku "Kaulitz und Kaulitz" über die beiden Tokio-Hotel-Zwillinge (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.06.2024 - Film

Der Regisseur Edward Berger wirbt im SZ-Gespräch mit David Steinitz dringend dafür, Claudia Roths Pläne für die Reform der Filmförderung umzusetzen. Der hiesige Standort könne dadurch nur gewinnen, denn große Produktionen drehen derzeit vor allem in Ungarn, allerdings allein aufgrund der dort guten Steueranreize. Doch "viele Filmschaffende und Studios möchten nicht in einem Land drehen, in dem queere Menschen diskriminiert werden und das sich aus nationalistischen Motiven abschottet. Auch Hollywood käme viel lieber nach Deutschland als nach Ungarn - aber eben nicht, wenn der Film hierzulande 15 Millionen Dollar mehr kostet. Das muss man leider knallhart betriebswirtschaftlich betrachten. Deutschland hat international einen exzellenten Ruf, es gibt sehr gute Crews, gute Hotels, gutes Essen, das sind entscheidende Faktoren. Aber im Bereich der steuerlichen Anreizmodelle sind wir momentan nicht konkurrenzfähig. Wir stehen in einem internationalen Wettbewerb, den wir derzeit deutlich verlieren."

Außerdem: Dunja Bialas spricht für Artechock mit Frédéric Jaeger, der von der Filmkritk und dem Filmkuratieren zum Filmemachen gewechselt ist und nun beim Filmfest München seinen Debüt-Langfilm "All We Ever Wanted" zeigt. Mehr zum Festival, das heute unter neuer Leitung beginnt, schreibt Bialas hier. Artechock-Kritiker Rüdiger Suchsland freut sich beim Filmfest München vor allem auch auf eine Veranstaltung, bei der die Kinder des 2011 verstorbenen Kritikers Michael Althen Expeditionen in dessen tausende Kassetten umfassende VHS-Sammlung unternehmen. Axel Timo Purr hat für Artechock das Mumbai Internatonal Film Festival besucht und dort neue Dokumentarfilme aus Indien gesehen. Michael Töteberg hat für den Filmdienst in den Archiven dazu recherchiert, wie sich der Filmemacher G.W. Pabst mit den Nazis arrangiert hat. Andreas Scheiner denkt in der NZZ über die Schauspielkunst von Jake Gyllenhaal nach. Für den Filmdienst porträtiert Jörg Taszman die Schweizer Schauspielerin Ella Rumpf.

Besprochen werden Michael Sarnoskis Horror-SF-Film "A Quiet Place. Tag Eins" (Perlentaucher, Zeit Online, FAZ, Tsp), Christy Halls "Daddio - Eine Nacht in New York" (Welt, Tsp), Anna Novions "Die Gleichung ihres Lebens" (Artechock), die Sky-Doku "Kill Bitcoin!" über Betrug mit Kryptowährungen (FAZ), die Amazon-Serie "My Lady Jane" (taz) und die Serie "Land of Women" (SZ).