
Die Theaterspielsaison ging vor kurzem mit dem Festival in Pécs (POSzT, Fünfkirchen) zu Ende. Wie hat sich die Spaltung der
Theaterszene in rechts und links ausgewirkt? Ging es dabei wirklich um Politik? Der Theaterkritiker
Péter Urfi bezweifelt es: "Alle reden von Spaltung, von den Gegensätzen zweier unversöhnlicher Seiten, von der in den Hintergrund gedrängten Expertise, der Landnahme der Politik, vom Kampf der Rechten und Linken. Alles
nur eine Ablenkung. (…) Die ungarischen Theaterkünste bestehen nicht aus zwei Lagern, sondern
aus einem Netz von mehreren hundert Theaterschaffenden - Regisseuren, Technikern, Schauspielern, und Dramaturgen, Autoren und Ensembles, die gemeinsam Inszenierungen erschaffen. Es gibt keine zwei Seiten, keine zwei Fahnen, sondern
Zuschauer und Bühnen. Man braucht fürs Theater Organisationen und Geld, wobei persönliche Gegensätze und Machtkämpfe nicht auszuschließen sind. Kriegslogik braucht dagegen nur, wer kämpfen und erobern will, wer
wegnehmen will, was anderen gehört. (…) In den vergangenen Jahren gab es keine ästhetischen, strukturellen oder ideologischen Debatten, sondern macht- und geldgierige Aktionen."