
So schön konnte man der Zensur
von außen noch nie zugucken! Timothy Garton Ash greift einen
Zensurskandal in China auf: Der
Neujahrsartikel der
Southern Weekly, einer als liberal geltenden Zeitung in der Provinz Guangdong war von lokalen Behörden bis zur Unkenntlichkeit zensiert und umgearbeitet worden. Garton Ash
stellt jetzt das Original dem zensierten Artikel gegenüber (beide natürlich ins Englische übersetzt):
Hier ein Auszug aus dem
Original: "Das chinesische Volk sollte frei sein. Der Traum der chinesischen Nation sollte der
Traum von einer Verfassung sein. Nur unter einer verfassungsmäßigen Regierung kann unsere Nation und unser Volk stärker und wohlhabender werden. Nur unter einer verfassungsmäßigen Regierung können wir den Traum von einer Konstitutionalisierung erfüllen. Nur wenn wir den Traum von einer Verfassung verwirklicht haben, können wir davon sprechen, dass unsere Souveränität bewahrt und unsere
Bürgerrechte und unsere Freiheit beschützt werden. Dann wird die Freiheit des Staates zur Freiheit der Menschen werden, die offen ihre Meinung sagen und mit ganzem Herzen träumen können."
Hier ein Auszug aus der
auf Parteilinie getrimmten Version: "Träume sind eine Form des Selbstversprechens und müssen von Zeit zu Zeit überprüft werden. Wir haben ein spektakuläres Königreich geschaffen, das tausende von Jahren existierte. Aber der alte Traum erwachte
1840 plötzlich durch
Gewehrfeuer aus dem Schlaf. Das führte dazu, dass wir unsere Fehler in der Vergangenheit erkannten. Wir öffneten unsere Augen um die Welt zu sehen, unsere Erfolge zu verkünden, die
Intelligenz der Masse zu rühmen und unsere Moral zu erneuern. Unsere Reform und Restauration begann hier. Unsere Republik und die Revolution begannen hier. Unsere Schreie in der Bewegung 4. Mai begannen hier. Unsere Vorstellungen auf dem Boot in Nanhu (South Lake) unsere
Proklamation auf dem Tiananmen Platz und unsere Hörner, die Reform und Öffnung verkündeten - alles begann hier."
Der derzeitige
Aufstand gegen Politiker - gegen alle Politiker - in
Bulgarien speist sich vor allem aus dem Zorn über die endlose und offenbar
unausrottbare Korruption,
erklärt Dimitar Bechev. Verständlich, aber was werden die Folgen sein? "In einer idealen Welt würde Bulgariens Frühling des Zorns die Staatsinstitutionen verantwortlicher machen, den
endemischen Zynismus brechen, der das öffentliche Leben lähmt und der Politik erlauben, wenigstens einen kleinen Teil ihres emanzipatorischen Ideals zurückzugewinnen. Aber der Ausbruch kann genauso gut den letzten Rest der Legitimität zerstören, die das dysfunktionale demokratische Regime noch bei der Bevölkerung hat. Wenn das passiert, wird Bulgarien wahrhaftig einen besonderen Beitrag zur
Dunkelheit geleistet haben, die über Europa hereinbricht.