
Deutsche Zeitungen sollten ihre Übersetzer mobilisieren!
Slavenka Drakulic hat für Eurozine einen
großartigen Essay über ein überraschendes Thema geschrieben: Warum gibt es eigentlich so wenige Bücher von
Schriftstellerinnen, die sich mit dem Thema des
eigenen Alterns befassen? Von männlichen Autoren wie Philip Roth oder J.M. Coetzee findet sie solche Bücher, aber dort geht es neben dem Thema des Verfalls auch stets um Sex. Autorinnen dagegen scheinen das Thema ängstlich zu meiden. Am Ende erinnert sich Drakulic an
Susan Sontags berühmten Essay "Krankheit als Metapher" und findet keine Antwort, aber eine Erklärung für ihr Problem: "Die moderne Gesellschaft ist beherrscht von der Vorstellung, das die Leute für ihr eigene Gesundheit und die Dauer ihres Lebens verantwortlich seien, obwohl die Realität dieser Idee kaum entspricht. Da ist es ein wesentlich eleganterer Weg, mit Tod und Sterben zurechtzukommen, indem man über
eine neue Krankheit schreibt - vor allem in einer Kultur, die nach Susan Sontag den Tod als ein 'beleidigend sinnloses' Ereignis ansieht." Und welche Krankheit findet Drakulic nach intensiven Recherchen bei Amazon? "
Alzheimer ist die neue Krankheit, die alle Anforderungen erfüllt, eine Metapher zu sein."
Stephan Ruß-Mohl macht sich in
Gegenworte (
online in
Eurozine) mal wieder Gedanken, über etwas, das es nicht gibt, aber geben sollte, die "
europäische Öffentlichkeit". Allerdings begrenzt er Öffentlichkeit dabei auf den üblichen Journalismus und Europa auf die EU. Er stellt fest, dass der Journalismus den
lokalen Horizont kaum je überscheitet - auch und gerade bei der Berichterstattung über Brüssel. Sein Lösungsansatz: "Jede Strategie, die dem Projekt Europa aufhelfen möchte, hätte zunächst
bei den Kommunikatoren anzusetzen. Nur wenn es gelingt, unter Journalisten und anderen Medienschaffenden weiterhin eine weltoffene europäische Grundorientierung zu verankern, wird das Projekt Europa auch in den nächsten 50 Jahre florieren." Und dafür fordert er
Geld. Natürlich aus Brüssel.