
Petra Procházková
unterhält sich mit der russischen Menschenrechtlerin
Zoja Svjetova, die von niederschmetternden Verhältnissen in
russischen Gefängnissen berichtet. "In einem speziellen Moskauer FSB-Gefängnis habe ich zum Beispiel einige ukrainische Bürger entdeckt, von denen niemand etwas wusste, nicht einmal der ukrainische Konsul. Wenn ich sie nicht gefunden hätte, wer weiß, was mit ihnen geschehen wäre. Oder das furchtbare Gefängnis
Matrosskaja Tischina. Dort sitzen keine politischen Häftlinge, nur Verbrecher. Es gelten dort besondere Regeln, die die Häftlinge selbst bestimmen. Da war ein Bandit, der
Mithäftlinge foltern ließ, um ihnen und ihren Anghörigen Geld aus der Tasche zu ziehen. Wenn sie nicht zahlten, ließ er sie zum Beispiel brutal vergewaltigen. Der Gefängnischef hat mit ihm kooperiert." Was
politische Inhaftierungen betrifft, beschreibt Svjetova, wie strategisch geschickt Putin den Wechsel von (willkürlichen) Verhaftungen und gelegentlichen Freilassungen einsetzt, um sich auch immer wieder zugänglich zu geben: "Am Ende gewinnen sogar westliche Politiker den Eindruck, dass sich mit Putin doch ganz gut verhandeln lasse. Eine
perfekte Taktik." Und die Opposition? "Die wurde von der Regierungsmacht mittels Repressalien besiegt. Was haben sie zum Beispiel mit dem aussichtsreichen
Oppositionspolitiker Alexej Nawalny gemacht? Hätten sie ihn inhaftiert, hätten sie ihn dadurch zum Helden und Märtyrer gemacht. Deshalb gingen sie schlauer vor - sie haben
seinen Bruder inhaftiert und erpressen ihn dadurch, halten ihn in Schach. Nemzow haben sie umgebracht. Andere in die Emigration getrieben. Wer geblieben ist, wird schikaniert. Eine Opposition existiert heute in Russland nicht mehr."