
Nach der Einstellung von
Népszabadság, der wichtigsten Stimme der ungarischen Opposition, bieten einige wenige, bisher eher marginale Wochenzeitungen wie
168 óra (168 Stunden) und
Vasárnapi hírek (Sonntagsnachrichten) Intellektuellen, die zuvor im Wochenendmagazin von
Népszabadság publizierten, ein Forum. So
schreibt der Schriftsteller
György Spiró in
168 óra über seine persönlichen Erinnerungen an
Népszabadság. "Ich musste an mein Drama 'Quartett' denken. Da geht ein Arbeiter nach der Wende in die Bibliothek, um aus den alten Ausgaben von
Népszabadság die wichtigen Artikeln
handschriftlich zu kopieren, weil er überzeugt ist, dass alle Exemplare entfernt werden und nur seine Kopie übrigbleibt. Das Stück schrieb ich 1995. (...) Ich wusste genau, dass die Vergangenheit genau in dem Augenblick ausgelöscht wird, in dem jemand dazu in der Lage sein wird, und doch wollte ich davon keine Kenntnis nehmen: darum ist die Figur tragikomisch, nicht tragisch. Auch ich machte mir in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten Illusionen...
Népszabadság, deren Zeilen (und was dazwischen lag) wir so aufmerksam lasen, die aus der ungarischen Pressegeschichte und aus unserem Leben nicht wegzudenken ist, erwies sich als
auslöschbar. (...) Die Anstrengungen von zweihundert Jahren gehen verloren, weil der Staat nicht das macht, was er sollte: die körperliche, seelische und geistige Unversehrtheit seiner Staatbürger zu beschützen."